Sonderbeitrag: Wilhelm Schneider

Der Soldat Wilhelm Schneider stammte aus Annerod, eine Ortsteil der hessischen Gemeinde Fernwald. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Gefreiter in der 5. Kompanie des 116. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 28.08.1914 fiel er im Alter von 30 Jahren während der Schlacht an der Maas bei Mouzon in Frankreich.

Über den Todestag und die Todesumstände von Wilhelm Schneider berichtet die Regimentsgeschichte des 116. Reserve-Infanterie-Regiments:

28. 8. 14. Von allen Schilderungen der Ereignisse beim Regiment am 28. 8. scheint mir der Bericht des damaligen Regimentsadjutanten, Oblt. v. Ilsemann, am zuverlässigsten. Ich lege daher seinen Bericht hauptsächlich zu Grunde, um einen der schwersten Tage des Regiments zu schildern.Die während der Nacht eingehenden Befehle und Orientierungen ließen erkennen, daß unsere Führung annahm, die Franzosen seien südwestlich der Maas weiter im vollen Rückzug und deckten diesen auf dem westlichen Ufer nur noch mit schwächeren Kräften.$4^0$ morgs., an einem herrlichen Spätsommertag, der sehr heiß wurde, überschritt das Regiment auf einer in der Nacht geschlagenen Pontonbrücke die Maas und trat als Vorhut der 25. R.D. den Marsch auf Beaumont an. Reihenfolge der Bataillone III., I., II. Die Marschstraße, die Rückzugsstraße der Franzosen am 30. 8. 1870 nach der Schlacht bei Beaumont, führt aus dem Maastal in mäßiger Steigung durch eine Waldschlucht auf eine 6 km südwestlich Mouzon gelegene Hochfläche.

Beim Austritt aus dem Bois de Fond de Limon schlug dem Regiment heftiges Infanteriefeuer entgegen. Der bei dem Vortrupp reitende Regimentskommandeur Oberstlt. v. Pfeil befahl: „Das III. Batl. greift beiderseits der Straße an und setzt sich in den Besitz der vorliegenden Höhe.“ Wie auf dem Exerzierplatz entwickelt Major v. Busse seine Kompagnien, die mit ihren Offizieren weit vor der Front sprungweise gegen den Feind vorgingen. Am weitesten links war die 11., die Spitzenkompanie, dann folgten nach rechts 12., 10., 9. Komp. Vom II. Batl. wurde die 5. Komp., Hptm. Leßner, als linke Seitendeckung in das Bois de l’Hospice geschickt, die 8. als Artilleriebedeckung zurückgehalten. Die 6. und 7. Komp. werden rechts vom III. eingesetzt. Mit der Pfeife im Munde führte Major Schröder seine beiden Kompanien vor. Ohne eine Artillerievorbereitung abzuwarten, stürmen das III. und die beiden Kompanien des II. die vorliegende Höhe und warfen die Franzosen zurück. Vor seiner Kompanie erhielt Hptm. Bader dabei einen schweren Bauchschuß.

Beim weiteren Vorgehen wurde festgestellt, daß der Feind beiderseits des Arbre de la Belle Epine sich in einer starken Stellung befand, aus der unseren Schützenlinien lebhaftes Feuer entgegenschlug. Auch das anfangs schwache feindliche Artilleriefeuer wuchs zu immer größerer Stärke an, von allen Seiten überschütteten feindliche Batterien das tapfer aushaltende Regiment. Als dann auch die Franzosen zum Angriff vorgingen, wurde dem dicht hinter dem Regiment haltenden Brigadekommandeur Oberst v. Heldorff klar, daß der Feind hier nicht daran dachte abzumarschieren. Im Gegenteil, er stellte sich auf den Maashöhen und beabsichtigte scheinbar die schwachen, bisher über die Maas übergegangenen Teile auf den Fluß zu werfen und dadurch den Übergang des Gros unmöglich zu machen. Dementsprechend war die Aufgabe des Regiments plötzlich eine andere geworden. Der Angriff wurde eingestellt, statt dessen befohlen: „Das Regiment hat die genommene Höhe unter allen Umständen zu halten und dadurch das Überschreiten der Maas durch das Korps sicherzustellen.“

