Sonderbeitrag: Heinrich Geißler

Der Soldat Heinrich Geißler stammte aus der hessischen Stadt Staufenberg. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Wehrmann und Musketier in der 8. Kompanie des 116. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 04.10.1914 (Regimentsgeschichte: 05.10.1914) verstarb er in einem Lazarett in Dun-sur-Meuse im Alter von 28 Jahren, nachdem er zuvor am 24.09.1914 bei Servon im Kampf in den Ardennen schwer verwundet worden war.

Über den Tag der schweren Verwundung von Heinrich Geißler berichtet die Regimentsgeschichte des 116. Reserve-Infanterie-Regiments:

„24. 9. 14. Morgens Befehl zum Erneuern des Angriffs. R.I.R. 116 auch in vorderster Linie. 12 Uhr soll ohne Rücksicht auf die Nachbarn an= getreten werden. Sofort setzt heftiges feindliches Artilleriefeuer ein, I. gewinnt Gelände, II. nicht. Abends Befehl, nach Absuchen des Ge= fechtsfeldes in die alte Stellung zurückzugehen. Verluste: 8 Offiziere und Offizierstellvertreter. Gefallen Offz.Stellv. Ringen; verwundet Oblt. d. R. Ockel, Oblt. d. L. Sprengel, Lt. d. R. Stimmel, Schemenski, Offz.Stellv. Handwerk, Schürmann, Anton. Verluste an Unteroffizieren und Mannschaften: 30 tot, 104 verwundet. Die Gefechtsstärke des Regiments beträgt noch 15 Offiziere, 1094 Unteroffiziere und Mannschaften. Ausgerückt war das Regiment mit 71 Offizieren, 2852 Unteroffizieren und Mannschaften.“

Die Lage des Grabes von Heinrich Geißler ist nicht zu ermitteln. Ich gehe jedoch fest davon aus, dass er anonym auf dem Soldatenfriedhof Dun-sur-Meuse beigesetzt wurde, in dem Ort, in dem er starb.

Die Todesanzeige für Heinrich Geißler im Gießener Anzeiger

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.987: Peter Walch

Der Soldat Peter Walch stammte von Resten, damals ein Ortsteil des Dorfes Au, heute ein Ortsteil der bayerischen Gemeinde Berchtesgaden. Im Ersten Weltkrieg diente er als Wehrmann in der 12. Kompanie des 1. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 29.06.1915 fiel er im Alter von 31 Jahren in der Nähe von Fampoux bei Arras in Frankreich. ⇒ Schlacht bei Arras

Über den Todeszeitraum und die Todesumstände von Peter Walch berichtet die Regimentsgeschichte des 1. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:

„17.06. – 01.07.1915 Am 17. und 18. wurden noch schwache Angriffe versucht, die durch unser Artillerie-Sperrfeuer und Infanteriefeuer sofort unterdrückt wurden. Das Artilleriefeuer hilt sich noch bis 22. in beträchtlicher Stäräe und nahm dann bis 01.07. immer mehr ab. Die Citadelle von Arras und die Fabrik in St. Nikolas wurden am 26. mit gutem Erfolg (Explosion eines Munitionslagers) durch 42 cm-Mörser beschossen.

In der Stellung wurde unter Einsatz aller Kräfte an der Instandsetzung der Gräben und Unterstände gearbeitet, die zahlreichen verschütteten Leichen ausgegraben und zurückgebracht. Am Ende des Monats war der gedeckte Verkehr hergestellt und die ganze Stellung wieder in verteidigungsfähigem Zustand. Am 25.06. ereignete sich ein schwerer Unfall bei einem Versuchsschießen mit behelfsmäßigen Minenwerfern in Fampoux.“.

Die Lage des Grabes von Peter Walch ist offiziell unbekannt. Ich vermute jedoch, dass er anonym in einem Massengrab auf demnahegelegenen Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy begraben wurde, wo man auch seine Regimentskameraden beisetzte, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a.

  • Infanterist Josef Brandl, gefallen am 16.06.1915 bei Arras, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
  • Ersatz-Reservist Christian Dannecker, gefallen am 16.06.1915 bei Arras, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
  • Unteroffizier Johann Altendorfer, gefallen am 16.06.1915 bei Arras, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab.

