Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.464: Joseph Sedlmayr

Der Soldat Joseph Sedlmayr stammte aus Schwaibach, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Ortenburg, und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er in der 2. Kompanie des 15. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 28.02.1916 fiel er während der Schlacht um Verdun im Alter von 27 Jahren im Bois de Manheulles (Schreibfehler auf Sterbebild) bei Verdun.

Offiziell ist für Joseph Sedlmayr keine Grablage bekannt. Ich vermute jedoch, dass er, wenn seine Gebeine geborgen werden konnten, diese anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof Hautecourt-lès-Broville beigesetzt wurden, wo man auch seine Regimentskameraden begrub, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a.

  • Landsturmmann Ludwig Schröck, gefallen am 22.03.1916, begraben auf dem Soldatenfriedhof Hautecourt-lès-Broville in Block 7, Grab 132;
  • Infanterist Lorenz Bronner, gefallen am 29.03.1916 im Bois de Manheulles, begraben auf dem Soldatenfriedhof Hautecourt-lès-Broville in einem Massengrab;
  • Landsturmmann Adolf Prym, gefallen am 30.03.1916 im Bois de Manheulles, begraben auf dem Soldatenfriedhof Hautecourt-lès-Broville in einem Massengrab;
  • Infanterist Friedrich Adrion, gefallen am 21.03.1916, begraben auf dem Soldatenfriedhof Hautecourt-lès-Broville in einem Massengrab.

 

Sterbebild von Joseph Sedlmayr
Rückseite des Sterbebildes von Joseph Sedlmayr

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.463: Johann Reger

Der Soldat Johann Reger stammte aus Thalling (Schreibfehler auf Sterbebild), einem Ortsteil der bayerischen Stadt Pocking. Im Ersten Weltkrieg diente er als Gefreiter in der 4. Kompanie des 20. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 30.11.1917 verstarb er im Alter von 23 in einem Feldlazarett, angeblich in Flandern, an einer Lungenentzündung. Da er jedoch bei Verdun begraben wurde, halte ich das für eine Fehlinformation.

Man begrub Johann Reger auf dem Soldatenfriedhof Merles-sur-Loison in Block 2, Grab 148.

Sterbebild von Johann Reger
Rückseite des Sterbebildes von Johann Reger

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.462: Anton Oxler

Der Soldat Anton Oxler wurde am 14.12.1885 in Deisenhofen geboren. Im Ersten Weltkrieg diente er als Gefreiter in der 10. Kompanie des 12. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiment. Seit dem 05.11.1914 wird Anton Öxler vermisst. Am 10.12.1914 wird er zunächst als schwer verwundet gemeldet. Offensichtlich haben Kameraden im Gefecht beobachtet, wie er schwer verwundet wurde, ohne ihn bergen zu können, und eine entsprechende Meldung weitergegeben. Am 22.01.1916 wird er darüber hinaus als vermisst gemeldet. Am 09.03.1917 erfolgt schließlich die offizielle Meldung, dass Anton Öxler bei La Maison blanche (Kämpfe bei Loretto in Artois) gefallen sei.

Über die Todesumstände von Anton Öxler berichtet die Regimentsgeschichte des 12. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:

„Am 05.11.1914 gegen 9 Uhr vormittags beginnt die französische Artillerie unsere Stellung bei La Maison blanche mit nie vorher erlebter Tollwut zu beschießen. Im Graben der 11. Kompanie sitzen Volltreffer schweren Kalibers, einer neben dem anderen. Der Eindruck ist so furchtbar, dass 10 – 20 Leute weichen, bei der Befehlstelle aber mit Mühe aufgehalten werden. Schwer lastet die Verantwortung auf dem Führer von III./R. 12. Ein Unteroffizier meldet ihm, dass die 11. Kompanie nur noch aus 20 Mann besteht und ganze Gruppen tot seien; in jenen kritischen Stunden zeigt der Reservist Dominikus Dauner (11.), Maurer aus Rechbergreuthen, sich als hervorragender Soldat. Obwohl verwundet, muntert er seinen linken Nebenraum mit den Worten auf: „Ich bin verwundet, das macht nichts, deswegen schieße ich doch. Wir dürfen hier nicht heraus, sonst ist die 12. mKompanie verloren!“ Und zum rechten Nebenmann sagt er: „Ich gehe nicht, wir sind ja nicht mehr so viele!“ Teile der 10. Kompanie weichen auf Befehl den unausgesetzt einschlagenden, schweren Granaten aus. Der Gefreite der Landwehr Ernst Stefan (9.), Landwirtschaftslehrer aus Gaisdorf, merkt dabei, dass vier Leute am alten Platz zurückgeblieben sind. Er will sie nicht im Stich lassen und holt sie nach. „Aushalten“ ist der Gedanke, der den Bataillonsführer beseelt. „Aushalten!“ ruft sein Adjutant, Leutnant Leonhard der 9. Kompanie zu, indem er zu ihr in die Stellung kriecht. Erst um 11 Uhr lässt die Wut des Feuers etwas nach. Sofort führt Leutnant Boxhorn, der Führer der 10. Kompanie einige wenige entwichene Leute wieder in die vordere Stellung. Der tapfere Gefreite Götz des Bataillonsstabes, Melder der 10. Kompanie, ermuntert die Leute dabei und will eben fünf Mann vorführen, als er durchs Herz getroffen fällt. Von 1 – 5.30 Uhr nachmittags setzt das feindliche Artilleriefeuer mit neuer Wucht ein. Ein Sturmversuch des Feindes gegen 3 Uhr scheitert. Minenwerfer mischen sich nun ein und man glaubt das Geräusch wie von herabfallenden Nägeln zu hören. Gegen 4.30 Uhr nachmittags steigert sich das Feuer wieder zum Vernichtungsfeuer. Als plötzlich das „en avant!“ der Franzosen zu hören ist, verlässt zwischen einfallenden Granaten der Bataillonsführer mit der Fahne und 8 Mann des Unterstabes die Befehlsstelle. Rechts von La Maison blanche sieht er den Feind in hellen Haufen herankommen. Er befiehlt Visier 500 und bringt im Verein mit der vorderen Linie den Sturmangriff zum Stillstand. Auch die Kompanien „Mack“ und „Wenk“ hatten ihre Stellung restlos behauptet. Die Schlacken der 10. und 11. Kompanie, im Ganzen etwa 40 Mann, wurden als Reserve zurückgenommen. Der Bataillonsführer stellt die Ordnung her. Zwei Maschinengewehre treffen von rückwärts ein. La Maison blanche war heldenhaft und mit Erfolg gehalten worden.“

