Die Gefallenen vom Kloster Arnsburg – Teil 2: Eduard Rudolf

Der Soldat Eduard Rudolf wurde am 11.10.1885 in Kalinow in Oberschlesien (seit 1945 polnisch: Kalinów (Strzelce Opolskie)) bei Großstrehlitz (seit 1945 polnisch: Strzelce Opolskie). Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Reservist in der 5. Kompanie des 51. Reserve-Infanterie-Regiment. Am 24.08.1914 wurde er bei bei den Kämpfen in Frankreich an der Aisne bei Arrancy schwer verwundet. Am28.09.1914 verstarb er an seiner Verwundung im Alter von 18 Jahren im Lazarett der hessischen Stadt Laubach.

Über den Tag und die Umstände der schweren Verwundung von Eduard Rudolf berichtet die Regimentsgeschichte des 51. Reserve-Infanterie-Regiment:

„Arrancy

24. August

Um 3.30 Uhr vormittags befahl die Brigade erneut weitere Nahaufklärung durch Offizier-Patrouillen: „Die Division müsse erfahren, wie stark Dorf Arrancy und die unmittelbar angrenzenden Höhen vom Feinde besetzt seien, besonders die ersten Morgenstunden seien zur Erkundung auszunutzen.

Hierüber brachte die von der 6. Kompanie entsandte Patrouille Leutnant der Reserve Brüning und 5 Mann wertvollen Aufschluss. Leutnant Brüning umging vorsichtig das Dorf, ohne auf eine feindliche Sicherung am Dorfrande zu stoßen. Kurz entschlossen verteilte er seine Leute auf die verschiedenen Dorfgassen, er selbst nahm die Hauptstarße. In den einzelnen Gehöften überraschte er die Franzosen bei der Morgentoilette, sie benahmen sich sorglos wie im Manöver. Er stellte fest, dass außer etwas Artillerie eine Maschinengewehr-Abteilung und ein Infanterie-Regiment im Dorfe lagen.

Auf Grund der einlaufenden Meldung beschloss die 12. Reserve-Division am 24. in planmäßigem Angriff Arrancy und die angrenzenden Höhenstellungen zu nehmen. Der noch während der Dunkelheit beim Regiment eintreffenden Divisions-Angriffsbefehl sagte, dass der Angriff gegen Arrancy und die angrenzenden Höhen gleichzeitig von Osten und Südosten her durch die 22. Reserve-Brigade, von Norden und Nordosten her durch die 23. Reserve-Brigade erfolgen sollte. Reserve-Feldartillerie-Regiment 12 hatte Dorf und Stellung von Osten her durch beschießung sturmreif zu machen und die feindliche Artillerie nieder zu halten. Die I. Fußartillerie-Regiment 10, vom Korps der Division zugeteilt, sollte Dorf, Stellungen und feindliche Artillerie von Norden her fassen. Die 23. Reserve-Brigade befahl daher für das Regiment: Das Reserve-Regiment 51 übernimmt am Bahndamm der Strecke Longuyon-Pierrepont von 5.30 Uhr vormittags an den Feuerschutz im Abschnitt La Maragole Scie. bis 500 Meter östlich von des von Beuville nach Süden führenden Weges für das aus Richtung Lopigneux angreifende Reserve-Regiment 22 und das von Pierrepont vorgehende Reserve-Regiment 38.

Oberstleutnant von Kameke befahl hierauf dem II. Bataillon mit der 2. Kompanie die rechte Hälfte des von der Brigade befohlenen Abschnittes und dem I. Bataillon ebenso die linke Hälfte zu besetzen, die Maschinengewehr-Kompanie sollte sich hinter dem rechten Flügel des II. Bataillons am Bahndamm bereitstellen.

Es war gegen 4.30 Uhr morgens – dichter Nebel bedeckte das Gelände – als der Angriffsbefehl die vorderen Kompanien erreichte. Steif und fröstelnd erhoben sich die Schützen aus ihren flachen Erddeckungen. Man fuhr sich einige Male mit der Hand über die Augen, befreite seine Sachen notdürftig von dem anheftenden Lehm und begann Mantel und Zeltbahn zu rollen. Die Toilette war damit im allgemeinen beendet. Nicht alle Kompanien bekamen Kaffee aus der Feldküche. Unter Ausnutzung des noch herrschenden Halbdunkels und mit möglichster Lautlosigkeit wurden sämtliche Vorbereitungen zum Angriff getroffen.

Um 5.30 Uhr vormittags lagen die Bataillone und Maschinengewehr-Kompanie in ihren Gefechtsstellungen wie folgt: Am rechten Flügel des Regiments die Maschinengewehr-Kompanie mit 6 Gewehren in Lauerstellung, II. Bataillon anschließend am Bahndamm mit der 6. Kompanie nordwestlich des Weges Beuville-Arrancy, 8. Kompanie südöstlich desselben, 7. Kompanie in hinterer Linie als Unterstützung nahe Höhe 269, 5. Kompanie 600 Meter rückwärts am Wege Beuville-Arrancy in einem Kartoffelfeld zur Verfügung des Regiments. Anschließend an die 8. Kompanie lag das I. Bataillon mit der 4. Kompanie weiter südöstlich am Bahndamm, die 3. Kompanie beiderseits des von Beuville in allgemein südlicher Richtung führenden Weges am Bahndamm, die 2. Kompanie 500 Meter hinter der Mitte in hinterer Linie als Unterstützung, die 1. Kompanie als Artillerie-Schutz in Beuville.

