Gefallene Soldaten aus Mittelhessen: Adolf Becker

Der Soldat Adolf Becker war von Beruf Oberlehrer und Mitglied des Vereins Deutscher Studenten an der Ludoviciana, der ehemalige Name der Justus-Liebig-Universität Gießen. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Leutnant der Reserve in der 11. Kompanie de 116. Infanterie-Regiments. Am 22.08.1914 fiel er bei Anloy in Belgien.

Über den Todestag und die Todesumstände von Adolf Becker berichtet die Regimentsgeschichte des 116. Infanterie-Regiments:

„Gegen 6 Uhr vormittags (22. August) trat das Regiment als Vorhut den Marsch über Ochamps nach Glaireuse an. Auf den Höhen nördlich von diesem Dorfe stellte es sich bereit. Die Bereitstellung war gegen 9 Uhr vormittags beendet, und die Truppen waren eben aus den Feldküchen verpflegt worden, da traf folgender Befehl ein: „Infanterie-Regiment 116 geht auf dem linken Flügel der 49. Infanterie-Brigade vor, mit dem linken Flügel an der Südecke von Anloy vorbei, rechts Anschluss an Infanterie-Regiment 115. Die Linie Anloy-Bournonwald soll vorerst nicht überschritten werden.“ Über die allgemeine Lage wurde bekannt, dass die 4. Armee mit dem VI. Armee-Korps und  VIII. Reserve-Korps die Flanken der angreifenden 3. und 5. Armee decken und in ihrer Mitte am Leffe-Abschnitt (XVIII. Armee-Korps) und bei Neufchâteau (XVIII. Reserve-Korps) eine Bereitstellung einnehmen sollte. Die Nachrichten über den Feind waren immer noch sehr unbestimmt. Nach Fliegermeldungen sollten in den Wäldern jenseits des Leffebaches  nur Kavallerieabteilungen stehen. Die feindliche Infanterie wurde etwa 50 Kilometer dahinter vermutet.

Das Regiment nahm das II. und III. Bataillon ins erste Treffen; hinter dem III. Bataillon folgte die Maschinengewehr-Kompanie. Das I. Bataillon war hinter dem linken Flügel gestaffelt und stand zunächst der Brigade zur Verfügung. In guter Ordnung entfalteten sich die Kompanien und gingen, nachdem der Südrand von Anloy überschritten war, in Schützenwellen vor. Weiter rechts, wo die 50. Infanterie-Brigade über Libin gegen Maissin vorging, wurde lebhaftes Gewehr- und Artilleriefeuer laut. Unsere Brigade (49. Infanterie-Brigade) dagegen hatte bereits die befohlene Linie erreicht, ohne auf einen Gegner zu stoßen. So wurde die befohlene Linie im Anschluss an die rechten Nachbartruppen überschritten. Doch kaum hatten die ersten Wellen des II. und III. Bataillons gegen 2 Uhr nachmittags die Höhen südwestlich von Anloy erreicht, als ihnen aus einer Entfernung von kaum 400 Metern lebhaftes Infanterie- und Maschinengewehr-Feuer entgegenschlug. Und doch war vom Gegner nichts zu sehen. In Getreidefeldern und am Waldrande hielt er sich vorzüglich gedeckt, so dass kein sicherer Schuss auf ihn anzubringen war. Aber dem ungestümen, unserem Infanteristen zur zweiten Natur gewordenen Drang nach vorwärts zeigte sich der Gegner nicht gewachsen. Trotz des starken Feuers und trotz der hemmenden Drahtumzäunungen der Felder gelang es nach mehrmaligem Ansturm, die Getreidefelder allmählich vom Feinde zu säubern und die nächsten Waldstücke zu erreichen. Namentlich am rechten Flügel wurde der Angriff mit rasender Schnelligkeit vorgetragen. Trotz schwerer Verluste und trotz der Mahnungen der Offiziere zur Besonnenheit ging alles nach vorn durch.

Im Walde war zunächst das dichte Unterholz ein schwieriges Hindernis und verursachte viele Verluste. Ein weiteres Hindernis waren die vielen gut versteckten französischen Baumschützen, die dem Angreifer aus unmittelbarer Nähe ihre Schüsse entgegensandten, eine Kampfesweise, auf die der Deutsche nicht gefasst war, gegen die er aber bald wirksame Abhilfe fand. Auch das eigene Artilleriefeuer belästigte hier stellenweise die vorgehenden Kompanien. In wildem Drauflosgehen und hartem Ringen dachte man wenig an die Verbindung nach rückwärts, so dass unsere Artillerie nicht wissen konnte, wie weit der Angriff an den einzelnen Punkten vorgetragen war. Aber alle diese Schwierigkeiten konnten den Siegeslauf der in blinder Wut vorstürmenden Hessen nicht aufhalten. Waldstück auf Waldstück wurde dem Gegner entrissen, wobei sich an den einzelnen Waldrändern besonders erbitterte Kämpfe mit dem zähen Gegner abspielten. Hier war es auch, wo die beiden unerschrockenen Führer der  9. und 12. Kompanie, die Hauptleute Weltzien und Mattel, einen frühen Heldentod fanden. Auch die Führer der 9. und 12. Kompanie, Hauptleute Wolf und Buhtz, mussten schwer verwundet vom Schlachtfeld getragen werden.

So wogte beim II. und III. Bataillon der Kampf in der heißen Augustsonne schon die dritte Stunde. Da drohte gegen 4 Uhr nachmittags ein gefährlicher Rückschlag: Der vorher schon an Zahl überlegene Gegner des Regiments schob in der Front ein neues Bataillon ein und suchte gleichzeitig unsere linke Flanke mit zwei frischen Jägerbataillonen zu umfassen. Der Angriff in der Front aus dem Walde Derriere-Horimont konnte zunächst vom II. und III. Bataillon nicht aufgefangen werden: Die beiden Bataillone waren zu hart mitgenommen, die Verbände zu sehr durcheinandergewürfelt. So mussten sie dem Stoß ausweichen. Aber bald stellte ein Maschinengewehr-Zug unter Leutnant de Harde sowie eine Kompanie der 21. Pioniere die Lage wieder her. Leutnant Brendel, der Adjutant des II. Bataillons, warf sich mit etwa 100 Versprengten aus allen Kompanien gegen die rechte Flanke. Von neuem kam der Angriff in Fluss, auch das frische Bataillon des Gegners wurde geworfen. Teile der 5. und 8. Kompanie unterstützten die 4. und 6. Kompanie des Infanterie-Regiments 115 beim Sturm auf eine feindliche Batterie, die nach hartem Ringen erobert und trotz mehrfacher wilder Gegenangriffe behauptet wurde. Vizefeldwebel Dutliné (8. Kompanie) und Braun (5. Kompanie) zeichneten sich dabei besonders aus.

