Sonderbeitrag: Hauptmann Otto Brentzel

Der Soldat Otto Brentzel wurde am 26.11.1874 im Gutsbezirk Lipionka im ehemaligen Westpreußischen Kreis Hohensalza geboren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Hauptmann im 95. Infanterie-Regiment. Am 12.09.1914 fiel er nach schwerer Verwundung in Ostpreußen bei bei Gumbinnen (seit 1945 russisch: Gussew).

Die Lage des Grabes von Otto Brenzel ist unbekannt. Wahrscheinlich existiert es nicht mehr.

Hauptmann Otto Brentzel

 

Sonderbeitrag: Hauptmann Rudolf Petersen

Der Soldat Rudolf Petersen stammte aus der Reichshauptstadt Berlin. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Hauptmann Stab des III. Bataillons des 95. Infanterie-Regiment. Am 13.03.1915 fiel er während der Schlacht bei Stolniki in Polen an der Ostfront. Er wurde in der Nähe der Ortschaft Golki getötet.

Die Lage des Grabes von Rudolf Petersen ist unbekannt. Wahrscheinlich existiert es nicht mehr.

Hauptmann Rudolf Petersen

Sonderbeitrag: Hauptmann Hellmuth von Weltzien

Der Soldat Hellmuth von Weltzien stammte aus Torgau im heutigen Bundesland Sachsen. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Hauptmann in der 11. Kompanie des 95. Infanterie-Regiment. Am 11.09.1914 fiel er während der Schlacht an den Masurischen Seen in Polen. Er wurde bei der Ortschaft Adamsheide (seit 1945 russisch: Abelino) durch Herzschuss getötet.

Über den Todestag und die Todesumstände von Hellmuth von Weltzien berichtet die Regimentsgeschichte des 95. Infanterie-Regiments:

„Von diesem Angriff des III./95 erzählt Musketier Karl Heß, 11. Kompanie:

„Wir gingen im Sturmschritt über das Feld, Hauptmann von Weltzien immer voran und ich an seiner Seite mit Winkerfahne. Auf 200 – 300 Meter am Dorf (Adamsheide) nahmen wir Stellung. Mein Hauptmann sagte zur mir: Winken Sie, 3. Zug verstärken. Währenddem ich so winkte, schlugen die Kugeln so stark ein, dass man nicht wusste, wo man ist. Ich winke, aber man sah das scheinbar nicht und so sagte mein Hauptmann: „Knieen Sie“ und er tat dasselbe. Ich winkte zweimal, beim dritten wurde mein Fahnenstock mitten entzwei geschossen. Gleich spitzte ich ihn wieder an und winkte noch einmal, auch der Hauptmann tat dies mit dem Arme. In diesem Augenblick fiel er hintenüber und war, durchs Herz geschossen, sofort tot. Wir legten ihn zurecht, währenddem hagelte es von Geschossen. Ich rief nach rechts, Leutnant von der Recke möge die Kompanie führen. Da kam die Antwort, dass auch er schwer verwundet ist. Auf denselben Ruf nach links die Erwiderung: Leutnant Lausmann ist auch gefallen. Wir befanden uns in einer Lage, die sich kaum denken lässt. In der Schützenlinie einige Tote, viele Schwer- und Leichtverwundete, die jammerten und schrieen. In dieser Lage waren wir annähernd 2 Stunden.“.“

Die Lage des Grabes von Hellmuth von Weltzien ist unbekannt. Wahrscheinlich existiert es nicht mehr.

Hauptmann Hellmuth von Weltzien

Sonderbeitrag: Hauptmann Hans Witte

Der Soldat Hans Witte stammte aus Blankenburg im heutigen Bundeland Sachsen-Anhalt. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Hauptmann in der 9. Kompanie des 95. Infanterie-Regiment. Am 23.08.1914 fiel er in Belgien an der Westfront bei der Eroberung von Namur. Er wurde bei der Ortschaft Marchevolette und Bouge getötet.

