Das Grab von Jean Rapp

Bei meinem letzten Aufenthalt in Colmar besuchte ich das Grab von Maximilian Charles Michel Guillaume Jean Theodore (Comte) Rapp auf dem dortigen Zivil-Friedhof.

Jean Rapp – Ein Leben zwischen bürgerlichen Wurzeln und militärischer Leidenschaft

Geboren am 27. April 1771 in Colmar im Elsass, entstammte Jean Rapp einer über Generationen etablierten Bürgerschicht. Sein Vater, Jean Rapp, war als Hersteller von Knöpfen tätig und diente dank der engen Verbundenheit der Colmarscher Passementierfamilien auch als kommunaler Aufseher über das gegenüberliegende Kaufhaus – daher rührt die Legende, dass Rapp „der Sohn eines Portiers“ sei. Auch seine beiden Onkel, Ambroise Gochnath und Jean-Georges Edighoffen, waren in der königlichen Armee tätig – der eine als Oberst und Brigadekommandeur der 77. Linie, der andere wurde am 30. Dezember 1806 zum Brigadegeneral befördert. Die Eltern, überzeugte Lutheraner des Augsburger Bekenntnisses, hegten den Wunsch, dass ihr Sohn Pastor werden sollte. Mithilfe der Familie des Generalfinanzverwalters de Reiset, eines wichtigen Mitglieds des Souveränen Rates von Elsass in Colmar, erhielt er eine Gymnasialausbildung – und so lernte er auch Kléber kennen.

 

Frühe militärische Wegwahl und erste Erfahrungen

Anders als der angestrebte geistliche Beruf, zog es den jungen Rapp, der für seine ungestüme Tatkraft bekannt war, in die Schlagkraft des Militärs. Bereits am 1. März 1788 wurde er in das französische Kavallerieregiment der „Chasseurs des Cévennes“ eingezogen. Sein Werdegang führte ihn rasch weiter: Zunächst diente er als Kavallerist im „Chasseur de Bretagne“ (Dezember 1788), wurde dann am 1. Januar 1791 als Brigadier-Fourrier im 10. Chasseur à cheval eingesetzt und stieg am 16. Mai 1793 zum Marschall des Logis-Chef auf. Bereits im April 1794, zunächst als gewählter Unterleutnant und später bestätigt, bewies er in zahlreichen Gefechten außerordentliche Unerschrockenheit – etwa als er am 18. Oktober 1793 einen Säbelhieb am linken Handgelenk erhielt, am 21. November desselben Jahres ins Gesicht geschossen wurde und in der Schlacht am Geisberg unter Hoche (26. Dezember 1793) präsent war. In den darauffolgenden Gefechten der Rheinarmee, insbesondere bei Ligenfield (28. Mai 1795), trafen ihn mehrere Säbelhiebe an Kopf und Arm, sodass er schwer betroffen war und über einen Rückzug nachdachte. Doch dank des aufmunternden Rats von Doktor Bartholdi und dem Eingreifen seines Onkels Elie Graff, der als Hauptmann in der Nationalgarde diente, gelang es ihm am 19. Dezember 1796, von General Desaix als Adjutant vorläufig eingestellt zu werden.

 

Aufstieg durch Tapferkeit und internationale Einsätze

Neben dem heldenhaften Verteidigen des Forts bei Kehl – wo er auch durch einen Schuss in das rechte Knie verwundet wurde – konnte sich Rapp dank der Unterstützung von General Moreau am 18. Mai 1797 zum Kapitän bestätigen lassen. Seine Verbindung mit der militärischen Elite vertiefte sich, als er im September 1797 mit Desaix nach Italien reiste und in Passariano in der Nähe von Campo-Formio Bonaparte kennenlernte. Sein Weg führte ihn von Brest über Rom und Civitavecchia: Am 26. Mai 1798 stieg er auf die Fregatte „La Courageuse“ – eine Reise, bei der er neben seiner militärischen Erfahrung auch die Anerkennung Gelehrter wie Monge, Denon und Malus für seinen Scharfsinn gewann.

Als Adjutant an der Seite des Generals nahm Rapp an zahlreichen entscheidenden Gefechten teil: Beim Sturm auf Malta (10. Juni 1798), als Vorhut beim Design der Landung (2. Juli 1798) und am Angriff an den Pyramiden (21. Juli 1798) zeigte er stets mutige Einsatzbereitschaft. Er war verantwortlich für die Verbindung zu den Kommandeuren sowohl in Oberägypten als auch in weiter entfernten Regionen wie Kairo und Cosseir am Roten Meer. Seine Risikobereitschaft zahlte sich aus: Am 8. Oktober 1798 wurde er zum Chef des Geschwaders ernannt, und in Samahoud (22. Januar 1799) erhielt er trotz einer Verletzung an der linken Schulter bereits am 15. Februar den Rang eines Brigadechefs.

Nach dem Rückzug Bonaparte’s im August 1799 stellte sich Rapp gemeinsam mit Desaix und Kléber der Aufgabe, in Verhandlungen mit Sidney Smith über die Ägyptenevakuierung mitzuwirken – eine Tätigkeit, die er bis zur Unterzeichnung der Konvention von El-Arish im Januar 1800 ausübte. Am 4. März 1800 verließ er Ägypten an Bord des ragusanischen Brigs „La Madonna delle Grazie di San Antonio di Padova“, wurde jedoch durch englische Truppen abgefangen, die ihn am 29. April befreiten. Am 5. Mai 1800 traf er schließlich in Toulon ein.