 

Sterbebild von Peter Walch
Rückseite des Sterbebildes von Peter Walch

Sonderbeitrag: Johann Dietrich Bork

Der Soldat Johann Dietrich Bork wurde am 06.05.1884 in der Gemeinde Fronhausen geboren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Wehrmann in der 6. Kompanie des 143. Infanterie-Regiments. Am 28.09.1914 fiel er im Alter von 30 Jahrenan der Hurtebise-Ferme im französischen Ort Bouconville-Vauclair.

Die Lage des Grabes von Johann Dietrich Bork ist unbekannt.

Die Todesanzeige des Männergesangverein Fronhausen für Johann Dietrich Bork im Gießener Anzeiger

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.959: Franz Xaver Reiseck

Der Soldat Franz Xaver Reiseck stammte aus Thannenmais und war wohnhaft in Unterkenading, beides Ortsteile der bayerischen Gemeinde Reisbach. Er war der Sohn eines Gastwirts. Im Ersten Weltkrieg diente er als Wehrmann in der 8. Kompanie des 2. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 29.11.1914 fiel er im Alter von 28 Jahren während der Stellungskämpfe im Artois bei Arras.

Man begrub Franz Xaver Reiseck auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab.

Seine Heimatgemeinde Reisbach gedenkt Franz Xaver Reiseck noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2009/failnbach-reisbach_wk1u2_bay.htm

Sterbebild von Franz Xaver Reiseck
Rückseite des Sterbebildes von Franz Xaver Reiseck

Sonderbeitrag: Philipp Conrad

Der Soldat Philipp Conrad stammte aus der hessischen Ortschaft Climbach, einem Ortsteil der Stadt Allendorf. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Reservist und Wehrmann in der 8. Kompanie des 116. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 24.09.1914 fiel er im Alter von 27 Jahren an der Marne bei Servon-Melzicourt.

Über den Todestag und die Todesumstände von Philipp Conrad berichtet die Regimentsgeschichte des 116. Reserve-Infanterie-Regiments:

24.09.14. Morgens Befehl zum Erneuern des Angriffs. R.I.R. 116 auch in vorderster Linie. 12° soll ohne Rücksicht auf die Nachbarn angetreten werden. Sofort setzt heftiges feindliches Artilleriefeuer ein, I. gewinnt Gelände, II. nicht. Abends Befehl, nach Absuchen des Gefechtsfeldes in die alte Stellung zurückzugehen. Verluste: 8 Offiziere und Offizierstellvertreter. Gefallen Offz.Stellv. Ringen; verwundet Oblt. d. R. Oehl, Oblt. d. L. Sprengel, Lt. d. R. Stimmel, Schemenski, Offz.Stellv. Handwerk, Schürmann, Anton. Verluste an Unteroffizieren und Mannschaften: 30 tot, 104 verwundet. Die Gefechtsstärke des Regiments beträgt noch 15 Offiziere, 1094 Unteroffiziere und Mannschaften. Ausgerückt war das Regiment mit 71 Offizieren, 2852 Unteroffizieren und Mannschaften.

Die Lage des Grabes von Philipp Conrad ist unbekannt. Ich gehe jedoch davon aus, dass er, wenn seine Gebeine bis heute geborgen wurden, anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof Servon-Melzicourt beigesetzt wurde, der in seiner Sterberegion angelegt wurde.

In seinem Heimatort Climbach gedenkt man Philipp Conrad noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2022/climbach_stadt-allendorf_lk-giessen_wk1_wk2_hs.html

Die Todesanzeige des Gesangverein Liederkranz Climbach für Severin Leyerer und Philipp Conrad

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.937: Alois Erhart

Der Soldat Alois Erhart wurde am 08.03.1877 in Schlingen geboren, einem Ortsteil der bayerischen Stadt Bad Wörishofen, und lebte als Landwirt in Bidingen. Im Ersten Weltkrieg diente er als Wehrmann in der 1. Kompanie des 1. Garnisons-Bataillons. Am 18.02.1917 verstarb er im Alter von 39 Jahren im Reserve-Lazarett A in München.

Alois Erhart wurde wahrscheinlich im militärischen Bereich eines Münchner Friedhofs begraben und sein Grab existiert wahrscheinlich heute noch.

Sterbebild von Alois Erhart
Rückseite des Sterbebildes von Alois Erhart

Gefallene Soldaten aus Mittelhessen: Ludwig Schmidt

Der Soldat Ludwig Schmidt stammte aus hessischen Stadt Allendorf (Lumda). Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Wehrmann in der 5. Kompanie des 116. Landwehr-Infanterie-Regiments. Am 15.09.1914 fiel er im Alter von 31 Jahren bei Cernay-en-Dormois an der Marne.