Schon in den frühen Morgenstunden erlitt das Regiment beträchtliche Verluste. Zum Füllen der Lücken sowie vor allem zur Sicherung der linken (östlichen) Flanke mußte sehr bald das I. Batl. eingesetzt werden. 1½ Kompanien blieben Reserve, Führer Hptm. v. Goetze, da zunächst auf weitere Unterstützung nicht zu rechnen war. Auch unsere Artillerie konnte keine Erleichterung bringen, da geeignete Feuerstellungen in dem Hochwald mit dichtem Unterholz nicht vorhanden waren.In dieser ernsten Lage hatte das Regiment einen außerordentlich schweren Stand. Die Franzosen versuchten, die ihnen abgenommenen Höhen zurückzunehmen, aber weder ihr konzentrisches Artilleriefeuer noch ihre immer von neuem unternommenen Angriffe vermochten die tapferen Bataillone ins Wanken zu bringen. Wo einzelne Teile schwach wurden, stellte die Energie der Offiziere schnell die Ordnung wieder her.Regiments- und Bataillonskommandeure kämpften in vorderster Linie. Bei La Sartelle-Fe. verhinderte Hptm. Frhr. v. Stein eine Umgehung der linken Flanke des Regiments. Aufrechtstehend kommandierte er das Feuer seiner 3. Kompanie, welche den angreifenden Franzosen starke Verluste beibrachte. Nachdem Hptm. Frhr. v. Stein durch zwei Schüsse verwundet war, mußte er die Führung seiner Kompanie abgeben. Als auch Lt. Schärfe und Offz.Stellv. Zeh verwundet, Offz.Stellv. Müller gefallen war, behielt Lt. Eckardt das Kommando und gab durch seine Tapferkeit seinen Leuten ein hervorragendes Beispiel. Mitten unter seinen Maschinen-Gewehren fiel der besonders heldenmütig kämpfende Hptm. Frhr. v. Buddenbrock durch Kopfschuß. In kürzester Zeit hatte er es verstanden, sich das Vertrauen seiner Leute zu erwerben. Der Heldentod dieses hervorragend tüchtigen M.G.-Offiziers bedeutete einen schweren Verlust für das Regiment. Kurz darauf wurde auch Lt. Rensch verwundet und fast alle M.G. außer Gefecht gesetzt.Von allen Kompanien kamen gegen Mittag Meldungen über schwere Verluste und Mangel an Munition. Die Patronenwagen wurden trotz des heftigen Feuers im Galopp vorgezogen und trotz mancher Verluste kam die Munition nach vorne. Besonders zeichnete sich hierbei der Vizewachtm. Schuldt, der spätere Leutnant und Verpflegungsoffizier des I. Batls. aus. Er fuhr mit einem Patronenwagen bis dicht an die Schützenlinie und kam ohne Verlust zurück. Er erhielt für diese tapfere Leistung das E.K. II. Es kam eine Meldung des Bagageführers, mindestens ein feindliches Bataillon stände im Rücken des Regiments. Aber auch jetzt wurde die letzte Reserve des Regiments, 1½ Kompanien unter Hptm. v. Goetze, nicht aus der Hand gegeben. Später stellten Streifen fest, daß die Meldung falsch sei, nun erst wurde die Reserve in die der Unterstützung so bedürftige vorderste Linie eingesetzt.Der Regimentskommandeur, Oberstlt. v. Pfeil, war etwa $7^{45}$ vorm. bei dem Versuche, einen Gefechtsstand zu finden, der bessere Übersicht bot, Artillerie konnte keine Erleichterung bringen, da geeignete Feuerstellungen in dem Hochwald mit dichtem Unterholz nicht vorhanden waren.In dieser ernsten Lage hatte das Regiment einen außerordentlich schweren Stand. Die Franzosen versuchten, die ihnen abgenommenen Höhen zurückzunehmen, aber weder ihr konzentrisches Artilleriefeuer noch ihre immer von neuem unternommenen Angriffe vermochten die tapferen Bataillone ins Wanken zu bringen. Wo einzelne Teile schwach wurden, stellte die Energie der Offiziere schnell die Ordnung wieder her.Regiments- und Bataillonskommandeure kämpften in vorderster Linie. Bei La Sartelle-Fe. verhinderte Hptm. Frhr. v. Stein eine Umgehung der linken Flanke des Regiments. Aufrechtstehend kommandierte er das Feuer seiner 3. Kompanie, welche den angreifenden Franzosen starke Verluste beibrachte. Nachdem Hptm. Frhr. v. Stein durch zwei Schüsse verwundet war, mußte er die Führung seiner Kompanie abgegeben. Als auch Lt. Schärfe und Offz.Stellv. Zeh verwundet, Offz.Stellv. Müller gefallen war, behielt Lt. Eckardt das Kommando und gab durch seine Tapferkeit seinen Leuten ein hervorragendes Beispiel. Mitten unter seinen Maschinen-Gewehren fiel der besonders heldenmütig kämpfende Hptm. Frhr. v. Buddenbrock durch Kopfschuß. In kürzester Zeit hatte er es verstanden, sich das Vertrauen seiner Leute zu erwerben. Der Heldentod dieses hervorragend tüchtigen M.G.-Offiziers bedeutete einen schweren Verlust für das Regiment. Kurz darauf wurde auch Lt. Rensch verwundet und fast alle M.G. außer Gefecht gesetzt.Von allen Kompanien kamen gegen Mittag Meldungen über schwere Verluste und Mangel an Munition. Die Patronenwagen wurden trotz des heftigen Feuers im Galopp vorgezogen und trotz mancher Verluste kam die Munition nach vorne. Besonders zeichnete sich hierbei der Vizewachtm. Schuldt, der spätere Leutnant und Verpflegungsoffizier des I. Batls. aus. Er fuhr mit einem Patronenwagen bis dicht an die Schützenlinie und kam ohne Verlust zurück. Er erhielt für diese tapfere Leistung das E.K. II. Es kam eine Meldung des Bagageführers, mindestens ein feindliches Bataillon stände im Rücken des Regiments. Aber auch jetzt wurde die letzte Reserve des Regiments, 1½ Kompanien unter Hptm. v. Goetze, nicht aus der Hand gegeben. Später stellten Streifen fest, daß die Meldung falsch sei, nun erst wurde die Reserve in die der Unterstützung so bedürftige vorderste Linie eingesetzt.Der Regimentskommandeur, Oberstlt. v. Pfeil, war etwa $7^{45}$ vorm. bei dem Versuche, einen Gefechtsstand zu finden, der bessere Übersicht bot, verwundet worden. Die Führung des Regiments hatte Major v. Westernhagen übernommen. Auch Major v. Busse war so schwer verwundet, daß er noch in der Nacht starb.