 

Ein neuer Abschnitt in der Ära Napoleons

Nach einer kurzen Quarantäne trat Rapp am 11. Juni 1800 in die Armee des Ersten Konsuls ein – ein Tag, an dem er zugleich zwei enge Gefährten verlor: Desaix, der bei Marengo fiel, und Kléber, der in Kairo ermordet wurde. Bereits am folgenden Tag erhielt er von Bonaparte den Posten als Adjutant, eine Rolle, die er bis 1814 ohne Unterbrechung innehatte. Unter Bonapartes Vertrauen führte er Erkundungsmissionen in der Vendée (Juli–August 1800) durch und bewies organisatorisches Talent, als er am 13. Oktober 1801 in Marseille das Mamlukengeschwader ins Leben rief.

Seine Tätigkeit in den Tuilerien, wo er in der Cour de l’Orangerie für Bonapartes Sicherheit sorgte, machte ihn zu einem verlässlichen Stützelement des Konsuls. Am 30. September 1802 wurde er mit einer Mission in die Schweiz betraut, um die Entschlossenheit des Ersten Konsuls zu verkünden, alle parteipolitischen Spaltungen zu beenden und Helvetia zu stärken. Mit Tourneen durch Belgien im Frühjahr 1803 und Einsätzen in der Schweiz, Hannover und an der Elbemündung, wo er die Verteidigungsmaßnahmen gegen einen möglichen englischen Angriff prüfte, untermauerte Rapp seinen Ruf als zuverlässiger und mutiger Offizier.

Zurück in Malmaison fand er Eingang in den inneren Kreis des Konsulats, knüpfte enge Bande – unter anderem auch mit Joséphine, deren Zuneigung jedoch in Konflikt mit den Vorstellungen ihrer Nichte Stéphanie Tascher de La Pagerie geriet – und wurde am 29. August 1803 zum Brigadegeneral befördert. Noch im gleichen Jahr erhielt er im Rahmen einer Mission in Toulon den Auftrag, Ganteaume als Seepräfekt zu unterstützen (November 1803–März 1804). Seine Verdienste führten zudem dazu, dass er am 11. Dezember 1803 in die Ehrenlegion aufgenommen und am 14. Juni 1804 im Orden befördert wurde. Während einer Luxemburg-Reise im Oktober 1804 und in der Untersuchung des Missmuts in der Garde im November 1804 betonte er, dass man von „eiserner Natur“ sein müsse, um dem Beruf militärischer Pflicht standzuhalten.

 

Privates Glück und Vermögensaufbau

Im Jahr 1805, nachdem er als Kandidat des Haut-Rheins für die gesetzgebende Körperschaft zwar gewählt, aber vom Senat nicht bestätigt wurde, nahm Rapp – auf ausdrücklichen Anraten des Kaisers – am 28. März 1805 die vierzehnjährige Rosalie-Barbe-Josèphe Vanlerberghe zur Frau. Als älteste Tochter eines Munitionärs, der mit Ouvrard in der Compagnie des Négociants réunis verbunden war, verfügte sie über eine Mitgift von einer Million Francs und einen Besitz in Busigny, südwestlich von Cateau-Cambrésis. Zudem erwarb Rapp im Oktober 1805 das Hôtel de Montmaurin in der Rue Plumet 27–29 für 285.000 Francs sowie das Malmaison de Busigny, um sein Anwesen zu vervollständigen.

Diese Phase im Leben von Jean Rapp markiert den frühen Aufstieg eines Mannes, der sich durch außerordentliche Tapferkeit, unbändige Energie und Loyalität auszeichnete. Sein Werdegang von den bescheidenen Anfängen der bürgerlichen Familie in Colmar bis hin zu einem wichtigen militärischen Akteur in Napoleons unmittelbarem Umfeld verdeutlicht, wie persönlicher Ehrgeiz und Mut die Weichen für eine bewegte Karriere stellen können. Interessant wäre es, tiefer in seine späteren Jahre, seinen weiteren Einfluss in den Napoleonischen Kriegen und seine Rolle im politischen Neuaufbau nach Napoleons Sturz einzutauchen – Themen, die ebenfalls spannende Einblicke in die Dynamik der damaligen Zeit bieten.

Im Dienst Seiner Majestät als Adjutant des Kaisers und Königs war Rapp maßgeblich in den Feldzügen des Jahres 1805 involviert. In Ulm sandte Napoleon ihn zu General Mack mit den Worten:„Du sprichst ihre Sprache – geh und finde heraus, was vor sich geht.“
Bei Austerlitz übernahm er auf kaiserlichen Befehl das Kommando über die Gardereiter, führte sie zum Sieg und stürmte an der Spitze der Mamluken die russische Gardekavallerie in die Flucht. Diese übermächtige Ladung fand ihren unvergesslichen Ausdruck in dem berühmten Gemälde von Gérard, das der Kaiser in Auftrag gab. Trotz erlittenen Verwundungen wurde Rapp im Bulletin geehrt und schon am 24. Dezember 1805 zum Divisionsgeneral erhoben.

Nachdem er sich von seinen Verletzungen erholt hatte, nahm Rapp weitere Einsätze in Angriff. Bereits am 18. Dezember 1805 begutachtete er Marmonts Truppen in Graz, inspizierte den Palmovona-Platz und die Divisionen des Marschalls Masséna. Im Anschluss war er an den Feierlichkeiten zur Hochzeit des Prinzen Eugène in München (13. und 14. Januar 1806), einem persönlichen Freund des Kaisers, beteiligt. Unablässig erhielt er neue Aufgaben: So wurde Rapp am 20. Januar 1806 in Straßburg damit betraut, die Wehrpflichtigen zu inspizieren. Neben der Auszeichnung mit dem Löwenorden von Bayern führte ihn sein Einsatz Ende März 1806 auf Missionen nach Hannover, über Hameln bis nach Hamburg. In einem Schreiben lobte Marschall Augereau ausdrücklich, dass „General Rapp, Ihr Adjutant, alles mit Weisheit und Klarsicht beobachtet und erkannt hat.“ Am 14. April 1806 sandte er von Mainz aus seinen Bericht an den Kaiser, inspizierte daraufhin zusätzlich die Region Darmstadt bis nach Wesel – und nur 15 Tage nach seiner Rückkehr nach Paris reiste er erneut nach Straßburg, um dort am 6. Juli 1806 das Kommando über die 5. Militärdivision zu übernehmen. Gerade weil Straßburg als strategischer Knotenpunkt für alle Truppenbewegungen in den deutschen Staaten galt, war sein Einsatz von herausragender Bedeutung.