Inzwischen war die Sonne aufgegangen und ihre ersten Strahlen fielen auf das festungsartig an schroffer Höhe liegende Arrancy. Scharf umrissen hoben sich der Kirchturm und die einzelnen massiven Gebäude mit ihren leuchtend roten Dächern ab. Von den feindlichen Schützengräben an den umliegenden Höhen war mit bloßen Auge fast nichts zu erkennen, sie waren geschickt angelegt, wie der Franzose ja überhaupt Meister in der Anlage von Verteidigungsanlagen war.

Gegen 7 Uhr wurde es recht lebhaft. Reserve-Feldartillerie 12 östlich Beuville in Stellung gegangen, setzte mit seinem Feuer zu machtvoller Ouverture ein. Gelbrote Feuerblitze über Arrancy, denen unmittelbar starke Detonationen folgten, – schwarze Qualmschwäden wälzten sich träge aufwärts – bewiesen, dass auch unsere schweren Feldhaubitzen ihr Ziel erfasst hatten. Doch auch der Gegner blieb mit seiner Artillerie nicht untätig. Er überschüttete die Kompanien des Angreifers lagenweise (Rasales) meist mit Feldgranaten; erfreulicherweise gingen die Geschosse meist zu kurz oder zu weit, sodass unsere am Bahndamm liegenden Kompanien gast gar keine und die weiter rückwärts liegenden nur geringe Verluste hatten. Dröhnend schlug das feindliche Artillerie-Feuer in den harten Kalk- und Felsboden südlich von Beuville, ein gewaltiges Echo hervorrufend. Nur schwer konnte man noch unterscheiden, welche Schüsse von eigener und welche von feindlicher Artillerie berührten, ein unablässiges Heulen, Pfeifen und Rauschen in der Luft. Der Adjutant des II. Bataillons, Leutnant Wogkittel, wurde an einem Steinbruch durch Granatsplitter leicht verwundet, er blieb bei der Truppe. Unsere Feldbatterien östlich Beuville hatten einen schweren Stand, ein Geschütz erhielt Volltreffer, hierbei wurde u. a. auch Hauptmann Mittmann verwundet. – Der Regiments-Stab Reserve-Regiment 51 beobachtete an der Höhe 500 Meter südlich Beuville das Gefecht, als sich feindliche schwere Artillerie auf diesen Hang einschoss. Etwa 40 schwere Granaten gingen dorthin. Während Oberleutnant Brauer zur Beobachtung weiter vorkroch, schlugen 2 Granaten 4 und 5 Schritt neben dem Kommandeur ein, der heftigen Luft- und Erddruck gegen seine Brust verspürte. Ein Granatsplitter fuhr in das Gewehr der neben ihm liegenden Gefechtsordonnanz Sobotta. Kurzum, es war hier oben z. Zt. wenig gemütlich. Einen schmerzlichen Verlust sollte zu gleicher Zeit der Brigade-Stab erleiden. Nahe Beuveille wurde neben dem Brigade-Kommandeur der Adjutant Oberleutnant Rudolph durch Granat-Volltreffer zerrissen in die Luft geschleudert. Generalmajor Freiherr von Wilmowski musste sich infolge hierbei zugezogenem Nervenschocks krankmelden, Oberstleutnant von Kameke übernahm vorübergehend die Führung der 23. Brigade.

Die Wirkung unserer Artillerie gestaltete sich stündlich günstiger. Vom Bahndamm konnte man gut beobachten, wie die feindlichen Gräben durch unsere Granaten und Schrapnells gefasst wurden, mancher Treffer saß drin und veranlasste die Franzosen zum Reißaus. Mit fliegenden Rockschößen sah man französische Infanteristen über den bräunlichen Ackerboden zurückeilen und stürzen, verfolgt von unseren Schrapnells mit weißen Wölkchen und rötlichem Feuerblitz.

Ins Feuergefecht konnten zunächst nur die Maschinengewehr-Kompanie und die vorderen Kompanien des II. Bataillons (6. und 8. Kompanie) erfolgreich eingreifen, den Kompanien des I. Bataillons bot sich wegen zu großer Entfernung vom Feinde noch kein lohnendes Ziel. Um 7 Uhr vormittags kündete das Tak-Tak-Tak der Maschinengewehre am rechten Flügel des Regiments an, dass man hier dem Gegner im Genick saß. Mit Visier 500 – 1.200 wurde der Nordostrand von Arrancy abgestreut, woselbst man feindliche eingenistete Maschinengewehre und Schützen erkannt hatte. Weitere kräftige Feuerstöße richteten sich gegen schwer erkennbare, in dem vorliegenden Haferfeld und in kleinen Buschgruppen eingenistete feindliche Infanterie.

Um 7.30 Uhr vormittags eröffneten die 6. und 8. Kompanie mit Visier 800 bzw. 1100 und 1200 vom Bahndamm aus das Feuer. Es galt dem Feind im Vorgelände hart nordöstlich des Dorfes und am Bahndamm hart östlich von Arrancy. Der 6. Kompanie glückte es mit 2 hohen Visieren (1200 und 1400) eine feindliche Infanterie-Kolonne zu beschießen, die sich unvorsichtig am Nordausgang von Arrancy zeigte. Hauptmann Schacke beobachtete, wie bereits nach der ersten gutliegenden Salve die Franzosen auseinander stoben und in wenigen Augenblicken wieder die schützenden Gehöfte erreichten. Das gegen 9 Uhr einsetzende heftige feindliche Artillerie-Feuer tat den beiden Kompanien wenig.