Während das Regiment seit dem frühen Morgen in ununterbrochenem schwersten Kampf die entscheidenden Höhen östlich Yoncq behauptete, vollzog sich in seinem Rücken bei Mouzon der ungestörte Übergang des XVIII. R.A.K., dessen Regimenter nach und nach rechts von R.I.R. 116 in die Schlacht eingriffen. Eine gewisse Erleichterung wurde vor allem durch das Nachlassen des feindlichen Artilleriefeuers vorübergehend gespürt, aber die Aufgabe des Regiments war noch nicht erfüllt. Immer von neuem versuchte der Feind das Regiment zurückzuwerfen, gelang es ihm, stand der Feind in der Flanke der bisher über die Maas übergegangenen deutschen Teile, verhinderte den weitern Übergang und stellte den Ausgang der Schlacht in Frage. Allen noch kämpfenden Offizieren des Regiments war dies klar geworden. Viele waren es allerdings nicht mehr, von den elf eingesetzten Kompanien hatten nur noch drei ihre Führer, die anderen waren gefallen oder verwundet. Mehrere Kompanien waren schon ohne jeden Offizier, dementsprechend waren die Verluste an Unteroffizieren und Mannschaften. Die Kräfte des seit Stunden im schwersten Feuer kämpfenden Regiments spannten sich bis zum äußersten. Als aber schließlich wieder die Munition ausging, die Verluste immer größer wurden, Reserven nicht mehr zur Verfügung standen, wurde der Widerstand schwächer. Erneute Angriffe abzuwehren hatte das Regiment kaum noch die Kraft. In Erkenntnis dieser Lage ritt der Regimentsadjutant, Oberlt. v. Ilsemann, so schnell als es die Kräfte seines verwundeten Pferdes erlaubten zum Kommandierenden General, der am Südwestausgang von Mouzon die Schlacht leitete. General v. Steuben, der wußte, daß durch den Verlust der Höhen, auf denen R.I.R. 116 kämpfte, der Schlachtenerfolg der Armee in Frage gestellt war, tat sofort alles, was dem schwerblutenden Regiment Erleichterung bringen konnte. Er schickte Munition, ließ das Feuer der schweren Feldhaubitzen auf den dem Regiment gegenüberstehenden Feind lenken und befahl schließlich seiner Reserve, dem R.I.R. 88, dem R.I.R. 116 zur Hilfe zu eilen. Im entscheidenden Augenblick, als das heldenmütig ringende R.I.R. 116 am Ende seiner Kraft war, traf die Hilfe ein. Unter Führung des Oberst v. Heldorff wurde ein letzter Versuch der Franzosen, die Schlacht zu ihren Gunsten zu entscheiden, vereitelt.

Die linke Seitendeckung, 5. Komp., hatte am Südrand des Bois de l’Hospice von einer Kavallerie-Offizierstreife die Meldung erhalten, der Waldrand bei Arbre de la Belle Epine sei vom Feinde stark besetzt. Hptm. Leßner entwickelte einen Zug und ließ ihn gegen den Feind vorgehen, mit den beiden anderen Zügen wollte er den rechten Flügel des Feindes vom Steilhang an der Maas aus umfassen. Der zur Erkundung vorgeschickte Lt. d. R. Rindfuß stellte aber starke feindliche Abteilungen zwischen Beaumont und Létanne, also in der linken Flanke der Kompanie fest, die Absicht des Hptm. Leßner war also unausführbar. Die Kompanie nistete sich am Steilhang an der Maas ein und trat in das Gefecht, das trotz starker Verluste und Munitionsmangel bis zum Nachmittag durchgeführt wurde. Als dann der Feind mit vier Kompanien und M.G. gegen die 5. Komp. vorging, ging die Kompanie im Gefecht zum Nordrand des Bois de l’Hospice zurück. Hier blieb Lt. Rindfuß als Nachhut, der mit den letzten Patronen den Gegner fernhielt und den Abzug seiner Kompanie deckte, die gegen Abend das Regiment wieder erreichte. 20 Mann des zuerst entwickelten Zuges, die zu tapfer nach vorn durchgegangen waren, wurden vom Feinde umzingelt und später gefangen. Außerdem hatte die Kompanie 61 Mann an Toten und Verwundeten verloren. Lt. Daubes war durch eine Schrapnellkugel schwer verwundet. Hptm. Leßner, der durch Granatsplitter am rechten Schienbein verwundet war, behielt die Führung der Kompanie. Beim Gehen stützte ihn sein treuer Entfernungsschätzer Utffz. Heinrich Rasch aus Freiensteiner.

Das Regiment hatte seine Aufgabe erfüllt, das XVIII. R.A.K. und das ihm folgende VI. A.K. hatten ungestört vom Feinde den Maasübergang durchgeführt. Aber die Erfüllung des Auftrages hatte schwere Opfer gekostet! Von dem Offizierkorps und den etwa 3000 Mann des Regiments sammelten sich am Abend beiderseits der Straße Mouzon—Beaumont 6 Offiziere 600 Mann! Durch die Artilleriebedeckung, Seitendeckungen, Versprengte usw. erhöhte sich zwar dann die Gefechtskraft auf 1000 Mann, aber fast ⅔ hatte das Regiment verloren!

Andere Teile der Division hatten das westlich des Schlachtfeldes des Regiments liegende Dorf Yoncq genommen, hatten aber über das Dorf und den nordöstlich des Ortes liegenden Wald hinaus nicht vordringen können.

Gefallen waren die Hauptleute Frhr. v. Buddenbrock-Hettersdorf und Diehm, die Leutnants Jung, Todt, Castringius, Bogé, die Offizierstellvertreter Barth, Nerger, Müller, Jung, Preuß, Rauff. Der schwer verwundete Major v. Busse starb in der Nacht 28./29. im Feldlazarett Mouzon. Verwundet waren Oberstlt. v. Pfeil, die Hauptleute Frhr. v. Stein zu Nord- u. Ostheim, Bader, Frhr. Raitz v. Frentz, Goepel, Ullrichs; die Oberleutnants Weimer, Waldeck, Frhr. v. Lyncker, Quade, v. Mentz; die Leutnants Huhn, Rausch, Daubes, Trümper, Hosch, Warnke, Eckhardt; die Offizierstellvertreter Zeh, Thielert (gest. 1. 9.), Sayer, Berger, Malzan. Die Verluste an Unteroffizieren und Mannschaften lassen sich nur nach den Stammrollen feststellen. Beim III. Batl. waren sie so stark, daß die noch kampffähigen auf die Kompagnien des I. und II. Batls. verteilt wurden.

Am 7. 9. 15 hatte der Regimentsadjutant Gelegenheit, Seiner Kaiserlichen Hoheit dem Kronprinzen an Ort und Stelle einen Vortrag über den Verlauf der Schlacht zu halten. Der Kronprinz äußerte sich in anerkennendsten Worten über das zähe Aushalten des Regiments unter so außerordentlich schweren Verhältnissen. Schlichte weiße Kreuze beiderseits der Straße Mouzon—Beaumont zeigten damals die Stelle, wo Hessensöhne in treuer Pflichterfüllung für Kaiser und Reich den Heldentod starben.