Die Lage des Grabes von Ludwig Schmidt ist unbekannt, man begrub Ludwig Schmidt jedoch wahrscheinlich, wenn seine Gebeine bis heute geborgen wurden, wahrscheinlich auf dem Soldatenfriedhof Séchault in einem Massengrab.

In Allendorf an der Lumda gedenkt man Ludwig Schmidt noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2022/allendorf_lk-giessen_wk1_wk2_hs.html

Die Todesanzeige für Ludwig Schmidt im Gießener Anzeiger vom 29.09.1914

Gefallene Soldaten aus Mittelhessen: Ludwig Hauß

Der Soldat Ludwig Hauß stammte aus der hessischen Universitätsstadt Gießen. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Wehrmann bzw. Musketier in der 8. Kompanie des 116. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 18.09.1914 fiel er im Alter von 27 Jahren bei Servon. Marolles.

Über den Todestag und die Todesumstände von Ludwig Hauß berichtet die Regimentsgeschichte des 116. Reserve-Infanterie-Regiments:

„„17. und 18.9.14. Das Regiment bleibt in seiner Stellung beiderseits der Straße eingegraben mit dem Befehl, die Höhe 800 m südlich la Mare-aux-Boefs unbedingt zu halten, falls die weiter vorne eingesetzte 50. R.Brig. zurückgedrängt werden sollte. Das Regiment erhält wieder eine Anzahl E.K. II..“

Man begrub Ludwig Hauß auf dem Soldatenfriedhof Servon-Melzicourt in Block 2, Grab 355.

Die Todesanzeige für Ludwig Hauß im Gießener Anzeiger vom 28.09.1914

Gefallene Soldaten aus Mittelhessen: Karl Walther

Der Soldat Karl Walther wurde am 27.02.1884 in der hessischen Ortschaft Garbenteich geboren, einem Ortsteil der Stadt Pohlheim, und war Metzger von Beruf. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Reservist und Wehrmann in der 7. Kompanie des 116. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 28.08.1914 fiel er im Alter von 30 Jahren bei Beaumont-en-Argonne.

Über den Todestag und die Todesumstände von Karl Walther berichtet die Regimentsgeschichte des 116. Reserve-Infanterie-Regiments:

„28.08.1914 Von allen Schilderungen der Ereignisse beim Regiment am 28.08. scheint mir der Bericht des damaligen Regimentsadjutanten, Oberleutnant von Ilsemann, am zuverlässigsten. Ich lege daher seinen Bericht hauptsächlich zu Grunde, um einen der schwersten Tage des Regiments zu schildern.

Die während der Nacht eingehenden Befehle und Orientierungen ließen erkennen, dass unsere Führung annahm, die Franzosen seien südwestlich der Maas weiter im vollen Rückzug und deckten diesen auf dem westlichen Ufer nur noch mit schwachen Kräften.

4 Uhr morgens, an einem herrlichen Spätsommertag, der sehr heiß wurde, überschritt das Regiment auf einer in der Nacht geschlagenen Pontonbrücke die Maas und trat als Vorhut der 25. Reserve-Division den Marsch auf Beaumont an. Reihenfolge der Bataillone III., I., II. Die Marschstraße, die Rückzugsstraße der Franzosen am 30.08.1870 nach der Schlacht bei Beaumont, führt aus dem Maastal in mäßiger Steigung durch eine Waldschlucht auf eine 6 Kilometer südwestlich gelegene Hochfläche.

Beim Austritt aus dem Bois de Limon schlug dem Regiment heftiges Infanteriefeuer entgegen. Der bei dem Vortrupp reitende Regimentskommandeur Oberstleutnant von Pfeil befahl: „Das III. Bataillon greift beiderseits der Straße an und setzt sich in den Besitz der vorliegenden Höhe.“ Wie auf dem Exerzierplatz entwickelt Major von Busse seine Kompanien, die mit ihren Offizieren weit vor der Front sprungweise gegen den Feind vorgingen. Am weitesten links war die 11., die Spitzenkompanie, dann folgten nach rechts 12., 10., 9. Kompanie. Vom II. Bataillon wurde die 5. Kompanie, Hauptmann Leßner, als linke Seitendeckung in das Bois de l’Hospice geschickt, die 8. als Artilleriebedeckung zurückgehalten. Die 6. und 7. Kompanie werden rechts vom III. eingesetzt. Mit der Pfeife im Munde führte Major Schröder seine Kompanien vor. Ohne eine Artillerievorbereitung abzuwarten, stürmen das III. und die beiden Kompanien des II. die vorliegende Höhe und warfen die Franzosen zurück. Vor seiner Kompanie erhielt Hauptmann Bader einen schweren Bauchschuss.