Nicht minder schwierig gestaltete sich der Kampf auf dem linken Flügel des Regiments. Hier klaffte eine bedenkliche Lücke in der deutschen Kampffront, da das XVIII. Reserve-Korps nach Süden vorgestoßen war. Der Gegner hatte diesen schwachen Punkt bald erkannt und holte von Stunde zu Stunde weiter nach links zur Umfassung aus. Als hier gleich zu Beginn der Schlacht das links gestaffelte I. Bataillon in Marschkolonne aus einem Hohlweg südwestlich von Anloy heraustrat, wurde es mit einem Hagel von Geschossen überschüttet, so dass alles volle Dekcung nehmen musste. Die vorderen Kompanien entwickelten sich gruppenweise nach links und arbeitete sich in wütendem Infanteriefeuer durch hohe Getreidefelder, ohne indes vom Feinde etwas zu sehen. In einem toten Winkel konnten die 3. und 4. Kompanie kurz Atem schöpfen. Ihre drei noch am Leben gebliebenen Zugführer, Leutnant Pieper, Locher und Offizierstellvertreter Petri, ordneten hier, was sich um sie gesammelt hatte, und griff dann ein von den Haubitzen der 61er sturmreif geschossenes, stark besetztes Waldstück an. Mutig trug der Sergant Pistler, umzischt von zahlreichen Geschossen, die entfaltete Fahne des Bataillons mit den stürmenden Kompanien nach vorn. Der Waldstreifen wurde genommen und schnell durchschritten. Aber frische feindliche Kräfte setzten zum Gegenangriff an und trafen namentlich die Leibkompanie sehr schwer. Viermal hatte sie einen französischen Vorstoß auszuhalten und verlor drei tüchtige  Offiziere, Leutnant von Erhardt, Meinberg und Mühlberger. Auch in den Ginsterbüschen jenseits des Waldstücks waren die Kompanien starkem feindlichen Strichfeuer ausgesetzt, das hohe Verluste brachte und zum Rückzug in das Waldstück zwang.

Entscheidend für die Abwehr der feindlichen Umfassungsversuche wurde das Eingreifen der Maschinengewehre. Ihnen hatte der Regimentskommandeur in richtiger Erkenntnis der Gefahr von vornherein die Sicherung der linken Flanke übertragen. Sie waren daher südlich von Anloy in Stellung gegangen. Dort hatten sie bald drei französische Maschinengewehre, die zwischen den Straßen Anloy-Sart und Anloy-Haie standen, außer Gefecht gesetzt. Infolge der feindlichen Umfassung kam jedoch Hauptmann Poly mit den Gewehren in eine bedrängte Lage. Da ritt Oberst Schimmelpfennig in schärfstem Galopp zur Artillerie, erhielt dort zwei Geschütze und brachte sie an der gefährdeten Stelle in Front. Ein fürchterliches Blutbad begann. Die beiden Geschütze rissen ungeheure Löcher in die überflügelnden feindlichen Reihen, Schwadenweise mähten die Maschinengewehre die vorgehenden Wellen nieder und schossen mit entsetzlicher Genauigkeit und Unerbitterlichkeit die Schützenlinien des Gegners zusammen, so dass jedes Leben in ihnen erstarrte. Gefangene schilderten sntsetzt die grauenhafte Wirkung dieses vereinigten Artillerie- und Maschinengewehr-Feuers, von dem man sich am anderen Tage beim Überschreiten des Schlachtfeldes mit Schaudern überzeugen konnte.

So tobte der heiße Kampf den ganzen Nachmittag, hier in wildem Handgemenge mit wüstem Schreien, dort in schrecklichem Zischen udn Heulen der todbringenden Geschosse, in Angriff und Gegenangriff um den Besitz einzelner Waldstücke, in wildem Vorstürmen und entsetztem Zurückgehen. Die Wildheit hatte besonders beim II. und III. Bataillon jede Einheitlichkeit über den Haufen geworfen. So wird erklärlich, dass Teile der 10. und 11. Kompanie weit rechts beim Infanterie-Regiment 117 gegen das Dorf Maissin kämpften. Aber immer noch war die endgültige Entscheidung nicht gefallen. Zwar begann von 5 Uhr nachmittags an unsere Artillerie käftiger zu wirken. Die Waldstücke, in denen sich der Gegner noch hielt, wurden planmäßig beschossen. Immer tiefer stießen die Kompanien dem gegner nach Westen nach. Trefflich half dem I. Bataillon eine Kompanie der 21. Pioniere, deren Führer, Hauptmann Peters, den Heldentod starb. Doch nur schrittweise gab der Feind eine Stellung nach der anderen auf. Da ertönten gegen 7 Uhr nachmittags in unserem Rücken Kommandorufe. Die lang ersehnte Unterstützung war da! In vierstündigem Marsche war die 16. Reserve-Division unter Generalleutnant Mootz von der Eisenbahn nach dem Schlachtfelde geeilt, um den Kameraden Hilfe zu bringen. Nun schwärmten die Kompanien des Reserve-Infanterie-Regiments 28 ein. Da gab’s kein Halten mehr. Mit Bajonett und Spaten wurde der bis zum äußersten sich wehrende Gegner aus seinen letzten Stellungen geworfen. Blau und rot quoll es aus den Waldstücken heraus. Auf wenige hundert Meter lief der nach Süden abziehende Gegner in das Flankenfeuer des I. Bataillons hinein und erlitt schreckliche Verluste. Erst die Dunkelheit machte dem Kampfe ein Ende. Völlig erschöpft sammelten sich die Bataillone auf der Höhe bei Alnloy. Bei der Unsicherheit der Gesamtlage – der rechte Flügel der Division hatte wegen drohender Umfassung das um 5 Uhr nachmittags gestürmte Maissin wieder räumen müüssen – wurde die Höhe und der Dorfrand zur Verteidigung eingerichtet.

Eine schwere Aufgabe harrte der Ärzte und Krankenträger. Im Kampfe mit Freischärlern, die aus den Häusern auf die durchziehenden Verwundeten schossen und die Gefechtsstaffel zersprengten, hatte Stabsarzt Dr. Szubinski am Westausgang des Dorfes den Verbandplatz des Regiments eingerichtet. Den ganzen Nachmittag über strömten die Verwundeten zu, und bald war alles überfüllt. Eine schier nicht zu bewältigende Arbeit für fünf Ärzte mit wenigen Helfern; dazu in stundenlangem Artilleriefeuer. Nach Mitternacht erschienen die Krankenträger der Sanitätskompanie mit Fackeln. Sie wurden aber beim Absuchen des Schlachtfeldes noch vielfach vom Feinde beschossen. Trotzdem wurden die meisten der hilflos daliegenden und dem Verschmachten nahen Schwerverwundeten noch während der Nacht zurückgeschafft. Viele aber mussten in ihrer Todespein den kommenden Morgen abwarten, bis sie aufgefunden und geborgen werden konnten.