Die Grenzschlachten waren überall zugunsten der Deutschen entschieden. Die deutschen Armeen fluteten nach Frankreich hinein.

Außerordentliche Anforderungen mußten in den nächsten Tagen durch die langen Märsche bei heißem Wetter an die meist schon älteren Reservisten des Regiments gestellt werden.

Die Lage des Grabe svon Wilhelm Schneider ist unbekannt.

Die Todesanzeige für Wilhelm Schneider im Gießener Anzeiger

Sonderbeitrag: Jakob Haas

Der Soldat Jakob Haas stammte aus dem Dorf Steinbach, einem Ortsteil der hessischen Gemeinde Fernwald, und war von Beruf  Landwirt. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Wehrmann in der 6. Kompanie des 116. Landwehr-Infanterie-Regiments. Am 26.09.1914 fiel er im Alter von 33 Jahren bei Ville-sur-Tourbe und Minaucourt-le-Mesnil-lès-Hurlus an der Marne.

Über den Todestag und die Todesumstände von Jakob Haas berichtet die Regimentsgeschichte des 116. landwehr-Infanterie-Regiments:

Dieser Angriff ist ein Teil des allgemeinen Vorstoßes der 3. Armee am 26. 9., der aber nach anfänglichen Erfolgen ebenso stecken bleibt, wie der von den Franzosen versuchte Gegenangriff. R. 116 wird zunächst mit zum Angriff bestimmt. Dieser Befehl wird 8 Uhr nachm. dahin abgeändert, daß das Regiment die Stellungen von R. 30 einnimmt und den Angriff unterstützt. I. besetzt am 26. 9. nachts 1 Uhr die Stellung von R. 30 etwa 1 km südöstl. Chausson-Ferme. Mittlerweile trifft der zum dritten Male abgeänderte Befehl ein, wonach die 49. Ldw.-Brig. am 26. 9. bei Höhe 143, 2 km südl. Maison de Champagne-Ferme, der 16. R.D. zur Verfügung steht. II. trifft dort ein am 26. 9. im Laufe des Vormittags, nachdem es bis $7^0$ vorm. dem R. 17 zur Verfügung gestanden hat. Das zu diesem Sammelplatz aus seiner Stellung (kaum bezogen) abmarschierende I. erhält unterwegs den Gegenbefehl, sich zur Verfügung des R. 17 nach Richtung Höhe 191 zu begeben. Major Ruhnau nimmt in dem Talkessel nördlich der Höhe Aufstellung. 1., 3. und Teile der 2. Komp. schieben bei R. 17 ein und nehmen am Angriff teil. Fehlende Unterstützung durch eigene Artillerie, infanteristische Flankenwirkung aus der Etangschlucht lassen den Angriff nur langsam vorwärts schreiten. Die östlich kämpfenden Truppen gewinnen ebenfalls nur spärlich Gelände, so daß die Division am Abend des 26. 9. das Zurückgehen in die alten Stellungen befiehlt. Verluste am 15. 9. bis 26. 9.: An Offizieren gefallen: Off.Stellv. Müller, verwundet: Lt. Schuster, Off.Stellv. Kürschner. An Unteroffizieren und Mannschaften gefallen: 32, verwundet: 124, vermißt: 2. Am Abend des 26. September trifft bei trübem, naßkaltem Wetter der Befehl ein, daß die Stellungen auszubauen und zur nachhaltigen Verteidigung einzurichten sind; das  Ende des Bewegungskrieges ist gekommen. Noch einmal hatten beide Heere ein letztes Ringen versucht, um in der offenen Feldschlacht eine entscheidende Wendung herbeizuführen. Beide hatten ihre Kräfte gemessen und sich überzeugt, daß eine Entscheidung nur durch eine Umfassung der beiderseits noch ungedeckten Flanken im Norden der Linie möglich war. Sollte auch diese mißlingen, dann war für den Krieg ein Ausblick auf ungeahnte Weiten eröffnet. Tatsächlich fängt mit diesem Augenblick der wirkliche Krieg von bewaffnetem Volk gegen bewaffnetes Volk an. Andere Faktoren wie überlegene Führung und persönliche Tapferkeit beginnen mächtigen Einfluß auf den Gang der Kriegshandlungen zu gewinnen. Ein grauer Schleier umwallt die Zukunft, der für das deutsche Volk bei seiner völligen Abgeschlossenheit beinahe undurchdringlich dunkel ist.Bis 12 Uhr nachts besetzt I. wieder die Stellung des R. 30 (südwestlich Sargdeckel), III., das sich nach Ablösung auf dem Marsch zum Sammelplatz der Brigade befand, besetzt 2 Uhr vorm. die Gräben westlich Punkt 150, etwas weiter westlich der eben verlassenen Gräben. Anschluß nach Osten an R. 80. 

Offiziell ist für Jakob Haas keine Grablage bekannt. Ich gehe jedoch davon aus, dass er, wenn seine Gebeine bis heute geborgen wurden, anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof Servon-Melzicourt beigesetzt wurde.

Die Todesanzeige für Jakob Haas im Gießener Anzeiger
Die Todesanzeige des Deutschen Flottenvereins, Ortsgruppe Steinbach, für Jakob Haas

Sonderbeitrag: Severin Leyerer

Der Soldat Severin Leyerer stammte aus Climbach, einem Ortsteil der hessischen Stadt Allendorf. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Landwehrmann in der 7. Kompanie des 116. Landwehr-Infanterie-Regiments. Am 05.09.1914 fiel er im Alter von 32 Jahren während der Schlacht an der Marne bei Cernay-en-Dormois.

Man begrub Severin Leyerer auf dem Soldatenfriedhof Séchault in einem Massengrab.

