Ornes – 1916 zerstörtes Dorf

Ornes liegt 16 Kilometer nördlich von Verdun und war ein wichtiges Marktdorf mit ca. 1.000 Einwohnern. Es liegt an der Quelle des Flusses Ornes, der ihm auch seinen Namen gegeben hat.

„Orna in Wapria“ wird 1015 im Kartular  von Saint-Vanne erwähnt.

Ornes, Hauptort des damaligen „pagus Orninsis“, war bereits zur Zeit der Merowinger ein bedeutender Ort. Anschließend wird Ornes ein Baronat und die erste der vier Pairswürden des Bistums von Verdun (Ornes, Murault, Creue und Watronville).

Die Urkunde zur Befreiung des Ortes vom Gesetz von Beaumont, die 1252 vom Kapitel von Madeleine de Verdun einerseits und Jacques, dem Herrn von Ornes und Pair des Bistums andererseits ausgestellt wurde, beweist, dass die Seigneurie zu diesem Zeitpunkt noch zwischen diesen beiden geteilt war. Später verfügte das Kapitel an diesem Ort nur noch über ein Territorialeinkommen, das 1790 auf 1.376  Pfund geschätzt wurde.

In Ornes gab es einen Feudalsitz, den die Grundherren oft eingesetzt haben, um die Bischöfe von Verdun einzuschüchtern. Das „Haus Ornes“, das später in das Haus von „Nertancourt“ überging, hatte ein Wappen aus Silber mit fünf roten Ringen, die als liegendes Kreuz angeordnet sind.

Um das Jahr 1563 war der Grundherr von Ornes gleichzeitig ein eifriger Verfechter des Protestantismus in dieser Gemeinde. Der Bischof Psaulme musste seinen Lehnsmann mit Waffengewalt zwingen, einen Pfarrer des neuen Glaubens zu entlassen, der in der Kapelle des Schlosses den Gottesdienst abhielt.

Die Umgebung von Ornes war 1587 Schauplatz eines blutigen Kampfes zwischen den kalvinistischen Truppen der Garnison von Jametz unter dem Befehl von Schelandre und den Truppen des Herzogs von Lothringen. Die letztgenannten wurden geschlagen; 25 Männer wurden getötet und 30 gefangen genommen.

Im Februar 1653 wurde das Schloss von Ornes von lothringischen Truppen eingenommen, was zu „Ruin und Verzweiflung der Einwohner dieses Ortes und der umliegenden Dörfer führte, die sich mit Hab und Gut in das Schloss geflüchtet hatten“.

Wirtschaftszweige des Dorfes waren 3 Mühlen, eine Baumwollweberei mit etwa 30 Arbeitern, Destillerien, Korbwaren, Obsthandel, zwei große Märkte am 30.08. und 15.09.

Die Pfarrkirche des Dorfes war seit dem Jahr 1046 von Saint Maur abhängig.

(Auszug aus: Geographie du department de la Meuse –  H. Lemoine 1909)

Ab Anfang 1916 machten die Bewohner des Ortes ihre ersten Erfahrungen mit den Brutalitäten des modernen Krieges. Ihr Eigentum wurde zerstört und sie zur Abwanderung gezwungen. In der Hoffnung, irgendwann nach Hause zurückzukehren, entschlossen sie sich schweren Herzens, ihre Heimat zu verlassen. Sie waren diesem Land stark verbunden, und auch wenn es nicht sehr fruchtbar war und lange Jahre harter Arbeit erforderte, waren sie doch hier verwurzelt.

Die Perspektive, das frühere Glück einmal wieder zu finden, gab ihnen in ihrem schwierigen Flüchtlingsschicksal einen wichtigen Halt.

Aber leider sah die Realität im Jahr 1918 anders aus. Die Schäden durch die Kämpfe waren zu bedeutend und die Explosionsgefahr zu groß, um an einen Wiederaufbau zu denken. Diese triste Mondlandschaft würde kein Dorfleben mehr kennen. Die ehemaligen Bewohner versuchten ihrer Bestürzung dadurch abzuhelfen, dass sie mit juristischen Mitteln für die Anerkennung und das Überleben ihres Dorfes zu kämpfen. Sie versuchten Abgeordnete, Parlamentarier und Minister für ihre Sache zu gewinnen und wendeten sich sogar an Raymond Poincare, den aus der Meuse stammenden damaligen französischen Präsidenten. Folgende Maßnahmen wurden ergriffen:

Ab 1919 wurde jedem zerstörten Dorf per Gesetz eine Gemeindekommission und ein Präsident mit den Befugnissen und Rechten eines Bürgermeisters zuerkannt.