Bei der 4. und 3. Kompanie konnte man z. Zt. nichts weiter tun, als in voller Deckung hinter dem Bahndamm zu verharren, die Kompanien lagen in eingliedriger Linie dicht an die Böschung gedrückt, nur die Führer beobachteten mit dem Glase scharf nach vorn, um den Augenblick ihres Eingreifens richtig zu erfassen. Da entdeckte Hauptmann Schiedt plötzlich an einem Höhenrand südlich Arrancy mehrere feindliche Reiter, die sich anscheinend etwas zu weit vorgewagt hatten. Sofort ließ er mit einem Zuge diesen feindlichen Stab – ein solcher schien es zu sein – unter Salvenfeuer nehmen. In schnellstem Tempo verschwanden die Reiter hinter der Höhe. In der gleichen Weise wurden auch noch einige feindliche Artillerie-Beobachter verscheucht.

Ein um 10 Uhr vormittags eintreffender Divisions-Befehl besagte, die 23. Reserve-Brigade solle von un an nur hinhaltend kämpfen, da der Einfluss der 11. Reserve-Division von Westen und des XVI. Armee-Korps bzw. des V. Reserve-Korps von Südosten her abgewartet werden müsse. Das Artillerie-Duell nahm inzwischen seinen Fortgang, das Feuer schwoll zeitweise zu ohrenbetäubender Heftigkeit an und flaute wieder ab. Mitunter dröhnte es als ob eiserne Tore aufeinander schlügen. Die Sonne meinte es wieder recht gut, ihre gegen Mittag sengend herniederbrennenden Strahlen dörrten den Gaumen aus und ließen die Zunge festkleben, allenthalben stellte sich Durst ein. Wasser war schwierig zu erreichen. Dafür entdeckte man aber ein gut bestandenes Mohrrübenfeld. Einige Leute krochen hin, füllten sich die Taschen und verteilten die Rüben in der Gefechtslinie. Ein Zugführer der 4. Kompanie hatte weniger Glück. Auf der Suche nach Wasser gelangte er in ein kleines Streckenwärter-Haus, dort die Flasche mit hellgelber Flüssigkeit auf dem Tisch scheint Apfelwein zu enthalten! Er setzt an: Pfui Deibel, Maschinenöl!

Beuveille erhielt am Vormittag wiederholt Artillerie-Feuer. Einmal sah sich der Divisions-Stab genötigt, das Dorf vorübergehend zu verlassen. Auch die Chaussee Beauveille-Arrancy wurde heftig beschossen. Ferner schlugen schwere Granaten anscheinend aus Rimailho-Geschützen, in bedenklicher Nähe der in eingliedriger Formation auf dem vorderen Hang eine Anhöhe liegenden 5. Kompanie ein, die sich mit einem Schritt Zwischenraum von Mann zu Mann eingegraben hatte, um wenigstens gegen Splitterung gedeckt zu sein. Nur diesem ist es zuzuschreiben, dass die Verluste bei der Kompanie gering waren. Den Bachgrund am Bahndamm entlang sah man Verwundete vom Reserve-Jäger-Bataillon 6 sich heranschleppen, ein Zeichen, dass auch Reserve-Regiment 38 nicht mehr weitab sein konnte.

Es war 11 Uhr vormittags. Deutlich erkannte man, wie sich auf den Höhen südöstlich Arrancy Schützenlinien abhoben, gegen das Dorf vorgehend; die 22. Reserve-Brigade war es, an ihrem rechten Flügel Reserve-Regiment 38. Die Maschinengewehr-Kompanie meldete kurz darauf dem Regiment, dass Reserve-Regiment 22 nur noch einige 100 Meter von Arrancy entfernt sei.

Nun brachte Oberstleutnant von Kameke durch Signal den Angriff des Regiments 51 in Bewegung. Am rechten Flügel gelang es der Maschinengewehr-Kompanie geschickt vorzugehen und 3 Gewehre bis an den Dorfrand vorzuschieben, die anderen 3 Gewehre unterstützten dieses Vorgehen durch ihr Feuer. Die Häuser wurden unter Feuer genommen. Die Kompanien des II. Bataillons überschritten den Bahndamm sowie Crusnes-Bach und strebten dem östlichen Dorfrand zu. Beim I. Bataillon gab die 3. Kompanie den Impuls, da sie am weitesten von Arrancy entfernt war.

Vor der Kompanie lag das französische Artillerie-Feuer sehr regelmäßig, d. h. die Granaten schlugen mit so genauen Abständen 50 zu 50 Metern, in den Boden ein, dass man tadellos zwischen den einzelnen Wellen dindurchspringen konnte. Sprungweise in Gruppen und Zügen näherte sich die Kompanie dem Dorfe. Etwa 300 Meter vom Dorfrand entfernt erhielt plötzlich der Führer Hauptmann Schiedt einen Brustschuss. Trotz der stark schmerzenden Wunde schimpfte er noch weidlich darüber, dass er nun nicht mehr mitmachen könne, seine Leute außerdem noch kräftig zum Vorwärtsgehen anfeuernd. Am gleichen Vormittag wurde auch noch Leutnant der Reserve Paur der 3. Kompanie durch Wadenschuss verwundet, sodass innerhalb von 3 Tagen sämtliche Offiziere dieser Kompanie außer Gefecht gesetzt worden waren. Die 4. Kompanie folgte bald, an die 3. Anschluss gewinnen. Wähend die Kompanien des II. Bataillons stürmend den Ostrand von Arrancy erreicht hatten, ereignete sich das Missgeschick, dass unsere schwere Artillerie irrtümlicherweise noch einige Granaten ins Dorf sandte, ohne glücklicherweise Verluste der eigenen Truppe zu verursachen. So fuhr nicht weit von der 5. Kompanie eine schwere Granate donnernd in einen Garten, Offizier-Stellvertreter Knappe erhielt daher von Hauptmann  Wagner den Auftrag, die Artillerie dahin zu verständigen, dass wir uns bereits im Dorfe befänden. Knappe lief auf eine naheliegende Höhe, band sein Taschentuch, das alles andere als weiß war, an ein Gewehr und winkte wie ein Besessener. Endlich hatte die Artillerie das Zeichen verstanden und schickte einen berittenen Offizier ins Dorf, worauf das Feuer sofort eingestellt wurde. Gegen 1 Uhr war das Dorf in unserem Besitz. Ein Teil der Häuser brannte, starker Rauch stieg auf. An vorgefundenen Weinvorräten, meist leicht bekömmlicher Obstwein, löschte der Krieger seinen Durst, die Lebensgeister wurden neu entfacht. Man hielt kurz Umschau im Dorf. Innerhalb der Hecken hatte die französische Infanterie geschickt ihre Schützengräben angelegt, viele Gefallene lagen umher.