Die erste Schlacht war geschlagen. Der blutigste Tag des ganzen Krieges lag hinter dem Regiment. Der Sieg hatte sich an seine Fahnen geheftet. Ein starker und tapferer Gegner war aus Stellungen gejagt worden, die er sich drei Tage lang mit Sorgfalt ausgesucht und ausgebaut hatte. Rühmliche Taten, die alle der Erwähnung wert wären, waren allerorten vollbracht worden. Aber groß, sehr groß waren auch die Verluste. Kein Tag des Feldzugs hat vom Regiment so viele Opfer gefordert wie der Tag von Anloy. Innerhalb weniger Stunden hat es über 1.000 Mann, mehr als ein Drittel seines Bestandes, verloren. 13 Offiziere, darunter außer den schon erwähnten der bewährte Führer der 4. Kompanie, Hauptmann von Normann, und Oberleutnant Ebel von der 6., der am nächsten Morgen seiner schweren Verwundung erlag, ferner Leutnant Becker, von Grolmann, Eichhoff, Klein, Walter und der Fahnenjunker Schäfer waren auf dem Schlachtfelde geblieben; 340 brave Unteroffiziere und Mannschaften waren mit ihnen in den Tod gegangen. Fast doppelt so hoch war die Zahl der Verwundeten. Unter ihnen waren 20 Offiziere: Das I. Bataillon hatte den Hauptmann von Thümen und die Leutnants Locher, Malzahn, Pieper, Scherer und den Fähnrich Marquardt verloren; das II. büßte Leutnant Schroeder, Johlen, Hellwig und Buchholtz ein; am schwersten aber waren die Verluste beim III., wo außer den vier Kompanieführern die Leutnants Dingeldein, Flotho, Fischer, Loerbrocks, Schmidt, Meyer und Freytag fehlten. In der Maschinengewehr-Kompanie waren Oberleutnant Kienitz und Leutnant de Harde (D. E.) verwundet. An Unteroffiziere und Mannschaften waren 599 verwundet, 72 wurden vermisst. Der Name Anloy sollte einen schrecklichen Klang in der hessischen Heimat erhalten. Da war kein Städtchen und Dörfchen, in das nicht die Nachricht gedrungen wäre: „Bei Anloy gefallen!“ Aber darum ist der Name auch zum Ehrennamen der Kämpfer des 22. August geworden. Von allen Kränzen, die sich das Regiment in diesem großen Krieg errungen, ist der Kranz von Anloy der schönste. Er wird nie verwelken.“

Die Lage des Grabes von Adolf Becker ist unbekannt. Eventuell ist Adolf Becker irrtümlich als „Gefreiter“ beim Volksbund registriert. Denn ein Gefreiter Adolf Becker ist auf dem Soldatenfriedhof Anloy-Heide in Block 2 Grab 105, gefallen am 22.08.1914, begraben. Auf diesem Friedhof sind auch seine Regimentskameraden begraben, die am gleichen Tag fielen, u. a.

  • Hauptmann Felix von Normann, gefallen am 22.08.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof Anloy-Heide in Block 3, Grab 250;
  • Oberleutnant Wilhelm Ebel, gefallen am 23.08.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof Anloy-Heide in Block 1, Grab 75.

 

Die Todesanzeige für Adolf Becker und Heinrich Jockel im Gießener Anzeiger

Gefallene Soldaten aus Mittelhessen: Hermann Olbrich

Der Soldat Hermann Olbrich stammte aus Dornholzhausen, einem Ortsteil der hessischen Gemeinde Langgöns. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Reservist in der 5. Kompanie des 116. Infanterie-Regiments. Am 22.08.1914 fiel er bei Anloy, einem Ortsteil der belgischen Gemeinde Libin in der Wallonie.

Über den Todestag und die Todesumstände von Hermann Olbrich berichtet die Regimentsgeschichte des 116. Infanterie-Regiments:

„Gegen 6 Uhr vormittags (22. August) trat das Regiment als Vorhut den Marsch über Ochamps nach Glaireuse an. Auf den Höhen nördlich von diesem Dorfe stellte es sich bereit. Die Bereitstellung war gegen 9 Uhr vormittags beendet, und die Truppen waren eben aus den Feldküchen verpflegt worden, da traf folgender Befehl ein: „Infanterie-Regiment 116 geht auf dem linken Flügel der 49. Infanterie-Brigade vor, mit dem linken Flügel an der Südecke von Anloy vorbei, rechts Anschluss an Infanterie-Regiment 115. Die Linie Anloy-Bournonwald soll vorerst nicht überschritten werden.“ Über die allgemeine Lage wurde bekannt, dass die 4. Armee mit dem VI. Armee-Korps und  VIII. Reserve-Korps die Flanken der angreifenden 3. und 5. Armee decken und in ihrer Mitte am Leffe-Abschnitt (XVIII. Armee-Korps) und bei Neufchâteau (XVIII. Reserve-Korps) eine Bereitstellung einnehmen sollte. Die Nachrichten über den Feind waren immer noch sehr unbestimmt. Nach Fliegermeldungen sollten in den Wäldern jenseits des Leffebaches  nur Kavallerieabteilungen stehen. Die feindliche Infanterie wurde etwa 50 Kilometer dahinter vermutet.

Das Regiment nahm das II. und III. Bataillon ins erste Treffen; hinter dem III. Bataillon folgte die Maschinengewehr-Kompanie. Das I. Bataillon war hinter dem linken Flügel gestaffelt und stand zunächst der Brigade zur Verfügung. In guter Ordnung entfalteten sich die Kompanien und gingen, nachdem der Südrand von Anloy überschritten war, in Schützenwellen vor. Weiter rechts, wo die 50. Infanterie-Brigade über Libin gegen Maissin vorging, wurde lebhaftes Gewehr- und Artilleriefeuer laut. Unsere Brigade (49. Infanterie-Brigade) dagegen hatte bereits die befohlene Linie erreicht, ohne auf einen Gegner zu stoßen. So wurde die befohlene Linie im Anschluss an die rechten Nachbartruppen überschritten. Doch kaum hatten die ersten Wellen des II. und III. Bataillons gegen 2 Uhr nachmittags die Höhen südwestlich von Anloy erreicht, als ihnen aus einer Entfernung von kaum 400 Metern lebhaftes Infanterie- und Maschinengewehr-Feuer entgegenschlug. Und doch war vom Gegner nichts zu sehen. In Getreidefeldern und am Waldrande hielt er sich vorzüglich gedeckt, so dass kein sicherer Schuss auf ihn anzubringen war. Aber dem ungestümen, unserem Infanteristen zur zweiten Natur gewordenen Drang nach vorwärts zeigte sich der Gegner nicht gewachsen. Trotz des starken Feuers und trotz der hemmenden Drahtumzäunungen der Felder gelang es nach mehrmaligem Ansturm, die Getreidefelder allmählich vom Feinde zu säubern und die nächsten Waldstücke zu erreichen. Namentlich am rechten Flügel wurde der Angriff mit rasender Schnelligkeit vorgetragen. Trotz schwerer Verluste und trotz der Mahnungen der Offiziere zur Besonnenheit ging alles nach vorn durch.