Kaum hatte er seine junge Ehefrau wiedergesehen, wurde Rapp erneut in den Feldzug gegen Preußen entsandt. So führte er am 9. Oktober 1806 in Schleiz mit den Kürassieren einen Angriff, zog nach der Schlacht bei Jena mit Murat am 14. Oktober 1806 in Weimar ein und übernahm in Berlin Ende Oktober die Leitung bei der Suche nach den Schätzen des preußischen Königs.

Stets an vorderster Front beteiligte sich Rapp an künftigen Einsätzen. Während des Polenfeldzuges führte er als Oberbefehlshaber der Dragoner unter General Beaumont seine Männer an. Am 24. Dezember 1806 zerschlug er die russische Gardekavallerie unter General Kamenski und trug am 26. Dezember 1806 dazu bei, die russischen Truppen zur Evakuierung Golymins zu zwingen. Dabei zog er sich Verletzungen zu, die eine Evakuierung nach Warschau notwendig machten. Trotz der schweren Beschädigung seines linken Arms – von einer Kugel zerschmettert – weigerte sich Rapp, eine Amputation zuzulassen, und kehrte unbeirrt nach Frankreich zurück. Als Statthalter in Thorn übernahm er die Leitung über Truppen, Verwundete und Kranken, die aus allen Richtungen eintrafen, und organisierte gleichzeitig die Versorgung der Danziger Belagerer. Auch an der Entwicklung einer neuen polnischen Leichtkavallerie beteiligte er sich. Am 28. Mai 1807 übernahm Rapp als Generalgouverneur und Oberbefehlshaber die Macht über Danzig – Titel, die er bis 1814 behielt, während er als Adjutant ausschließlich dem Kaiser unterstand, der einst schrieb, dass „die Bedeutung Danzigs für mich unermesslich“ sei. Dieses „Boulevard du Nord“, 1500 Kilometer von Paris entfernt, galt als unverzichtbarer Stützpunkt. Seit dem Frieden von Tilsit bildeten Stadt und Umland eine eigenständige Republik, umgeben von preußischen Provinzen, die zunehmend an Bedeutung als Festung, Marinestützpunkt und Arsenal zulegte – ein wahrer Vorposten französischer Interessen an der Ostsee. Trotz der wechselnden Garnisonsstärke (zwischen 8.000 und 35.000 Mann) bemühte sich Rapp, der Stadt weitgehenden Schaden zu ersparen. In jener Zeit gründete er mit Fräulein Boettcher aus dem alten danziger Bürgertum einen neuen Haushalt und zeugte mit ihr zwei Kinder, Ans und Adèle – was letztlich den Weg zur Scheidung von seiner ersten Ehefrau erleichterte, die diese am 1. Juli 1811 erhielt.

Rapp unterstützte auch aktiv die Freibeuter, sodass eines ihrer Schiffe später seinen Namen trug. Der Kaiser ehrte ihn am 23. Dezember 1807 mit der Eisernen Krone und erhob ihn am 19. März 1808 – basierend auf einem Patent vom 28. Januar 1809 – zum Reichsgrafen. Diese Erhebung war mit großzügigen Dotationen verbunden: Er erhielt etwa eine Jahresrente von 5.882 Franken auf das Grand Livre, 300.000 Franken für Westfalen, 250.000 Franken für Hannover sowie 400.000 Franken für Ostfriesland. Sein Vermögen war beträchtlich, auch wenn es schwer exakt zu beziffern ist. So erwarb Rapp beispielsweise am 4. März 1812 rund 360 Hektar Land in Brucourt südlich von Dives-sur-Mer, wo er zugleich die örtliche Kirche instand setzen ließ. Großzügig unterstützte er zudem Einrichtungen in Colmar und Paris, die Bibelgesellschaft – in der er als Vizepräsident fungierte –, das Konsistorium von Paris sowie den Tempel des Billettes. Außerdem vermachte er den Boettcher-Kindern 450.000 Franken, die zu gleichen Teilen verteilt werden sollten.