Der französischen Artillerie unsere Anerkennung! Sie hatte tapfer den Rückzug ihrer Infanterie gedeckt, am östlichen Dorfrand in einem Obstgarten standen die Reste einer Batterie, deren Bedienungsmannschaften hinter den Geschützen fast ausgerichtet, tot da lagen. Ein Artillerie-Oberstleutnant lag dort ebenfalls gefallen, sein Käppi behielt einer unserer Kameraden zum Andenken. An anderer Stelle bemerkte man dicht nebeneinander liegend noch im Geschirr eine Anzahl aufgedunsener Pferdekadaver, anscheinend die Bespannung eines Geschützes. Unsere Artillerie hatte vortrefflich gewirkt.

Seine Exz. der kommandierende General, der auf seinem Schimmel nach vorn geritten war, wurde in Arrancy von Offizieren und Mannschaften freudig mit Hurrah begrüßt.

Beim Verlassen der Stellungen war die französische Infanterie auch westlich Arrancy in unser Artillerie-Feuer, in das von Südosten her flankierende Feuer des V. Armee-Korps geraten. Dies zeigte sich in einem Hohlweg westlich des Dorfes, wo ganze Haufen toter Franzosen lagen. Man hatte den Eindruck eines Rückzuges Hals über Kopf, besonders an der Straße nach Pillon. Im Gelände verstreut fanden sich hier weggeworfene Gewehre, Tornister, große Kochgeschirre, ein zertrümmertes Maschinengewehr mit Ladestreifen und zahlreiche Päckchen von Infanterie-Munition. Noch sichtbare Feuerreste und Kochgeschirre mit warmer Reissuppe gefüllt, ließen darauf schließen, dass man in der Eile auf den größten Teil der Mahlzeit hatte verzichten müssen. Einige gefallene Franzosen trugen um den Hals gehängt kleine Amulette, die geweiht, gegen Hieb und Schuss das Leben schützen sollten.

Am Nachmittag trafen beim Generalkommando die Glückwünsche des Kaisers zu der vortrefflichen Haltung des VI. Reserve-Korps ein, denen sich auch der Kronprinz anschloss. – Das Korps erhielt Befehl, am 24. nicht weiter vorzugehen, sondern das eroberte Gelände zu halten. Die 12. Reserve-Division ordnete ihre Verbände westlich Arrancy und schob schwache Schützenlinien zur unmittelbaren Sicherung nach Westen vor.

Es war gegen 4 Uhr nachmittags. Da in Gegend Constantine und nördlich gegen Le Haute Bois noch vereinzelt Schüsse fielen und schwaches Infanterie-Feuer aufflackerte, erhielt I. Reserve-Regiment 51 Befehl, das Gelände vor der Front der Division bis an die Chaussee Longuyon-Rouvrois vom Feinde zu säubern. Die Fermen bei Constantine brannten. Das Bataillon entwickelte die 4. Kompanie in breiter Front, während die übrigen Kompanien mit Gefechtsabstand geschlossen folgten. Das II. Bataillon mit Maschinengewehr-Kompanie verblieb 500 Meter westlich Arrancy. Es wurde Essen aus der Feldküche empfangen. Die Schützen der 4. Kompanie erreichten im Vorgehen das Waldstück bei Constantine, ohne auf einen Feind zu stoßen. Da die Hitze sich immer noch sehr stark bemerkbar machte, ließ Oberleutnant Pokorny während des Vorgehens am Brunnen eines Gehöftes Wasser trinken. Rums, Pratsch – pratsch, klatschte und prasselte es in die Baumwipfel. Es waren feindliche Schrapnells, deren Sprengpunkte aber so hoch lagen, dass wirkungslos nur heiße Kugeln und Splitter auf die Trinkenden herabfielen. In den Gehöften hatten die Granaten gewaltig aufgeräumt; wohin man blickte zerschossene Mauern, verbranntes und zerstrümmertes Mobiliar, zerrissene und verbrannte Tapenet. Mehrere ledige Pferde, aus Stall oder Koppel ausgebrochen, galoppierten umher.