Vermutlich war er Teil eines Kriegsverbrechens. Kurz vor seinem Tod war er an der Tötung von Zivilisten beteiligt, auch wenn die Regimentsgeschichte des 95. Infanterie-Regiments es so darstellt, als haben die getöteten Zivilisten zuvor als Nicht-Kombattanten an der Beschießung von deutschen Soldaten teilgenommen. Nach dem Krieg führten alle unabhängigen Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass die Vorwürfe der deutschen Militärs, Zivilisten hätten an kriegerischen Handlungen teilgenommen und amit ihrerseits gegen das internationale Kriegsvölkerrecht verstoßen, falsch waren.

Angriff auf Namur am 23.08.1914

Über den Todestag und die Todesumstände von Hans Witte berichtet die Regimentsgeschichte des 95. Infanterie-Regiments:

„Angriff auf Namur

Das Regiment wurde hierzu beim Dorf Marchovelette eingesetzt. I./95 kam in vorderste Linie, III./95 und die Maschinengewehr-Kompanie blieben zunächst beim Gut Tierre Cauth in Reserve. II./95 wurde zur Verfügung des Korps im Walde von Fernelemont bereitgestellt.

Etwa 1.000 Meter vor der Stellung des I./95 lag Fort Marchovelette. Es wurde von österreichischen 30,5 Mörsern beschossen. In großen Zwischenräumen wuchsen auf dem Fort die dunklen Rauchpinien der Geschosseinschläge empor. Unter diesem Feuerschutz erreichte das Bataillon ohne Verluste seine Stellung. Nur einzelne schwere Geschosse zogen hoch am Nachthimmel ihre Bahn, um fern mit dumpfem Knall zu zerbersten. Ein Scheinwerfer tastete einige Male unsicher umher. Das flackernde Licht aufsteigender Leuchtkugeln erhellte hin und wieder die Umgebung. Der Feind aber blieb ruhig. So konnte I./95 ungestört am Ausbau seiner Stellung arbeiten, II. und III./95 in ihren Bereitstellungsplätzen ruhn.

Inzwischen hatte General von Gallwitz den Angriff auf die Festung für den 23.08. befohlen. Unter Niederhaltung des Forts Cognelèe und Marchovelette durch schwere Artillerie sollten die zwischen ihnen liegenden Stellungen nach ausgiebiger Feuervorbereitung durch die leichte Artillerie von der Infanterie gestürmt werden.

So begann am Vormittag des 23. August – eines Sonntags – die deutschen Batterien ihr Zerstörungswerk. Anschwellend und wieder abflauend, allmählich aber an Stärke wachsend, steigerte sich das Feuer, bis gegen 12 Uhr mittags ein Orkan von Geschossen im Fort Marchovelette die letzten Grasreste von den Wällen herabfegte, die Gräben verschüttete, die Hindernisse zerschnitt, die Betondecke durchschlug, den Munitionsraum zur Explosion brachte und den naheliegenden Wald von Champion splitternd und krachend zerbrach.

Fort Marchovelette war verschwunden! Eine ungeheure, undurchdringliche Wolke von Staub, Qulm und Rauch verhüllte die Stätte, an der es lag.

Da hörte auf Feindseite jeder Widerstand auf. Frei auf ihren Deckungen standen unsere Leute und staunten dies gewaltige, nie gesehene Schauspiel an. Niemand hinderte sie, kein Schuss von belgischer Seite zwang sie in ihre Gräben zurück. III./95, das um diese Zeit vorgezogen und nördlich des I./95 eingesetzt wurde, gelangte so ohne Verluste in die vorderste Linie.