Zwischen den beiden Weltkriegen wurde eine Kapelle und ein Kriegerdenkmal gebaut. Auf dem Kriegerdenkmal sind, wie in allen französischen Gemeinden, die Namen der für Frankreich im Krieg Gefallenen und der von der Regierung per Erlass vorgesehene Text vermerkt.

Dreimal am Tag erinnert das Angelusläuten daran, dass an diesem Ort, zwischen dessen Steinen heute der Wald wächst, einmal ein Dorf gestanden hat.

Das Dorf Beaumont

Das Dorf Beaumont liegt nördlich von Verdun und wurde im Jahr 324, also am Ende der Römerzeit gegründet. Damals hatte es den Namen „Super Fluvium Orna“ (über dem Fluss Ornel). Das Dorf wurde dann Bellusmons, Blemont, Byaumontund schließlich Beaumont genannt.

Zu Beginn des Mittelalters hatte die Äbtissin von Juvigny-sur-Laison das Lehnsrecht über Beaumont. Die Bewohner zahlten ihr den Zehnten. Im August 1252 wurde Beaumont vom Grafen von Bar und der Äbtissin von Juvigny aus der Lehnsherrschaft entlassen.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Gegend in den Jahren 1635 und 1636 von Ungarn, Polen und Schweden verwüstet, die die Dörfer niederbrannten und die Einwohner ermordeten. Die Bevölkerung von Beaumont fand in der Burg von Ornes  Zuflucht, aber dort brach die Pest aus und forderte 430 Todesopfer, darunter 22 aus Beaumont.

Um 1700 wurde Beaumont von Monseigneur de Bethume, dem Bischof von Verdun, zur Pfarrstelle ernannt.

Die erste, auf dem Friedhof errichtete Kirche, wird 1786 -1787 durch eine Kirche ersetzt, die am heutigen Standort des Kriegerdenkmals für den Ersten Weltkrieg in der Dorfmitte erbaut wurde. Anschließend erlebte das Dorf zwei Invasionen, eine preußische Invasion im Jahr 1815 und eine deutsche Invasion 1870, bei der am 24.08.1870 ein Regiment weißer Kürassiere ins Dorf einmarschierte.

Beaumont liegt 15 Kilometer nordöstlich von Verdun und erstreckt sich über eine Fläche von 787 ha. Im Jahr 1911 zählt das Dorf 186 Einwohner.

Das Dorf Beaumont wurde im September 1914 evakuiert, die Bevölkerung flüchtet in den Süden Frankreichs. Von Mitte August bis Mitte Oktober lag Beaumont zwischen zwei Linien: Das 6 – 7 Kilometer große Niemandsland reicht von Louvemont bis in die bewaldete Gegend nördlich des Dorfes.

Anfang Oktober 1914 wird der Kirchturm von deutscher Artillerie zerstört.

Mitte Oktober besetzen die französischen Truppen eine Linie, die von der nördlichen Spitze des Caures-Walds über den Ville-Wald zum Weiler Soumazannes reicht. Das gesamte Gemeindegebiet befand sich in französischer Hand und blieb es bis Februar 1916.

Diese verhältnismäßige Ruhe wurde am 21.02.1916 gestört. Der Caures-Wald konnte trotz energischen Widerstands eines Jägerregiments nicht von den Franzosen gehalten werden. Oberst Driant wollte den Rückzug nach Beaumont antreten und zwar vermutlich über die Straße nach Flabas, die nach Gobi auf dem Gebiet von Beaumont führt. Als die Kolonnen den Wald von Champneuville verlassen, befinden sie sich im Kreuzfeuer der deutschen Maschinengewehre. In der Nachhut wird der Oberst tödlich getroffen, aber Teile der Züge können Beaumont  erreichen und verstärken die dortige Garnison.

Am frühen Morgen des entscheidenden 24.02.1916 ist der Himmel grau und der Boden schneebedeckt. In der eisigen Kälte beginnt der Kampf um Beaumont. Im Dorf bieten Truppenteile  zweier französischer Regimenter wiederholten Angriffe die Stirn. So wie die Truppen der 18. deutschen Einheit in das Dorf eindringen, werden sie von den Maschinengewehren durch die Fenster der eigens dafür eingerichteten Keller niedergemäht.

