Sonderbeitrag: Major Ernst Holtzhausen

Der Soldat Ernst Holtzhausen wurde am 17.02.1862 in Zerbst/Anhalt geboren und lebte in der Stadt Ludwigsburg im heutigen Bundesland Baden-Württemberg. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Major z. D. im Stab des III. Bataillons des 246. Reserve-Infanterie-Regiment. Am 24.10.1914 fiel er in Belgien bei Reutel, in der Nähe von Ypern.

Über den Todestag und die Todesumstände von Ernst Holtzhausen berichtet die Regimentsgeschichte des 246. Reserve-Infanterie-Regiments:

„Gegen Abend des 23. Oktober traf von dem Brigadekommandeur der Befehl ein, Regiment 246 habe mit dem Regiment 244 Reutel anzugreifen. Der Angriff wurde aber auf 24. Oktober vor Tagesanbruch verschoben. Der Morgen des 24. Oktober 1914 brach trüb und neblig an. Seit den frühesten Morgenstunden kreuzten sich die Geschosse der beiderseitigen Artillerien über den Gräben. Heute sollte Reutel und die englische Stellung endgültig in deutschen Besitz kommen. Die eigenen Schützengräben wurden auf Befehl des Regiments (Freiherr von Varnbühler) eingeworfen, sodass nur noch eine Brustwehr für liegende Schützen auf dem gewachsenen Boden stehen blieb. Also ein Zurück in die eigenen Gräben gab es nicht.

Ein Regimentsbefehl von damals lautete: Das Regiment greift morgen, rechter Flügel am Wege Reutel-Ypern, den westlichen Teil von Reutel im Anschluss an Regiment 244 (rechts), sowie die Waldstücke südlich von Reutel an und setzt sich in den Besitz des Westrandes dieser Waldstücke, welche von den vordersten Abteilungen zu besetzen sind. Zu dem Angriff tritt das I. Bataillon, welches den Anschluss hat, unter Zuteilung der Pionier-Kompanie 54 um 6 Uhr morgens an. Angriffsziel westlicher Teil von Reutel und dreihundert Meter südlich davon. Links davon greift das II. Bataillon die Waldstücke in drei- bis vierhundert Meter Ausdehnung an. Das III. Bataillon ohne 12. Kompanie wird dem Regiment vom Brigadeführer zur Verfügung gestellt und folgt noch aufgeschlossen hinter der Mitte des Regiments, bereit, beim I. und II. Bataillon einzugreifen.

Zum Angriff sind die Gewehre zu entladen, Seitengewehre sind aufgepflanzt. Anschluss hat der linke Flügel des Regiments. Lautloses Vorgehen zum sorgfältig angesetzten Angriff ist Vorbedingung für sein Gelingen. Beim nächtlichen Durchschreiten der Wälder auf kurze Entfernung hinter der Schützenlinie geschlossene Trupps.

gez. Freiherr von Varnbühler

Bei stockdunkler Nacht erhoben sich die Bataillone auf der Höhe am Westrand von Becelaere und gingen zum dritten Male gegen Reuten und die südlich davon liegenden Waldstücke vor. Entschlossenheit lag auf allen Gesichtern. Heute sollte uns die Siegespalme nicht entrissen werden. Auch die Artillerie war über unser Vorgehen genau unterrichtet. Die feindliche Hauptstellung lag bereits unter schwerem deutschem Feuer. Der Sturm der Gruppe Roschmann begann. Doch auch der Engländer war auf der Hut. „Royal-Scos-Fusiliers“ und das „Yorkshire-Regiment“ verteidigten Flanderns Boden. Beide Regimenter mit alter Tradition und berühmt aus vielen Kolonialkriegen.

Das Vorgehen des Regiments 244, das den Anschluss hatte, hatte sich verzögert. Es war inzwischen heller Tag geworden. Rasendes Feuer empfing das Regiment 246 gleich zu beginn seiner Vorwärtsbewegung. Es lichteten sich die vorderen Reihen. Aber unaufhaltsam ging es vorwärts gegen die feindliche Linie, die von der schwäbischen Sturmwoge überflutet wurde. Das III. Bataillon hatte sich am Wege Zwaanhoek-Reutel entlang gezogen und drang von Norden her mit gefälltem Bajonett und schlagenden Tambours mit gellendem Hörnerklang in die feindliche Stellung ein. Ein blutiges Handgemenge entspann sich. Durch den Angriff des III. Bataillons entlastet, erhoben sich auch das I. und II. Bataillon und stürzten sich nun gemeinsam auf den Feind. Der Gegner, soweit er in seinen engen, tiefen Gräben standhielt, wurde niedergemacht, der Rest gefangen genommen. 540 Mann und 18 Offiziere fielen den 246ern in die Hände, dazu eine stattliche Zahl Gewehre, Munition, Schanzzeug, sowie ein Maschinengewehr. Reutel war in unserer Hand. Der Sieger drang ohne weiteren Widerstand in die südlich und südwestlich des Dorfes liegenden Waldstücke bis an den Reutelbach vor. Das befohlene Ziel war erreicht. Regiment 244 war nördlich der Straße Reutel-Ypern rasch vorwärts gekommen, drang im Anschluss an das Regiment 246 tief in den Polygonwald ein, verließ ihn aber kurz darauf wieder, um auf die Höhe nördlich Reutel zurückzugehen. Die unserem Regiment durch diese Rückwärtsbewegung drohende Gefahr wurde sofort erkannt und deshalb mit allen Mitteln von unserem Regimentskommandeur veranlasst, dass diese zum Stehen gebracht wurde, was dicht am Ostrande des Polygonwaldes gelang. Die Stellung des Regiments war hierdurch ziemlich bedroht. Die Anschlusstruppen rechts und links waren etwa vierhundert Meter zurück, es entstand so eine Lücke von fünfhundert Metern. Da die Verluste in den letzten Tagen außerordentlich groß waren, verfügte das Regiment über keinerlei Reserven mehr, bis zum letzten Mann war alles eingesetzt. Trotzdem erging der strenge Befehl, die Stellung unter allen Umständen zu halten.