Beim weiteren Vorgehen wurde festgestellt, dass der Feind beiderseits des Arbre de la Belle Epine sich in einer starken Stellung befand, aus der unseren Schützenlinien lebhaftes Feuer entgegenschlug. Auch das anfangs schwache Artilleriefeuer wuchs zu immer größerer Stärke an, von allen Seiten überschütteten feindliche ABatterien das tapfer aushaltende Regiment. Als dann auch die Franzosen zum Angriff vorgingen, wurde dem dicht hinter dem Regiment haltenden Brigadekommandeur Oberst von Heldorff klar, dass der Feind hier nicht daran dachte abzumarschieren. Im Gegenteil, er stellte sich auf den Maashöhen und beabsichtigte scheinbar die schwachen, bis her über die Maas übergegangenen Teile auf den Fluss zu werfen und dadurch den Übergang des Gros unmöglich zu machen. Dementsprechend war die Aufgabe des Regiments plötzlich eine andere geworden. Der Angriff wurde eingestellt, statt dessen befohlen: „Das Regiment hat die genommene Höhe unter allen Umständen zu halten und dadurch das Überschreiten der Maas durch das Korps sicherzustellen.“

Schon in den frühen Morgenstunden erlitt das Regiment beträchtliche Verluste. Zum Füllen der Lücken sowie vor allem zur Sicherung der linken (östlichen) Flanke musste sehr bald das I. Bataillon eingesetzt werden. 1 1/2 Kompanien blieben Reserve, Führer Hauptmann von Goetze, da zunächst auf weitere Unterstützung nicht zu rechnen war. Auch unsere Artillerie konnte keine Erleichterung bringen, da geeignete Feuerstellungen in dem Hochwald mit dichtem Unterholz nicht vorhanden waren.

In dieser ernsten Lage hatte das Regiment einen außerordentlich schweren Stand. Die Franzosen versuchten, die ihnen abgenommenen Höhen zurückzunehmen, aber weder ihr konzentrisches Artilleriefeuer, noch ihre immer von neuem unternommenen Angriffe vermochten die tapferen Bataillone ins Wanken zu bringen. Wo einzelne Teile schwach wurden, stellte die Energie der Offiziere schnell die Ordnung wieder her.

Regiments- und Bataillonskommandeure kämpften in vorderster Linie. Bei La Sartelle-Ferme verhinderte Hauptmann Freiherr von Stein eine Umgehung der linken Flanke des Regiments. Aufrechtstehend kommandierte er das Feuer seiner 3. Kompanie, welche den angreifenden Franzosen starke Verluste beibrachte. Nachdem Hauptmann Freiherr von Stein durch zwei Schüsse verwundet war, musste er die Führung seiner Kompanie abgeben. Als auch Leutnant Schärfe und Offizierstellvertreter Zeh verwundet, Offizierstellvertreter Miller gefallen war, behielt Leutnant Eckardt das Kommando und gab durch seine Tapferkeit seinen Leuten ein hervorragendes Beispiel. Mitten unter seinen Maschinengewehren fiel der besonders heldenmütig kämpfende Hauptmann Freiherr von Buddenbrock durch Kopfschuss. In kürzester Zeit hatte er es verstanden, sich das Vertrauen seiner Leute zu erwerben. Der Heldentod dieses hervorragend tüchtigen Maschinengewehr-Offiziers bedeutete einen schweren Verlust für das Regiment. Kurz darauf wurde auch Leutnant Rensch verwundet und fast alle Maschinengewehre außer Gefecht gesetzt.