Wie dicht aufeinander folgende Wellen rücken die deutschen Verbände mit einer solchen Geschwindigkeit vor, dass es scheint, als würden sie von den französischen Maschinengewehre förmlich angezogen. Die Deutschen erleiden ausgesprochen schwere Verluste. Jetzt beginnen die Deutschen mit der systematischen Bombardierung des Dorfes. Als sie ihre Sturmangriffe wieder beginnen, stößt ihr Vordringen immer noch auf Widerstand. Aber der Kampf ist zu ungleich. Einigen Truppenteilen gelingt es, sich nach Louvemont abzusetzen, und am Nachmittag des 24.02.1916 fällt Beaumont.

Um 18 Uhr desselben Tages wird der Kampf in der Nähe von Joli-Coer im Wald geräuschlos mit Bajonett und Messer fortgesetzt. Im Westen können die Reste einer französischen Kompanie den Feind nur mit Schwierigkeiten davon abhalten, aus dem Kamm von Anglemont hervorzubrechen. Plötzlich verlässt eine große Gruppe deutscher Soldaten unter Hurra-Rufen den Ort Beaumont auf der Mühlenstraße und erreicht die Nationalstraße. Damit ist der französische Rückzug abgeschnitten.

Der französische Major versammelt die 60 Mann starken Reste einer Kompanie um sich, lässt von einem noch unverletzten Claironbläser zum Angriff blasen und wirft sich an der Spitze dieser Handvoll tapferen Männer auf dem Weg nach Anglemont dem Feind entgegen.

Entgegen allen Erwartungen werden die Deutschen gestoppt. Überrascht stellen diese das Feuer ein und weichen zurück. Da sie den hohen Erschöpfungszustand der Franzosen nicht kennen, versuchen die Deutschen nicht einmal, den Vorstoß zu wiederholen. Damit bleibt der Rückzugsweg der Franzosen offen.

Die Überlebenden des 2. Bataillons des 60. Infanterieregiments kehren jedoch erst auf Befehl vom 25.02.1916 um 2 Uhr morgens über die Wiesen von Vaux, die Schlucht von Vacherauville und den Grillot-Wald zur Cote du Poivre zurück.

Der französische Angriff wird im Sektor Beaumont vom 32. Armeekorps durchgeführt, das vier Infanteriedivisionen umfasst.

Zwischen dem 20. und 26.08.1916 wird das Dorf, welches von den Deutschen in eine Festung verwandelt worden war, ununterbrochen bombardiert. Am 26.08.1916 erfolgte ein Angriff des 154. und 155. Infanterieregiments, aber das Dorf wird weiter von den Deutschen gehalten.

Auch bei einer letzten französischen Offensive am 2. September 1916 kann das Gebiet von Beaumont nicht zurückgewonnen werden.

Beaumont wird erst in den ersten Novembertagen 1918, also kurz vor Kriegsende, von der amerikanischen Armee besetzt.

Nach dem Krieg wird Beaumont zur roten Zone erklärt, das heißt, dass der Wiederaufbaudes Dorfes und die Bewirtschaftung des Geländes untersagt wurde.

1920 wurde vom Präfekten eine Gemeindekommission einberufen.

1925 wurde zum Andenken an die für Frankreich gefallenen Bewohner von Beaumont ein Denkmal errichtet. Anschließend wurde zum Andenken an die Vorfahren und die auf dem Schlachtfeld gefallenen Landeskinder der Friedhof eingeebnet, die Friedhofsmauer erhöht und ein Denkmal mit dem Text der ehrenvollen Erwähnung der Armee und den Namen der Gefallenen errichtet.

1932 – 1933 wurde die Kapelle gebaut.

1932 wurde beschlossen, jedes Jahr am letzten Sonntag im September, dem Patronatsfest (Saint Maurice) ein Treffen der ehemaligen Einwohner und ihren Familien im Dorf zu veranstalten, um die Toten zu ehren und etwas Heimatluft zu schnuppern. Diese Tradition wird auch heute noch gepflegt.