Der Feind hatte sich in der Zwischenzeit wieder gefasst, seine Führung übersah die Lage halbwegs. Mit neuen Truppen setzte ein Gegenstoß aus dem gegenüberliegenden Polderhoekpark ein, der kraftvoll vorgetragen wurde. Er zerschellte aber an der deutschen Linie.

Bei Einbruch der Dunkelheit meldete sich Leutnant Kammerer mit dem Radfahrerzug des Reserve-Jäger-Bataillons 26 als Unterstützung. Das Detachement wurde sofort zur Sicherung der rechten Flanke in Stellung gebracht.

Das Jägerbataillon 26 befand sich als Brigade-Reserve am 24. Oktober 1914 bei Terhand. Bei der Führung herrschte kein klares Bild über die Lage. Als daher das Gerücht nach hinten gelangte, dass die feindlichen Gegenangriffe erfolgreich gewesen wären und der Engländer Bedelaere wieder genommen hätte, wurden die Jäger alarmiert und nach Becelaere in Marsch gesetzt. Als sich die Nachrichten als falsch erwiesen, kehrte das Bataillon wieder nach Terhand zurück. Nur der Zug Kammerer blieb beim Regiment. Hier wurde der Anfang gemacht zu einer treuen und aufopfernden Waffenkameradschaft zwischen den Jägern 26 und den 246ern. Die Lücke auf dem rechten Flügel wurde nun gegen Abend ebenfalls geschlossen. Die Brigade setzte dort die Reste des III./247 unter Oberleutnant der Reserve Keller ein. Auf einen anscheinend missverstandenen späteren Brigadebefehl rückte das Bataillon jedoch wieder am hellichten Tage unter großen Verlusten durch feindliches Infanterie-Feuer aus der Stellung ab und sammelte sich in Becelaere.

Die vom Regiment nunmehr zu haltende Stellung am Reutelbach hatte eine Ausdehnung von tausend Metern.

Über den Sturm am 24. Oktober 1914 schreibt ein Angehöriger des III. Bataillons:

„Es war am 23. Oktober 1914 abends. Wir lagen bei Reutel eingeschanzt hinter einem zerschossenen hause, als unser Zugführer die Nachricht brachte: „Morgen früh wird auf der ganzen Front angegriffen.“ Sofort machten wir das Sturmgepäck fertig, fassten noch reichlich Lebensmittel und begaben uns dann zur Ruhe. Am andern Morgen traten wir Punkt 5½ Uhr links der Straße Reutel-Ypern in Gruppenkolonne an und gingen dann im Halbdunkel möglichst gedeckt vor. Wir erhielten sofort lebhaftes Feuer vom Gegner, das sich immer mehr steigerte, je weiter wir vorgingen. Leider fingen jetzt schon einige Leute an, Hurra zu rufen, obwohl wir noch mehr als hundert Meter von der anglischen Stellung entfernt waren. Alles stimmte dann in den Ruf mit ein. Die Folge davon war, dass wir rasendes Infanterie- und Maschinengewehr-Feuer erhielten. Instinktiv suchte jetzt der einzelne nach Deckung hinter den an der Straße liegenden Häusern, und so kam der Angriff auf einige Augenblicke ins Stocken. In dichten Knäueln standen die Mannschaften hinter jeder nur einigermaßen schutzbietenden Deckung, und alle waren davon überzeugt, dass es so unmöglich weitergehen konnte, zumal auch das Artilleriefeuer sehr lebhaft einsetzte. Die Verluste waren bisher schon stark, konnten aber noch nicht abgeschätzt werden, da auch einzelne Mannschaften anderer Kompanien plötzlich unter uns erschienen waren. Der Führer der 10. Kompanie, Hauptmann Schließmann, war auch unerwartet unter uns aufgetaucht und feuerte uns nun unermüdlich an, vorzugehen. Der Knäuel löste sich nach und nach auf, indem die Leute, zum Teil kriechend, über die Landstraße zu den feindlichen Gräben sich heranpirschten, zum Teil sprungartig heranzukommen versuchten. Die Verluste nahmen zu. Überall lagen die Verwundeten. Aber auch die Wut auf den Gegner steigerte sich bis ins Maßlose. Wie eine Erlösung war es dann, als wir unter lautem Hurra am feindlichen Graben angelangt waren und die Engländer fast ausnahmslos die Waffen wegwarfen und die Hände in die Höhe streckten. Sie hatten noch auf uns geschossen, als wir kaum noch fünf Meter vor ihrem Graben entfernt waren. Und das trug viel dazu bei, dass so mancher Engländer schließlich noch sein Leben durch unsere Bajonette lassen musste. Sofort wurde ein Kommando aufgestellt, das die Gefangenen abführte. Noch einen letzten Blick ließen wir über das furchtbare Schlachtfeld gleiten, und keiner von uns wird diesen Anblick je vergessen können. Zu hunderten lagen die Toten und Verwundeten in allen Stellungen auf- und nebeneinander. Es war ein Anblick, der den Härtesten hätte erweichen müssen, auch sah man manchem Kameraden eine Träne im Auge. Nachdem wir einige Verstärkung erhalten hatten, gingen wir weiter vor und kamen bis an den Rand des vor uns liegenden Polygonwaldes. Das Feuer hatte bedeutend nachgelassen, und unsere Verluste waren jetzt viel geringer. Wir wenigen, die das Glück hatten, ohne jede Verletzung soweit vorzustoßen, verteilten uns längs des Waldrandes und gruben uns sofort ein.“

„Heiß war der Tag und blutig die Schlacht!“

17 Offiziere, 18 Offizier-Stellvertreter, 1.800 Mann, also etwa siebzig Prozent der Gefechtsstärke blieben auf dem Schlachtfeld. Unter den Toten befand sich auch der tapfere Kommandeur des III. Bataillons, Major Holzhausen. Nicht achtend der Gefahr, zog er seinem Bataillon voraus zum Sturm, jedem einzelnen ein Beispiel von Mut und Unerschrockenheit gebend.“

Man begrub Ernst Holtzhausen auf dem Waldfriedhof Stuttgart-Degerloch in Block 3 b-31-2562.