Der Nachmittag neigte sich dem Ende zu. Da traf von der Division der Befehl ein, dass die 23. Reserve-Brigade für die Dunkelheit Gefechtsvorposten westlich Constantine, übernehmen sollte, der Gegner sei auf Sorbey zurückgegangen. II. Reserve-Regiment 51 übernimmt die Vorposten. Um 5.30 Uhr nachmittags tritt das II. Bataillon mit Marschsicherung auf der Straße Arrancy-Constantine an, die Maschinengewehr-Kompanie hinter dem II. Bataillon, mit 800 Metern Abstand folgte I. Bataillon. Diesseits des Waldstückes bei Constantine schlägt plötzlich Infanterie-Feuer in das II. Bataillon. Major Schaaf entwickelt 5. und 6. Kompanie nördlich und südlich der Chaussee Arrancy-Pillon und nimmt das Feuer gegen das Wäldchen auf. Die 7. und 8. Kompanie bleiben geschlossen und legen sich hin.

Da befiehlt das Regeiment den Angriff nicht weiter fortzusetzen, sondern an Ort und Stelle Gefechtsvorposten auszusetzen. Die beiden entwickelten Kompanien graben sich ein, 7. und 8. Kompanie 300 Meter dahinter in Reserve. Das I. Bataillon bezog westlich Arrancy Notbiwak. Wegen der verhältnismäßig nahen Berührung mit dem Feinde unterblieb beim I. Bataillon ein Aufschlagen der Zelte. In Mantel und Zeltbahnen gehüllt ruhten die Leute bei den zusammengesetzten Gewehren. Patrouillen der 5. und 6. Kompanie stellten während des Abends fest, dass die Fermen von Constantine vom Gegner besetzt seien.

So endete der Ruhmenstag von Arrancy. Während am 1. Kampftage der Schlacht bei Longwy am 22.08. das I. Bataillon sich unter schweren Verlusten so glänzend geschlagen hatte, empfing am 23.08. bei Beuville das II. Bataillon die Feuertaufe und bewies an diesem wie am folgenden Tage gleiches Heldentum. Leutnant der Reserve Maschke 7. Kompanie und 26 Mann waren auf dem Felde der Ehre geblieben, 6 Mann wurden vermisst. 106 Verwundete zählte man beim II. Bataillon, darunter bei der 8. Kompanie die Offizierstellvertreter Paeske und Kowalczyk.

Die nächtliche Ruhe im Biwak beim I. Bataillon sollte etwas gestört werden. Gegen Mitternacht setzte plötzlich lebhaftes feindliches Infanterie-Feuer ein. Die Geschosse schlugen dicht bei den ruhenden Mannschaften ein oder sausten über die Köpfe hinweg. Man vermutete einen Überfall. Im Nu waren die Kompanien an den Gewehren, entwickelten sich auf der Grundlinie, den Gegner erwartend. In der pechschwarzen Nacht erkannten sich Führer und Mannschaften nur notdürftig. Da kam etwas von vorn die Chaussee herabgebraust, – es waren Pferde der Vorposten-Kavallerie, die infolge des Schießens den 4. Reserve-Ulanen durchgegangen waren. Nur mit Mühe wurden die Tiere zum Stehen gebracht. Auch die Pferde des Oberleutnant Pokorny hatten sich der wilden Jagd angeschlossen, da die Zügel den im Chausseegraben schlaftrunken sitzenden Pferdehalter entglitten waren. Oberleutnant Pocorny war beide Pferde mit vollständiger Feldausrüstung und Zubehör los, er hat sie nie wiedergesehen. Weitere Unruhe erregte ein aufgelöst von vorn kommender Mann der 7. Kompanie, die Worte hervorstoßend: „Kommt schnell zu Hilfe, vorn sind sie schon alle weg, es lebt keiner mehr!“ Die sofort mit dem II. Bataillon aufgenommene Verbindung ergab, dass von dieser Hiobspost kein Wort stimmte. Das Schießen war durch Franzosen, die im Walde auf Bäumen saßen, sowie von herankommenden Patrouillen verursacht worden. Der Gegner wurde in kurzer Zeit durch das Feuer der Vorposten-Kompanie zum Schweigen gebracht. – Der geschilderte Vorgang ist bezeichnend für die am Anfang des Krieges mitunter auftretende Kriegsnervosität.“

Man begrub Eduard Rudolf auf dem Soldatenfriedhof Lich-Arnsburg in Grab 108.

Grabstein von Eduard Rudolf
Grab von Eduard Rudolf

Die Gefallenen vom Kloster Arnsburg – Teil 1: Adolf Ebersohn

Auf dem Soldatenfriedhof im ehemaligen Kreuzgang des Kloster Arnsburg liegen auch einige Gefallene des Ersten Weltkriegs. Diese werde ich in den nächsten Tagen vorstellen.

Der Soldat Adolf Ebersohn wurde am 14.02.1886 in der hessischen Stadt Hungen geboren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Reservist in der 5. Kompanie des 116. Reserve-Infanterie-Regiment. Am 24.11.1918 verstarb er nach schwerer Verwundung in Nordfrankreich im Alter von 32 Jahren in seiner Heimatstadt Hungen.

Man begrub Adolf Ebersohn auf dem Soldatenfriedhof Lich-Arnsburg in Grab 22.

In seiner Heimatstadt Hungen gedenkt man Adolf Ebersohn noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2013/hungen_lk-giessen_wk1_hs.html

Der Grabstein von Adolf Ebersohn
Das Grab von Adolf Ebersohn

Die Männer des Ersten Weltkrieges – Sonderbeitrag Frankfurter Volkszeitung 29: Willi Gärtner

Der Soldat Willi (Verlustliste: Wilhelm) Gärtner stammte aus Frankfurt am Main. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Gefreiter und Jäger in der 2. Kompanie des 11. Jäger-Bataillons. Am 11.02.1915 fiel er im Alter von 23 Jahren bei La Bassée.