Zu Beginn des Jahres 1809 fühlte sich Rapp in Danzig „wie ein verlorenes Kind“. Der Kaiser forderte ihn daraufhin auf, sich im Kampf gegen Österreich zu beweisen. Bei Essling (22. Mai 1809) gelang es ihm, als Anführer der Gardefüsiliere die kollektive Lage zu retten, auch wenn ihn ein Autounfall zeitweise lähmte. In Schönbrunn gelang es ihm dann, am 12. Oktober 1809 den Anschlag von F. Staps auf den Kaiser zu vereiteln. Zurück in Frankreich setzte er seine geschäftlichen Aktivitäten gegen die Familie Vanlerberghe fort und kehrte in sein prunkvolles Herrenhaus in der Rue Plumet zurück, das er mit Meistergemälden und Skulpturen schmückte. Zwar war er zu den Feierlichkeiten der Hochzeit mit Marie‑Louise (1.–3. April 1810) eingeladen, doch krankheitsbedingt nahm er nicht teil. Nur einen Monat später erhielt er den Befehl, sein Kommando in Danzig wiederaufzunehmen – er traf dort am 10. Juni ein. Dort stellte Rapp die Ordnung wieder her und baute gleichzeitig verdeckte Informationsnetzwerke auf, die ihn über Vorgänge in Schweden, Russland und den Menschenhandel in der Ostsee informierten. Sein Gespür für die Sorgen der Soldaten führte dazu, dass er die polnische, badische und sächsische Bevölkerung immer mit dem nötigen Respekt behandelte. Bereits am 10. April 1811 beabsichtigte der sächsische König, ihm als Zeichen der Anerkennung den Großen Orden des Militärordens des Heiligen Heinrich zu verleihen – ein Lob für die Fürsorge, die er den Truppen in Danzig zukommen ließ. Am 30. August 1811 wurde Rapp zudem zum Großoffizier der Ehrenlegion erhoben. Neben seiner früheren Auszeichnung mit der Großkreuz des Ordens vom Löwen Bayerns sowie dem militärischen Verdienstpreis Maximilian Josephs des Ordens der Treue zu Baden und zwei Auszeichnungen des Ordens der Zwei Sizilien, wurde er später auch noch mit dem Großkreuz des Ordens von Réunion (3. April 1813) geehrt. Nach seinem Tod wurde Rapp schließlich zum Kommandeur des Ordens von Saint-Louis erhoben.

Unmittelbar nach seiner Ankunft in Danzig am 7. Juni 1812 teilte Napoleon Rapp mit, dass der Krieg gegen Russland begonnen habe und er bis zu seiner Abberufung an diesem Ort verbleiben müsse. Bereits im Juli erreichte ihn ein Kurier, der ihn aufforderte, zurückzukehren, um sich einem Angriff der englischen Flotte unter Admiral Martin entgegenzustellen. Rapp schloss sich daraufhin dem kaiserlichen Zug in Smolensk an, nahm an der Affäre von Walutina am 19. August 1812 teil – ohne jedoch das Kommando über die Westfalen-Truppen unter Junot zu übernehmen.

Am Vorabend der Schlacht um Moskau kam Rapp nach eingehender Inspektion der feindlichen Linien zu dem Schluss, dass diese keine Möglichkeit zur Flucht boten. Während intensiver Angriffe auf den linken Flügel zog er innerhalb von anderthalb Stunden gleich vier Verwundungen ein, und am 7. September 1812 wurde er von einem Biscayaner von seinem Pferd geworfen – dies zählte bereits als seine 22. Verletzung. Nachdem er am 19. Oktober aus Moskau zurückkehrte und sich kaum erholt hatte, gelang es ihm im frühen Morgengrauen des 25. (Oktober) durch das Abwehren eines Kosakenangriffs bei Gorodina nahe Malo-Jaroslawetz, das Leben Napoleons zu retten. Später kämpfte er in der Nachhut an der Seite von Ney an der Berezina, wo er am 28. November erneut verwundet wurde.

Am 5. Dezember verkündete Napoleon seine Rückkehr nach Paris und befahl Rapp, wieder nach Danzig zu eilen, wo man Ney in Wilna erwarten sollte. Gleichzeitig sollte er versuchen, die verstreuten Truppen zusammenzuführen – denn Danzig bot den Überlebenden des Rückzugs vorübergehend Zuflucht. Am 12. Januar 1813 wurde ihm vom Marschall Macdonald das Kommando über das 10. Korps übertragen. In einem Brief an seinen Freund Paira vom 29. April 1814 schilderte er:
„Ich habe Danzig elfeinhalb Monate lang verteidigt. Von 32.000 Mann blieben nur noch 5.600 übrig – 17.000 wurden durch die Pest dezimiert, 3 bis 4 Tausend fielen im Gefecht, und der Rest blieb in Polen, Deutschland, Spanien und Neapel. Dennoch stand der Feind lediglich vierhundert Klafter von der Stelle entfernt, an der ich hätte kapitulieren müssen. Wir waren gezwungen, nach Frankreich zurückzukehren.“
Entgegen der vereinbarten Kapitulation gerieten Rapp und seine Garnison in und um Kiew in Gefangenschaft.

Zurück in Paris, das am 31. Juli 1814 aus der Notlage heraus den Bourbonen den Vorzug gab, erwirkte Rapp in Zusammenarbeit mit den Behörden eine offizielle Klärung der Lage der in Danzig kämpfenden Truppen. Am 23. August 1814 erhielt er von Ludwig XVIII. den Ritterschlag im Orden des Heiligen Ludwig sowie das Großkreuz der Ehrenlegion. Wenige Wochen später, am 16. März 1815, übertrug ihm der Herzog von Berry das Kommando über das 2. Korps, das dazu bestimmt war, Napoleons Truppen zurückzuschlagen. Er begleitete Ludwig XVIII. bis nach Ecouen. Nachdem ihm der Befehl erteilt worden war, nach Paris zurückzukehren, konnte Rapp dem Ruf seiner alten Weggefährten Bertrand und Le Marois nicht widerstehen. Der Kaiser, der ihn am 22. März in den Tuilerien empfangen hatte, übertrug ihm am 25. März den Oberbefehl über das 5. Beobachtungskorps im Elsass – welches sich am 16. April zur Rheinarmee formieren sollte. Noch am 7. April, unmittelbar nach seiner Ankunft in Straßburg, übernahm er zusätzlich das Kommando über die 5. Militärdivision. Obwohl der anfängliche Enthusiasmus zu schwinden schien, demonstrierte Rapp eine außergewöhnliche Einsatzbereitschaft: Er bereiste das Elsass von Haguenau über Sierentz bis Mulhouse, um General Lecourbe zu treffen, sämtliche Lagebegebenheiten zu erfassen und dem Kaiser Bericht zu erstatten. Aufgrund seiner Verdienste wurde er am 2. Juni zum Peer von Frankreich erhoben – und das, nachdem er am 13. Mai gerade als Vertreter des Haut-Rheins in die Kammer gewählt worden war.