Major Ernst Holtzhausen III./246, gefallen am 24.10.1914

Sonderbeitrag: Karl August von Reinhardt

Der Soldat Karl August von Reinhardt wurde am 16.12.1853 in der württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart geboren und war Flaschner-Werkführer.

Karl August von Reinhardt Quelle: Reinhard, Karl August von, Landesarchiv Baden-Württemberg

Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Generalleutnant a. D. im Brigadestab der 107. Reserve-Infanterie-Brigade, 54. Reserve-Division. Am 22.10.1914 fiel er im Alter von 60 Jahren bei Becelaere im belgischen Flandern.

Über den Todestag und die Todesumstände von Karl August von Reinhardt berichtet die Regimentsgeschichte des 246. Reserve-Infanterie-Regiment:

„Nach einer kampferfüllten Nacht begann in der Morgendämmerung des 22. Oktober die Feldartillerie von neuem ihr Werk, um die feindlichen Stellungen bei Reutel zu erschüttern. Von der Infanterie wurde inzwischen die Stellung des Feindes näher erkundet. Punkt 12 Uhr nachmittags stürmte das Regiment 246 erneut gegen Reutel vor. Es war ein Sturm durch Blut und Tod; doch wurde der Ostrand des Dorfes erreicht. Sechshundert Meter nach vorwärts waren gewonnen. Gegenüber einer neuen verschanzten Stellung des Feindes grub man sich ein. Am 23. Oktober wurden die neuen Stellungen verstärkt und zur Erkundung der feindlichen Linie Patrouillen vorgetrieben.

Die Nacht vom 22. zum 23. Dezember war noch unruhevoller als die vorhergehenden. Durch die mondlose Dunkelheit zuckte der Flammenschein brennender Gehöfte, der Schlachtentod pfiff sein scharfes Lied. Aufrecht stand am Straßenknie Becelaere-Cheluvelt Generalleutnant von Reinhardt. Kaum hundert Meter entfernt stand eine englische Feldwache. Der General wollte das Vorgelände mit eigenen Augen prüfen und dementsprechend seine Befehle für den kommanden Tag erteilen. Er achtete nicht auf die Geschosse, die vor und hinter ihm einschlugen. „Ich kenne die Dinger von 70 her, die sind nicht so gefährlich“ sagte er zu seinen Begleitern. Doch auch nach ihm griff der Tod. Mit durchschossener Stirn brach er lautlos zusammen. Der erste württembergische General war in diesem Krieg gefallen. Oberst von Roschmann trat zunächst an General von Reinhardts Stelle. Der Kampf ging weiter.“

Die Lage des Grabes von Karl August von Reinhardt konnte ich nicht ermitteln. Vermutlich wurde sein Leichnam in die Heimat überführt und dort – vielleicht in Stuttgart – beigesetzt. Sein Garb könnte heute noch existieren.

Generalleutnant Karl August von Reinhardt 22.10.1914

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.097: Dionys Schröger

Der Soldat Dionys Schröger stammte aus Weixerau, einem Ortsteil der bayerischen Gemeidne Eching. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er im 21. bayerischen Infanterie-Regiment. Ende 1917 wurde er schwer verwundet und verstarb am 26.03.1918 im Alter von 23 Jahren im Kriegslazarett Charleroy.

Man begrub Dionys Schröger auf dem Soldatenfriedhof Vladslo in Block 10, Grab 1962.

Sterbebild von Anton Füßl und Dionys Schröger
Rückseite des Sterbebildes von Anton Füßl und Dionys Schröger

Die Männer des Ersten Weltkrieges – Teil 2.006: Hermann Griebel

Der Soldat Hermann (Gottlieb) Griebel wurde am 02.01.1882 in Rodach geboren und war von Beruf Sattler. Im Ersten Weltkrieg diente er als Landwehrmann in der 8. Kompanie des 4. Reserve-Ersatz-Regiments. Am 24.04.1915 (Volksbund: 23.04.1915) fiel er während der 2. Flandernschlacht im Alter von 33 Jahren bei Poel Capelle.

Man begrub Hermann Griebel auf dem Soldatenfriedhof Menen in Block N, Grab 598.

Sterbebild von Hermann Griebel

Die Männer des Ersten Weltkrieges – Teil 1.983: Ulrich Eggenberger

Der Soldat Ulrich Eggenberger wurde am 05.07.1917 Ecken bei Kirn und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Infanterist in der 12. Kompanie des 3. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 05.11.1917 fiel er im Alter von 21 Jahren Während der Dritten Flandernschlacht bei Passchendaele durch einen Granatvolltreffer.

Über die Geschehnisse im Zeitraum des Todes von Ulrich Eggenberger berichtet die Regimentsgeschichte des 3. bayerischen Infanterie-Regiments:

„In der Nacht zum 02.11. rückt dann die 11. bayerische Infanterie-Division im Abschnitt südlich Passchendaele westlich Morslede in die vordere Linie ein. 3. bayerisches Infanterie-Regiment hat den mittlerern Regimentsabschnitt. Die Hauptwiderstandslinie wird durch ein System von Granattrichtern auf einer Geländewelle westlich des vollständig zusammengeschossenen Dorfes Droogenbroodhoek gebildet. Außer ein paar Patrouillenvorstößen unternimmt der Feind hier nichts, doch sein Artilleriefeurer, besonders auf Morslede und die dahinter gelegenen Lager, schwillt oft zu großer Heftigkeit an.

Am 06.11. wird im Nebenabschnitt wieder heftig um Passchendaele gerungen. Es geht verloren.“

Wofür fiel Ulrich Eggenberger?

Man begrub Ulrich Eggenberger auf dem Soldatenfriedhof Menen in Block K, Grab 1000.