Anton Öxler zahlte dabei mit seinem Leben den Preis.

Eine Grablage ist für Anton Öxler offiziell nicht bekannt. Ich vermute jedoch sehr stark, dass er anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy beigesetzt wurde, an der Stelle, an der er fiel und die später zu diesem Soldatenfriedhof wurde. Dort wurden auch seine Regimentskameraden begraben, die am gleichen Tag fielen, u. a.

  • Gefreiter Georg Baumeister, geboren 1890, gefallen am 05.11.1914 bei La Maison Blanche, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
  • Gefreiter Georg Haugg, geboren 09.04.1882, gefallen am 05.11.1914 bei La Maison Blanche, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
  • Gefreiter Joseph Stiglmeir, , gefallen am 05.11.1914 bei La Maison Blanche, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
  • Landwehrmann Joseph Ailer, gefallen am 05.11.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab.

 

Sterbebild von Anton Oxler
Rückseite des Sterbebildes von Anton Oxler

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.461: Michael Hutterer

Der Soldat Michael Hutterer stammte aus Unterbach, heute ein Teil der bayerischen Gemeinde Neufraunhofen. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er in der 4. Kompanie des 25. bayerisches Infanterie-Regiment. Am 29.09.1915 fiel er bei den Kämpfen in der Nähe von Sainte-Marie-à-Py in der franzöischen Champagne im Alter von 22 Jahren.

Die Lage des Grabes von Michael Hutterer ist offiziell unbekannt. Angesichts der Gesamtumstände vermute ich, dass er anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof Souain beigesetzt wurde, wo auch seine Regimentskameraden begraben wurden, die am gleichen Tag fielen, u. a.

  • Leutnant Fritz Bschorr, gefallen am 29.09.1915, begraben auf dem Soldatenfriedhof Souain in einem Massengrab;
  • Offiziersstellvertreter Valentin Klein, gefallen am 29.09.1915 bei Sainte-Marie-à-Py, begraben auf dem Soldatenfriedhof Souain in einem Massengrab;
  • Unteroffizier Theodor Hutzler, gefallen am 28.09.1915 bei Sainte-Marie-à-Py, begraben auf dem Soldatenfriedhof Souain in einem Massengrab;
  • Vizefeldwebel August Huth, gefallen am 29.09.1915 bei Sainte-Marie-à-Py, begraben auf dem Soldatenfriedhof Souain in einem Massengrab.

 

Seine Heimatgemeinde Neufraunhofen gedenkt Michael Hutterer noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2017/neufraunhofen_lk-landshut_wk1_wk2_by.html

Sterbebild von Michael Hutterer
Rückseite des Sterbebildes von Michael Hutterer

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.459: Engelbert Hackner

Der Soldat Engelbert Hackner stammte aus Altmühldorf, einem Ortsteil der bayerischen Stadt Mühldorf am Inn, und war der Sohn eines Landwirts (Schnambergerbauerssohn). Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Infanterist in der 1. Kompanie des  24. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 25.05.1916 fiel er im Alter von 22 Jahren bei einem Sturmangriff während der Schlacht um Verdun.

Über den Todestag und die Todesumstände von Engelbert Hackner berichtet die Regimentsgeschichte des 24. bayerischen Infanterie-Regiments:

„Ein für den 25.06.1916, 6 Uhr vormittags angesetzter Angriff konnte nicht zur Ausführung gebracht werden, weil der Befehl verspätet eintraf. Der Sturm wurde daraufhin auf 6 Uhr nachmittags verlegt.

Im Laufe des Nachmittags versuchten I. und III. Bataillon, sich für den Angriff zu gliedern, und so gut es ging, für den Sturm bereitzustellen.

Um 5.45 Uhr nachmittags traten die 9. und 10. Kompanie von der Albainschlucht aus mit Anschluss rechts an das 6. Garde-Infanterie-Regiment zu Fuß zum Sturm an. Sie vereinigten sich dann nach kurzer Zeit mit der in 1. Linie stehenden 11. und 12. Kompanie zu einer Angriffswelle, überrannten die feindlichen Gräben und arbeiteten sich durch die Thiaumontschlucht vorwärts. Durch starkes Maschinengewehr-Feuer aus Richtung Thiaumontferme, die angeblich in unserem Besitz sein sollte, wurden die Kompanien unter großen Verlusten nach rechts abgedrängt und vermischten sich mit den Gardetruppen. Der Angriff kam schließlich zum Stehen.