Von allen Kompanien kamen gegen Mittag Meldungen über schwere Verluste und Mangel an Munition. Die Patronen wurden trotz des heftigen Feuers im Galopp vorgezogen und trotz mancher Verluste kam die Munition nach vorne. Besonders zeichnete sich hierbei der Vizewachtmeister Schuldt, der spätere Leutnant und Verpflegungsoffizier des I. Bataillons aus. Er fuhr mit einem Patronenwagen bis dicht an die Schützenlinie und kam ohne Verluste zurück. Er erhielt für diese tapfere Leistung das Eiserne Kreuz 1. Klasse. Es kam eine Meldung des Bagageführers, mindestens ein feindliches Bataillon stände im Rücken des Regiments. Aber auch jetzt wurde die letzte Reserve des Regiments, 1 1/2 Kompanien unter Hauptmann von Goetze, nicht aus der Hand gegeben. Später stellten Streifen fest, dass die Meldung falsch sei, nun erst wurde die Reserve in die der Unterstützung so bedürftige vorderste Linie eingesetzt.

Der Regimentskommandeur, Oberstleutnant von Pfeil, war etwa 7:45 Uhr vormittags bei dem Versuche, einen Gefechtsstand zu finden, der bessere Übersicht bot, verwundet worden. Die Führung des Regiments hatte Major von Westernhagen übernommen. Auch Major von Busse war so schwer verwundet, dass er noch in der Nacht starb.

Während das Regiment seit dem frühen Morgen in ununterbrochenem schwersten Kampf die entscheidenden Höhen östlich Yoncq behauptete, vollzog sich in unserem Rücken bei Mouzon der ungestörte Übergang des XVIII. Reserve-Armeekorps, dessen Regimenter nach und nach rechts von Reserve-Infanterie-Regiment 116 in die Schlacht eingriffen. Eine gewisse Erleichterung wurde vor allem durch das Nachlassen des feindlichen Artilleriefeuers vorübergehend gespürt, aber die Aufgabe des Regiments war noch nicht erfüllt. Immer von neuem versuchte der Feind das Regiment zurückzuwerfen, gelang es ihm, stand der Feind in der Flanke der bisher über die Maas übergegangenen deutschen Teile, verhinderte den weiteren Übergang und stellte den Ausgang der Schlacht in Frage. Allen noch kämpfenden Offizieren des Regiments war dies klar geworden. Viele waren es allerdings nicht mehr, von den elf eingesetzten Kompanien hatten nur noch drei ihre Führer, die anderen waren gefallen oder verwundet. Mehrere Kompanien waren schon ohne jeden Offizier, dementsprechend waren die Verluste an Unteroffizieren und Mannschaften. Die Kräfte des seit Stunden im schwersten Feuer kämpfenden Regiments spannte sich bis zum äußersten. Als aber schließlich wieder die Munition ausging, die Verluste immer größer wurden, Reserven nicht mehr zur Verfügung standen, wurde der Widerstand schwächer. Erneute Angriffe abzuwehren hatte das Regiment kaum noch Kraft. In Erkenntnis dieser Lage ritt der Regimentsadjutant, Oberleutnant von Ilsemann, so schnell als es die Kräfte seines verwundeten Pferdes erlaubten zum Kommandierenden General, der am Südwestausgang von Mouzon die Schlacht leitete. General von Steuben, der wusste, dass durch den Verlust der Höhen, auf denen Reserve-Infanterie-Regiment 116 kämpfte, der Schlachterfolg der Armee in Frage gestellt war, tat sofort alles, was dem schwerblutenden Regiment Erleichterung bringen konnte. Er schickte Munition, ließ das Feuer der schweren Feldhaubitzen auf den dem Regiment gegenüberstehenden Feind lenken und befahl schließlich seiner Reserve, dem Reserve-Infanterie-Regiment 88, dem Reserve-Infanterie-Regiment 116 zur Hilfe zu eilen. Im entscheidenden Augenblick, als das heldenmutig ringende Reserve-Infanterie-Regiment 116 am Ende seiner Kraft war, traf die Hilfe ein. Unter Führung des Oberst von Helldorff wurde ein letzter Versuch der Franzosen, die Schlacht zu ihren Gunsten zu entscheiden, vereitelt.