11.30 Uhr vormittags kam der Befehl zum Sturm. III./95 nahm die 9. und 10., I./95 die 1., 2. und 4. Kompanie hierzu in vorderster Linie. Die Maschinengewehr-Kompanie ging auf einer kleinen Höhe in Stellung, um den Schutz des Vorgehens zu übernehmen. Die Kompanien ordneten sich zum Antreten in der Front mit Pionieren, dahinter Kompanien geschlossen, die Offiziere zum Teil zu Pferd – so wurde 1 Uhr nachmittags angetreten. Niemand hatte sich den Angriff so vorgestellt – niemand auch ihn so wieder erlebt – kein Schuss fiel, ohne Widerstand wurde nahe beim Fort Marchovelette der Wald von Champion erreicht. –

Unmittelbar in seinem Nordostrand befand sich die Stellung der Belgier, ein tiefer Graben, dichte Hindernisse, Unterstände, zahlreiche Geschütze bis in die vorderste Linie vorgeschoben, verlassen, jedoch nicht leer. Haufen von Munition lagen verstreut, Gewehre noch schussfertig auf den Deckungen, dazwischen stapelte Artillerie-Munition, hier lagen einzeln, dort in ganzen Haufen, gefallene Belgier. Durch eine Granate emporgeschleudert, hing eine Leiche in den Ästen der Bäume.

Jenseits des Waldes änderte sich das Bild. Aus Champion pfiffen die ersten Kugeln. Zurückgehende Belgier waren auf den weiten, mit Getreidehocken bestandenen Feldern sichtbar. Vereinzeltes Artillerie-Feuer schlug herüber. Doch die Verfolgung kam nicht zum Stehen. Ohne Aufenthalt stürmte Alles vorwärts.

Während 1. und 3./95 sich auf Moulin â Vent wandten, bog III./95, zusammen mit 2. und 4. Kompanie nach Süden auf Bouge ab, aus dem der Gegner noch feuerte. Als 1. Offizier wurde hier Leutnant von Aulock 4./95, als er mit einer Offizierspatrouille zur Erkundung einer feindlichen Batterie vorging, verwundet. Sprungweise begannen sich die Linien vorzuarbeiten. Da fuhr bei Champion eigene Artillerie auf, um den Angriff zu unterstützen. Nun ging es rasch vorwärts. Weit allen Verfolgern voran, erreichte Hauptmann Witte mit seiner 9. Kompanie Bouge. Aus dem nächsten Hause erhielt er Feuer. Bald barst die verrammelte Tür unter dröhnenden Axtschlägen. Am noch warmen Maschinengewehr fanden sich – Belgier in Zivilkleidern. Sie wurden, nachdem Hauptmann Witte die Lage geklärt, – erschossen. Weiter auf die Kirche eilten die Stürmenden. Da krachten aus einem die Straße abschließenden Hause Schüsse. Zu Tode getroffen, fiel Hauptmann Witte und seine tapferen Begleiter, Gefreiter Vierneusel, Tambour Franz und Reservist Probst. 4 weitere wurden verwundet. Selten erfreute sich ein Offizier bei seinen Kameraden und Untergebenen solcher Liebe und Wertschätzung wie Hauptmann Witte. Selten hatte jemand wie er alle Herzen gewonnen! So war sein Tod für alle, die ihn kannten, ein persönlicher Schmerz. Und so durchdrang das Gefühl, ihn zu rächen, jeden, der von seinem Ende erfuhr. Wo sich in Bouge noch Widerstand zeigte, wurde er ohne Rücksicht gebrochen. Wo aus einem Hause Schüsse fielen, flog ihm der rote Hahn aufs Dach. Prasselnd schlug bald die Lohe der Brände gen Himmel, – und in das Krachen des Gebälks mischte sich das Knattern der Gewehre. – –

II./95 war 11 Uhr vormittags vom Generalkommando näher an die vorderste Linie herangezogen, zum Einsatz jedoch noch nicht freigegeben worden. Es folgte in kurzem Abstand entfaltet dem III. und I./95. Nachdem es Dorf Marchovelette durchschritten, ging es nördlich an dem noch immer beschossenen Fort Marchovelette vorbei. Fast hätte es hier durch eigenes Feuer verluste erlitten. Dicht bei der 7./95, die in Kompanie-Kolonne vorübergehend an der Straße hielt, schlug eine Lage der österreichischen Mörser ein, durch ihre gewaltige Detonation haushoch die Erde emporwerfend. Die nächsten Schüsse mussten nach menschlichem Ermessen die Truppe treffen. Die Leute wurden unruhig, sie wollten ausweichen. Da nahm an Stelle des erkundenden Kompanie-Chefs der Leutnant Graf Baudissin durch festes Kommando die Kompanie in die Hand. Wie auf dem Exerzierplatz führte er sie nach strammem Griff im Gleichschritt von der gefährdeten Stelle.