Das Bataillon brachte drei Offiziere und etwa 100 Mann als Gefangene ein.

Das I. Bataillon fand noch schwierigere Verhältnisse vor. Als die 1. Kompanie eben den Sturmgraben verlassen hatte, wurde sie mit Feuer überschüttet und musste unter Zurücklassung einer großer Anzahl Toter und Verwundeter nach kurzem Anlauf in die Ausgangsstellung zurück.

Die 3. Kompanie, die sich noch im Abschnitt der 2. bayerischen Infanterie-Division befand, machte dort den Sturm mit.“

Man begrub Engelbert Hackner auf dem Soldatenfriedhof Hautecourt-lès-Broville in einem Massengrab.

Sterbebild von Engelbert Hackner
Rückseite des Sterbebildes von Engelbert Hackner

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.458: Johann Baptist Stettner

Der Soldat Johann Baptist Stettner stammte aus Stetten Pfarrei Buchbach, und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg diente er in der 3. Maschinengewehr-Kompanie des 17. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. Am 16.07.1918 fiel er im Alter von 25 Jahren während der Stellungskämpfe zwischen Aisne und Marne in Nordfrankreich durch einen Granatvolltreffer.

Über den Todestag und die Todesumstände berichtet die Regimentsgeschichte des 17. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:

„Am 16.07. kam die Division in die erste Linie. Das Regiment sollte dabei aus der Linie Reuilly – Sauvigny in südlicher Richtung vorrücken und den Südrand des Waldes von Condé gewonnen. III./17. in vorderster Linie stieß am südlichen Waldrand bei Janvier- und Les Etangs-Ferme auf den Feind, der sich hier mit Maschinengewehren und Tanks hinter breiten Astverhauen eingenistet hatte. Da der Widerstand des durch Artillerie kräftig unterstützten Feindes ohne ausgiebige Vorbereitung nicht zu überwinden war, konnte das Bataillon nicht weiter vordringen; es wies einen unter dem Feuerschutz der Tanks ausgeführeten Gegenangriff des Feindes ab und machte dabei einige Gefangene. I./17. kam rechts vom III. Bataillon in die vordere Linie. Kampfführung und Übersicht über die Truppe waren durch den Wald erheblich erschwert. Bei I./17. fiel hier bei einem Erkundungsgang der vielfach bewährte Feldwebelleutnant Greif, der erst am Morgen aus Urlaub eingetroffen war und die 1. Kompanie übernommen hatte. Mit Greif, der dem Regiment seit drei Jahren angehört hatte, verlor das Regiment wieder einen der immer weniger werdenden alten Kompanieführer; er sollte die von ihm sehnlichst erwartete Beförderung zum Leutnant der Landwehr, die wegen Tapferkeit vor dem Feinde wenige Tage später erfolgte, nicht mehr erleben. Die Feuertätigkeit des Feindes steigerte sich in den folgenden Tagen immer mehr.“

Man begrub Johann Baptist Stettner auf dem Soldatenfriedhof Belleau in Block 1, Grab 537.

Sterbebild von Johann Baptist Stettner
Rückseite des Sterbebildes von Johann Baptist Stettner

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.457: Johann Plenk

Der Soldat Johann Plenk stammte aus Wiesen, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Ruhpolding. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er in der 10. Kompanie des 1. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiment. Am am 06.09.1916 wurde er schwer verwundet und verstarb am 07.09.1916 im Alter von 32 Jahren an der Aisne.

Man begrub Johann Plenk auf dem Soldatenfriedhof Maissemy in einem Massengrab.

Seine Heimatgemeinde Ruhrpolding gedenkt Johann Plenk noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/dkm_deutschland/ruhpolding_1870-71_wk1u2_bay.htm

Sterbebild von Johann Plenk
Rückseite des Sterbebildes von Johann Plenk

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.456: Georg Seitz

Der Soldat Georg Seitz wurde am 03.03.1898 in Dietenhausen geboren, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Odelzhausen, und war der Sohn eines Gutsbesitzers. Im Ersten Weltkrieg diente er in der 1. Kompanie des 10. bayerischen Infanterie-Regiments. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. Am 18.10.1918 wurde er im Alter von 20 Jahren während der Kämpfe vor und in der Hermannstellung beim Gefecht bei Aisonville-et-Bernoville durch einen Infanterieschuss schwer verwundet, geriet laut Regimentsgeschichte in französische Kriegsgefangenschaft und verstarb auf dem Transport nach Staint-Quentin. Sein Tod traf seine Eltern 10 Tage, nachdem seinen Bruder Martin gefallen war.

Über den Todestag und die Todesumstände von Georg Seitz berichtet die Regimentsgeschichte des 10. bayerischen Infanterie-Regiments:

„18.10. Am 18. Oktober nach 1 Uhr morgens wurde vom Regiment der Befehl für die Zurücknahme des rechten Flügels der Division gegeben. Diese Maßnahme wurde wegen der Lage beim rechten Nachbar notwendig, nachdem der Gegner am 17. abends noch in den Besitz von Bernoville gesetzt hatte. Ein für 18. morgens angesetzter Gegenangriff der 18. Infanterie-Division unterblieb.