Sterbebild von Ulrich Eggenberger
Rückseite des Sterbebildes von Ulrich Eggenberger

Die Männer des Ersten Weltkrieges – Teil 1.956: Robert Reitmayr

Der Soldat Robert Reitmayr stammte aus Pöttmes in Oberbayern und wurde am 20.10.1895 geboren. Im Ersten Weltkrieg diente er als Pionier in der bayerischen Kraftfahrerabteilung VI. Am 01.02.1918 verunglückte er im Alter von 22 Jahren tödlich.

Man begrub Robert Reitmayr auf dem Soldatenfriedhof Vladslo in Block 2, Grab 2767.

Seine Heimatgemeidne Pöttmes gedenkt Robert Reitmayr noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/dkm_deutschland/poettmes.htm

Sterbebild von Robert Reitmayr
Rückseite des Sterbebildes von Robert Reitmayr

Die Männer des Ersten Weltkrieges – Teil 1.882: Peter Reiter

Der Soldat Peter Reiter stammte aus der bayerischen Gemeinde Teising und war der Sohn eines Straßenwärters. Im Ersten Weltkrieg diente er als Infanterist in der 6. Kompanie des 3. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 05.11.1917 fiel er im Alter von 20 Jahren während der Herbstschlacht in Flandern bei Droogenbroodhoek und Morslede in der Nähe von Passchendaele (Ortsteil von Zonnebeke) in Belgien, vermutlich durch Artilleriewirkung.

Die Lage des Grabes von Peter Reiter ist offiziell unbekannt. Ich vermute, dass er auf dem Soldatenfriedhof Menen anonym in einem Massengrab begraben wurde, wo auch seine Regimentskameraden beigesetzt wurden, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a.

  • Infanterist Josef Braun, gefallen am 05.11.1917, begraben auf dem Soldatenfriedhog Menen in Block K, Grab 1058,
  • Landsturmmann Hugo Merz, gefallen am 21.10.1917, begraben auf dem Soldatenfriedhog Menen in Block C, Grab 1532,
  • Landsturmmann Christian Botzenhard, gefallen am 24.10.1917, begraben auf dem Soldatenfriedhog Menen in Block C, Grab 1979,
  • Unteroffizier Konrad Kohn, gefallen am 21.10.1917, begraben auf dem Soldatenfriedhog Menen in Block C, Grab 1535.

Seine Heimatgemeinde Teising gedenkt Peter Reiter noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2010/teising_wk1u2_bay.htm

Sterbebild von Peter Reiter
Rückseite des Sterbebildes von Peter Reiter

Die Männer des Ersten Weltkrieges – Teil 1.798: Joseph Geier

Der Soldat Joseph Geier stammte aus Waldmann, heute ein Ortsteil der bayerischen Gemeinde Langdorf, und war der Sohn eines Kleinbauern. Im Ersten Weltkrieg diente er in der 5. Kompanie des 11. bayerischen Infanterie-Regiments, später bei der 9. Kompanie des 21. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 06.02.1915 verstarb er im Alter von 21 Jahren im Kriegslazarett Troyennes während der Stellungskämpfe in Flandern an einer Krankheit.

Man begrub Joseph Geier auf dem Soldatenfriedhof Vladslo in Block 4, Grab 2874.

Sterbebild von Joseph Geier
Rückseite des Sterbebildes von Joseph Geier

Die Männer des Zweiten Weltkrieges – Teil 1.750: Xaver Achatz

Der Gefreite Xaver Achatz stammte aus Amesberg, heute ein Ortsteil der bayerischen Gemeinde Viechtach, und war der Sohn eines Schreiners. Am 20.12.1944 fiel er im Alter von 19 Jahren in Belgien vermutlich in den Ardennen.

Die Lage des Grabes von Xaver Achatz ist unbekannt.

Seine Heimatgemeinde Amesberg gedenkt noch heute Xaver Achatz auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/dkm_deutschland/wiesing_wk1u2_bay.htm

Sterbebild von Xaver Achatz
Rückseite des Sterbebildes von Xaver Achatz

SONDERBEITRAG: Arnold Tamm

Bei einem Spaziergang auf dem Alten Friedhof in Gießen wurde ich auf folgendes Schicksal aufmerksam: Der Soldat Arnold Tamm wurde am 17.03.1882 in Büdingen im heutigen Bundesland Hessen geboren. Im Ersten Weltkrieg kämpft er als Leutnant der Reserve in der 12. Kompanie des 81. Infanterie-Regiments. Am 22.08.1914 fiel er während der Schlacht bei Neufchâteau im Alter von 32 Jahren bei Bertrix in Belgien.

Über den Todestag und die Todesumstände von Arnold Tamm berichtet die Regimentsgeschichte des 81. Infanterie-Regiments:

„Bertrix. 22. August 1914

Die Feuertaufe des Regiments 81

In den Vormittagsstunden, in denen diese Bereitstellung stattfand, war die Lage ungeklärt. Nachrichten über den Feind lauteten sehr unbestimmt. Gegen den Abschnitt des XVIII. Armee-Korps sollten angeblich zwei französische Korps im Anmarsch sein.

Als sich in den weiteren Stunden des Vormittags vom Feinde nichts zeigte, wurden die Feldküchen an die Kompanien herangezogen und das Essen ausgegeben.

Erst auf genauere Meldungen des Ulanen-Regiments 6, Betrix sei vom Feinde besetzt, trat die 21. Infanterie-Division um 2 Uhr nachmittags auf Befehl des Generalkommandos auf der Straße Recogne auf Betrix mit den Hauptkräften den Vormarsch an.

In der Vorhut marschierte das Regiment 88 mit einer Abteilung des Feldartillerie-Regiments 63, am Anfang des Gros folgte 81, dann kam die lange Kolonne des Feldartillerie-Regiments 27 und der einen Abteilung Feldartillerie-Regiment 63, dann Füsilier-Regiment 80, welches in die Artillerie-Kolonne ein Bataillon eingeschoben hatte.

Die rechte Seitendeckung – Infanterie-Regiment 87 unter Generalmajor von der Esch – ging auf Ochamps vor.