Im Wald von Champion erhielt II./95 überraschend Infanterie-Feuer. Ein Zug der 7./95 unter Leutnant Lenz wandte sich gegen den Feind, tötete 5 Belgier im Bajonettkampf und nahm den Rest – Angehörige des 1. und 8. beglischen Regiments – gefangen. Jenseits des Waldes wurden Flüchtlinge vom Fort Marchovelette eingebracht. Sie schienen keine Menschen mehr. Die 3tägige Beschießung des Forts hatte sie seelisch völlig gebrochen. Mit irren Augen, kaum der Sprache noch mächtig, baten sie flehend um Gnde. Nach Durchschreiten des Waldes folgte das II./95, jetzt vom Generalkommando freigegeben, nach kurzer Durchsuchung von Champion, dem Regiment nach Bouge.

Hier, auf den Höhen hart nördlich der Maas, hatte das Generalkommando die Verfolgung angehalten. Nur ein Zug der 2./95, schneidig geführt durch Leutnant von Wintzingerode, war bis an den Fluss vorgestoßen und dort nur durch eigenes Artilleriefeuer gehindert worden. Das Regiment selbst ordnete seine Verbände auf der Höhe. Welch ein Anblick bot sich von hier! Im warmen Licht der Abendsonne tief unten das Häusermeer, das silberne Band von Maas und Sambre, und drüben am Berghang, in Felsen gehauen, die trotzigen Mauern der alten Zitadelle. Hoch flatterte über ihr im Abendwind die französische Trikolore. Zu den Höhen von Bouge stieg ein langer, nicht endender Zug gefangener Feinde empor.

Namur war genommen! Im Vollgefühl des Sieges sah jeder hinab auf die eroberte Stadt. 3 Wochen hatten dem Feind zur Verfügung gestanden, die Festung mit Gräben und Hindernissen auszubauen, 3 Tage hatten genügt, diesen Schld zu brechen. Aber noch wehte drüben auf den Mauern trotzig die französische Fahne! Als die Sonne sank, barsten an ihnen die deutschen Granaten und ließen hoch auf des Berges Gipfel die leuchtende Kuppel des Hotel de la Citadelle in Flamen auflodern. Noch lange leuchtete der Brand als Siegesfanal in die Nacht! –

Das Regiment ruhte während der Nacht, Sicherungen bis an die Maas vorgeschoben, in Alarmquartieren in Bouge. Wenn auch die Verluste dieses Kampfes verhältnismäßig gering waren, so wurden sie doch als die ersten doppelt schwer empfunden: 1 Offizier, 4 Mann tot, 1 Offizier, 6 Leute verundet.“

Seite 12

Man begrub Hans Witte auf dem Soldatenfriedhof Vladslo in Block 9, Grab 791.

Hauptmann Hans Witte

Sonderbeitrag: Hauptmann der Reserve Wilhelm Zernecke

Der Soldat Wilhelm Zernecke stammte aus Neidenburg in Masuren (seit 1945 polnisch: Nidzica). Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Hauptmann und Führer des II. Bataillons des 95. Infanterie-Regiments. Am 08.10.1918 fiel er in Frankreich bei Lesdain.

Über den Todestag und die Todesumstände von Wilhelm Zernecke berichtet die Regimentsgeschichte des 95. Infanterie-Regiments:

„Ehe am 08.10. um die gewohnte Zeit die eigene Artillerie das morgentliche Vernichtungsfeuer schießt, werden um 5 Uhr 30 vom Engländer in breiter Front rote Leuchtkugeln abgeschossen, die deshalb verwirren, weil rot bei uns das Zeichen zum Vorverlegen des Feuers ist. Schlagartig setzt feindliches Trommelfeuer ein, das gleichzeitig mit großer Dichte auch auf den rückwärtigen Stellungen und den Batterien liegt. Es ist wieder mit Nebelgranaten untermischt, sodass für geraume Zeit jede einzelne Gruppe in der Abwehr auf sich allein angewiesen ist und nicht beobachten kann, was beim Nachbarn vor sich geht. Im Gegensatz zur bisherigen Taktik tritt der Engländer zugleich mit dem Einsetzen des Trommelfeuers an und folgt unmittelbar der Feuerwalze. Die vor dem Regiment liegenden Bayern sind offenbar überrannt worden. Zusammen mit einzelnen Flüchtlingen erscheint der Engländer in dichten Wellen vor dem rechten Flügel. Die tapfer sich wehrenden 3./95 unter Leutnant der Landwehr Briesen mit dem vielfach bewährten Vizefeldwebel Machalett und Sergant Prein wird im Nahkampf durchbrochen. Die 2./95 unter Leutnant der Reserve Trox kann sich frontal halten, bis sie von beiden Seiten umfasst auch von rückwärts angegriffen wird. Ähnlich geht es der 11./95 unter Leutnant der Reserve Heithecker, der nach vollendeter Umfassung zusammen mit dem verwundet weiter fechtenden Vizefeldwebel Winschuh die Reste der Kompanie in die Artillerieschutzstellung zurückbringen kann. Noch etwas später, erst um 7 Uhr 30, muss die 9./95 unter Leutnant der Reserve Wessels ihre Linie aufgeben, nachdem die Maschinengewehr-Munition verschossen ist. Am Nordflügel hat die nur mit Gewehren ausgerüstete Minenwerfer-Kompanie einen Verzweiflungskampf zu führen, nachdem die daneben eingesetzten 2 Maschinengewehr-Züge des bayerischen Reserve-Infanterie-Regiment 21 in Gefangenschaft geraten sind. So wird die Minenwerfer-Kompanie umfasst und aufgerollt. Am linken Flügel noch vorwärts Lesdain halten sich 2 Gewehre der 2. Maschinengewehr-Kompanie, bis die Bedienungsmannschaft im Massenangriff aus dem Rücken niedergemacht ist. Ehe noch diese Kämpfe in der Zwischenstellung erledigt sind, ist der Feind unter Umfassung nördlich über Seranvillers und südlich durch Lesdain vor den Flügeln der Artillerieschutzstellung erschienen, wo er unter schweren Verlusten aufgehalten wird, insbesondere durch das Maschinengewehr des Vizefeldwebels Marschall von der 1. Maschinengewehr-Kompanie. Aber auch hier bringt die beiderseitige Umfassung von den rückwärtigen Flanken die Entscheidung.

Der größte Teil des Regiments mit sämtlichen Bataillonsstäben ist in diesen Stunden aufgerieben, tot, verwundet oder gefangen. Nur ganz geringe Trümmer des Regiments können sich auf den Höhen nordöstlich Esnes um den Regimentsstab sammeln und mit den Resten von Infanterie-Regiment 94 dem weiteren englischen Vorstoß Einhalt gebieten. Der Regimentskommandeur Major Freiherr von Wangenheim übernimmt den Befehl über die Infanterie des Divisionsabschnittes, der durch 2 Radfahrerkompanien und eine Maschinengewehr-Kompanie des Jäger-Regiments 9 in den letzten Vormittagsstunden verstärkt wird. Abends werden dann die Trümmer des Regiments herausgezogen und hinter Solesmes gesammelt.“

Die Lage des Grabes von Wilhelm Zernecke ist unbekannt.

Wilhelm Zernicke

Sonderbeitrag: Graf Friedrich von Spreti

Bei meinen Recherchen zu einem Gefallenen des bayerischen Leib-Infanterie-Regiments stieß ich auf das Schicksal von Graf Friedrich von Spreti.

Graf Friedrich von Spreti wurde am 31.01.1870 in München geboren. Er war Adjutant des Prinzen Heinrich von Bayern. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Hauptmann und Chef der 11. Kompanie des bayerischen Infanterie-Leib-Regiments. Am 27.08.1914 fiel er im Alter von 44 Jahren bei Nossoncourt (Volksbund: Donciéres).