Die neue Linie verlief vom Nordrand von Aisonville, wo sie zurückgebogen wurde, über den Westrand von Aisonville südlich weiter mit Front gegen Bernoville zur rechten Regimentsgrenze, diese entlang bis zum linken Flügel der rechten Kompanie in der Hauptwiderstandslinie und dann in dem bisherigen Teil der Hauptwiderstandslinie weiter. Der rechte Teil der neuen Hauptwiderstandslinie wurde somit Hinterhangstellung.

In den neuen Teil der Hauptwiderstandslinie wurde sofort eine Kompanie des B.B. (9./10.) vorgeschoben, die sich flüchtig eingrub und Postierungen und leichte Maschiengewehre in die bisherige Hauptwiderstandslinie und das Vorfeld vorschob. Die 3. Kompanie sollte als Nahtkompanie zum B.B. kommen. Es wurde schon Tag, bevor die Verschiebung vollkommen durchgeführt werden konnte. Auch den Anschluss mit dem rechten Nachbarn (Infanterie-Regiment 31) herzustellen, gelang nicht mehr.

Um 6 Uhr morgens setzte auf der ganzen Front französisches Trommelfeuer ein. Unmittelbar darauf griffen die Franzosen mit mehreren Kompanien im Regimentsabschnitt an. Der Angriff wurde durch das mit Leuchtzeichen angeforderte Sperrfeuer der Artillerie und durch Maschinengewehr-Feuer vor der Hauptwiderstandslinie abgewiesen. Besonders bewährte sich dabei wieder die schweren Maschinengewehre. Der Zug Immer der 1. Maschinengewehr-Kompanie meldete u. a. „Um 6 Uhr morgens griffen die Franzosen an. Sie kommen in Reihe rechts zu uns, ein feines Ziel!“

Um 7.30 Uhr vormittags flaute das feindliche Artilleriefeuer ab.

Die 12. Kompanie war während des feindlichen Feuers zum Kampftaktischen Kommandanten vorgezogen worden. Die 11. war auf den Platz der 12. gerückt und hatte die Sicherung nach rechts übernommen; die 3. war noch nicht an ihrem Platze an der Naht eingetroffen.

Der Kampftaktischekommandanten-Zug war am Morgen auf drei Geschütze verstärkt worden.

Allmählich machte sich rechts stärkerer feindlicher Druck bemerkbar. Den Franzosen war es nämlich bei dem Frühangriff gelungen, von Bernoville aus Aisonville zu nehmen. Der Kampftaktische Kommandant ließ Maschinengewehr- und Minenwerfer-Feuer auf den Südrand von Aisonville abgeben, sobald er dessen Besetzung durch die Franzosen erkannt hatte.

Rechts bei der 18. Infanterie-Division war die Lage um 10 Uhr folgende: An das R.B. des Regiments schloss mit einer kleinen Lücke I./31. mit Front gegen Südostrand von Bernoville an, an I./31. die 5./10., die von dem östlich Aisonville in einer Mulde zum Schutz der rechten Flanke der Division bereitgestellten II./10. zum Ausfüllen einer Lücke vorgeschoben war, die zwischen I./31. und dem rechts davon eingesetzten III./31. entstanden war. III./31. hatte Front gegen Aisonville; an III./31. schloss Infanterie-Regiment 85, an dieses Infanterie-Regiment 86 an.

In der Nähe der 11./10., die auch an der Naht sicherte, stand ein beim Nachbarregiment (Infanterie-Regiment 31) eingesetzter Tankabwehrzug, zwei 9 cm Geschütze der 7./sächsisches-Feldartillerie-Regiment 28, der von jeglicher Verbindung abgeschnitten, noch vorne geblieben war. An diese Geschütze hatten sich einzelne französische Sturmtrupps aus Aisonville und Bernoville heraus auf fast 200 m herangearbeitet und sie mit ihren Maschinengewehren beschossen. Den Sachsen war es gelungen, das eine Geschütz rechtzeitig aus der Deckung herauszuziehen und das Feuer gegen die feindlichen Maschinengewehre aufzunehmen, so dass diese sofort verstummten. Diesen Augenblick wollte die Bedienung des anderen Geschützes benützen, um es feuerbereit zu machen. Aber die sechs Mann konnten das Geschütz aus seiner Deckung, einem tiefen Loche, nicht herausbringen. Zudem nahmen die Franzosen jetzt wieder ihr Maschinengewehr-Feuer auf. Das eine Geschütz begann sofort wieder zu feuern, während der Zugführer gleichzeitig den Führer der benachbarten Kompanie (11./10.), Oberleutnant der Reserve Truckenbrod, dringend um Unterstützung anging.

Dieser Entsandte einen Zug, dessen Führung freiwillig Leutnant Bengl der 11. Kompanie übernahm. Der junge Offizier führte unter geschickter Ausnützung des Geländes den Zug in eine kleine Mulde an die beiden Geschütze heran, ließ sofort ein leichtes Maschinengewehr auf die Franzosen feuern und zog mit den anderen Leuten das Geschütz aus der Deckung heraus; dieses nahm sofort das Feuer auf. Sodann trug er mit seinen wackeren Leuten persönlich Munition heran.