Die linke Seitendeckung, 5. Kompanie, hatte am Südrand des Bois de l’Hospice von einer Kavallerie-Offizierstreife die Meldung erhalten, der Waldrand bei Arbre de la Belle Epine sei vom Feinde stark besetzt. Hauptmann Leßner entwickelte einen Zug und ließ ihn gegen den Feind vorgehen, mit den beiden anderen Zügen wollte er den rechten Flügel des Feindes vom Steilhang an der Maas aus umfassen. Der zur Erkundung vorgeschickte Leutnant der Reserve Rindfuß stellte aber starke feindliche Abteilungen zwischen Beaumont und Letanne, also in der linken Flanke der Kompanie fest, die Absicht des Hauptmann Leßner war also unausführbar. Die Kompanie nistete sich am Steilhang an der Maas ein und trat in das Gefecht, das trotz starker Verluste und Munitionsmangel bis zum Nachmittag durchgeführt wurde. Als dann der Feind mit vier Kompanien und Maschinengewehren gegen die 5. Kompanie vorging, ging die Kompanie im Gefecht zum Nordrand des Bois de l’Hospice zurück. Hier blieb Leutnant Rindfuß als Nachhut, der mit den letzten Patronen den Gegner fernhielt und den Abzug seiner Kompanie deckte, die gegen Abend das Regiment wieder erreichte. 20 Mann des zuerst entwickelten Zuges, die zu tapfer nach vorn durchgegangen waren, wurden vom Feinde umzingelt und später gefangen. Außerdem hatte die Kompanie 61 Mann an Toten und Verwundeten verloren. Leutnant Daubers war durch Schrapnellkugel schwer verwundet. Leutnant Leßner, der durch Granatsplitter am rechten Schienbein verwundet war, behielt die Führung der Kompanie. Beim Gehen stützte ihn sein treuer Entfernungsschätzer, Unteroffizier Heinrich Rasch aus Freiensteiner.

Das Regiment hatte seine Aufgabe erfüllt, das XVIII. Reserve-Armeekorps und das ihm folgende VI. Armee-Korps hatten ungestört vom Feinde den Maasübergang durchgeführt. Aber die Erfüllung des Auftrages hatte schwere Opfer gekostet! Von dem Offizierskorps und den etwa 3.000 Mann des Regiments sammelten sich am Abend beiderseits der Straße Mouzon – Beaumont 6 Offiziere 600 Mann! Durch die Artilleriebedeckung, Seitendeckung, Versprengte usw. erhöhte sich zwar dann die Gefechtskraft auf 1.000 Mann, aber fast 2/3 hatte das Regiment verloren!

Andere Teile der Division hatten das westlich des Schlachtfeldes des Regiments liegenden Dorfes Yoncq genommen, hatten aber über das Dorf und den nordöstlich des Ortes liegenden Wald hinaus nicht vordringen können.

Gefallen waren die Hauptleute Freiherr von Buddenbrock-Hettersdorf und Diehm, die Leutnants Lung, Todt, Castringius, Boge, die Offizierstellvertreter Barth, Nerger, Müller, Jung, Preuß, Rauff. Der schwer verwundete Major von Busse starb in der Nacht 28./29. im Feldlazarett Mouzon. Verwundet waren Oberstleutnant von Pfeil, die Hauptleute Freiherr von Stein zu Nord- und Ostheim, Bader, Freiherr Raitz von Frentz, Goepel, Ulrichs; die Oberleutnants Weimer, Waldeck, Freiherr von Lyncker, Quade, von Mentz; die Leutnants Huhn, Rausch, Daubes, Trümper, Hosch, Warnke, Eckhardt; die Offizierstellvertreter Zeh, Thielert (gestorben 01.09.), Saxer, Berger, Malzan. Die Verluste an Unteroffizieren und Mannschaften lassen sich nur noch nach den Stammrollen feststellen. Beim III. Bataillon waren sie so stark, dass die noch kampffähigen auf die Kompanien des I. und II. Bataillosn verteilt wurden..“

Man begrub Karl Walther auf dem Soldatenfriedhof Noyers-Pont-Maugis in einem Massengrab.

Die Todesanzeige für Karl Walther im Gießener Anzeiger vom 19.09.1914

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.798: Joseph Blab

Der Soldat Joseph Blab stammte aus Dickenbüchl, einem Ortsteil der bayerischen Gemeidne Waldkirchen, und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg diente er als Wehrmann in der 10. Kompanie des 2. bayerischen Landwehr-Infanterie-Regiments. Am 22.08.1914 fiel er im Alter von 33 Jahren Lothringen im Elsass bei den Gefechten in der Nähe von Colmar, genauer gesagt bei Logelbach, als erstes Opfer seiner Gemeinde.

Über den Todestag und die Todesumstände von Joseph Blab berichtet die Regimentsgeschichte des 2. bayerischen Landwehr-Infanterie-Regiments:

„2. Erstes Gefecht bei Ingersheim

Für den 22.08. befahl General Eichhorn den Angriff der 1. bayerischen Landwehr-Infanterie-Brigade, die durch II./Landwehr-Infanterie-Regiment 123, 2. Ersatz-Maschinengewehr-Kompanie XV. Armeekorps und 6./Fuß-Artillerie-Regiment 13 verstärkt war, gegen Ingersheim, um hierdurch die im Münstertal befindlichen feindlichen Kräfte zu fesseln.