Zu beiden Seiten der Vormarschstraße war dichter, hoher Wald, Foret de Luchy und Foret Huqueny. Außerhalb der Wälder stand der Ginster in prachtvoller goldgelber Blüte. Überall war das Gelände unübersichtlich, ein wenig hügelig, doch boten die Erhebungen keine Möglichkeit für Maschinengewehre, vorgehende eigene Infanterie mit Maschinengewehr-Feuer zu überschießen. Das Vorwärtskommen wurde erheblich erschwert durch die mit starkem Draht eingefassten Viehweiden, die Drahtschweren bekamen viel Arbeit.

Während des Vormarsches auf der großen Chaussee verstärkte sich der Gefechtslärm, besonders rechts von Ochamps her. Auch vorwärts von Bertrix her war Infanterie- und Artilleriefeuer vernehmbar. Die Vorhuten und die rechte Seitendeckung sind scheinbar überall auf den Feind gestoßen. Etwa 3.30 Uhr nachmittags erreichte der Anfang des Gros der 21. Infanterie-Division – das Infanterie-Regiment 81 – das Straßenkreuz Recogne – Fays les Veneurs und Ochamps-Huqueny. An dieser Stelle befanden sich alle höheren Stäbe, mitten unter ihnen der Großherzog von Hessen. Der Regiments-Kommandeur, Seine Hoheit Prinz Friedrich Karl von Hessen war bis zum westlichen Waldrand vorgeritten. Von Erkundung zurückgekehrt, befahl der Prinz: Vorhut ist überraschend auf den Feind gestoßen, Regiment 81 wird in Verlängerung des Regiments 88 – links von diesem – zu beiden Seiten der Chaussee eingesetzt.

Das II./81, Major Genthe, hatte bereits gleich nach 1 Uhr mittags, noch bei Neuvillers, den Befehl erhalten, die Sicherung der linken Flanke der 21. Infanterie-Division zu übernehmen. Major Genthe ging mit 5. und 8. Kompanie, Hauptmann von Oppeln und von Prittwitz, auf dem tief eingeschnittenen Bahngleise gegen Betrix vor, die 6. Kompanie, Hauptmann Frisch, war Bedeckung der schweren Artillerie Nr. 3, und die 7. Kompanie, Hauptmann der Reserve Hahn, schloss sich dem III./71, Major Robert, an.

Der Kommandeur des I./81, Major von Nostitz, entwickelte beiderseits der Chaussee, Richtung Bertix, seine Kompanien, 1./81 und 4./81, Hauptmann Hilken und Oberleutnant von Brandt (für den erkrankten Hauptmann Vollmer), in Verlängerung links des Regiments 88, nördlich der Chaussee, 2. und 3. Kompanie, Hauptmann Bullrich und Hauptmann Lueder, südlich der Chaussee. Das III. Bataillon, Major Robert, mit der Maschinengewehr-Kompanie, Hauptmann Ahlers, zog sich entwickelt südlich in den Wald von Huqeny, I./81 links verlängernd.

Lagekarte am 22.08.1914 bei Betrix

Bereits im Walde erhielten die Bataillone Artillerie- und Infanteriefeuer. Zum ersten Male vernahm man das eigenartige Sausen der französischen Infanterie-Geschosse, es klang wie „pfiu – pfiu“.

Sehr schwierig war die Entwicklung für die Artillerie, sie musste mitten im Walde auffahren und in Feuerstellung gehen. Eine Batterie 27 stand an der vrogenannten Chausseekreuzung und sperrte mit ihren Fahrzeugen die Straße.

Im Waldreichen unübersichtlichen Gelände entwickelten sich nun schwere Nahkämpfe, die eigentlich überall von den Kompanien einzeln durchgeführt wurden. Die Regiments-Kommandeure, der Prinz und die Bataillons-Kommandeure befanden sich mitten in der vorsersten Schützenlinie.

Der Regiments-Stab am 22.08.1914 an der Straße Recogne-Bertrix. Prinz Friedrich Karl von Hessen gibt Befehle X

Der Feind hatte sein ganzes XVII. Armee-Korps mit vier Brigaden in Front, zwischen Huqeny und Ochamps, gegen die 21. Infanterie-Division eingesetzt. Auch die französische Artillerie war, ebenso wie die deutsche, gezwungen, in den Waldstücken nordöstlich Bertrix und Assenois in Feuerstellung aufzufahren.

Die Deckung gegen Sicht, die der Wald bietet, gestattete unseren angreifenden Kompanien, dicht an die französischen Batterien heranzukommen und mit gefälltem Bajonett in deren Feuerstellung einzudringen. Ein nicht zu schildernder Angriffsgeist beherrschte jeden einzelnen Musketier; fast ohne zu feuern, liefen die Kompanien im Sturmschritt in langen Sprüngen vorwärts. Sie hatten es ja vor noch nicht langer Zeit auf dem Übungsplatz bei Orb genügend geübt. Eine tropische Hitze herrschte am Nachmittag des 22. August. Der Wille, mit blanker Waffe an den Feind heranzukommen, lässt aber Durst und Hitze vergessen. Der Franzose hatte sich überaus geschickt flüchtig aufgeworfener Schützengräben bedient und leistete hartnäckigen Widerstand. Wo die Kompanien im Walde auf Artillerie stießen, wurden die Geschütze genommen. Hauptmann Bullrich, 2./81, stirbt mitten in einer französischen Batterie den Heldentod. Hauptmann Hilken, 1./81, erhält sechs Schritte vor einem Geschütz den tödlichen Schuss.