Nossoncourt

Über den Todestag und die Todesumstände von Graf Friedrich von Spreti berichtet die Regimentsgeschichte des bayerischen Infanterie-Leib-Regiments:

„27. August 3.30 Uhr vormittags geht der Regimentsstab in seinen Unterstand. Unter „Unterstand“ verstehe man hier einen nassen Straßengraben, darunter ein Brett und darauf ein paar von einem Apfelbaum gepflückte Zweige. In diesem Unterstande liegend, fühlte man sich aber köstlich geborgen gegen jederlei Gefahr. Allmählich wird es hell, doch unablässig strömt der Regen. Wir erkennen, wie ungünstig unsere Bataillone in den nachts übernommenen Stellungen liegen. Ab 10 Uhr vormittags schlägt heftigstes Artilleriefeuer von drei Seiten auf uns ein; meist ist es schwere Artillerie, die uns aufs Korn nimmt. Feindliche Infanterie ist aber nirgends sichtbar. Das II. Bataillon in Nossoncourt kann sich halten, das III. Bataillon dagegen auf der Höhe nordostwärts Nossoncourt liegt dort unter derart schwerem Artilleriefuer, dass es Major Epp auf die Höhe östlich Bazien zurücknimmt. Herrgott, was ist es bedrückend, stundenlang untätig in schwerem Artilleriefeuer zu liegen, zusammengeschossen zu werden und sich nicht wehren zu können! Was ist denn eigentlich mit unserer Artillerie? Warum schießt sie nicht? Wenn wir damals geahnt hätten, dass unsere Artillerie, jetzt in den ersten Tagen des Krieges schon, empfindlich an Munitionsmangel litt! Leider hatte sie aber auch schon schwere Verluste gehabt, die wohl auch darauf zurückzuführen waren, dass die Batterien grundsätzlich, wie im Manöver, stets auf den höchsten Höhen in Feuerstellung gingen. –

2 Uhr nachmittags kam der Befehl zum Angriff. Wie eine Erlösung wurde er begrüßt. In schärfstem feindlichem Artilleriefeuer geht es vorwärts. Schon liegt Nossoncourt hinter uns, als nunmehr auch aus dem vor uns liegenden Waldgelände Infanterie uns unter Feuer nimmt. Hauptmann Freiherr von Stengel und Leutnant der Reserve Matthaei werden verwundet. Um sich dem „Bois de la Grande Coinche“ zu nähern, muss eine breite Wiesenmulde überschritten werden. Die Bataillone führen ihre Bewegung wie bei einer Regimentsbesichtigung aus. Bald springt hier eine Schützenlinie vor, bald dort; hier wiederum sieht man einen geschlossenen Zug vorstürzen, dort schleicht sich ein Zug in Reihenkolonne vorwärts. Und alle haben daselbe Ziel, das Bois de la Grande Coinche, das heute noch unser werden soll.Bei blutrot untergehender Sonne treten die Bataillone zum Sturme an. Der Wald ist erreicht; hier und dort dringen Kompanien hinein. Wildes Geschieße allerorts. Der 6. Kompanie kommen 50 Franzosen unter Führung eines Offiziers, der eine weiße Fahne trägt, entgegen; sie haben die Gewehre umgehängt und sagen, sich ergeben zu wollen. Im gleichen Augenblick aber knallen aus Büchsen und von Bäumen herab wohlgezielte Schüsse auf die sorglosen Leiber; viele von ihnen wälzen sich in ihrem Blute. Die überlebenden Kameraden aber zahlen dem Feinde den meuchlerischen Überfall gebührend heim, und bald war die Rechnung wieder quitt.