Das Feuer der beiden Geschütze hatte zur Folge, dass die Franzosen sich eiligst an die Ortsränder zurückzogen. Dort sammelten sie und wollten von neuem in Sturmtrupps wieder vorbrechen. Aber unter dem direkten Schuss der beiden Geschütze erlitten sie, wo sie sich zeigten, solche Verluste, dass sie ihre Angriffsabsichten völlig aufgaben. So hatte Leutnant Bengl, der sich schon am 20.08.1918 beim Gegenstoß der 5./10. unter Leutnant Lanz ausgezeichnet hatte, durch sein entschlossenes, schneidiges Eingreifen eine schwere Gefahr von dem rechten Flügel der Division abzuwenden verstanden. Er war von zwei braven, unerschrockenen Unteroffizieren der 11./10. besonders bei seinem Beginnen unterstützt worden, dem Vizefeldwebel der Landwehr Walter und Sergant der Landwehr Behringer.

Gegen Mittag gelang es, die beiden Geschütze unbeschädigt zurückzubringen.

Um 11.15 Uhr vormittags erging vom Regiment folgender Regimentsbefehl:

„II./10. sichert den Regimentsabschnitt gegen den Südausgang von Aisonville in seiner jetzigen Stellung; hierzu sind auch die Nahtkompanien und die Regimentsreserve zu verwenden. Führung über die gesamte Sicherung: Major Heinzmann.

I./10. hält seine Stellung so lange als möglich. Wird durch ein weiteres zurückgehen des rechten Nachbars die Stellung unhaltbar, so schließt sich I./10. dem Zurückgehen an und bezieht erneut Stellung an der Straße Aisonville – Tremont-Ferme.

Als rückwärtige Sicherung rückt III./13. in die Mulde nordwestlich Badencourt“.

Dieser Befehl traf nach 12 Uhr mittags bei den Bataillonen ein. Der Gegner hatte vor dem Regimentsabschnitt keinen Angriff mehr unternommen. Aber bei den rechts anschließenden Divisionen drängte der Franzose teilweise auch mit Einsatz von Tanks derartig nach, dass die Lage immer unhaltbarer wurde.

Nach 1 Uhr nachmittags gab das Regiment den inzwischen eingetroffenen Divisionsbefehl zur Rückzug in die Hermann II Stellung weiter. Die 6. Infanterie-Division sollte sich dem um 3 Uhr nachmittags von Bernoville aus beginnenden Abzug der 18. Infanterie-Division vom rechten Flügel aus anschließen. Dem 10. Infanterie-Regiment wurde zum Zurückgehen über die Oise die Brücke zwischen Grand-Berly und Badencourt zugeweisen; die Straße Grand-Berly – Lesquielles durfte vom 10. Infanterie-Regiment nicht benützt werden.

Mit dem Abbauen, das in kleineren Trupps, möglichst der Sicht des Feindes entzogen, unter Ausnützung der Mulden vor sich gehen sollte, hatte III./10. zu beginnen, diesem I./10. zu folgen. II./10. hatte den Rückzug zu decken. Geräte und Munition waren nach Tunlichkeit zurückzuschaffen. Für den Fall eines feindlichen Angriffs während des Zurückgehens waren von den Bataillonen zur Deckung des Abzuges Nachhuten mit schweren Maschinengewehren auszuscheiden, die von Abschnitt zu Abschnitt ausweichen sollten.

III./13. wurde von der Division in eine Aufnahmestellung östlich des Oise-Cambre-Kanals von der Nordgrenze der Division bis zur Straße Grand-Berly – Lesquilles befohlen. Die zurückgehenden Teile des Regiments sollten durch die Kanalbesatzung durchgezogen werden und in den Waldstücken der Mulde südlich Tupigny sammeln, und zwar III./10. im nordöstlichsten Waldstück an der Abschnittsgrenze, II./10. in dem südlichsten Waldstück, I./10. im mittleren Waldstück.

Der Regimentsstab verblieb zunächst in Grand-Berly und ging dann an die Straße Tupigny – Lesquilles zurück.

Der Rückzugsbefehl erreichte K. B. (I/10.) um 2.10 Uhr nachmittags. Um 2.15 Uhr erhielt er der Kampftaktische Kommandant die Mitteilung vom rechten Nachbar Kampftaktischen Kommandant (I./31), dass er mit dem Rückzug begonnen hätte.

Der Kampftaktische Kommandant gab so schnell wie möglich seinen Kompanien und Minenwerfern den Befehl zum sofortigen Rückzug, bestimmte 2./10. (die linke Flügelkompanie) und die 1. Maschinengewehr-Kompanie als Nachhut und entließ die 12./10. zu ihrem Bataillon. Erst gegen  4 Uhr nachmittags verließ er mit Teilen der 9./10. seine Befehlsstelle.

Wie sich später herausstellte, hatten die beiden rechten Kompanien des K.B., 9. und 1. Kompanie, den Befehl zum Rückzug nicht mehr rechtzeitig genug erhalten und waren zum größten Teile von den infolge des Abzugs der rechten Nachbardivision scharf nachdrängenden Franzosen von rechts her abgeschnitten und gefangen genommen worden.