Der Kampf im Walde würfelte die Kompanien, ja die Regimenter durcheinander. Unter Führung von Oberleutnant von Brandt und Leutnant der Reserve Schmitz (7./81) wurde eine Batterie im Walde gestürmt, wobei sich besonders der Feldwebel Port durch sein tollkühnes Draufgehen auszeichnete. Der Fahnenträger Vizefeldwebel Filbert I/81 wurde verwundet. Überall  wurde der Franzose geworfen. Im Vorwärtsdringen schwenkte die 21. Infanterie-Division aus der anfänglich nach Westen gerichteten Angriffsfront allmählich mehr nach Süden in eine ungefähre Linie Assenois-Nordrand Bertrix ein. –

Der Vormarsch der 5. und 8. Kompanie unter Major Genthe auf dem tief eingeschnittenen Bahnkörper, von Schwelle zu Schwelle springend, gestaltete sich bei der großen Hitze recht anstrengend. In der Nähe des Waldrandes, 1 ½ Kilometer östlich Bertrix, kamen die Kompanien bei Durchschreiten eines Grundes in Artillerie-Strichfeuer, das aber glücklich durchlaufen wurde. Die Kompanien gingen durch den Wald und entwickelten sich nebeneinander zum Angriff gegen die Chaussee Bertrix – Aeremont. Im feindlichen Feuer ging es sprungweise vorwärts, hierbei schob sich die 11. Kompanie in die 8. Kompanie hinein. Mit aufgepflanztem Seitengewehr wurde die hochgelegene Chaussee gestürmt, der Gegner wich. Hierbei wurde Fahnenträger II. Bataillon, Sergant Ott, verwundet, trotzdem versuchte er noch vorzustürmen; als es nicht mehr ging, ergriff Musketier Pfleger, 11./81, die Fahne und trug sie vor. Leutnant Adolph, 5. Kompanie, fiel hier durch Kopfschuss. Die Kompanien stießen weiter vor. Die 8. Kompanie gelangte so bis auf die letzten Höhen vor Géripont; dort machte die Dunkelheit dem Vordringen ein Ende.

Die schweren Haubitzen des Fußartillerie-Regiment 3 konnten nach dem Heraustreten der Infanterie aus dem Waldgelände nördlich Bertrix auffahren. Dadurch wurde die 6./81, Hauptmann Frisch, frei. Die 6./81 beteiligte sich dann nördlich der Chaussee am Angriff gegen Ochamps.

Über die Gefechtstätigkeit der 6. Kompanie berichtet der damalige Kompanie-Chef, Hauptmann Alfred Frisch:

6./81 wurde während des Vormarsches der 24. Infanterie-Division über Neufchâteau-Recogne auf Bertrix erneut zum Schutz der schweren Artillerie des Brandenburgischen Fußartillerie-Regiments Nr. 3 befohlen. Keine angenehme Aufgabe für eine an den Feind drängende Truppe bei der nahen Aussicht auf eine bevorstehende Schlacht. Die Kompanie wurde auf die lange Artilleriekolonne verteilt. Nach längerem Halt hart westlich Recogne und anschließend weiterem Vormarsch auf der staubigen Landstraße bei glühender Hitze nach Bertrix hörte man lebhaften Kanonendonner. Die schwere Artillerie machte halt, ich löste die Kompanie sogleich von dem befohlenen Schutz und sammelte nach vorne. Die ersten Verwundeten der im Gefecht stehenden Truppen kamen uns auf der Straße entgegen. – Der Brigade-Kommandeur, Generalmajor Elstermann von Elster, welcher sich hier auf der Straße befand, ebenso wie der Stab der 21. Infanterie-Division und derjenige des Generalkommandos des XVIII. Armee-Korps, gab mir den Befehl: „Gehen Sie mit Ihrer Kompanie durch den Wald von Luchy in Richtung Ochamps vor zur Unterstützung der 87er, die sich in hartem Kampfe befinden.“ Zur Orientierung wurde mitgeteilt: „In dem dortigen Waldgelände ist eine belgische Brigade im Vormarsch.“ Die 6. Kompanie war die letzte Infanteriereserve. – 6./81 ging von der Straße über eine Wiese nach Durchschneiden der verschiedenen Drahtzäune in den Forêt de Luchy hinein. In dem mit mannshohen Farrenkraut und Gestrüpp durchwucherten dichten Wald war auf keine 10 Meter Sicht. Nach einer Linksschwenkung, im Glauben von der Richtung abgekommen zu sein, etwa 2 Kilometer im Waldesdickicht, erhielt der ausgeschwärmte 1. Zug des Leutnant Hansohm aus nächster Nähe Infanteriefeuer. Der sehr tüchtige tapfere Unteroffizier Stern fiel als Erster durch Kopfschuss, einige Schritte neben mir, mit dem Rufs: „Da sind sie!“ Dem Zuge Hansohm folgten der 2. Zug des Leutnant Maurhoff und der 3. Zug des Leutnant Stieglitz in Gruppenkolonnen mit weitem Zwischenraum. Zu sehen war nichts. – Zug Maurhoff wurde rechts neben Zug Hansohm eingesetzt. Wieder überraschendes Feuer. Befehl: „Seitengewehr pflanzt auf!“ Signal „rasch vorwärts!“ Mit Trommelschlag und Hurra stürmte die Kompanie durch den Wald. Da, an einer Lichtung angelangt, lag entwickelt auf einer langen breiten Wiese etwa 150 Meter vor uns eine intakte französische Kompanie, verstärkt durch in vorhergehenden Gefechten zerstreute Gruppen in etwa gleicher Stärke. Durch Schnellfeuer wurde der größte Teil des Gegners vernichtet, der Rest ergab sich. Einen ganz verdutzten Offizier , der auf einmal vor mir stand, nahm, ich gleich fest. Leutnant Stieglitz wurde schwer verwundet. – Wir hatten Glück. Durch unser schnelles Vorgehen waren die Franzosen wohl etwas aus der Fassung geraten. – Der Gegner war die zweite Kompanie des Infanterie-Regiments 11 unter Kapitain Henri Bastien und Versprengte des 10. und 25. Infanterie-Regiments. – Gefangen wurden abgeführt 1 Major, 2 Kapitaine, 2 Oberleutnants, 1 Leutnant, sowie 56 bis 58 Mann. Zum Teil wurden diese aus unserem Waldstück herausgeholt. Um zu verhindern, dass liegengebliebene Verwundete von hinten auf uns schossen, wie dies anderweitig geschah, wurden die Gewehre zerschlagen. Sich tot Stellende wurden durch kräftigen Zuspruch meiner braven Musketiere zum Leben erweckt. – Musketier Halbedel, Bursche des Leutnant Stieglitz, der seinen Offizier verband, sah sich plötzlich von 3 – 4 Franzosen angegriffen. Mit gefälltem Bajonett ging dieser Brave auf sie los, sie warfen ihre Waffen fort und gaben sich gefangen. Der tapfere Halbedel erhielt mit den ersten das Eiserne Kreuz. – Musketier Sauer mit blutüberlaufenem Gesicht und stark zerschossenem Unterkiefer lief mir nach und schwenkte in der Hand eine neue große Ledertasche, die er vom toten Pferd des französischen Kapitain abgeschnitten hatte. Neben viel Kartenmaterial und aufschlussreichen geheimen Schriftstücken enthielt die Tasche 450 Francs in neu geprägten 5 Francs-Stücken, die an das Bataillon weitergingen. Der pflichtgetreue Sauer wurde zum Eisernen Kreuz eingegeben.