Rapp stand mit rund 30.000 Mann einer feindlichen Übermacht gegenüber, denn während sich das 4. Korps der Nordarmee anschloss und deren linke Flanke freilegte, verfügten die Alliierten über 200.000 Soldaten. Am 13. Juni führte er 19.000 Mann entlang der Lauter in den Angriff und griff am 19. in Richtung Germersheim an, gleich nachdem der Sieg bei Ligny verkündet worden war. Doch verschwiegen Informationen über die Ereignisse in Waterloo zwangen ihn, sich wieder nach Straßburg zurückzuziehen, während die bayerische Truppe Wrède am 23. auf Sarreguemines marschierte. An der Lauterlinie retirierte er gemächlich und sicherte am 24. Juni die Stellung in Bergzabern. Am 26. Juni gelang ihm erneut, das Gebiet vor Haguenau zu erreichen, und am 28. stürmte er siegreich auf den Souffel, wobei seine 9.000 Mann 25.000 feindliche Truppen zurückdrängten. Er zog daraufhin in das wieder besetzte Straßburg ein. Trotz der Nachricht von einer Abdankung hob Rapp den Kopf und führte in der Nacht vom 8. auf den 9. Juli einen Einsatz gegen die Gebiete Ober- und Mittelhausbergen durch. Am 22. Juli schloss er schließlich eine Militärkonvention für zehn strategische Standorte im Elsass, sodass jede Einheit ihre Position beibehalten konnte. Die darauffolgende Auflösung der Armee löste am 2. September in Straßburg einen raschen Aufstand der Dalousi aus, die innerhalb weniger Stunden 2,2 Millionen in ausstehenden Soldzahlungen einforderten, die Rapp nicht beschaffen konnte. Bereits am 4. September waren die Kampfhandlungen beendet, und zwischen dem 7. und 15. September entließ Rapp die Regimenter. Er erklärte sich selbst als „leidenschaftlichen Royalisten“ und betonte, dass „man vor allem Franzose sein müsse“. In einem Schreiben formulierte er: „Ich habe alles unternommen, um das Elsass in französischer Hand zu bewahren.“ Seinen Widerstand gegen die verschiedenen Besatzer – insgesamt rund 40.000 im Elsass – machte er unermüdlich geltend.

Nachdem Rapp am 16. September in den Ruhestand versetzt worden war, begann er mit den Vorbereitungen für eine neue Ehe. Er gewährte Fräulein Julie (Julie-Charlotte-Albertine Boettcher) und ihren in der Rue Plumet in Paris ansässigen Kindern Rentenzahlungen. Während sein Adjutant Marnier versuchte, Julie Boettcher zu überreden, wandte sich Rapp am 10. Oktober an Kriegsminister Clark, um die Genehmigung einzuholen, Albertine-Charlotte de Rotberg heiraten zu dürfen – sie stammte über ihre Mutter aus einer der ältesten Familien des Elsass, den Waldners von Freundstein. Die zivile Trauung fand am 12. Januar 1816 um 8 Uhr in Straßburg statt und aus dieser Verbindung gingen zwei Kinder hervor: Maximilien-Charles und Mélanie-Mathilde. In der Folge unternahm Rapp ausgedehnte Reisen in die Schweiz, wo er bereits im August 1816 das Schloss Wildenstein für 103.000 Franken erwarb. Gleichzeitig widmete er viel Zeit dem Schloss Rheinweiler, das im Besitz der Rotberg-Familie war und in dem er „weder von Ultras noch von Liberalen“ etwas zu hören bekam. Im Dezember 1818 traf er in Mulhouse den Herzog von Angoulême – der ihm nach der Evakuierung der Stadt durch die Alliierten die Ehre erwies zu verkünden, dass der König auf ihn zählte. Der Herzog betonte, dass all seine 25-jährige Verdienste dem König zuzurechnen seien. Zwei Briefe an seinen Freund und Bankier Paira vom 7. März 1819 verkündeten zudem, dass „Seine Majestät ihn zum Pari von Frankreich erhoben hat“ und baldige Schritte zur Vereidigung und Sitzungsaufnahme anstünden; zudem sollten 150.000 Franken an konsolidierten Drittmitteln die 400.000 Franken sicherstellen, die im Hauptbuch vorgesehen waren.

Anfang Oktober 1820 wurde Rapp in Paris im Zuge der Untersuchung des Prozesses gegen die Verschwörer vom 19. August vor dem Peersgericht festgenommen. Ab dem 26. November 1820 diente er als einer der ersten Kammerherren von König Ludwig XVIII. und übernahm zudem das Kommando über dessen Garderobe. Er befand sich an der Seite des Königs, als diesem die Nachricht vom Tode Napoleons überbracht wurde – wie ein Bericht im Moniteur vom 12. Juli 1821 über die mitfühlenden Worte des Herrschers belegte.