In seinem Heimatort Climbach gedenkt man Severin Leyerer noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2022/climbach_stadt-allendorf_lk-giessen_wk1_wk2_hs.html

Die Todesanzeige des Gesangverein Liederkranz Climbach für Severin Leyerer und Philipp Conrad

Sonderbeitrag: Philipp Conrad

Der Soldat Philipp Conrad stammte aus der hessischen Ortschaft Climbach, einem Ortsteil der Stadt Allendorf. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Reservist und Wehrmann in der 8. Kompanie des 116. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 24.09.1914 fiel er im Alter von 27 Jahren an der Marne bei Servon-Melzicourt.

Über den Todestag und die Todesumstände von Philipp Conrad berichtet die Regimentsgeschichte des 116. Reserve-Infanterie-Regiments:

24.09.14. Morgens Befehl zum Erneuern des Angriffs. R.I.R. 116 auch in vorderster Linie. 12° soll ohne Rücksicht auf die Nachbarn angetreten werden. Sofort setzt heftiges feindliches Artilleriefeuer ein, I. gewinnt Gelände, II. nicht. Abends Befehl, nach Absuchen des Gefechtsfeldes in die alte Stellung zurückzugehen. Verluste: 8 Offiziere und Offizierstellvertreter. Gefallen Offz.Stellv. Ringen; verwundet Oblt. d. R. Oehl, Oblt. d. L. Sprengel, Lt. d. R. Stimmel, Schemenski, Offz.Stellv. Handwerk, Schürmann, Anton. Verluste an Unteroffizieren und Mannschaften: 30 tot, 104 verwundet. Die Gefechtsstärke des Regiments beträgt noch 15 Offiziere, 1094 Unteroffiziere und Mannschaften. Ausgerückt war das Regiment mit 71 Offizieren, 2852 Unteroffizieren und Mannschaften.

Die Lage des Grabes von Philipp Conrad ist unbekannt. Ich gehe jedoch davon aus, dass er, wenn seine Gebeine bis heute geborgen wurden, anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof Servon-Melzicourt beigesetzt wurde, der in seiner Sterberegion angelegt wurde.

In seinem Heimatort Climbach gedenkt man Philipp Conrad noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2022/climbach_stadt-allendorf_lk-giessen_wk1_wk2_hs.html

Die Todesanzeige des Gesangverein Liederkranz Climbach für Severin Leyerer und Philipp Conrad

Sonderbeitrag: Otto Fischer

Der Soldat Otto Fischer stammte aus der hessischen Stadt Lorsch. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Unteroffizier und Fahnenjunker in der 6. Kompanie des 116. infanterie-Regiments. Am 06.10.1914 verstarb er nach schwere Verwundung am 10.09.1914 bei Maurupt-le-Montois an der Marne im Festungslazarett Koblenz.

Über den Tag der schweren Verwundung berichtet die Regimentsgeschichte des 116. Infanterie-Regiments:

„Am Abend des 9. Sept. kam der Befehl für ein Unternehmen, das in der Geschichte der Division beispiellos dasteht. Ein Unternehmen, das sich von den vielen Grauenhaften jener Schreckenstage am tiefsten im Gedächtnis festgesetzt hat, an das sich jeder, der daran teilgenommen, nur mit Schauern erinnern kann. Das vom Feinde stark besetzte Maurup sollte in der kommenden Nacht überrumpelt und gesäubert werden. Alles war auf den Schutz der Dunkelheit, auf größte Stille und Schnelligkeit berechnet. So waren auch die Vorbereitungen: Das Gepäck wurde zurückgelassen, nur Sturmgepäck mit Eisernen Portionen wurde mitgenommen. Die Schlösser wurden aus den Gewehren genommen und zum Schutz getragen, die Seitengewehre wurden aufgepflanzt. Kein Schuß sollte den ruhenden Gegner zu früh wecken, am Schießen sollte man den Feind, an Hieb und Stoß den Freund erkennen. Weiße Armbinden wurden ausgegeben; sie sollten beim Vorgehen den Nebenmann zeigen und Handgemenge vermeiden helfen. Um 3 Uhr vorm. waren alle Vorbereitungen zu Ende. In lautloser Stille hatte das I.R. 115 seine Linien in Breite von 1 km aufgestellt. Das I.R. 116 und ein Bataillon 117 folgte gestaffelt und hatte den Flankenschutz zu übernehmen. Um 4 Uhr vorm. setzten sich die sieben Bataillone leise in Bewegung. Kein Kommando ertönte. In guter Ordnung schritten die Kompagnien über die Felder. Da fällt vorn ein Schuß. Ein französischer Posten ist aufmerksam geworden. Die Antwort ist ein tausendstimmiges Hurra! So jähe ist die Stille der Nacht selten gestört worden. Die feindlichen Posten und Feldwachen werden überrannt, alles stürmt ins Dorf. Dort entsteht ein fürchterliches Handgemenge, gespenstisch erleuchtet von einzelnen brennenden Häusern. A. Brendel schildert das als ein Dorftagungswunder. Schrecken sind die Verluste, die die Regimenter erlitten haben, nicht mehr Zeit zum Fliehen, jetzt ist nur Mehr. Von Hof zu Hof, von den hell erleuchteten Längsstraßen der Häuser, stürmt das Dorf, die Kompagnien der drei Regimenter kämpfen sich fort, von einem Hof zum anderen in heftigem Kampfe mit dem Feinde. Ein wildes Handgemenge, das sich in der Straße fortsetzt, von Schreien und Kommandorufen begleitet, von Bajonettstößen und Kolbenschlägen. Um 5 Uhr ist das Dorf in Flammen, die letzten französischen Truppen fliehen. Um 5 Uhr ist das Dorf in deutscher Hand. Häuser, Höfe und Gärten, Schrei, Fliehen und Verfolgen im alten Straßen, Hieb und Stoß, Kolbenschläge und Bajonettstiche, dazwischen das Schreien und Stöhnen der Schwerverwundeten, alles im flackernden Feuerschein der brennenden Scheunen und Höfe: Ein schrecklicheres Bild hat das Auge im Kriege nie gesehen.