Im Walde war zunächst das dichte Unterholz ein schwieriges Hindernis und verursachte viele Verluste. Ein weiteres Hindernis waren die vielen gut versteckten französischen Baumschützen, die dem Angreifer aus unmittelbarer Nähe ihre Schüsse entgegensandten, eine Kampfesweise, auf die der Deutsche nicht gefasst war, gegen die er aber bald wirksame Abhilfe fand. Auch das eigene Artilleriefeuer belästigte hier stellenweise die vorgehenden Kompanien. In wildem Drauflosgehen und hartem Ringen dachte man wenig an die Verbindung nach rückwärts, so dass unsere Artillerie nicht wissen konnte, wie weit der Angriff an den einzelnen Punkten vorgetragen war. Aber alle diese Schwierigkeiten konnten den Siegeslauf der in blinder Wut vorstürmenden Hessen nicht aufhalten. Waldstück auf Waldstück wurde dem Gegner entrissen, wobei sich an den einzelnen Waldrändern besonders erbitterte Kämpfe mit dem zähen Gegner abspielten. Hier war es auch, wo die beiden unerschrockenen Führer der  9. und 12. Kompanie, die Hauptleute Weltzien und Mattel, einen frühen Heldentod fanden. Auch die Führer der 9. und 12. Kompanie, Hauptleute Wolf und Buhtz, mussten schwer verwundet vom Schlachtfeld getragen werden.

So wogte beim II. und III. Bataillon der Kampf in der heißen Augustsonne schon die dritte Stunde. Da drohte gegen 4 Uhr nachmittags ein gefährlicher Rückschlag: Der vorher schon an Zahl überlegene Gegner des Regiments schob in der Front ein neues Bataillon ein und suchte gleichzeitig unsere linke Flanke mit zwei frischen Jägerbataillonen zu umfassen. Der Angriff in der Front aus dem Walde Derriere-Horimont konnte zunächst vom II. und III. Bataillon nicht aufgefangen werden: Die beiden Bataillone waren zu hart mitgenommen, die Verbände zu sehr durcheinandergewürfelt. So mussten sie dem Stoß ausweichen. Aber bald stellte ein Maschinengewehr-Zug unter Leutnant de Harde sowie eine Kompanie der 21. Pioniere die Lage wieder her. Leutnant Brendel, der Adjutant des II. Bataillons, warf sich mit etwa 100 Versprengten aus allen Kompanien gegen die rechte Flanke. Von neuem kam der Angriff in Fluss, auch das frische Bataillon des Gegners wurde geworfen. Teile der 5. und 8. Kompanie unterstützten die 4. und 6. Kompanie des Infanterie-Regiments 115 beim Sturm auf eine feindliche Batterie, die nach hartem Ringen erobert und trotz mehrfacher wilder Gegenangriffe behauptet wurde. Vizefeldwebel Dutliné (8. Kompanie) und Braun (5. Kompanie) zeichneten sich dabei besonders aus.

Nicht minder schwierig gestaltete sich der Kampf auf dem linken Flügel des Regiments. Hier klaffte eine bedenkliche Lücke in der deutschen Kampffront, da das XVIII. Reserve-Korps nach Süden vorgestoßen war. Der Gegner hatte diesen schwachen Punkt bald erkannt und holte von Stunde zu Stunde weiter nach links zur Umfassung aus. Als hier gleich zu Beginn der Schlacht das links gestaffelte I. Bataillon in Marschkolonne aus einem Hohlweg südwestlich von Anloy heraustrat, wurde es mit einem Hagel von Geschossen überschüttet, so dass alles volle Dekcung nehmen musste. Die vorderen Kompanien entwickelten sich gruppenweise nach links und arbeitete sich in wütendem Infanteriefeuer durch hohe Getreidefelder, ohne indes vom Feinde etwas zu sehen. In einem toten Winkel konnten die 3. und 4. Kompanie kurz Atem schöpfen. Ihre drei noch am Leben gebliebenen Zugführer, Leutnant Pieper, Locher und Offizierstellvertreter Petri, ordneten hier, was sich um sie gesammelt hatte, und griff dann ein von den Haubitzen der 61er sturmreif geschossenes, stark besetztes Waldstück an. Mutig trug der Sergant Pistler, umzischt von zahlreichen Geschossen, die entfaltete Fahne des Bataillons mit den stürmenden Kompanien nach vorn. Der Waldstreifen wurde genommen und schnell durchschritten. Aber frische feindliche Kräfte setzten zum Gegenangriff an und trafen namentlich die Leibkompanie sehr schwer. Viermal hatte sie einen französischen Vorstoß auszuhalten und verlor drei tüchtige  Offiziere, Leutnant von Erhardt, Meinberg und Mühlberger. Auch in den Ginsterbüschen jenseits des Waldstücks waren die Kompanien starkem feindlichen Strichfeuer ausgesetzt, das hohe Verluste brachte und zum Rückzug in das Waldstück zwang.

Entscheidend für die Abwehr der feindlichen Umfassungsversuche wurde das Eingreifen der Maschinengewehre. Ihnen hatte der Regimentskommandeur in richtiger Erkenntnis der Gefahr von vornherein die Sicherung der linken Flanke übertragen. Sie waren daher südlich von Anloy in Stellung gegangen. Dort hatten sie bald drei französische Maschinengewehre, die zwischen den Straßen Anloy-Sart und Anloy-Haie standen, außer Gefecht gesetzt. Infolge der feindlichen Umfassung kam jedoch Hauptmann Poly mit den Gewehren in eine bedrängte Lage. Da ritt Oberst Schimmelpfennig in schärfstem Galopp zur Artillerie, erhielt dort zwei Geschütze und brachte sie an der gefährdeten Stelle in Front. Ein fürchterliches Blutbad begann. Die beiden Geschütze rissen ungeheure Löcher in die überflügelnden feindlichen Reihen, Schwadenweise mähten die Maschinengewehre die vorgehenden Wellen nieder und schossen mit entsetzlicher Genauigkeit und Unerbitterlichkeit die Schützenlinien des Gegners zusammen, so dass jedes Leben in ihnen erstarrte. Gefangene schilderten sntsetzt die grauenhafte Wirkung dieses vereinigten Artillerie- und Maschinengewehr-Feuers, von dem man sich am anderen Tage beim Überschreiten des Schlachtfeldes mit Schaudern überzeugen konnte.

So tobte der heiße Kampf den ganzen Nachmittag, hier in wildem Handgemenge mit wüstem Schreien, dort in schrecklichem Zischen udn Heulen der todbringenden Geschosse, in Angriff und Gegenangriff um den Besitz einzelner Waldstücke, in wildem Vorstürmen und entsetztem Zurückgehen. Die Wildheit hatte besonders beim II. und III. Bataillon jede Einheitlichkeit über den Haufen geworfen. So wird erklärlich, dass Teile der 10. und 11. Kompanie weit rechts beim Infanterie-Regiment 117 gegen das Dorf Maissin kämpften. Aber immer noch war die endgültige Entscheidung nicht gefallen. Zwar begann von 5 Uhr nachmittags an unsere Artillerie käftiger zu wirken. Die Waldstücke, in denen sich der Gegner noch hielt, wurden planmäßig beschossen. Immer tiefer stießen die Kompanien dem gegner nach Westen nach. Trefflich half dem I. Bataillon eine Kompanie der 21. Pioniere, deren Führer, Hauptmann Peters, den Heldentod starb. Doch nur schrittweise gab der Feind eine Stellung nach der anderen auf. Da ertönten gegen 7 Uhr nachmittags in unserem Rücken Kommandorufe. Die lang ersehnte Unterstützung war da! In vierstündigem Marsche war die 16. Reserve-Division unter Generalleutnant Mootz von der Eisenbahn nach dem Schlachtfelde geeilt, um den Kameraden Hilfe zu bringen. Nun schwärmten die Kompanien des Reserve-Infanterie-Regiments 28 ein. Da gab’s kein Halten mehr. Mit Bajonett und Spaten wurde der bis zum äußersten sich wehrende Gegner aus seinen letzten Stellungen geworfen. Blau und rot quoll es aus den Waldstücken heraus. Auf wenige hundert Meter lief der nach Süden abziehende Gegner in das Flankenfeuer des I. Bataillons hinein und erlitt schreckliche Verluste. Erst die Dunkelheit machte dem Kampfe ein Ende. Völlig erschöpft sammelten sich die Bataillone auf der Höhe bei Alnloy. Bei der Unsicherheit der Gesamtlage – der rechte Flügel der Division hatte wegen drohender Umfassung das um 5 Uhr nachmittags gestürmte Maissin wieder räumen müüssen – wurde die Höhe und der Dorfrand zur Verteidigung eingerichtet.