Die Bereitstellung zum Angriff erfolgte entlang der Bahnlinie Schlettstadt, Colmar, Mühlhausen und zwar mit Landwehr-Infanterie-Regiment 1 dicht nördlich Colmar; vom Landwehr-Infanterie-Regiment 2, dem ½ II. Landwehr-Infanterie-Regiment 123, 2. Ersatz-Maschinengewehr-Kompanie XV. Armee-Korps und 6./ Fuß-Artillerie-Regiment 13 unterstellt worden waren, stellten sich in erster Linie III. Bataillon im Anschluss an Landwehr-Infanterie-Regiment 1 an der Straße Colmar – Ingersheim, I. Bataillon beim Bahnhof Colmar bereit, in zweiter Linie ½ II./Landwehr-Infanterie-Regiment 2 mit Maschinengewehr-Kompanie in Colmar, dahinter aufgeschlossen ½ II./Landwehr-Infanterie-Regiment 123.

6./Fuß-Artillerie-Regiment 13 ging während der Bereitstellung bei Horburg in Stellung, wurde dann nachgezogen, um beim Vorgehen der Infanterie zum Angriff am Krankenhaus nordwestlich Colmar in Stellung gebracht zu werden.

Nach dem Befehl der Brigade sollte Landwehr-Infanterie-Regiment 1 mit linkem Flügel am Nordrande von Ingersheim vorbeigehen, um sodann Ingersheim zu umfassen, Landwehr-Infanterie-Regiment 2 hatte Ingersheim in der Front anzugreifen.

Vom Kommandeur Landwehr-Infanterie-Regiment 2 wurde III. Bataillon zum Angriff auf Ingersheim entlang der Straße nach Ingersheim und durch Logelbach angesetzt, I. Bataillon hatte mit rechtem Flügel am Südrande von Logelbach vorzugehen und links von Ingersheim anzugreifen. ½ II./Landwehr-Infanterie-Regiment 2 und ½ II./Landwehr-Infanterie-Regiment 123 sollten zur Verfügung des Regimentskommandeurs entlang der Straße nach Ingersheim folgen.

Gegen Mittag wurde aus der Bereitstellung zum Angriff geschritten. Hierbei zerlegte sich I. Bataillon in 2 Teile. Sein linker Flügel, 3., 4. und ein Teil der 2. Kompanie ließ sich durch feindliches Feuer, das ihm von Winzenheim her entgegenschlug, am Südrande von Logelbach festgehalten und nahm den Feuerkampf gegen Winzenheim auf. Der rechte Flügel mit dem Bataillonskommandeur (½ 1 und 2/3 2. Kompanie – ½ 1. war entsendet) zog sich an die Straße nach Ingersheim heran, überschritt diese sogar mit Teilen und schob in das III. Bataillon ein. Der Regimentskommandeur setzte in die hierdurch entstandene Lücke das ½ II. Bataillon mit Maschinengewehr-Kompanie in Logelbach ein.

III. und ½ I. Bataillon gingen in den Weingärten zu beiden Seiten der Straße nach Ingersheim im heftigen feindlichen Infanteriefeuer, das aus Ingersheim und vom Letzenberg kam, ununterbrochen vor.

Der Feind war nicht zu erkennen. Die mit Draht durchzogenen Weingärten bildeten ein wirksames Hindernis und brachten die Verbände durcheinander. Da machte sich am linken Flügel des Landwehr-Infanterie-Regiments 1 eine Rückwärtsbewegung bemerkbar. Der Kommandeur Landwehr-Infanterie-Regiment 2 ließ durch Einsatz einer Kompanie des ½ II./Landwehr-Infanterie-Regiment 123 die zurückgehenden Abteilungen wieder vorreißen.

Die Haubitz-Batterie unterstützte das Vorgehen der Infanterie durch Feuer gegen den bei der Fechtbrücke gelegenen Teil von Ingersheim und gegen den Letzenberg, vermochte aber das feindliche Infanteriefeuer kaum zu bekämpfen.