Man begrub Willi Gärtner auf dem Soldatenfriedhof Lens-Sallaumines in Block 7, Grab 212.

Willi Gärtner war 1. Schriftführer des Vereins ehemaliger Domschüler. In der Frauenfriedenskirche gedenkt man Willi Gärtner noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2013/bockenheim-frauenfriedenskirche-ehrenhof_wk1_hs.html

Todesanzeige für Willi Gärtner
Todesanzeige für Willi Gärtner

Die Männer des Ersten Weltkrieges – Sonderbeitrag Frankfurter Volkszeitung 28: Heinrich Brée

Der Soldat Heinrich Brée stammte aus dem Frankfurter Stadtteil Höchst. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Musketier in der 9. Kompanie des 222 Reserve-Infanterie-Regiment. Mitte August verstarb er nach schwerer Verwundung während der Kämpfe am Czyrak im damaligen Ungarn.

Die Lage des Grabes von Heinrich Brée  ist unbekannt. Wahrscheinlich existiert es nicht mehr.

In Frankfurt-Höchst gedenkt man Heinrich Brée noch heute auf zwei Denkmälern: http://www.denkmalprojekt.org/2009/ffm-hoechst_farbwerke_wk1_hess.htm und http://www.denkmalprojekt.org/2013/frankfurt-am-main-hoechst_ehrenmal-frdhf-sossenheimer-weg_wk1_hs.html

Todesanzeige für Heinrich Bree in der Frankfurter Volkszeitung vom 25.02.1915

Die Männer des Ersten Weltkrieges – Sonderbeitrag Frankfurter Volkszeitung 20: Hans Hof

Der Soldat Hans (Johann Peter) Hof stammte aus der hessischen Stadt Frankfurt am Main. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Musketier in der 5. Kompanie des 144. Infanterie-Regiment. Am 02.03.1915 fiel er im Alter von 21 Jahren während der Kämpfe im Argonner Wald bei Vauquois in Frankreich.

Die Lage des Grabes von Hans Hof ist unbekannt. Ich vermute jedoch, dass er anonym in einem Massengrab auf dem 5 Kilometer von seinem Sterbeort entfernten Soldatenfriedhof Cheppy begrabern wurde, wo man auch nachweislich Kameraden seines Regiments begrub, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a.

  • Leutnant der Reserve Nikolaus Haase, gefallen am 04.03.1915, begraben auf dem Soldatenfriedhof Cheppy in Block 1, Grab 916.

Auf diesem Friedhof wurden 3.541 unbekannte deutsche Soldaten begraben.

Todesanzeige für Hans Hof in der Frankfurter Volkszeitung vom 13.03.1915

Die Männer des Ersten Weltkrieges – Sonderbeitrag Frankfurter Volkszeitung 19: Dr. med. Martin Weber

Der Soldat Dr. med. Martin Weber stammte aus der hessischen Stadt Frankfurt am Main. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als kriegsfreiwilliger Unteroffizier in der 5. Kompanie des 142. Infanterie-Regiment. Er war von der 3. Eskadron des 22. Dragoner-Regiment  zu diesem Regiment abkommandiert worden. Am 20.01.1915 fiel er bei Notre Dame de Loretto in der Nähe der französischen Ortschaft Souchez während der Erstürmung eines feindlichen Schützengrabens.

Über den Todestag und die Todesumstände von Dr. med. Martin Weber berichtet die Regimentsgeschichte des 142. Infanterie-Regiments:

„In der Nacht vom 19./20.01.1915 wurde, nachdem die 7./142 durch den Bataillonsführer über die Wichtigkeit der vorzunehmenden Gefechtshandlung eingehend belehrt worden war, der Sturm erneut unternommen. Leutnant Hölzin schoss als Zeichen zum Vorbrechen 8 Uhr abends eine Leutkugel ab. Der Bataillonskommandeur kommandierte persönlich von Sappe 2 aus: „Sprung! Auf! Marsch, Marsch!“ worauf die Leute auf vorbereiteten Ausfallstufen über die Brustwehr oder aus den Sappenspitzen herauskletterten und mit aufgepflanztem Seitengewehr und geladenem aber gesichertem Gewehr auf den feindlichen Schützengraben losstürmten. Die Kompanie war in zwei Züge eingeteilt. Es brachen vor: Aus Sappe 1 der Kompanieführer, Leutnant Issel, mit dem Kriegsfreiwilligen Unteroffizier Dr. Weber, Pioniere mit Handgranaten, 1. Zug 7./142, dessen Rest noch im Graben rechts von Sappe 1 bis zum Steilhang stand. Hinter dieser Kolonne befand sich der Adjutant, Leutnant Sachs. Sappe 2: Leutnant Geiges Pioniere 14, Pioniertruppe mit Handgranaten, ein Zug 7./142 unter Offizierstellvertreter Kulisch, Rest des Zuges zwischen Sappe 1 und 2. Bei dem 2. Zug befand sich Unteroffizier der Reserve Weber, der vom Bataillonskommandeur die Erlaubnis erhalten hatte, ein begangenes militärisches Vergehen zu sühnen, indem er den Sturm mitmachte. Hinter diesem Teil der Kompanie befand sich der Bataillonskommandeur mit den Gefechtsordonnanzen. Die Stimmung der Leute war freudig. Alles stürmte gleichzeitig vor. Lautlos wurde der feindliche Graben erreicht; einzelne Schüsse fielen, man hörte aus dem feindlichen Graben die Rufe: „Pardon, pardon!“ Auch ein feindliches Maschinengewehr gab einige Schuss ab, verstummte jedoch gleich. Vor dem feindlichen Graben lagen einige unbedeutende Hindernisse, die aber gleich überwunden wurden. Dabei wurde der seiner Kompanie in sehr schneidiger Weise vorstürmende Kompanieführer Leutnant Issel durch Schuss ins Auge verwundet (Handgranatensplitter). Da fast gleichzeitig auch Offizierstellvertreter Kulisch durch einen Schuss durch den Oberschenkel verwundet worden war, so übernahm der Pionier-Leutnant Geiges den Befehl über die in den feindlichen Graben eingedrungenen Mannschaften. Diese sprangen in den Graben hinein, nahmen 6 Mann gefangen und gaben auf die übrigen Franzosen, die in wilder Flucht zurückliefen, Schnellfeuer ab. Dieses Zuücklaufen wurde dadurch erleichtert, dass die Brustwehr sehr hoch, nach rückwärts aber gar nicht aufgeschüttet war, und sich außerdem hinter jedem Schützen Austrittsstufen befanden. Der gewachsene Boden war ziemlich fest. Der Graben war nur etwa knie- oder hüfttief. Als wir anliefen, was völlig überraschend kam, rissen die meisten aus. Als erster lief der Offizier, de rin der Sappe stand, weg. Die Maschinengewehre, 2 an der Zahl,, wurden, nachdem wenige Schüsse abgegeben worden waren, im Stich gelassen. Nachdem unsere Leute im Graben waren, begannen sie auf vorher genau geregelten Befehl mit Feuern und Schanzen. Die Pioniere verteilten sich auf die Sappeneingänge und die Grabenenden rechts und links. Die dorthin geflüchteten Feinde wurden mit Handgranaten unschädlich gemacht.