Eine schwere Aufgabe harrte der Ärzte und Krankenträger. Im Kampfe mit Freischärlern, die aus den Häusern auf die durchziehenden Verwundeten schossen und die Gefechtsstaffel zersprengten, hatte Stabsarzt Dr. Szubinski am Westausgang des Dorfes den Verbandplatz des Regiments eingerichtet. Den ganzen Nachmittag über strömten die Verwundeten zu, und bald war alles überfüllt. Eine schier nicht zu bewältigende Arbeit für fünf Ärzte mit wenigen Helfern; dazu in stundenlangem Artilleriefeuer. Nach Mitternacht erschienen die Krankenträger der Sanitätskompanie mit Fackeln. Sie wurden aber beim Absuchen des Schlachtfeldes noch vielfach vom Feinde beschossen. Trotzdem wurden die meisten der hilflos daliegenden und dem Verschmachten nahen Schwerverwundeten noch während der Nacht zurückgeschafft. Viele aber mussten in ihrer Todespein den kommenden Morgen abwarten, bis sie aufgefunden und geborgen werden konnten.

Die erste Schlacht war geschlagen. Der blutigste Tag des ganzen Krieges lag hinter dem Regiment. Der Sieg hatte sich an seine Fahnen geheftet. Ein starker und tapferer Gegner war aus Stellungen gejagt worden, die er sich drei Tage lang mit Sorgfalt ausgesucht und ausgebaut hatte. Rühmliche Taten, die alle der Erwähnung wert wären, waren allerorten vollbracht worden. Aber groß, sehr groß waren auch die Verluste. Kein Tag des Feldzugs hat vom Regiment so viele Opfer gefordert wie der Tag von Anloy. Innerhalb weniger Stunden hat es über 1.000 Mann, mehr als ein Drittel seines Bestandes, verloren. 13 Offiziere, darunter außer den schon erwähnten der bewährte Führer der 4. Kompanie, Hauptmann von Normann, und Oberleutnant Ebel von der 6., der am nächsten Morgen seiner schweren Verwundung erlag, ferner Leutnant Becker, von Grolmann, Eichhoff, Klein, Walter und der Fahnenjunker Schäfer waren auf dem Schlachtfelde geblieben; 340 brave Unteroffiziere und Mannschaften waren mit ihnen in den Tod gegangen. Fast doppelt so hoch war die Zahl der Verwundeten. Unter ihnen waren 20 Offiziere: Das I. Bataillon hatte den Hauptmann von Thümen und die Leutnants Locher, Malzahn, Pieper, Scherer und den Fähnrich Marquardt verloren; das II. büßte Leutnant Schroeder, Johlen, Hellwig und Buchholtz ein; am schwersten aber waren die Verluste beim III., wo außer den vier Kompanieführern die Leutnants Dingeldein, Flotho, Fischer, Loerbrocks, Schmidt, Meyer und Freytag fehlten. In der Maschinengewehr-Kompanie waren Oberleutnant Kienitz und Leutnant de Harde (D. E.) verwundet. An Unteroffiziere und Mannschaften waren 599 verwundet, 72 wurden vermisst. Der Name Anloy sollte einen schrecklichen Klang in der hessischen Heimat erhalten. Da war kein Städtchen und Dörfchen, in das nicht die Nachricht gedrungen wäre: „Bei Anloy gefallen!“ Aber darum ist der Name auch zum Ehrennamen der Kämpfer des 22. August geworden. Von allen Kränzen, die sich das Regiment in diesem großen Krieg errungen, ist der Kranz von Anloy der schönste. Er wird nie verwelken.“

Man begrub Hermann Olbrich auf dem Soldatenfriedhof Anloy-Heide in Block 3, Grab 129.

Die Todesanzeige für Hermann Olbrich im Gießener Anzeiger vom 30.09.1914

Gefallene Soldaten aus Mittelhessen: August Reitz

Der Soldat August Reitz stammte aus Flensungen, einem Ortsteil der hessischen Gemeinde Mücke, und war von Beruf Großherzöglicher Geometer II. Klasse. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Musketier in der 4. Kompanie des 116. Infanterie-Regiments. Am 22.08.1914 fiel er im Alter von 23 Jahren bei Neuchâteau in Belgien.

Über den Todestag und die Todesumstände von August Reitz berichtet die Regimentsgeschichte des 116. Infanterie-Regiments:

„Gegen 6 Uhr vormittags (22. August) trat das Regiment als Vorhut den Marsch über Ochamps nach Glaireuse an. Auf den Höhen nördlich von diesem Dorfe stellte es sich bereit. Die Bereitstellung war gegen 9 Uhr vormittags beendet, und die Truppen waren eben aus den Feldküchen verpflegt worden, da traf folgender Befehl ein: „Infanterie-Regiment 116 geht auf dem linken Flügel der 49. Infanterie-Brigade vor, mit dem linken Flügel an der Südecke von Anloy vorbei, rechts Anschluss an Infanterie-Regiment 115. Die Linie Anloy-Bournonwald soll vorerst nicht überschritten werden.“ Über die allgemeine Lage wurde bekannt, dass die 4. Armee mit dem VI. Armee-Korps und  VIII. Reserve-Korps die Flanken der angreifenden 3. und 5. Armee decken und in ihrer Mitte am Leffe-Abschnitt (XVIII. Armee-Korps) und bei Neufchâteau (XVIII. Reserve-Korps) eine Bereitstellung einnehmen sollte. Die Nachrichten über den Feind waren immer noch sehr unbestimmt. Nach Fliegermeldungen sollten in den Wäldern jenseits des Leffebaches  nur Kavallerieabteilungen stehen. Die feindliche Infanterie wurde etwa 50 Kilometer dahinter vermutet.