Nach kurzem Aufenthalt ging es über die Wiese in den Wald hinein. Kaum eingedrungen, ein heftiger Feuerüberfall auf nahe Entfernung. Es war ein Sausen und Summen in der Luft, man hatte das Gefühl, in einen dichten Wespenschwarm geraten zu sein. Zum Überfluss schoss eine von uns zurückgebliebene Gruppe von hinten. Mein dabei befindlicher tapferer Spielmann machte dem rasch ein Ende. Er lief an den aufgeregten Schützen entlang und in Ermangelung einer anderen Verständigung in dem Lärm, brachte er durch einige wohlgemeinte Püffe mit dem Stiefel das Feuer rasch zum Einstellen. Kommandos drangen nicht durch. Durch Trillern der Signalpfeife konnte endlich abgestoppt und Ruhe zur Aufrechterhaltung der Feuerdisziplin geschaffen werden, um dann gleich das Feuer erneut lebhaft aufzunehmen. Die Feuerüberlegenheit wurde gewonnen, der Franzose in die Flucht geschlagen. Einige seiner Toten und schwer Verwundete lagen vor uns. – Der Wald war gesäubert, der Weg nach Ochamps frei. Später stießen wir auf die große Straße und erreichten an dunklen Abend um 9.30 Uhr Ochamps. Die Aufgabe war erfüllt. Verluste der Kompanie: 4 Tote, darunter Unteroffizier Stern und Musketier Klees, 14 Verwundete, zum Teil schwer darunter Leutnant Stieglitz und Musketier Sauer.

An allen Stellen wich gegen Abend der Feind. Verfolgt vom Feuer der Artillerie, artete der Rückzug der Franzosen in reglose Flucht aus. Gegen 8.15 Uhr abends ist das Gefecht beendet. Das Regiment sammelte sich auf Befehl des Regiments-Kommandeurs an der Wegegabel Ossange-Bertrix und Recogne-Fays les Veneurs, westlich der Bahn, bei einem lichterloh brennenden Hause.

Der 22. August 1914 wird immer in der Geschichte des Regiments ein Ruhmestag bleiben. Allerdings unter großen Blutopfern hatte die 21. Infanterie-Division einen für die französischen Waffen folgenschweren Sieg errungen. Das französische XVII Armee-Korps, welches gegen die 21. Infanterie-Division gefochten hatte, war restlos vernichtet worden.

Vom Regiment haben in der Schlacht von Bertrix neben vielen braven Unteroffizieren und Mannschaften den Heldentod gefunden: die Hauptleute Hilken, Bullrich und der Reserve Hahn; letzterer starb wenige Tage nach der Schlacht an den erlittenen Verletzungen. Ferner waren gefallen die Leutnants Adolh, der Reserve Heß, Resardt, der Reserve Tamm und von Wittgenstein.

Verwundet waren die Hauptleute Rhein (12. Kompanie) und von Frankenberg (11. Kompanie), die Leutnants Freytag, Günther Frisch, Fähnrich Pfeffer, Leutnant Orth, Stieglitz, von Wartenberg, von Boehn, Offizier-Stellvertreter Custodes.

Dem Kommandeur des I./81, Major von Rostitz, hatte ein Infanteriegeschoss den Backenknochen zerschmettert. Leicht verwundet war Hauptmann Lueder, er ließ sich auf dem Schlachtfelde verbinden und verblieb bei seiner Kompanie.

Über einzelne Erlebnisse in der Schlacht berichtet Major von Nostitz:

Während des Vormarsches auf Bertrix hörte man gegen 3.30 Uhr nachmittags vorne lebhaftes Infanteriefeuer. Die Marschkolonne hielt, Seine Hoheit der Prinz befahl mir, bei der Truppe zu bleiben, während er selbst nach vorne ritt. In der Vermutung, dass die Chaussee bald unter feindlichem Artilleriefeuer liegen würde, nahm ich die 4. Kompanie, Oberleutnant von Brandt, und die 1. Kompanie, Hauptmann Hilken, rechts von der Chaussee in den Wald hinein, die beiden anderen Kompanien, Hauptmann Bullrich und Lueder, links von der Chaussee herunter. Als der Prinz zurückgekehrt war, gab er Befehl: „Vorhut ist überraschend ins Gefecht getreten. Das I./81 verlängert links das Infanterie-Regiment 88.“

Ich befahl der 2. und 3. Kompanie, sich links der Chaussee im Walde zu entwickeln und vorzugehen, die 1. und 4. Kompanie sollte diesen folgen. Dieser Befehl hatte diese beiden Kompanien nicht mehr erreicht. Beide waren bereits in nördlicher Richtung vorgegangen gegen ein französisches Artillerie-Regiment, das auf dem Waldwege marschierte. Hier entwickelten sich schwere, aber siegreiche Kämpfe, die zur völligen Vernichtung des Gegners führten. Die ganze Bespannung der Geschütze lag erschossen in den Sielen.