In blinder Wut stießen die Truppen durch bis zur Südwestecke des Dorfes. Hier konnten sich Teile des I. und II. Batls. wieder zusammenfinden. Sie wurden als Reserve und linke Flankensicherung zurückgenommen in die Lehmgruben nördlich von Maurupt. Das übrige, hauptsächlich Leute des III. Batls., versuchte zunächst, eine feindliche Batterie wegzunehmen, die südöstlich von Maurupt stand und tags zuvor durch ihr Feuer sehr lästig geworden war. Aber sie war bereits verschwunden. Darum schwankten sie rechts ab und gingen vermischt mit 115 und 117 weiter vor. In einer Lehmgrube südwestlich von Maurupt sammelten sie sich, um bei Hellwerden gegen Monton vorzugehen. Der Gegner flutete in Richtung Cheminin und erlitt hierbei starke Verluste durch das Maschinengewehrfeuer. Nachmittags des 21.9. gelang es, bereits im Begriffsteile einzurücken. Zur Verlängerung dieser Stellung nach Osten wurde noch das I. Btl. in den Birkengehölz südlich Monton lang. Hier etwa 100 Mann unseres Regiments, die unter den Befehl des Hptm. Haak von J.R. 117 traten. Aber auf das Grabenstich kam nach kurzer Zeit starkes Artilleriefeuer, das mit großer Genauigkeit gezielt war. Besonders ungemütlich waren die schweren Kaliber, die ununterbrochen dicht vor und hinter dem Graben einschlugen. Es waren Stunden harter Geduldsprobe und starker Anforderungen an die Nerven, die noch zitterten unter dem Eindruck der Greuel der Nacht. Gegen Abend traf der Befehl ein, daß das Regiment sich in der alten Stellung bei den Ziegeleien sammeln sollte. So wurden dann im Schutze der Dunkelheit die Höhen südlich von Maurupt geräumt. Sie waren die am weitesten nach Süden gelegene Stellung, die das Regiment im Verlaufe dieses Krieges inne hatte.

Der vierte und schwerste Tag der heißen Kämpfe an der Marne war zu Ende. Wieder war es gelungen, den Gegner trotz Übermacht und zäher Gegenwehr zu werfen. Eine glänzende Waffentat war vollbracht, der Weg an die Marne war erzwungen, der Feind in die Flucht, die Aussicht für weiteres Vordringen war nicht geringer als bisher. Die Gefechtsstärke der Kompagnien war freilich sehr gering geworden. 8 Offiziere, 531 Unteroffiziere und Mannschaften hatte das Regiment in den drei Tagen wieder verloren. Major von Alten, um dessen Person sich die heftige Fehde der französischen und deutschen Presse drehte, erhielt am 9. einen Kopfschuß und begab sich am folgenden Tage zur ärztlichen Behandlung nach Sermaize. Dort wurden ihm tags darauf durch einen Volltreffer beide Beine zerschmettert. Er geriet nach dem Rückzug ebenso wie Lt. Haagner den Franzosen in die Hände und starb. Die Haltlosigkeit der gegen ihn erhobenen Anschuldigungen kann von jedem Mitkämpfer bezeugt werden. Außerdem fanden ihr Grab an der Marne: Oberlt. Firmenich, Lt. Gösler, Keller, Nicolaus und Menge. Als Helden sind sie gefallen, zusammen mit einer großen Zahl wackerer Unteroffiziere und Mannschaften. Verwundet wurden Maj. Foller, Lt. Wolf, Bläs und Licht. An den Folgen seiner schweren Verwundung starb der Fahnenj. Klief. Besonders groß war die Zahl der Vermißten, 154 Mann. Eine Folge des unerwartet einsetzenden eiligen Rückzugs von der Marne, der es unmöglich machte, das Schlachtfeld genauer abzuschuchen und die vielen Schwerverwundeten bei dem Mangel an Fahrzeugen rechtzeitig von den Verbandplätzen abzufahren. Unter ihnen befand sich Lt. Theis, der Adjutant des I. Batls.“

Man begrub Otto Fischer auf einem Friedhof in Lorsch.

Die Todesanzeige für Otto Fischer im Gießener Anzeiger

Sonderbeitrag: Georg Harnisch

Der Soldat Georg Harnisch stammte aus der Ortschaft Watzenborn, einem Ortsteil der hessischen Stadt Pohlheim. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Gefreiter in der 5. Kompanie des 116. Infanterie-Regiments. Am 22.09.1914 wurde er bei Reims nahe Merlet schwer verwundet. 17 Tage später, am 09.10.1914, verstarb er im Alter von 28 Jahren im Krankenhaus Eitorf an der Sieg an seiner Verwundung.

Über den Tag und die Umstände der schweren Verwundung von Georg Harnisch berichtet die Regimentsgeschichte des 116. infanterie-Regiments:

„22. September bis 3. November 1914.

Gleich am nächsten Morgen wurde wieder weitermarschiert. Das war das Bild jener ganzen Zeit: Marsch, Gefecht, Marsch, Gefecht. So ging es nun fast volle fünf Wochen. Anstrengung und Witterung schlugen bis dahin geringe Wunden. Nur der Kampf brachte die Verluste. Aber der um so größere. Kein Wunder. War es doch seit dem 22. Aug. ein Schlagen mit einem hartnäckigen Gegner, der alles daran setzte, dem Spiel eine Wendung zu seinen Gunsten zu geben. Nun ging es also weiter, unbestimmtem Ziel und ungewissem Schicksal entgegen. Der Weg führte nordwestwärts. „

Man begrub Friedhof Watzenborn nach Überführung seines Leichnams in die Heimat auf dem Friedhof von Watzenborn. Ob sein Grab heute noch existiert, werde ich in den nächsten Tagen feststellen, wenn ich den Friedhof aufsuche.

Die Todesanzeige für Georg Harnisch im Gießener Anzeiger

Sonderbeitrag: Eduard Heyer

Der Soldat Eduard Heyer stammte aus Krofdorf, einem Ortsteil der hessischen Gemeinde Wettenberg. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Offizierstellvertreter bzw. Vizefeldwebel in der 12. Kompanie des 81. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 26.09.1914 fiel er während der Schlacht an der Marne bei Bois de Ville in Frankreich.