Beim III./10. konnte sich der Rückzug ohne besondere Schwierigkeiten vollziehen, während das II./10. infolge des äußerst starken Nachdrängens der Franzosen hinter der 18. Infanterie-Division seinen Auftrag, den Abzug des Regiments zu decken, nicht mehr ganz durchführen konnte.

Die 5. Kompanie (Lanz), verstärkt durch den schweren Maschinengewehr-Zug Keitsch, welche um 11 Uhr vormittags bereits weiter vorgeschoben war, um gegen Aisonville abzuriegeln, blieb auf eigene Faust noch länger in der Stellung und hielt den von da vordringenden Gegner durch ihr Feuer auf. Zwei verlassene Tankgeschütze, die unmittelbar vor ihrer Linie standen, sollten kurz nach 3 Uhr von ihrer Bespannung abgeholt werden. Da aber die Geschütze tief eingegraben waren, zogen sie einige Freiwillige der Kompanien (darunter Unteroffizier Kaiser) trotz feindlichen Maschinengewehr-Feuers heraus und protzten sie auf.

Zwischen 5 Uhr und 6 Uhr nachmittags überschritten die Bataillone des Regiments die Oise, zwischen 6 Uhr und 7 Uhr trafen sie an den befohlenen Sammelplätzen südlich Tupigny ein.

Obwohl der Rückzug am Tage angesichts des Gegners über zum Teil sehr schwieriges Gelände hatte ausgeführt werden müssen, hatte das Regiment bei dieser Bewegung so gut wie keine blutigen Verluste erlitten. Das kam davon her, weil die französische Artillerie sich offenbar schon bei dem Trommelfeuer am Morgen verschossen und noch keine frische Munition hatte heranschaffen können. Die französische Infanterie unterließ es, durch Maschinengewehr- und Gewehrfeuer den Rückzug zu stören.

Nach dem um 3.45 nachmittags ausgegebenen Brigadebefehl hielt die Division bis auf weiteres die Kanalstellung (Oise-Cambre-Kanal), rechter Flügel die bisherige Divisionsgrenze südlich Tupigny, linker Flügel am Nordausgang von Proix. R. 1 mit linkem Flügel etwa 50 Meter südlich der Straße Le Grand-Berly – Lesquilles: 10. Infanterie-Regiment, R. II: 6. Infanterie-Regiment, R. III.: 13. Infanterie-Regiment.

Vom 10. Infanterie-Regiment wurde das II. Bataillon R.B. und löste das III./13. in der Kanalstellung ab, die entscheidend zu halten war. II./10. wurde B.B. in der Gegend der Waldstücke südlich Tupigny, I./10. R.B. in dem Grund südwestlich Moulin Iron (nordwestlich Iron). Regimentsstab in Moulin Iron; Brigadestab in Ferme Wollines östlich Dorengt.

Die schweren Maschinengewehre wurden teils zur Bestreichung der Kanal- und Oise-Niederung, teils auf den Höhen zwischen der Niederung und der Artillerieschutzstellung (diese verlief Westrand Boué – Waldrand Les Quilles – Couvron Ferme – Jonqueuse-Ferme), die Minenwerfer und Tankgewehre teilweise zur Bestreichung der Brücken, hauptsächlich rückwärts auf den Höhen eingebaut.

Die Zerstörung der Brücken über die Oise und den Kanal vor der Front der Division durch die Pioniere wurde nach Übergang der Nachhuten angeordnet; die Laufstege sollten von der Infanterie besetigt werden.

Die Franzosen trafen mit ihren Vortruppen noch im Laufe der Nacht (11.30 Uhr abends) vor dem Oise-Sambre-Kanal ein. Die Nacht verlief ohne besondere Ereignisse.

Die Kampfzone wurde von der feindlichen Artillerie etwas abgestreut, dagegen wurde die Ortschaft Iron sehr stark beschossen, sodass die dort untergebrachte Gefechtsbagagen weiter rückwärts in die Gegend nordöstlich Neuville verschoben werden musste.“

Man begrub Georg Seitz auf dem Soldatenfriedhof St.-Quentin in Block 9, Grab 370.

Sterbebild von Georg Seitz
Rückseite des Sterbebildes von Georg Seitz

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.455: Georg Vogler

Der Soldat Georg Vogler stammte aus Unterhaindlfing, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Wolfersdorf, und war der Sohn eines Landwirts (Gruberbauerssohn). Im Ersten Weltkrieg diente er als Infanterist in der 11. Kompanie des 1. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 18.02.1916 wurde er bei Blangy im Alter von 21 Jahren durch Verschüttung im Schützengraben getötet. Am 28.02.1916 wurde sein Leichnam ausgegraben.

Man begrub Georg Vogler auf dem Soldatenfriedhof Billy-Montigny in Block 5, Grab 128.

Sterbebild von Georg Vogler
Rückseite des Sterbebildes von Georg Vogler

Sonderbeitrag: Hans Butt

Der Soldat Hans Butt wurde am 07.09.1895 in der niedersächsischen Gemeinde Drochtersen geboren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Fähnrich und später als Leutnant und Kampanieführer der 9. Kompanie des 74. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 17.04.1917 fiel er im Alter von 21 Jahren während der Doppelschlacht an der Aisne und in der Champagne in Frankreich. Er wurde während der Kämpfe am Winterberg bei Corbeny und Craonne getötet.