Das Regiment nahm das II. und III. Bataillon ins erste Treffen; hinter dem III. Bataillon folgte die Maschinengewehr-Kompanie. Das I. Bataillon war hinter dem linken Flügel gestaffelt und stand zunächst der Brigade zur Verfügung. In guter Ordnung entfalteten sich die Kompanien und gingen, nachdem der Südrand von Anloy überschritten war, in Schützenwellen vor. Weiter rechts, wo die 50. Infanterie-Brigade über Libin gegen Maissin vorging, wurde lebhaftes Gewehr- und Artilleriefeuer laut. Unsere Brigade (49. Infanterie-Brigade) dagegen hatte bereits die befohlene Linie erreicht, ohne auf einen Gegner zu stoßen. So wurde die befohlene Linie im Anschluss an die rechten Nachbartruppen überschritten. Doch kaum hatten die ersten Wellen des II. und III. Bataillons gegen 2 Uhr nachmittags die Höhen südwestlich von Anloy erreicht, als ihnen aus einer Entfernung von kaum 400 Metern lebhaftes Infanterie- und Maschinengewehr-Feuer entgegenschlug. Und doch war vom Gegner nichts zu sehen. In Getreidefeldern und am Waldrande hielt er sich vorzüglich gedeckt, so dass kein sicherer Schuss auf ihn anzubringen war. Aber dem ungestümen, unserem Infanteristen zur zweiten Natur gewordenen Drang nach vorwärts zeigte sich der Gegner nicht gewachsen. Trotz des starken Feuers und trotz der hemmenden Drahtumzäunungen der Felder gelang es nach mehrmaligem Ansturm, die Getreidefelder allmählich vom Feinde zu säubern und die nächsten Waldstücke zu erreichen. Namentlich am rechten Flügel wurde der Angriff mit rasender Schnelligkeit vorgetragen. Trotz schwerer Verluste und trotz der Mahnungen der Offiziere zur Besonnenheit ging alles nach vorn durch.

Im Walde war zunächst das dichte Unterholz ein schwieriges Hindernis und verursachte viele Verluste. Ein weiteres Hindernis waren die vielen gut versteckten französischen Baumschützen, die dem Angreifer aus unmittelbarer Nähe ihre Schüsse entgegensandten, eine Kampfesweise, auf die der Deutsche nicht gefasst war, gegen die er aber bald wirksame Abhilfe fand. Auch das eigene Artilleriefeuer belästigte hier stellenweise die vorgehenden Kompanien. In wildem Drauflosgehen und hartem Ringen dachte man wenig an die Verbindung nach rückwärts, so dass unsere Artillerie nicht wissen konnte, wie weit der Angriff an den einzelnen Punkten vorgetragen war. Aber alle diese Schwierigkeiten konnten den Siegeslauf der in blinder Wut vorstürmenden Hessen nicht aufhalten. Waldstück auf Waldstück wurde dem Gegner entrissen, wobei sich an den einzelnen Waldrändern besonders erbitterte Kämpfe mit dem zähen Gegner abspielten. Hier war es auch, wo die beiden unerschrockenen Führer der  9. und 12. Kompanie, die Hauptleute Weltzien und Mattel, einen frühen Heldentod fanden. Auch die Führer der 9. und 12. Kompanie, Hauptleute Wolf und Buhtz, mussten schwer verwundet vom Schlachtfeld getragen werden.

So wogte beim II. und III. Bataillon der Kampf in der heißen Augustsonne schon die dritte Stunde. Da drohte gegen 4 Uhr nachmittags ein gefährlicher Rückschlag: Der vorher schon an Zahl überlegene Gegner des Regiments schob in der Front ein neues Bataillon ein und suchte gleichzeitig unsere linke Flanke mit zwei frischen Jägerbataillonen zu umfassen. Der Angriff in der Front aus dem Walde Derriere-Horimont konnte zunächst vom II. und III. Bataillon nicht aufgefangen werden: Die beiden Bataillone waren zu hart mitgenommen, die Verbände zu sehr durcheinandergewürfelt. So mussten sie dem Stoß ausweichen. Aber bald stellte ein Maschinengewehr-Zug unter Leutnant de Harde sowie eine Kompanie der 21. Pioniere die Lage wieder her. Leutnant Brendel, der Adjutant des II. Bataillons, warf sich mit etwa 100 Versprengten aus allen Kompanien gegen die rechte Flanke. Von neuem kam der Angriff in Fluss, auch das frische Bataillon des Gegners wurde geworfen. Teile der 5. und 8. Kompanie unterstützten die 4. und 6. Kompanie des Infanterie-Regiments 115 beim Sturm auf eine feindliche Batterie, die nach hartem Ringen erobert und trotz mehrfacher wilder Gegenangriffe behauptet wurde. Vizefeldwebel Dutliné (8. Kompanie) und Braun (5. Kompanie) zeichneten sich dabei besonders aus.

Nicht minder schwierig gestaltete sich der Kampf auf dem linken Flügel des Regiments. Hier klaffte eine bedenkliche Lücke in der deutschen Kampffront, da das XVIII. Reserve-Korps nach Süden vorgestoßen war. Der Gegner hatte diesen schwachen Punkt bald erkannt und holte von Stunde zu Stunde weiter nach links zur Umfassung aus. Als hier gleich zu Beginn der Schlacht das links gestaffelte I. Bataillon in Marschkolonne aus einem Hohlweg südwestlich von Anloy heraustrat, wurde es mit einem Hagel von Geschossen überschüttet, so dass alles volle Dekcung nehmen musste. Die vorderen Kompanien entwickelten sich gruppenweise nach links und arbeitete sich in wütendem Infanteriefeuer durch hohe Getreidefelder, ohne indes vom Feinde etwas zu sehen. In einem toten Winkel konnten die 3. und 4. Kompanie kurz Atem schöpfen. Ihre drei noch am Leben gebliebenen Zugführer, Leutnant Pieper, Locher und Offizierstellvertreter Petri, ordneten hier, was sich um sie gesammelt hatte, und griff dann ein von den Haubitzen der 61er sturmreif geschossenes, stark besetztes Waldstück an. Mutig trug der Sergant Pistler, umzischt von zahlreichen Geschossen, die entfaltete Fahne des Bataillons mit den stürmenden Kompanien nach vorn. Der Waldstreifen wurde genommen und schnell durchschritten. Aber frische feindliche Kräfte setzten zum Gegenangriff an und trafen namentlich die Leibkompanie sehr schwer. Viermal hatte sie einen französischen Vorstoß auszuhalten und verlor drei tüchtige  Offiziere, Leutnant von Erhardt, Meinberg und Mühlberger. Auch in den Ginsterbüschen jenseits des Waldstücks waren die Kompanien starkem feindlichen Strichfeuer ausgesetzt, das hohe Verluste brachte und zum Rückzug in das Waldstück zwang.