Als letzte der Kompanien drang die 11. Kompanie, die sich der Regimentsführer als Reserve zurückbehalten hatte, in den Wald. Hiebei fand der sie begleitende Führer des III. Bataillons, der tapfere und allseits beliebte Hauptmann Graf Spreti, durch ein verlorenes Geschoss den Heldentod. Während nun alle Leiberkompanien im Walde verschwunden waren, standen unsere beiden Nachbarabteilungen, das 20. und 2. Infanterie-Regiment, noch im Kampfe vor dem Walde. Lange noch tobte, auch längst noch nach eingebrochener Dunkelheit, das Infanteriefeuer, und grausig klangen die Salven, mit denen die Franzosen unsere vorwärtsdrängenden Kompanien überschütteten. 11 Uhr abends endlich ließ das Feuer nach; nun war es aber auch an der Zeit, dass der Regimentsführer seine Bataillone wieder fest in die Hand bekam. Er nahm daher einige rückwärtige Kompanien aus dem Walde heraus; am Waldrand sammelten sie. Sie sangen die Wacht am Rhein; und von hier, von dort ertönte das Lied als Antwort auch aus dem Walde. So war geklärt, wo unsere Kompanien standen. Auch der Feind tat uns den Gefallen und tat uns seine Lage kund durch den Gesang der Marseillaise. Allmählich wurden alle Kompanien aus dem Walde zurückgenommen; unter dem Schutze schwacher, im Walde belassener Posten sammelten und ordneten sich die Bataillone unmittelbar am Waldrande und legten sich hier todmüde zur Ruhe. Vorher aber noch beerdigten wir unsere Toten, und die 11. Kompanie zimmerte ihrem toten Chef im trüben Licht eines brennenden Reisighaufens ein kunstvoll Kreuz. Beim Regimentsstabe wurden die Verwundeten, etwa 100 an der Zahl, zusammengetragen. Doch keiner unserer Ärzte war da. Diese hatten heute Morgen schon vollauf zu tun und hatten den Anschluss an das Regiment verloren. So halfen wir denn den Verwundeten selbst, so gut es ging, reichten ihnen Wasser, betteten sie auf herbeigeschafftes Stroh und legten Notverbände an. Ganz besonders hat sich um sie die ganze Nacht hindurch der Vizefeldwebel der Reserve von der Osten verdient gemacht und ihnen manch Liebeswerk getan. – Die gestrigen und heutigen Kämpfe hatten kund getan, dass wir nunmehr an das Vorgelände des hervorragend zur Verteidigung eingerichteten französischen Festungsgürtels angeprallt waren. In dieses weiter vorzustoßen wäre ohne stärkste Artillerieunterstützung Wahnsinn und nutzlose Aufopferung gewesen. Aber auch operativ kam ein weiteres Vorgehen gegen das Festungsgelände nicht mehr in Frage. So galt es denn jetzt nur mehr, die erreichten Stellungen zu behaupten.“

Man begrub Graf Friedrich von Spreti auf dem Soldatenfriedhof Bertrimoutier in Block 1, Grab 223.

In Obersendling gedenkt man Graf Friedrich von Spreti noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2022/obersendling-schuetzen_stadt-muenchen_wk1.html

Graf Friedrich von Spreti
Sterbebild der Gemeinde Vilsheim, Gundihausen und Münchsdorf, auch für Graf Friedrich von Spreti

Die Männer des Ersten Weltkrieges – Teil 1.396: Ludwig Hierl

Der Hauptmann Ludwig Hierl wurde am 25.08.1877 in Wolfratshausen in Bayern geboren. Er war Realschullehrer in Ansbach. Im Ersten Weltkrieg diente er als Kompanieführer in der 10. Kompanie des 15. bayerischen Infanterie-Regiments. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz 1. und 2. Klasse, mit dem Militär-Verdienstorden 4. Klasse mit Schwertern, mit dem Ritterkreuz 2. Klasse mit Schwertern zum sächsischen Albrechtsorden, der Prinzregenten-Jubiläums-Medaille und mit der Landwehr-Dienst-Auszeichnung 2. Klasse ausgezeichnet. Am 25.05.1916 fiel er im Alter von 38 Jahren bei Verdun während eines Sturmangriffs nach  22 Monate Kriegsdienst.

Man begrub Ludwig Hierl auf dem Soldatenfriedhof Mangiennes in Block 2, Grab 566.

Sterbebild von Ludwig Hierl
Rückseite des Sterbebildes von Ludwig Hierl