Man begrub Eduard Heyer auf dem Soldatenfriedhof Servon-Melzicourt in Block 4, Grab 334.

Die Todesanzeige für Eduard Heyer im Gießener Anzeiger

Sonderbeitrag: Otto Müller

Der Soldat Otto Müller stammte aus der hessischen Stadt Lollar. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Jäger in der 4. Kompanie des 11. Jäger-Bataillons. Am 17.09.1914 fiel er während der Schlacht an der Marne im Alter von 21 Jahren in der Region zwischen PontavertGuignicourt und Berry-au-Bac an der Aisne.
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Über den Todestag und die Todesumstände von Otto Müller berichtet die Regimentsgeschichte des 11. Jäger-Bataillons:

„Der heraufdämmernde Tag brachte aber keinen erneuten Angriff des Feindes. Nur das Infanteriefeuer flackerte stärker auf und am Nachmittag auch das der französischen Feldgeschütze. Nach Einbruch der Dunkelheit griff der Feind Berry-au-Bac an und drängte das Regiment Augusta aus dem Ort heraus. Da die linke Flanke des Bataillons nunmehr stark gefährdet war, wurde die linke Flügelkompagnie bis zur Straße Guignicourt—Pontavert zurückgebogen und durch 3. Kompagnie, sowie 2 Züge der Maschinengewehrkompagnie verstärkt. Heftiges Granatfeuer lag auf den Stellungen, und der Tag war für das Bataillon verlustreich, obgleich es nicht eigentlich gekämpft hatte. Oberleutnant v. Scheffer, Leutnant d. R. v. Sachs und 25 Oberjäger und Jäger wurden verwundet, 2 Oberjäger und 5 Jäger fielen. Erst gegen Morgen konnten die Feldküchen vorgezogen werden und Essen ausgegeben.“

Die Lage des Grabes von Otto Müller ist unbekannt.

Die Todesanzeige für Otto Müller im Gießener Anzeiger

Sonderbeitrag: Fritz Schiele

Der Soldat Fritz Schiele stammte aus Hirzenhain, Kr. Büdingen, Oberhessen. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Leutnant und Kompanieführer 4. Kompanie des 48. Landwehr-Infanterie-Regiments. Am 06.10.1914 fiel er während der Schlacht bei Schirwindt in Schirwindt (seit 1945 russisch: Kutusowo).

Über die Todesumstände und den Todestag von Fritz Schiele berichtet die Regimentsgeschichte des 48. Landwehr-Infanterie-Regiments:

„Am 6. Oktober früh 5 Uhr versammelte sich die Brigade zum Gefecht auf einem weiten Brachfeld am Ostausgange von Willuhnen. Ueber den Stoppeln lag dichter feuchter Nebel aber bald kämpfte sich die steigende Sonne siegreich durch und ließ die roten Beeren und das herbstliche Laub der die Chaussee säumenden Ebereschen in flammenden Farben aufleuchten.

Um 6 Uhr trat die Vorhut an — II./48 und die Artillerie, die 6. Kompagnie an der Spitze — im Groß marschierte das I. Bataillon, ihm folgte mit 11 Kompagnien das Landwehr-Infanterie-Regiment 24, eine Kompagnie war dem Kommandanten von Tilsit zurückgelassen worden. Um 9 Uhr war Gobverischten erreicht und die Vorhut entwickelte sich rechts der Chaussee zum Angriff auf Schirwindt. Bald schlug ihr feindliches Feuer entgegen. Der
Spitzengang der 6. Kompagnie kam, vom Gelände begünstigt, bis auf 600 m an die russische Stellung heran, ehe ihr die feindlichen Schützen durch wirksames Feuer zwangen, einzugraben und das Gefecht aufzunehmen. Die noch weiter rechts vorgehende 5. Kompagnie näherte sich gleichfalls ohne wesentliche Verluste auf wirksame Schußweite den Gräben des linken Flügels der Sibitrier, über die beiden hart rechts der Chaussee ausgeschwärmten Züge der 6. Kompagnie entlud sich dagegen die ganze Wut des Feindes. Sie kamen in ein rasendes Maschinengewehrfeuer und mußten hinter einer Reihe hölzerner Scheunen Deckung suchen; aber die Deckung war trügerisch. Die Geschosse durchschlugen klappend die Ballenwände der leeren Gebäude und verbreiteten Tod und Verderben in den Reihen der Kämpfer. Feldwebel Gagelmann und Offizierstellvertreter Schäf fielen durch Kopfschuß, mit ihnen bluteten viele tapfere Leute. Inzwischen brachte Generalleutnant Clausius das I. Bataillon und mehrere Kompagnien des Landwehr-Infanterie-Regiments 24 links der Chaussee ins Gefecht; aber auch sie litten schwer unter dem mit verschwenderischem Munitionsumsatz genährten Feuer der Maschinengewehre. Unablässig durchkämmten die Feldbeherr Offiziere und die Scherenfernrohre der Artillerie-Beobachter das Feld, um den Stand der Gewehre zu entdecken; sie mußten sehr hoch eingebaut sein, denn sie überschossen alle niedrigen Deckungen. Die Gläser richteten sich auf die ragenden Türme der Kirche. Dort mußte man sie finden, daran war kein Zweifel mehr. Hinter den großen gotischen Spitzbogenaufsichten am Glockenstuhl des südlichen Turmes regte sich etwas. Die Artillerie schoß sich ein. Dann traf ein Schuß einen Fensterpfeiler, eine Wolke roten Ziegelstaubs stob auf, ein paar verlogene Schüsse, dann klaffte ein großes Loch im Mauerwerk und nach einem Schuß, dann repetierte ein Volltreffer im Glockenturm die Gewehre, die so unheilvoll unter den Kämpfern an der Chaussee gewirkt hatten, schwiegen. Wenige Minuten vorher hatte sich ein letztes Opfer gefordert. Major Dehlmann stürzte, beraubt von den schweren Verlusten seiner Kompagnien unbekümmert um das Pfeifen der Geschosse, an der Schützenlinie entlang, um die Mannschaften zu ermuntern. In einen schwarzen Delmantel gekleidet, war er mit seiner hohen kräftigen Gestalt weithin sichtbar. Von allen Seiten rief man ihm warnend zu, er verfolgte unbeirrt seinen Weg. Da faßte ihn die Geschoßgarbe eines Maschinengewehrs, wie vom Blitz gefällt stürzte er zur Erde. Sterbend wurde er von der Wahlstatt getragen, bevor er verschied ließ ihm der Brigade- kommandeur noch das eiserne Kreuz an die Brust heften.