Loretto-Kapelle vor dem Krieg

Der ganze Graben in einer Ausdehnung von 200 Metern befand sich in deutschem Besitz. Die Brustwehren waren teils mit Faschinen bekleidet, teils zerfallen oder unausgebaut. An Unterständen fanden sich einige brauchbare in der Brustwehr eingebaut. Die Grabensohle war verschlammt. Am schönsten waren die meist laubenartig überdachten Sappen, 5-6 an der Zahl, die teils im Zickzack, teils gerade zur Hauptstellung führten. Die Eingänge dazu mussten verbarrikadiert werden. Durch diese sehr wichtigen Arbeiten wurden die Pioniere fast alle beschäftigt, so dass an den Verbindungsgräben zwischen Sappe 1, 2 und dem als Flankierungsanlage auszubauenden Verbidnungsgraben zwischen Sappe 3 und dem linken Flügel der eroberten Stellung nur langsam gearbeitet werden konnte. Da außerdem die Frontbreite des feindlichen Grabens weit über das befohlene Maß (ca. 50 Meter) hinausging (ca. 200 Meter), so zog der Bataillonskommandeur die ganze 6./142 mit in vorderste Linie und schickte der an einem Laufgraben im Schlammtal arbeitenden 8./142 den Befehl, ebenfalls heraufzukommen und zu helfen. Es war also damit das ganze II./142 in vorderer Linie, um im Laufe der Nacht die Stellung so zu befestigen und in unsere eigene Kampffront einzubeziehen, dass sie gehalten werden konnte. Die Verluste waren im Vergleich zu dem errungenen Erfolg minimal:: 7./142 1 Mann tot, 1 Offizier, 1 Offizierstellvertreter und 5 Mann verwundet, dazu noch 1 Unteroffizier und 7 Pioniere verwundet, im ganzen 16 Mann. Die 6 Gefangenen (Jäger 10) verhörte der Bataillonsführer und ließ sie nach Givenchy abführen. Eines der eroberten Maschinengewehre befand sich beim Bataillonskommandeur, das andere bei den Pionieren. Schwere feindliche Artillerie schoss heftig ins Schlammtal, in die alte Stellung, auf den Laufgraben zwischendiesen beiden und das Dorf Souchez. Ein deutsches Maschinengewehr war in der Mitte der eroberten Stellung eingebaut worde.

Dieser Bericht wurde am 20.01.1915, 5.30 Uhr vormittags, abgeschlossen.

Loretto-Kapelle Ende 1914

Am Morgen des 20.01.1915, 7 Uhr morgens lag dichter Nebel über der Stellung, als die Franzosen gegen den von uns neu besetzten Graben vorzugehen versuchte. Dieser erste Angriff wurde von der 6./142, die die 7./142 in der neuen Stellung abgelöst hatte, abgeschlagen. In der Nacht waren für alle Fälle und zur Abwehr eines Angriffs 2 Maschinengewehre in den genommenen Graben vorgebracht worden. Nach dem von uns abgeschlagenen Angriff erschienen plötzlich einige unbewaffnete Franzosen vor unserem Graben, mit erhobenen Händen und dem Ruf: „Pardon, pardon! nicht schießen!“ wodurch sie sich als Überläufer kenntlich machen zu wollen schienen. Während sich unsere Leute mit diesen abgaben, wurden sie plötzlich von hinten und der rechten Flanke von bewaffneten Franzosen, die sich in großer Übermacht im Schutze des Nebels und an einer Hecke entlang herangeschlichen hatten, überrumpelt. In einem heftigen Handgemenge, bei dem zumeist mit Kolben, Bajonett und Würgegriffen gearbeitet wurde, waren unsere Leute wohl zum größten Teil niedergemacht oder verwundet gefangen genommen worden. Nur 6 Leute auf dem linken Flügel und der Kompanieführer, Leutnant von Schirp, der auf den ersten Angriff hin Verstärkung heranholen wollte, entkamen. Unter den Vermissten befanden sich auch der Kriegsfreiwillige Dr. Weber (am 18.02.1915 erst wurde von einer Sappe aus eine vor der Front liegende Leiche deutlich als die des Dr. Weber festgestellt und in der Nacht von Freiwilligen geborgen. Auf dem Friedhof zu Lens liegt dieser tapfere Kamerad begraben.