Entscheidend für die Abwehr der feindlichen Umfassungsversuche wurde das Eingreifen der Maschinengewehre. Ihnen hatte der Regimentskommandeur in richtiger Erkenntnis der Gefahr von vornherein die Sicherung der linken Flanke übertragen. Sie waren daher südlich von Anloy in Stellung gegangen. Dort hatten sie bald drei französische Maschinengewehre, die zwischen den Straßen Anloy-Sart und Anloy-Haie standen, außer Gefecht gesetzt. Infolge der feindlichen Umfassung kam jedoch Hauptmann Poly mit den Gewehren in eine bedrängte Lage. Da ritt Oberst Schimmelpfennig in schärfstem Galopp zur Artillerie, erhielt dort zwei Geschütze und brachte sie an der gefährdeten Stelle in Front. Ein fürchterliches Blutbad begann. Die beiden Geschütze rissen ungeheure Löcher in die überflügelnden feindlichen Reihen, Schwadenweise mähten die Maschinengewehre die vorgehenden Wellen nieder und schossen mit entsetzlicher Genauigkeit und Unerbitterlichkeit die Schützenlinien des Gegners zusammen, so dass jedes Leben in ihnen erstarrte. Gefangene schilderten sntsetzt die grauenhafte Wirkung dieses vereinigten Artillerie- und Maschinengewehr-Feuers, von dem man sich am anderen Tage beim Überschreiten des Schlachtfeldes mit Schaudern überzeugen konnte.

So tobte der heiße Kampf den ganzen Nachmittag, hier in wildem Handgemenge mit wüstem Schreien, dort in schrecklichem Zischen udn Heulen der todbringenden Geschosse, in Angriff und Gegenangriff um den Besitz einzelner Waldstücke, in wildem Vorstürmen und entsetztem Zurückgehen. Die Wildheit hatte besonders beim II. und III. Bataillon jede Einheitlichkeit über den Haufen geworfen. So wird erklärlich, dass Teile der 10. und 11. Kompanie weit rechts beim Infanterie-Regiment 117 gegen das Dorf Maissin kämpften. Aber immer noch war die endgültige Entscheidung nicht gefallen. Zwar begann von 5 Uhr nachmittags an unsere Artillerie käftiger zu wirken. Die Waldstücke, in denen sich der Gegner noch hielt, wurden planmäßig beschossen. Immer tiefer stießen die Kompanien dem gegner nach Westen nach. Trefflich half dem I. Bataillon eine Kompanie der 21. Pioniere, deren Führer, Hauptmann Peters, den Heldentod starb. Doch nur schrittweise gab der Feind eine Stellung nach der anderen auf. Da ertönten gegen 7 Uhr nachmittags in unserem Rücken Kommandorufe. Die lang ersehnte Unterstützung war da! In vierstündigem Marsche war die 16. Reserve-Division unter Generalleutnant Mootz von der Eisenbahn nach dem Schlachtfelde geeilt, um den Kameraden Hilfe zu bringen. Nun schwärmten die Kompanien des Reserve-Infanterie-Regiments 28 ein. Da gab’s kein Halten mehr. Mit Bajonett und Spaten wurde der bis zum äußersten sich wehrende Gegner aus seinen letzten Stellungen geworfen. Blau und rot quoll es aus den Waldstücken heraus. Auf wenige hundert Meter lief der nach Süden abziehende Gegner in das Flankenfeuer des I. Bataillons hinein und erlitt schreckliche Verluste. Erst die Dunkelheit machte dem Kampfe ein Ende. Völlig erschöpft sammelten sich die Bataillone auf der Höhe bei Alnloy. Bei der Unsicherheit der Gesamtlage – der rechte Flügel der Division hatte wegen drohender Umfassung das um 5 Uhr nachmittags gestürmte Maissin wieder räumen müüssen – wurde die Höhe und der Dorfrand zur Verteidigung eingerichtet.

Eine schwere Aufgabe harrte der Ärzte und Krankenträger. Im Kampfe mit Freischärlern, die aus den Häusern auf die durchziehenden Verwundeten schossen und die Gefechtsstaffel zersprengten, hatte Stabsarzt Dr. Szubinski am Westausgang des Dorfes den Verbandplatz des Regiments eingerichtet. Den ganzen Nachmittag über strömten die Verwundeten zu, und bald war alles überfüllt. Eine schier nicht zu bewältigende Arbeit für fünf Ärzte mit wenigen Helfern; dazu in stundenlangem Artilleriefeuer. Nach Mitternacht erschienen die Krankenträger der Sanitätskompanie mit Fackeln. Sie wurden aber beim Absuchen des Schlachtfeldes noch vielfach vom Feinde beschossen. Trotzdem wurden die meisten der hilflos daliegenden und dem Verschmachten nahen Schwerverwundeten noch während der Nacht zurückgeschafft. Viele aber mussten in ihrer Todespein den kommenden Morgen abwarten, bis sie aufgefunden und geborgen werden konnten.

Die erste Schlacht war geschlagen. Der blutigste Tag des ganzen Krieges lag hinter dem Regiment. Der Sieg hatte sich an seine Fahnen geheftet. Ein starker und tapferer Gegner war aus Stellungen gejagt worden, die er sich drei Tage lang mit Sorgfalt ausgesucht und ausgebaut hatte. Rühmliche Taten, die alle der Erwähnung wert wären, waren allerorten vollbracht worden. Aber groß, sehr groß waren auch die Verluste. Kein Tag des Feldzugs hat vom Regiment so viele Opfer gefordert wie der Tag von Anloy. Innerhalb weniger Stunden hat es über 1.000 Mann, mehr als ein Drittel seines Bestandes, verloren. 13 Offiziere, darunter außer den schon erwähnten der bewährte Führer der 4. Kompanie, Hauptmann von Normann, und Oberleutnant Ebel von der 6., der am nächsten Morgen seiner schweren Verwundung erlag, ferner Leutnant Becker, von Grolmann, Eichhoff, Klein, Walter und der Fahnenjunker Schäfer waren auf dem Schlachtfelde geblieben; 340 brave Unteroffiziere und Mannschaften waren mit ihnen in den Tod gegangen. Fast doppelt so hoch war die Zahl der Verwundeten. Unter ihnen waren 20 Offiziere: Das I. Bataillon hatte den Hauptmann von Thümen und die Leutnants Locher, Malzahn, Pieper, Scherer und den Fähnrich Marquardt verloren; das II. büßte Leutnant Schroeder, Johlen, Hellwig und Buchholtz ein; am schwersten aber waren die Verluste beim III., wo außer den vier Kompanieführern die Leutnants Dingeldein, Flotho, Fischer, Loerbrocks, Schmidt, Meyer und Freytag fehlten. In der Maschinengewehr-Kompanie waren Oberleutnant Kienitz und Leutnant de Harde (D. E.) verwundet. An Unteroffiziere und Mannschaften waren 599 verwundet, 72 wurden vermisst. Der Name Anloy sollte einen schrecklichen Klang in der hessischen Heimat erhalten. Da war kein Städtchen und Dörfchen, in das nicht die Nachricht gedrungen wäre: „Bei Anloy gefallen!“ Aber darum ist der Name auch zum Ehrennamen der Kämpfer des 22. August geworden. Von allen Kränzen, die sich das Regiment in diesem großen Krieg errungen, ist der Kranz von Anloy der schönste. Er wird nie verwelken.“

Man begrub August Reitz auf dem Soldatenfriedhof Langemark in einem Massengrab.

