Sonderbeitrag: Das Einigungsdenkmal in Kassel

Bei einem Ausflug nach Kassel, bei dem ich das Museum Grimmwelt besuchte, stieß ich auf das Einigungsdenkmal. Es befindet sich im Murhardpark.

Die Lage des Denkmals:

Das Denkmal geht auf einen Entwurf von Karl Begas zurück, der damit 1895 einen Wettbewerb für sich entschieden hatte. Am 10. Mai 1898 wurde es feierlich enthüllt. Otto Kuntzemüller beschreibt die Anlage im Jahr 1902 ausführlich: Das Monument besteht aus Sandstein aus dem Teutoburger Wald, während der gestufte Unterbau aus deutschem Granit gefertigt ist. Figuren und Reliefs wurden in Bronze gegossen. Insgesamt erreicht das Denkmal eine Höhe von 13 Metern. Es handelt sich um eine Brunnenanlage, weshalb sich zu beiden Seiten des Unterbaus Wasserbecken mit löwenförmigen Wasserspeiern befinden.

Den oberen Abschluss bildet ein Obelisk. Auf der Vorderseite des Stufenbaus stehen zwei überlebensgroße Bronzefiguren: Links die sitzende Muse der Geschichte, vertieft in ein Buch, rechts ein jugendlicher Genius, der das darüber angebrachte Relief Kaiser Wilhelms I. mit einem Lorbeerkranz schmückt. Über dem Kaiserrelief befindet sich die Kaiserkrone in passender ornamentaler Fassung. An den Seitenflächen des Obelisken sind die Porträtreliefs von Otto von Bismarck und Helmuth von Moltke angebracht. Auf der Rückseite findet sich die Widmung „Von H. und J. Wimmel gestiftet“. Die Bau- und Maurerarbeiten führte unter Leitung des Architekten Eubell die örtliche Firma Thiessen aus; der Bronzeguss der Figuren stammt aus der Bildgießerei der Aktiengesellschaft vormals H. Gladenbeck & Sohn in Friedrichshagen.

Am Sockel ist zudem die Inschrift „Zur Erinnerung an die Einigung Deutschlands 1870–1871“ angebracht. Daher wurde das Monument häufig als Sieges- oder Einigungsdenkmal bezeichnet. Gleichzeitig setzte sich bereits früh die heute gebräuchliche Bezeichnung „Wimmel-Denkmal“ bzw. „Wimmel-Brunnen“ durch, die auf den Kasseler Stifter verweist.

Die ursprünglichen Bronzefiguren gelten heute als verloren; die Medaillons wurden 1983 neu gegossen. Bis 1965 stand das Denkmal auf dem Brüder-Grimm-Platz, bevor es in den nahegelegenen Fürstengarten versetzt wurde.

Das Einigungsdenkmal in Kassel – Helmuth von Moltke
Das Einigungsdenkmal in Kassel mit der Inschrift „ZUR ERINNERUNG AN DIE / EINIGUNG DEUTSCHLANDS / 1870–1871“
Das Einigunsdenkmal in Kassel mit dem Bildnis Kaiser Wilhelm I.
Das Einigungsdenkmal in Kassel mit dem Bildnis Otto von Bismarcks

SONDERBEITRAG: Friedrich von Bismarck

Der Soldat Friedrich von Bismarck wurde am 23.07.1870 in Magdeburg geboren, der Hauptstadt des Bundeslandes Sachsen-Anhalt. Er war der Enkel des Reichskanzlers Otto von Bismarck. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Oberstleutnant und Regimentsführer im Regimentsstab des 1. Garde-Regiment zu Fuß. Am 05.11.1916 fiel er im Alter von 46 Jahren auf der Maisonette-Höhe in der Nähe von Bernes (⇒ Google Maps) östlich Péronne. Hier wurde er auch zunächst begraben. Später wurde er umgebettet auf den Soldatenfriedhof Le Sourd.

Über den Todestag und die Todesumstände von Friedrich von Bismarck berichtet die Regimentsgeschichte des 1. Garde-Regiments zu Fuß:

„5. November: Die feindliche leichte Artillerie war sehr tätig. 8.05 Uhr vormittags erhielt bei der Beobachtung des Gegners aus dem Schützengraben der Regimentsführer Oberstleutnant von Bismarck einen einzelnen, wohlgezielten Gewehrschuss in den Kopf und starb kurz darauf. Ein schwerer Verlust für das Regiment! Oberstleutnant von Bismarck war ein wahres Soldatenkind. Wie seinen Vater 1870 bei Beaumont traf ihn hier im Dienste für König und Vaterland, für Kaiser und Reich das feindliche Blei. Seit seinem Dienstantritt hatte er dem Regiment angehört und mit ihm den Feldzug von Anfang an mitgemacht. Sein ehrenhafter, kristallklarer Charakter, sein gütiges Herz und sein bescheidenes, fröhliches Wesen machten ihn zum wahren, fürsorglichen Vater seiner Untergebenen und treusten Helfer seiner Kameraden. Sein Geist lebt deshalb weiter in unseren Reihen, uns zu steter Pflichttreue anfeuernd. Nie wird das Regiment diesen altpreußischen Soldaten und Edelmann vergessen! Hauptmann Küpper hielt an die am Regiments-Gefechtsstand versammelte Bereitschaftskompanie eine kurze Ansprache, dann wurde der Sarg, von acht Offizieren getragen, nach der Dürrbrücke gebracht. In Bouvincourt erwies das unter präsentiertem Gewehr spalierstehende Sempertalisbataillon seinem gefallenen Kommandeur die letzte Ehre.“

Major von Bismarck und Oberleutnant Matuschka im Gefechtsstand bei Tahure im Januar 1915

In der Ruhmeshalle in Berlin gedachte man Friedrich von Bismarck auf einer Tafel: http://www.denkmalprojekt.org/2020/mitte_ruhmeshalle-zeughaus_stadt-berlin_wk1_ber.html

Auf dem Soldatenfriedhof Le Sourd gedenkt man Friedrich von Bismarck auf einem Gedenkstein: http://www.denkmalprojekt.org/2017/le-sourd_deutsche_kriegsgraeber_departement-aisne_hauts-de-france_frk.html

Sterbebild von Friedrich von Bismarck
Aufbahrung des auf der Maisonette-Höhe am 05.11.1916 gefallenen Oberstleutnant von Bismarck
Trauerfeier für Oberstleutnant von Bismarck in Bernes östlich Peronne