Rapp überlebte einige Monate länger, ehe er an einem Krebs des Pylorus (dem sogenannten Squire jener Zeit) starb. In seiner Trauerrede in der Kammer der Peers am 27. November 1821 bemerkte Graf Sparre:
„Der Schmerz, den unser unglücklicher Freund empfand, glich einer brodelnden Wut. In der Intensität seiner Empörung erschien er fast furchterregend. Das Schicksal hat ihm die höchsten Ehren verweigert – sei es, weil er zu sehr damit beschäftigt war, sich ihrer würdig zu machen, weil er sich weigerte, sie in Anspruch zu nehmen, oder weil der Friede den Preis seiner Verdienste aufschob.“

Das Grab von Maximilian Charles Michel Guillaume Jean Theodore (Comte) Rapp
Das Grab von Maximilian Charles Michel Guillaume Jean Theodore (Comte) Rapp
Das Grab von Maximilian Charles Michel Guillaume Jean Theodore (Comte) Rapp
Das Grab von Maximilian Charles Michel Guillaume Jean Theodore (Comte) Rapp
Das Grab von Maximilian Charles Michel Guillaume Jean Theodore (Comte) Rapp
Das Grab von Maximilian Charles Michel Guillaume Jean Theodore (Comte) Rapp

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.529: Max Aman

Der Soldat Max Aman stammte aus Vilsbiburg und war der Sohn eines Hausbesitzers. Im Ersten Weltkrieg diente er als Fahrer im 1. bayerischen Pionier-Regiment, 1. Reserve-Kompanie. Am 25.06.1916 verstarb er im Alter von 35 Jahren in Martinsbuch, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Mengkofen, seiner Heimatstadt, an den Folgen seines Kriegseinsatzes.

Max Aman wurde auf dem Friedhof seiner Heimatstadt begraben und sein Grab dürfte heute noch existieren.

Seine Heimatgemeinde Vilsbiburg gedenkt noch heute Max Aman auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2010/vilsbiburg_wk1u2_bay.htm

Sterbebild von Max Aman
Rückseite des Sterbebildes von Max Aman

Das Grab von François-Nicolas Joseph Klie

Das Grab von François-Nicolas Joseph Klie entdeckte ich bei meinem letzten Aufenthalt in Colmar im Jahr 2025.

François Nicolas Joseph Klie, geboren am 13.09.1778 in Delle, entstammte einer Anwaltsfamilie und erwies sich früh als herausragender Artillerieoffizier. Während der Revolution und des Kaiserreichs nahm er an zahlreichen Feldzügen teil und wurde schließlich Kommandeur der Nationalgarde in Colmar im Jahr 1848.

Seine militärische Laufbahn begann 1796 als Leutnant in der Armee von Sambre-et-Meuse, gefolgt von einer Zeit im 4. Reiterregiment, in der er am Italienfeldzug teilnahm und in Neapel verwundet wurde. Ab 1803 diente er als Hauptmann im 5. Reiterregiment und war in den Feldzügen in Deutschland, Spanien und Frankreich aktiv. Er spielte eine Schlüsselrolle in Madrid als Direktor des Arsenals und leitete den Allgemeinen Park der Armeen.

Zwischen 1812 und 1815 war er als Stabschef des Bataillons in der Grande Armée tätig und kommandierte die Artillerie der 5. Division des 1. Korps während des Russlandfeldzugs. Verwundet in den Schlachten von Moskowa und Wuisma, kämpfte er auch an der Beresina und verteidigte Stettin, wo er schließlich gefangen genommen wurde.

Nach seiner Rückkehr nach Frankreich wurde er 1815 Kommandeur der Artillerie in Belfort. 1820 wurde er zum Oberstleutnant befördert und 1828 zum Oberst der Artillerie ernannt, bevor er als Inspektor der Gießereien in Paris tätig war. 1848 übernahm er das Kommando über die Nationalgarde in Colmar, wo er verstarb und 1853 beigesetzt wurde.

In Anerkennung seiner Verdienste wurde er 1811 Ritter der Ehrenlegion, 1812 Offizier und 1838 Kommandeur. Während seiner 21 Dienstjahre absolvierte er insgesamt 15 Feldzüge, wobei er sich besonders in Schlachten wie Marengo, Austerlitz, Jena, Wagram, Moskowa und Beresina auszeichnete. Einige dieser bedeutenden Schlachten sind auf seinem Grabstein verewigt.

Am 28.09.1853 starb François-Nicolas Joseph Klie in Colmar.

Das Grab von François-Nicolas Joseph Klie auf dem Friedhof Colmar

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.528: Alois Brandlhuber

Der Soldat Alois Brandlhuber wurde am 14.06.1890 in Lichtenhaag geboren, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Gerzen, und war der Sohn eines Tagelöhners (Söldnerssohn). Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Gefreiter in der 10. Kompanie des 9. bayerischen Infanterie-Regiments. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. Am 04.09.1916 fiel er im Alter von 26 Jahren bei Flers während der Schlacht an der Somme während eines Sturmangriffs.

Über die Todesumstände von Alois Brandlhuber berichtet die Regimentsgeschichte des 9. bayerischen Infanterie-Regiments:

„In der Nacht vom 2./3. September übernahm die 7. Infanterie-Brigade den Abschnitt des Infanterie-Regiments 88 südwestlich von Flers bis an die Straße Flers – Longueval. Dieser Regiments-Abschnitt des 9. Infanterie-Regiments wurde vom II. Bataillon, der 1. Kompanie und sechs Maschinengewehren besetzt. Den Befehl übernahm Major Etzel. Die 2., 3. und 4. Kompanie verblieben als Brigade-Reserve in der Mulde nordostwärts von Gueudecourt.

Rechts vorwärts vom Abschnitt 9. Infanterie-Regiments lag das dem 5. Infanterie-Regiment unterstellte III./9. Infanterie-Regiment, links schloss das Infanterie-Regiment 118 an. Das Reserve-Infanterie-Regiment 5 lag rechts vom 5. Infanterie-Regiment.