Reste eines Kellers
Der ehemalige Brunnen des Dorfes
Das Denkmal auf dem Gemeindefriedhof
Gedenktafel an einen gefallenen Franzosen
Merkwürdiges Gewölbe auf dem Friedhof der Gemeinde

Übersicht über den Friedhof
Überrest der Kämpfe

Abri-caverne quatre Cheminèes / Vier Schornsteine

Bei dem Abri Caverne des Quatre Chemineès handelt es sich um einen unterirdischen Schutzbunker, der sich auf der Anhöhe Froideterre befindet. Etwa 10 Monate rückte er während der Schlacht um Verdun in den Mittelpunkt des Geschehens. Der Schutzbunker war für die französischen Ablösetruppen ein wichtiges Bauwerk auf dem Weg vom Weinberghang (Ravin de Vigines) zum Hochplateau Thiaumont oder nach Fleury.

Der Schutzbunker war 1890 zur Unterbringung von 200 Reservisten angelegt worden. Er besteht aus einem unter den Fels geschlagenen Stollen, der als Befehlsstabsquartier und Sanitätsstelle genutzt wurde und etwa 8 Meter lang war.

Ein junger Leutnant berichtet aus dem Jahr 1916, als die Kämpfe um den Schutzbunker einen Höhepunkt erreicht hatten: „Wir haben dort sieben Tage zugebracht, ohne zu schlafen, Tag und Nacht ununterbrochenes Kanonenfeuer. Die Erdabdeckungen wurden ständig aufgerissen, aufgewühlt und aufgeworfen, änderten stündlich seine Form.“

In dem Befestigungsbunker hielten sich ständig Sterbende und Verletzte auf, die man nicht abtransportieren konnte, erschöpfte Meldegänger, abgekämpfte Soldaten und übermüdete Befehlshaber auf. Die Sicherheit der Menschen hing davon ab, ob die kämpfenden Kameraden die wenige hundert Meter entfernte Frontlinie hielten.

Die schlimmsten Tage des Bunkers waren der 22. und 23.06.1916. Die deutschen Truppen wollten noch vor dem Einsetzen der Offensive an der Somme den Verteidigungsgürtel Froideterre sprengen. Hierzu setzen sie eine bis dahin nie erlebte Masse an Soldaten und Kriegsmaterial ein. Ab dem 20.06.1916 wurde die Befestigung Froideterre unablässig bombardiert und die Festungsanlage Thiaumont zerstört. Am Abend des 22.06.1916 gingen alleine 100.000 Giftgasgranaten auf das Schlachtfeld nieder und legten die französische Verteidigung lahm. Für die Menschen im Schutzbunker Abri Caverne des Quatre Chemineès brachten die Gasgranaten den sicheren Tod. Die im Bunker liegenden Schwerverletzten wurden alle vergiftet, die meisten unter ihnen, die keine geeigneten Gasmasken hatten, erlitten schreckliche Todesqualen. Schneeweiße, von unerträglichen Krämpfen refurchte Gesichter, in die Brust gekrallte Finger.

Am 23.06.1916 erfolgte der deutsche Angriff mit 50.000 Mann auf breiter Front mit Rauchbomben und Flammenwerfern. Die französischen Verteidigungsanlagen wurden überrannt. Um 9:30 Uhr erreichten sie die Befestigung Froideterre, besetzten das Dach und beschossen die Eingänge. In die Luftschächte warfen sie Granaten, sodass im Inneren Panik ausbrach. Zwar drohte die französische Front zu brechen, jedoch wichen die deutschen Truppen erschöpft während eines Gegenangriffs der Franzosen zurück.

Die Anlage ist gut ausgeschildert und kann, soweit nicht eingestürzt, besichtigt werden. Sie ist gut erhalten.

(Stand: Frühjahr 2010)

Hinweisschild auf den Schutzbunker an der Straße
Nach fast 100 Jahren sind die Granateinschläge und Granattrichter noch deutschlich sichtbar
Im Hintergrund sind die Belüftungsschächte zu sehen

Ein Eingang in die Stollen des Befestigungsbunker
Ein zerstörter Vorbau des Befestigungsbunkers
Denkmal für Pierre Cazalis de Fondouce, gefallen am 8. August 1916

Zwar ist der Zutritt zur Befestigungsanlage verboten, jedoch sind alle Türen offen und der Zugang frei

Der Befestigungsstollen von innen
Der Eingangsbereich von innen betrachtet
Ein Kamin des Schutzbunkers
Der Bunker ist innen mit einer Klinkerwand ausgegleidet. Dahinter befindet sich ein Hohlraum zum Felsen.
Nach fast 100 Jahren zerfällt die gemauerte Wand langsam.
Blick von oben in einen Belüftungsschacht
Der Kopf eines Belüftungsschachts

Blick über den Wald