Der Graben ging wieder an den Feind verloren, dem noch ein Maschinengewehr in die Hände fiel, während das andere noch in den Schlamm geworfen und zurückgeholt werden konnte. Schuld an dem Gelingen des Handstreiches unserer Feinde war eine Reihe unglücklicher Zufälle. U. a. waren zur Zeit des Überfalls 60 Pioniere, die beim Sturm und Einrichten des feindlichen Grabens mitgewirkt hatten, 6 Uhr vormittags zurückgezogen worden. Ihre Ablösung traf jedoch erst 8 Uhr morgens ein. Ferner versagten infolge starker Beschmutzung während des Sturmes bzw. beim Vorbringen die Maschinengewehre und die Gewehre. Verluste vom 19.01.1915, 8 Uhr abends bis zum 20.01.1915 vormittags: 9 Tote, 31 Verwundete, 78 Vermisste.

Abends wurde das II./142 durch das III./142 abgelöst, das gleichzeitig den befehl erhielt, die Stellung am 21.01.1915 wieder zu nehmen.“

Man begrub Dr. Martin Weber auf dem Soldatenfriedhof Lens-Sallaumines in einem Massengrab.

Todesanzeige für Dr. med. Martin Weber in der Frankfurter Volkszeitung vom 10.03.1915

Die Männer des Ersten Weltkrieges – Sonderbeitrag Frankfurter Volkszeitung 18: August Bachem

Der Soldat August Bachem stammte aus der hessischen Stadt Hochheim am Main und war Kellermeister von Beruf. In der Zentrumspartei war er Bezirksobmann und Mitglied des Bezirksvorstands. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Unteroffizier in der 1. Kompanie des 2. Landsturm-Bataillon Darmstadt. Am 01.03.1915 fiel er an der Ostfront.

Die Lage des Grabes von August bachem ist unbekannt. Wahrscheinlich existiert es nicht mehr.

In Hochheim gedenkt man August Bachem noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2013/hochheim-a-main_ehrenmal-st-peter-u-paul_main-taunus-kreis_wk1_hs.html

Todesanzeige für August Bachem in der Frankfurter Volkszeitung vom 20.03.1915

Die Männer des Ersten Weltkrieges – Sonderbeitrag Frankfurter Volkszeitung 17: Theodor Hirsch

Der Soldat Theodor Hirsch stammte aus der hessischen Stadt Frankfurt am Main. Er wurde am 21.10.1885 geboren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Unteroffizier der Reserve in der 1. Batterie der Ersatz-Abteilung des 63. Feldartillerie-Regiment. Am 07.03.1915 verstarb er nach schwerer Verwundung bei den Kämpfen bei Roye an der Somme im Alter von 29 Jahren im Reserve-Lazarett Trier.

Man überführte Theodor Hirsch nach Frankfurt in seine Heimatstadt. Dort wurde er auf dem jüdischer Friedhof begraben.

Todesanzeige für Theodor Hirsch in der Frankfurter Volkszeitung vom 20.03.1915

Die Männer des Ersten Weltkrieges – Sonderbeitrag Frankfurter Volkszeitung 16: Wilhelm Schäfer

Der Soldat Wilhelm Schäfer wurde am 30.03.1895 in Eddersheim, einem Ortsteil der hessischen Stadt Hattersheim am Main, geboren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Einjährig-Kriegsfreiwilliger in der 1. Batterie des 21. Fußartillerie-Bataillon. Am 04.03.1915 fiel er im Alter von 19 Jahren in Russland durch einen Granatschuss – vermutlich bei den Gefechten am Bobr in der heutigen Ukraine.

Die Lage des Grabes von Wilhelm Schäfer ist unbekannt. Wahrscheinlich existiert es nicht mehr.

In Eddersheim gedenkt man Wilhelm Schäfer noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2010/hattersheim-eddersheim_1866_1870-71_wk1u2_kgs_hess.htm

Todesanzeige für Wilhelm Schäfer in der Frankfurter Volkszeitung vom 20.03.1915

Die Männer des Ersten Weltkrieges – Sonderbeitrag Frankfurter Volkszeitung 15: Otto Klein

Der Soldat Otto Klein stammte aus der hessischen Stadt Frankfurt am Main. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Kriegsfreiwilliger in der 2. Kompanie des 223. RESERVE-Infanterie-Regiment. Am 14.03.1915 verstarb er nach schwerer Verwundung im Alter von 22 Jahren während der Kämpfe am Czyrak, in der Nähe der Ortschaft Verkhnya Rozhanka, in den Karpaten.

Die Lage des Grabes von Otto Klein ist unbekannt. Wahrscheinlich existiert es nicht mehr.

In Frankfurt-Bockenheim gedenkt man Otto Klein noch heute an der Frauenfriedenskirche auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2013/bockenheim-frauenfriedenskirche-ehrenhof_wk1_hs.html

Todesanzeige für Otto Klein in der Frankfurter Volkszeitung vom 20.03.1915