Die Stellungen, in denen die Deutschen schwere Abwehrkämpfe zu führen hatten, waren keine Stellungen mit durchlaufenden Schützen- und Verbindungsgräben und Unterständen, wie sie die Truppen an ruhigeren Fronten in langer Arbeit erbauen konnten. Sie bestanden hauptsächlich aus Granattrichtern, die nur selten miteinander durch seichte Gräben verbunden waren. Kleine Schurzholznester gewährten notdürftigen Schutz gegen Splitter. Jeder Volltreffer vernichtete das Nest und die, die in ihm Schutz gesucht hatten. Ein Ausbau der Gräben war nicht möglich. Feindliches Feuer verhinderte die Arbeit oder zerstörte, was kaum vollendet war. Eine an Munitionsreichtum, geschickter Beobachtung und Feuerleitung der unseren weit überlegene feindliche Artillerie sorgte im Verein mit der feindlichen Fliegertätigkeit schon dafür, dass Arbeiten in der Stellung, Vorbringen von Munition und Verpflegung, überhaupt jede Tätigkeit unserer Truppen unterbunden wurde oder nur unter großen Verlusten stattfinden konnte.

Das feindliche Artilleriefeuer hielt Tag und Nacht an. Die Zeiten, in denen Stellungen und Hintergelände mit unregelmäßigen Pausen abgestreut wurden, galten als ruhige Zeiten! Unter diesen Umständen war es den Engländern möglich, nicht nur immer wieder neue Stellungen vorzutreiben, sondern auch sich in ihnen nahezu unbehelligt zu Angriffen bereitzustellen. Denn gegen die feindliche Feuerüberlegenheit konnte eine Wirkung unserer Maschinengewehre und Gewehre nicht aufkommen.

Das Gelände bestand, soweit das Auge reichte, nur mehr aus Granattrichtern. Ortschaften und Häuser waren dem Erdboden gleichgemacht, die Brunnen verschüttet, nur an niedrigen Baumstümpfen war noch zu erkennen, wo Wälder gestanden hatten.

Warme Verpflegung vorzubringen, war fast unmöglich. Die Träger wurden entweder abgeschossen oder sie stolperten in die Granattrichter und verschütteten oder verloren das Essen. Was an Verpflegung überhaupt noch vorkam, konnte hie und da mit Hartspiritus notdürftig aufgewärmt werden. Sehr gut bewährte sich anfänglich die Bildung eines 4. Zuges bei jeder Kompanie, der nachts Verpflegung, Mineralwasser, Munition und Schurzholzrahmen vortrug. Als im Verlauf der Kämpfe auch das nicht mehr möglich war, nahmen die ablösenden Truppen selbst Verpflegung für mehrere Tage mit und außerdem wurden nahe hinter den Stellungen Niederlagen für Munition, Verpflegung und Mineralwasser eingerichtet. In Flers wurde ein Regimentspark und eine Teeküche angelegt.

Die Ablösung gestaltete sich äußerst schwierig. In dunkler Nacht, in dem aller Anhaltspunkte beraubten Gelände, im Artilleriefeuer zerrissen die Verbände, Tote und Verwundete wurden verschüttet, Meldeläufer und Versprengte verirrten sich und gerieten in die feindliche Stellung.

Stundenlangem Trommelfeuer unter ausgiebiger Verwendung von Gasgranaten folgten Angriffe, die abgeschlagen und wieder erneuert wurden. Aber die Tapferkeit und Ausdauer unserer Truppen hielt unter den schwierigen Verhältnissen dem überlegenen Ansturm stand. Es zeigten sich die Früchte einer harten Friedensschule, in der die älteren Mannschaften zu Männern und Soldaten erzogen worden waren. Aber auch die jungen, erst im Kriege eingezogenen und ausgebildeten Mannschaften taten ihre Pflich, auch wenn im Getöse des Kampfes der Einzelne auf sich selbst gestellt, eine Einwirkung der Zug- und Gruppenführer unmöglich war.

Ganz besonders bewährten sich unsere jungen aktiven und Offiziere des Beurlaubtenstandes. Viele von ihnen waren von der Schulbank weg zu den Fahnen geeilt und im Kriege zu Männern und Führern herangereift. Begeisterung und Tapferkeit musste ersetzen, was ihnen an Lebenserfahrung und militärischer Ausbildung noch fehlte. Es war begreiflich und entschuldbar, dass gar manchem von ihnen, die trotz ihrer Jugend schon eine Kompanie zu führen hatten, die Fähigkeit, sie auszubilden und das Verständnis für die Denkungsart alter Mannschaften und Familienväter fehlte, aber eines verstanden sie alle: Ihren untergebenen ein Vorbild zu sein an Tapferkeit und Pflichttreue bis in den Tod.“

Man begrub Alois Brandlhuber auf dem Soldatenfriedhof Fricourt in einem Massengrab.

Seine Heimatgemeinde Lichtenhaag gedenkt Alois Brandlhuber noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2010/gerzen-lichtenhaag_wk1u2_bay.htm

Sterbebild von Alois Brandlhuber
Rückseite des Sterbebildes von Alois Brandlhuber

Denkmal von Straßburg für deutschsprachige Dichter

Am Plce du Vieux Marché aux Vins befindet sich eine Denkmal für die elsässischen Dichtern Ehrenfried, August und Adolf Stöber, das ich während meines letzten Aufenthalts in Straßburg entdeckte. Es verweist auch auf den deutschen Teil der Geschichte dieser wunderschönen und interessanten Stadt.