An der am südlichen Fechtufer gelegenen Häusergruppe von Ingersheim fand der Angriff ernsten Widerstand. Die Häuser waren vom Feinde besetzt und mussten einzeln genommen werden. Von einer zurückgezogenen, geschickt angelegten Straßenbarrikade aus bestrich der Feind der Länge nach die Straße und die Weingärten. Von den Landwehrleuten wurde dieser Barrikade auf etwa 100 Meter gegenüber eine solche aus Brettern und Matratzen errichtet und mit Schützen besetzt. In der Bekämpfung der feindlichen Scharfschützen tat sich besonders Vizefeldwebel (Offiziersaspirant) Süßmann der 9. Kompanie hervor. Um die feindlichen Schützen hervorzulocken, sprangen einzelne beherzte Leute wiederholt über die Straße. Der Angriff kam aber nicht vorwärts. Die letzte Reserve des Regiments, eine Kompanie Landwehr-Infanterie-Regiment 123, wurde eingesetzt. Der Regimentskommandeur begab sich an den Eingang der Häusergruppe und befahl an die dort befindlichen Kommandeure III. und I. den Sturm auf Ingersheim. Die Hörner bliesen zum Sturm und mit Hurra wurde die Häusergruppe genommen. Eine Anzahl Alpenjäger wurden zu Gefangenen gemacht. Es wurde bis zum südlichen Fechtufer vorgedrungen.

Inzwischen hatte ½ II./Landwehr-Infanterie-Regiment 2 mit der Maschinengewehr-Kompanie unter der tatkräftigen Führung des Hauptmanns Huber Logelbach im heftigen feindlichen Strichfeuer von Letzenberg durchschritten und den Westrand des Ortes erreicht. Es war aber nicht möglich, im feindlichen Feuer weiter vorzudringen. Man nahm den Feuerkampf auf.

Der Feind erhielt Verstärkungen. Es schlug plötzlich feindliches Artilleriefeuer vom Eichberg nördlich Türkheim und anscheinend auch von Dorfburg (nordwestlich Ingersheim) ein. Die 6./Fuß-Artillerie-Regiment 13 schwieg. Sie hatte sich durch das sie erreichende Infanterie-Strichfeuer veranlasst gesehen, hinter die Fecht zurückzugehen. Feindliche geschlossene Abteilungen zeigten sich auf dem Letzenberg und jenseits des die Fecht begleitenden Akaziengebüsches. Alpenjägerhörner bliesen. Es erfolgte ein allgemeiner feindlicher Vorstoß. Dieser wurde zwar durch unsere Truppen an der Fecht aufgehalten, die dortige Stellung war aber der feindlichen Übermacht gegenüber nicht mehr zu halten. Die Truppen gingen zruück. Auch Landwehr-Infanterie-Regiment 1 war zurückgegangen. Inzwischenwar die Dämmerung eingetreten. Der Regimentskommandeur bereitete aus durch den verwundeten Hauptmann Eibner gesammelten Mannschaften eine Aufnahme auf einer Anhöhe 800 Meter südöstlich Ingersheim vor und gab den Befehl zum allgemeinen Rückzug hinter die Ill bei Colmar. Die Truppen bezogen die Unterkunft vom Tage zuvor.

Die Verluste der Kompanien, die bei Ingersheim gekämpft hatten, waren nicht unerheblich, in Logelbach waren sie gering.

Das Regiment, und zwar hauptsächlich 1/4 I. und III. Bataillon hatte verloren 3 Offiziere tot, 6 verwundet, 18 Unteroffiziere und Mannschaften tot, 74 verwundet, 70 vermisst. Wie später in Ingersheim ermittelt wurde, waren die Vermissten alle entweder tot oder schwer verwundet bei Ingersheim zurückgelassen worden. Das Regiment hatte also insgesamt 171 Verluste.

An Offizieren waren gefallen Leutnant Christian Heinz der 5. Kompanie, Leutnant Köttig der 9. Kompanie (starb am 28.08. an seiner Verwundung), Leutnant Gahbauer der 10. Kompanie.

Der Regiments-Adjutant Oberleutnant Barck wurde beim Sturm auf die vorgeschobenen Häusergruppe von Ingersheim schwer verwundet.“

Man begrub Joseph Blab auf dem Soldatenfriedhof Breitenbach in einem Massengrab.

Seine Heimatgemeinde Waldkirchen gedenkt Joseph Blab noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2008/waldkirchen_oelbergkapelle_wk1u2_bay.htm

Sterbebild von Joseph Blab
Rückseite des Sterbebildes von Joseph Blab