Inzwischen waren die 2. und 3. Kompanie auf südlicher Seite der Chaussee gegen Bertrix vorgegangen. Eigene Artillerie fuhr dicht hinter uns auf. Am Waldrand angekommen, hatten wir auf 600 Meter französische Schützen vor uns. Die 2. und 3. Kompanie entwickelten sich zum Angriff. Das III. und II. Bataillon war links gestaffelt von uns eingesetzt. Hiernach machte ich Seine Hoheit Meldung und begab mich selbst auf die Nordseite der Chaussee, wo ich bei der Kompanie Bullrich, die im Laufe des Angriffs auf die Nordseite gelangt war, eine schwierige und völlig ungeklärte Lage fand. Eingedenk „Schlieffenscher Mahnung“ in solchen Fällen von der Flanke her Erleichterung zu schaffen, eilte ich wieder auf die südliche Chaussee, um hier den Angriff vorzutreiben. Unter einer Tanne lag schwer verwundet der Leutnant Freytag. Wenige Tage vorher hatte mir sein Vater ihn besonders ans Herz gelegt. Ich musste weiter vor. Unsere Schützen, von Füsilieren 80 verstärkt, waren bis auf 150 Meter an den Feind herangekommen. Links von uns sah man die Schützen von II/81. Die hinter uns stehende Batterie schoss glänzend. Ich ließ den Bataillons-Tambour Kaiser blasen: „Seitengewehr pflanzt auf!“ und „schnell vorwärts!“ Im Schritt gingen wir an die Franzosen heran. Einige 100 Meter links von mir sah ich den Prinzen, er ging 20 Schritt vor den Schützen, neben ihm die Fahne des II. Bataillons, das er im Frieden einst geführt hatte. Die Franzosen waren größtenteils durch das Artilleriefeuer erledigt, was noch am Leben, ergab sich, wir nahmen ihnen die Waffen ab. Auch nördlich der Chaussee sah ich jetzt unsere Schützen vorgehen. Bei weiterem Angriff haschte mich auf der Chaussee ein französisches Infanteriegeschoss, zerschlug mir den Backenknochen und warf mich in den Chausseegraben; als ich wieder aufstehen konnte, brachte mich der Unteroffizier Heye mit noch zwei Mann zum Verbandplatz, den ich gegen 7 Uhr abends erreichte. Unsere Ärzte hatten sich dicht neben einem heruntergeschossenen deutschen Flieger aufgebaut. Die Verwundeten mehrten sich. Frankenberg, Wartenberg und Rhein saßen neben mir. Als es ganz dunkel war, kam der Prinz zu uns. Wir sprachen über das Gefecht, wie gut uns die Artillerie geholfen hatte, wie tapfer die Batterien vor dem Walde aufgefahren waren, obgleich sie erwarten mussten, hierbei sofort vom Feinde zugedeckt zu werden. Die Blutopfer aber hatten unsere brave Infanterie gebracht. Besonders mein I. Bataillon hatte schwer gelitten. Erst nach Jahren erfuhr ich die Lage beim Gegner. Unser Gegner, das XVII. französische Armee-Korps, war mit seinen 4 Brigaden auf unsere Division gestoßen. Nacheinander hatten wir diese Brigaden restlos vernichtet und die französische Linie durchbrochen. Hierdurch wurde die schwierige Lage der links neben uns fechtenden 25. Infanterie-Division erleichtert. Die Stellung dieses feindlichen Korps war nun in der Flanke bedroht, es musste zurückgenommen werden. Der französische Armeeführer, General Langle de Cary, befahl, dass seine Armee am anderen Tage den Angriff wiederholen sollte. Es war nicht möglich, er musste den Angriffsbefehl zurücknehmen. Dort, wo sein XVII. Armee-Korps stehen sollte, klaffte eine weite Lücke. – Wie mir später noch in Sedan erzählt wurde, soll der General Vollemejean, nachdem er seinem Armeeführer Bericht erstattet hatte, von eigener Hand gefallen sein. –

Der damalige Chef der 5./81, Hauptmann von Oppeln-Bronikowski, berichtet über diesen Tag:

5. und 8. Kompanie marschierten mit vorgenommener Spitze auf dem eingeschnittenen Bahndamm bis an den Waldrand von Bertrix. Am Waldrand wurde entwickelt, 5. Kompanie rechts, 6. Kompanie links, jede Kompanie zwei Züge in erster Linie. Bei mir folgte Leutnant Adolph mit dem dritten Zuge in Reserve. Vor uns war Wiesengelände mit drei- bis vierfachen Drahtzäunen. Vom Feinde war nichts zu sehen. In Sprüngen ging es vorwärts. Als wir den Bahndamm, der im großen Bogen um Bertrix herumführt, erreichten, sahen wir die ersten Franzosen. Erste Verluste! Ich selbst schoss mit Feldwebel Zwier von hier aus stehend freihändig, weil wir im Liegen nichts sehen konnten. Der Franzose stand gleichfalls in den Kornfeldern und schoss auf uns. Als die Leute rechts und links von uns verwundet wurden, rief mir Zwier zu: „Herr Hauptmann, wir müssen hier fort.“ – Ich überschritt dann mit der 5. Kompanie den steilen Bahndamm, jenseits desselben nisteten wir uns ein und blieben dort bis zum Abmarsch ins Biwak liegen. Am Bahndamm erlitt Leutnant Adolph, als er selbst stehend freihändig schoss, durch Kopfschuss den Heldentod. Mit ihm verlor 5./81 ihre beste und tapferste Stütze! Er hatte mich gebeten, mit seinem Zuge stets vorne sein zu dürfen. Am 22. August stand er mit seinem Zuge zufällig an 3. Stelle und kam in die zweite Linie. Als erster fand er den Heldentod. -.“

Man begrub Anold Tamm auf dem Soldatenfriedhof Vladslo in Block 9, Grab 1.467.

In Lich gedenkt man Arnold Tamm noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2013/lich_stadtkirche_lk-giessen_wk2_hs.html

Grabstein mit Erinnerungsinschrift für Arnold Tamm