Kämpfe am Winterberg 10.04 – 25.05.1917

Über den Todestag und die Todesumstände von Hans Butt berichtet die Regimentsgeschichte des 74. Reserve-Infanterie-Regiments:

„Die Ereignisse dieses schweren Tages vom 16. bis 18. April lassen sich nicht einheitlich schildern, da jede Kompanie verschiedenen Gesetzen, je nach Lage ihres Abschnitts, unterwarfen war. Ein lebenswahres Bild erhalten wir nur dadurch, wenn wir den Berichten von Kampfteilnehmern aus mehreren Kompanien folgen. Als erstes hören wir den Führer der 10. Kompanie, Leutnant Elble:

„“Ich war indessen am ersten Graben angelangt und sprang hinein, gleichzeitig kamen schon die anderen Kompanien hinter mir im Sturmschritt angelaufen. Alles sprang in den Graben und suchte Deckung. Es blieb uns auch gar nichts anderes übrig, denn wir alle waren ja wie auf dem Präsentierteller den feindlichen Maschinengewehren ausgesetzt, ohne dass wir den Feind sehen und ihn bekämpfen konnten. Die Gräben waren nun vollgepfropft mit Menschen. Der Franzmann schickte uns außer den sogenannten „Ratschern“ auch noch schwere Granaten herüber, und es gab wieder Tote und Verwundete, da mehrere Volltreffer in die Gräben einschlugen.

Leutnant Butt, Führer der 9. Kompanie, und ich berieten nun, was zu tun sei. Es war mittlerweile 5.30 Uhr geworden und die Dämmerung sank herab. Da wir hier nicht bleiben konnten, sondern erfahren mussten, ob vor uns Feind oder Freund war, schlossen wir, mit äußerster Vorsicht vorzugehen. Mit entsicherter Pistole in der Hand und begleitet von etwa zehn tapferen und zuverlässigen Gefechtsordonnanzen, gingen Leutnant Butt und ich (ob Leutnant Lütge [Kompanieführer 11.] oder Leutnant Bartels [Kompanieführer 12. Kompanie] auch dabei waren, weiß ich nicht mehr) voran, gefolgt in einigem Abstand von den Kompanien. Als wir ungefähr 100 Meter vorwärtsgeschritten waren, hörten wir plötzlich in kurzer Entfernung Stimmen. Wir blieben stehen und lauschten: es waren gut bayerische Flüche. Also Freund!

Wir gingen weiter und kamen nun zu den diesseits an der Reimser Straße liegenden Truppen. Der Führer der Bayern, ein Hauptmann, bei dem wir uns meldeten, sagte, er habe seinen Augen nicht getraut, als er plötzlich deutsche Truppen in mustergültiger Ordnung wie früher im Manöver über die Höhe habe herabkommen sehen, und es sei ihm furchtbar zu Mute gewesen, wie plötzlich stärkstes feindliches Maschinengewehrfeuer in unsere Reihen hineingefahren sei, ohne dass er etwas dagegen habe tun können. Wir seien sehr willkommen, da nur noch wenige Posten hier vorn ständen und die Franzosen über der Straße drüben lägen.

Wir verteilten nun unsere Leute als Posten für die Nacht. Unter der Reimser Straße waren nur Bretterstollen und Fuchslöcher, die von Bayern besetzt waren, und in denen wir unterkrochen. An Schlaf war nicht zu denken, denn zu jeder Sekunde konnte der feindliche Angriff wieder erneuert werden. Der Feind beschoss die ganze Nacht das Gelände mit leichter und schwerer Artillerie, und mancher unserer braven Leute erlitt hier den Heldentod. In diesen Löchern unter der Reimser Straße war es sehr ungemütlich, sie hatten nur einen Ausgang und boten nur ganz geringe Deckung. Alle Augenblicke schlug eine Granate auf die Straße und drohte, den Stollen einzudrücken.

Mit unserem Bataillon hatten wir auch am 17. Spril morgens noch keine Verbindung. Ich schickte eine Ordonnanz mit einer Meldung über die Lage nach hinten. Um die Mittagszeit ertönte plötzlich von den Posten der Ruf: „Sie greifen an!“ Alles springt sofort an die Böschung der etwas höher gelegenen Reimser Chaussee. und richtig, drüben kommt der Franzmann mit dem blauen Stahlhelm teils in den Laufgräben, teils über freies Feld herangesprungen. Mit den unangenehmen 7,5-mm-Granaten überschüttet die feindliche Artillerie unsere Stellung, um den Angriff zu unterstützen. Mancher unserer tapferen Soldaten fällt oder wird verwundet, u. a. Leutnant Benz, der einen Gewehrschuss durch beide Knie erhält.

Wir können uns um die Toten und Verwundeten zunächst nicht kümmern. Zuerst gilt es den heranstürmenden Feind abzuwehren. Leutnant Butt steht neben mir, hat ein Gewehr in der Hand und schießt ununterbrochen, wie ich auch. Der Feind wirft sich hin und sucht Schutz, da er von uns unter mörderisches Schützen- und Maschinengewehrfeuer genommen wird.