August 1808 – 1884

Ehrenfried 1779 – 1835

Adolf 1809 – 1892

Gesamtansicht des Denkmals für August, Ehrenfried und Adolf Stöber
Denkmal für August, Ehrenfried und Adolf Stöber
Denkmal für August, Ehrenfried und Adolf Stöber
Denkmal für August, Ehrenfried und Adolf Stöber
Denkmal für August, Ehrenfried und Adolf Stöber
Denkmal für August, Ehrenfried und Adolf Stöber
Denkmal für August, Ehrenfried und Adolf Stöber
August Stöber
Ehrenfried Stöber
Adolf Stöber

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.527: Franz Xaver Geltinger

Der Soldat Franz Xaver Geltinger stammte aus Leberskirchen, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Schalkham, und der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Reservist im 2. bayerischen Ersatz-Bataillon, 1. gemischte Ersatz-Brigade. Am 04.09.1914 fiel er im Alter von 25 Jahren bei Laveline während der Kämpfe bei Mandray.

Die Lage des Grabes von Franz Xaver Geltinger ist offiziell unbekannt.

Sterbebild von Franz Xaver Geltinger
Rückseite des Sterbebildes von Franz Xaver Geltinger

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.526: Josef Erlmeier

Der Soldat Josef Erlmeier stammtes aus Racksdorf, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Gangkofen, und von Beruf Landwirt. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er in einem Landwehr-Infanterie-Regiment. Am 10.02.1917 verstarb er im Alter von 41 Jahren im Infanterie-Lazarett Landshut.

Josef Erlmeier dürfte auf dem öftlichen Friedhof in Landshut im militärischen Teil begraben worden sein. Das Grab existiert wahrscheinlich noch heute.

Sterbebild von Josef Erlmeier
Rückseite des Sterbebildes von Josef Erlmeier

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.525: Joseph Fuchs

Der Soldat Joseph Fuchs wurde am 31.07.1894 in Gall bei Johannesbrunn geboren, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Schalkham, und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg diente er als Infanterist in der 12. Kompanie des bayerischen Infanterie-Leib-Regiments. Am 30.06.1916 fiel er im Alter von 21 Jahren in der Nähe der Albain-Schlucht während der Schlacht um Verdun. Dabei war er bei den Kämpfen um Fleury und die Munitionsräume südlich Fleury eingesetzt worden.

Die Regimentsgeschichte des bayerischen Infanterie-Leib-Regiments berichtet über den Todestag und die Todesumstände von Joseph Fuchs:

„30.06. Nach Trommelfeuer vorm französischen Angriff auf Thiaumont, das am 23.06. vom 10. bayerischen Infanterie-Regiment genommen worden war. 12./Leibregiment rückt nach Höhe 387, II. und III./Leibregiment in der Küchenschlucht in Marschbereitschaft. Infanterieangriff scheitert. I./Leibregiment wird abends durch II./Leibregiment, das inzwischen wieder aufgefüllt wurde, abgelöst und rückt nach Küchenschlucht.“

Eine andere Regimentsgeschichte berichtet:

„Am 30.06. fanden heftige feindliche Angriffe gegen Zwischenwerk Thiaumont statt. Auf Befehl der Brigade mussten II. und III./Leibregiment in der Küchenschlucht marschbereit sein, 12. Leibregiment und Maschinengewehr-Abteilung 206 rückten auf Höhe 378 südlich des Fossewaldes ab. Am gleichen Abend wurden die Bereitschaften aber wieder aufgehoben. – Auf unseren Stellungen lag nur leichtes Feuer.“

Man begrub Joseph Fuchs auf dem Soldatenfriedhof Hautecourt-lès-Broville in einem Massengrab.

Sterbebild von Joseph Fuchs
Rückseite des Sterbebildes von Joseph Fuchs

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.524: Alois Dechantsreiter

Der Soldat Alois Dechantsreiter wurde am 29.04.1894 in Reith in Bayern geboren und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Infanterist in der 1. Kompanie des 16. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments, in dem Auch Adolf Hitler diente. Am 04.03.1915 fiel er im Alter von 21 Jahren bei Comines durch einen Granattreffer.

Über den Todestag und die Todesumstände von Alois Dechantreiter berichtet die Regimentsgeschichte des 16. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:

„Vom Dämmern der Nacht bin zum Grauen des Morgens wird immer häufiger das ferne, dumpfe Grollen verderbenspeiender Geschütze hörbar. Die Frühjahresoffensive kündigt sich an. Sie sollen uns auf dem Posten finden. Die Kompanien in Warneton werden nachts zu Schanzarbeiten in die Stellung vorgezogen. Unsere Unterstände stehen bei dem hohen Stand des Grundwassers stets unter Wasser. Das viele Wasser mag mit schuld sein, dass drüben am 4. März ein zug Engländer übers freie Feld marschiert, den unsere 2. Kompanie unter Gruppenfeuer nimmt. Der Gegner antwortet mit einem äußerst heftigen Vergeltungsfeuer mit 30 cm. Kalibern auf unsere Gräben, vom Kemmel und aus Wulverghem rollen ganze Artilleriesalven an. In kurzer Zeit sind sämtliche Fernsprechleitungen abgeschossen, sieben Unterstände gehen zu Grunde. Die Nacht vom 4./5. März wird eine der unruhigsten, seitdem das die Stellung hat.“

Man begrub Alois Dechantsreiter auf dem Soldatenfriedhof Menen ini Block A, Grab 3.284.

Sterbebild von Alois Dechantsreiter
Rückseite des Sterbebildes von Alois Dechantsreiter

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.523: Matthäus Dechantsreiter

Der Soldat Matthäus Dechantsreiter stammte aus Reith, einem Ortsteil der bayerischen gemeinde Mengkofen, und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er in der 4. Kompanie des 16. bayerischen Infanterie-Regiment. Am 16.06.1916 fiel er im Alter von 25 Jahren bei Roclincourt (Arras)

Man begrub Matthäus Dechantreiter auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab.

Sterbebild von Matthäus Dechantsreiter
Rückseite des Sterbebildes von Matthäus Dechantsreiter