Es war jetzt 2 Uhr nachmittags. Generalleutnant Clausius hielt die Zeit der Entscheidung für gekommen und gab der Artillerie Befehl den Sturm vorzubereiten. Bis dicht hinter die Schützenlinie jagte in gewohnter Schwung Hauptmann Fletcher mit seinen Batterien heran. Das Feuer richtete sich gegen die Stellungen rechts der Chaussee, aus denen der schärfste Widerstand gekommen war. Es lag vorzüglich; wie dunkle Mützen senkten sich die Wölkchen der berstenden Granaten über den gelben Sand der aufgeworfenen Grabenböschungen. Zwanzig Minuten feuerten die Kanoniere, was sie aus dem Rohr bekamen, dann traten mit aufgepflanztem Bajonett die Reserven an und rissen die Schützenlinien mit. Das Artilleriefeuer hatte mörderisch gewirkt, verstümmelte Russen lagen tot oder verwundet in allen Gräben. Die Überlebenden hoben, als wir auf 50 m heran waren, die Hände und ließen sich gefangen nehmen. Aber es gab unter den zähen Sibiriern auch Männer, die siegen oder sterben wollten. Als sich Major v. Treskow inmitten der Sturmkolonnen des I. Bataillons dem vordersten feindlichen Graben auf 30 Schritt genähert hatte, da legte ein Russe kaltblütig sein Gewehr auf ihn an, sein Schuß traf den Kommandeur am Oberschenkel, im nächsten Augenblick durchbohrten den kecken Schützen die Bajonette der sich auf ihn stürzenden Wehrmänner. Dann schritt der Sturm ohne Widerstand über die Stellungen hinweg. In den von Ruinen eingefassten Straßen des Städtchens, wo die deutsche Artillerie nicht so gründlich gewirkt hatte, entspann sich noch ein kurzer heftiger Nahkampf, bei dem die feldgrau gekleideten Offiziere von den feindlichen Gewehren besonders aufs Korn ge- nommen wurden. Leutnant Schiele fiel an der Spitze seiner Kompagnie. Oberleutnant Thomas, sein Adjutant des II. Bataillons und Leutnant Schwerin, der Führer der 8. Kompagnie wurden schwer verwundet. Gegen 4 Uhr war die gesamte Stellung des Feindes in der Hand der 9. Landwehrbrigade und der Russe auf der Flucht nach dem Walde östlich Wladyslawow. Die Brigade hatte eine überlegene feindliche Streitmacht in stark verschanzer Stellung aufs Haupt geschlagen. An der Kirche von Schirwindt sammelten sich die beim Sturm durcheinandergekommenen Verbände. Generalleutnant Clausius trat an die Kämpfer heran und begrüßte sie mit hallender Stimme: „Euch gehört die Ehre des Tages, Ihr seid Eurer Vorfahren wert, der Feind wird Euch niemals widerstehen“. Dann wandte er sich zu seinen Adjutanten: „Verpflegung aus der eisernen Portion“. Die blutigen Verluste des Feindes waren schwer, verwundete Gefangene wurden nur 200 eingebracht, das Gewirr der Brand- stellen in Schirwindt hatte das Entkommen der Fliehenden erleichtert. Auf dem Südturm der Kirche wurden die Maschinengewehre auf- gefunden, begraben unter den Leichen der von den Granaten er- schlagenen Bedienungsmannschaft. Aber auch die 9. Landwehrbrigade hatte heiß geblutet. Die Kompagnie hatte allein mehr als 60 Mann verloren. Anstelle des gefallenen Majors Dehlmann übernahm Hauptmann d. L. Friedel den Befehl über das II. Bataillon; für den ver- wundeten Major v. Treslow trat Hauptmann d. L. Ruste als Führer des I. Bataillons ein. Die Verbände wurden geordnet, dann brach der Abend herein. Landwehr-Infanterie-Regiment 24 erhielt Befehl Vorposten auf Wladyslawow vorzuschieben. Landwehr- Infanterie-Regiment 48 bezog Biwak zwischen Schirwindt und Gobenfichten; unweit dieses Orts, im Häuschen des Windmüllers auf der Chaussee, schlug der Brigadestab sein Quartier auf. Dunkel (schweigen) trat über die ruhende Truppe. Schienen kamen von dem heißen Kampftage aufgestört zur Ruhe und mancher, der manches Schläfers tauschte sie wieder um den Sammelruf eines mitten Kriegssturm ähnlich zischen und Sausen der Maschinengewehrschüsse vor.“

 

Die Lage des Grabes von Fritz Schiele konnte ich nicht ermitteln.

Die Todesanzeige für Fritz Schiele im Gießener Anzeiger

Sonderbeitrag: Ludwig Jung

Der Soldat Ludwig Jung stammte aus der hessischen Ortschaft Kleinlinden, einem Ortsteil der Universitätsstadt Gießen. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Obermatrose der Reserve in einem Marine-Artillerie-Regiment. Am 15.09.1914 starb er in Brüssel, nachdem er im Kampf schwer verwundet worden war.

Man begrub Ludwig Jung auf dem Soldatenfriedhof Brüssel-Evere in Block 4, Reihe 1, Grab 22.

Die Todesanzeige für Ludwig Jung im Gießener Anzeiger