Da bemerken wir, dass durch den Laufgraben auf uns zu 6-8 Franzosen in gebückter Stellung heranschleichen. Wir beide und noch ein paar Mann neben uns springen auf die Reimser Straße, und auf dem Straßenrand kniend werfen wir unsere Handgranaten auf die heranschleichenden Feinde. Plötzlich sehe ich, wie im Laufgraben weiter hinten ein Franzose sein Gewehr gegen uns anschlägt. Ich bücke meinen Oberkörper zu Boden und scheie „runter“ und turne die Böschung herab, um das Gewehr zu holen. Als ich es habe und mich zu Leutnant Butt wende, sehe ich ihn auf der Straße liegen, wie ich vor zwei Sekunden auch lag. Ich schieße nun auf den Franzosen, ob ich ihn traf, weiß ich nicht, jedenfalls war er nach dem Schuss weg.

Als ich Leutnant Butt nun immer noch so regungslos wie vorhin daliegen sehe, rutsche ich, nichts Gutes ahnend, hinüber und drehe ihn herum. Da sehe ich seitlich auf seiner Stirne ein kleines Loch, aus dem Blut tropft. Die Kugel traf ihn durch den Kopf und ließ ihn mitten im Kampfe, den er heldenhaft und siegessicher mit Todesverachtung führte, einen schönen, jungen Soldatentod, den Tod vor dem Feinde sterben. Mir tat das Herz weh. Butt war mir ein lieber Kamerad und bei Vorgesetzten wie Untergebenen allgemein beliebt gewesen. Ich zog ihn von der Straße herunter und bestimmte sechs Leute, die sofort seine Leiche nach hinten bringen mussten. Ein jugendlicher, tapferer, mit hohen Geistesgaben ausgestatteter, echt deutscher Mann und Offizier, so lebt er weiter in unserem Gedächtnis“

Dem damaligen Vizefeldwebel, späteren Leutnant Graßmann verdanken wir folgenden Bericht über die Tätigkeit der 9. Kompanie:

„Im Morgendämmern des ersten Tages nach dem Einrücken in die neue Stellung lag wieder lebhaftes Artilleriefeuer auf den Kampfgräben des Regiments und ließ einen neuen Angriff vermuten. Aber die Posten waren wachsam. Schon nach kruzer Zeit rief ihr Alarm die Besatzung aus den Stollen: „Der Franzmann kommt!“ In dichten Massen kamen die blauen Mäntel auf uns zugelaufen. Sie ahnten wohl nicht, wie sehr die deutschen Linien über Nacht verstärkt worden waren. Stahlhelm an Stahlhelm stand die 9. Kompanie auf den Schützenauftritten ihres Grabens und sah sich hinter der Deckung hervor das Schauspiel an. Noch schwieg ihre Front. Der Befehl von Leutnant Butt: „Noch nicht schießen, erst rankommen lassen“ hielt sie zurück. Dann – auf 40-50 Meter waren die Angreifer herangekommen – das Kommando „Feuer!“ Heraus aus den Gewehren und den zahlreich vorhandenen Maschinengewehren, was heraus ging. Hei, wie die Blauen purzelten! Sie stockten, sie lagen. In wenigen Minuten war der Angriff restlos zusammengebrochen. Was noch lebte im Vorfeld, kroch in die vielen Gräben der alten deutschen Stellung in Deckung.

Bald schwieg das Feuer der Verteidiger, weil sich kein Ziel mehr bot. Aber bei der 9. war man durch den schönen Erfolg in Stimmung gekommen und tatendurstig geworden. Sieh, da springt als erster der Unteroffizier Karl Meyer aus dem Graben heraus, winkt die nächsten vier, fünf Leute seiner Gruppe heran, jeder rafft sich einen Arm voll Handgranaten, und los geht’s zum „Gegenstoß“ im kleinen. Da ist ja gleich vor ihnen so ein alter deutscher Laufgraben. An dem entlang laufen sie vorwärts, der muss mal untersucht werden. Richtig, hinter der nächsten Ecke wimmelts darin von schwarzen Franzosen. Handgranaten hinein, eine Salve und noch eine und noch eine. Weiter! Das kühne Beispiel hat Schule gemacht: überall sieht man kleine Trupps aus den deutschen Gräben hervorbrechen und ins Zwischengelände vorlaufen. Bald aber empfängt sie die französische Gegenwehr, und nun müssen sie Deckung nehmen in dem alten Laufgraben. In diesem kommen sie noch ein Stückchen voran, dann sperrt ihn ein betonierter Maschinengewehr-Stand; die von den Franzosen gehaltene Linie ist erreicht.

Also „Kehrt marsch!“ ungefährdet geht der Rückmarsch vonstatten. Zwei blutjunge Negerlein werden zitternd und schlotternd im Vorgelände aufegefunden und als Gefangene mitgenommen. Willkommene Beute an Lebensmitteln für hungrige Soldatenmägen findet sich auch noch: köstliche Fleischkonserven aus Argentinien u. a. Fröhlich erreichen sie wieder den eigenen Graben, aber trübe Kunde empfängt sie dort. Eben trägt man den allverehrten Kompanieführer Leutnant Butt davon – tot! Ein teurer Preis für einen schönen Sieg!

Man begrub Hans Butt auf dem Soldatenfriedhof Sissonne in Block 9, Grab 195.

In Stotel gedenkt man Hans Butt noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2023/stotel_gem-loxstedt_lkr-cuxhaven_wk1_wk2_ns.html

In Stellung am Reichsackerkopf – Von rechts nach links: Oberleutnant Engel, Leutnant Haase, Fähnrich Butt, Offiziersstellvertreter Eschenbüscher, Landsturmmann Stephan, Gefreiter Riese