Die Todeanzeige für August Reitz im Gießener Anzeiger vom 01.10.1914

Gefallene Soldaten aus Mittelhessen: Ludwig Bamberger

Der Soldat Ludwig Bamberger wurde am 15.05.1892 in Muschenheim geboren, einem Ortsteil der hessischen Stadt Lich. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Reservist in der 6. Kompanie des 116. Infanterie-Regiments. Am 30.08.1914 (Verlustliste: 06.09.1914) verstarb er nach schwerer Verwundung im Alter von 22 Jahren in einem Feldlazarett in Belgien. Ludwig Bamberger war Jude.

Die Lage des Grabes von Ludwig Bamberger ist unbekannt.

Die Todesanzeige für Ludwig Bamberger im Gießener Anzeiger vom 28.09.1914

Gefallene Soldaten aus Mittelhessen: Karl Balser

Der Soldat Karl Balser stammte aus der hessischen Stadt Hanau. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Gefreiter und Reservist in der Leib-Kompanie des 118. Infanterie-Regiments. Am 22.08.1914 fiel er in Belgien bei Maissin im Alter von 21 Jahren.

Über den Todestag und die Todesumstände von Karl Balser berichtet die Regimentsgeschichte des 118. Infanterie-Regiments:

In der Nacht vom 21. auf 22. August bezog das Regiment Unterkunft in Libin. Die Außenwache stellte die 11. Kompanie.
Offiziersstelle, Fuhrey erkundete mit drei Gruppen den südwestlich Libin liegenden Wald. Die Abteilung hatte mehrfach Zusammenstöße mit französischer Kavallerie-Patrouillen, kam aber ohne Verluste zurück. Auch wurden auf die Außenposten Schüsse abgegeben, ohne dass es gelang, die Täter zu fassen.

Am frühen Morgen des 22. August traf beim Regiment folgender Befehl der 50. J. B. (Generalmajor Freiherr von Speßhardt) ein:

50. J. B. D. II. Libin, 22.8.14. 4.35 Uhr Z.

J. R. 118 steht um 8.30 Uhr hart nördlich Straße Libin-Villance, Front nach Maissin, gedeckt nach Westen und Südwesten. Anfang etwa bei B 13, Kommandeur am Anfang des Regiments. Regiment hat vorher nördlich Villance eine Stellung zu erkunden. Front nach Maissin. Regiment sichert die Bereitstellung der Brigade in Linie Redue-Villance einschließlich, und erkundet sämtliche aus Linie Tramuine-Villance nach Westen und Südwesten durch den Wald führenden Wege…“

Auf Grund dieses Befehles stand das Reg. zur befohlenen Zeit in folgender Bereitstellung: Das 1. Batl. (Major Kot) war nunmehr auch mit der Lb., 2. und 4. Komp. gegen 7 Uhr vorm. nach Villance vorgerückt und hatte mit drei Kompagnien (Lb., 3. und 4.) den Westand des Dorfes besetzt, den es zur Verteidigung einrichtete; die 2. Komp., welche nach Erledigung eines Sonderauftrages erst gegen 6 Uhr vorm. in Libin eingetroffen war, lag im Südteil des Dorfes (Villance) als Reserve. Das II. Batl. (Major Stehberger) stand etwa 800 m östlich Villance, hart nördlich der Straße Billance-Libin, während sich das III. Batl. (Major v. Notz) in einem kleinen Wäldchen am Nordhang der Mulde ca. 800 m nördlich Villance aufstellte. Die M.G.K. (Hptm. von Oßell) war nach Villance vorgezogen und trat in Verbindung mit dem I. Batl., ihre Züge am Westand des Dorfes in Stellung gehen lassen. Bald gingen Meldungen ein, daß in den Wäldern um Massin feindliche Kavallerie stecke; bis gegen 11 Uhr war festgestellt, daß auch Massin selber, anscheinend von franz. Kavallerie, besetzt sei. Um 11.15 Uhr trat beim Regiment der Brigadebefehl ein, sich in den Besitz von Maissin zu sehen. Der Reg.-Kdr., Oberst Münster, beauftragte hiermit das I. Batl., dem die M.G.-K. (Hptm. v. Gössel) zugeteilt wurde. Um 12 Uhr trat das Batl. los vom Westrand von Villance aus; das III. Batl. blieb zunächst zur Verfügung des Reg., das II. Batl. zur Verfügung der Brigade an den bisherigen Plätzen.

Das I. Batl. nahm K. (Hptm. Staußband, bzw. Lt. Scheuermann), 3. Komp. (Hptm. Freiensehner) und 4. Komp. (Hptm. v. Cappeln) in vordere Linie, die 2. Komp. (Hptm. Sollmann) folgte als Reserve hinter dem rechten Flügel. Die 3. Komp. hatte den Anschluß und ging mit dem linken Flügel längs der Straße Villance-Maissin vor, rechts daneben 4. Komp., am weitesten rechts Leib-Komp. Die M.G.-K. folgte mit sechs schweren Gewehren hinter der Mitte.

Die Kompagnien in vorderer Linie gingen zunächst entfaltet, Schützen vor der Front, vor; die 2. Komp. folgte in Gruppenkolonne auf dem Wiesen, die sich nördlich des von Villance nach Maissin verlaufenden Höhenrückens erstrecken. Während des Vorgehens setzte das Feuer der eigenen Artillerie (F. A. R. 25) ein, sie nahm Ziele in dem Walde nordwestlich Maissin, sowie das Dorf selber unter Feuer.

Bald schlug dem Batl. das erste feindliche Feuer entgegen; es kam z. T. frontal, teilweise aber auch aus den Waldstücken links und vereinzelt sogar auch aus denen rechts des Angriffsstreifens und verursachte erhebliche Verluste. Trotzdem gingen die inzwischen voll in Schützenlinie entfalteten Kompagnien in langen Sprüngen weiter vor, der ziemlich breite und tiefe Leise-Bach wurde durchschritten und schon gegen 1.30 Uhr war das teilweise brennende Maissin von den vorderen Kompagnien erreicht.

Der linke Flügel, die 3. Komp., von der beim anderen Zuge als Seitendeckung etwas links rückwärts gestaffelt, gefolgt war, war an der Leise liegen geblieben, da er sich gegen feindliche Vorstöße und Umfassungsversuche aus dem Nordteil des Burnot gezwungen zu wehren hatte. Er wurde aus der etwas recht mißlich gestalteten Lage erst gegen 4 Uhr durch Teile des F. A. R. 25 herausgelöst.

In Maissin selber wurde stellenweise noch aus den Häusern geschossen, doch hatte die Truppe zunächst wenig Zeit, sich darum zu kümmern. In aller Eile wurden die Verbände notdürftig geordnet und bis zum Westrand des Dorfes vorgezogen, der zur Verteidigung gegen die sofort einsetzenden starken franz. Gegenangriffe besetzt wurde. Auch alle sechs Gewehre der M.G.-K. waren hier bald in voller Tätigkeit. Allerdings hielt auch der Kampf im Dorfe selbst den ganzen Nachmittag an. Die 2. Komp. war noch zum Abhang der Höhe 398 nördl. Maissin vorgegangen, Hptm. Sollmann setzte von dort aus zunächst den 2. Zug unter Lt. Müller (Phil.) zur Absicherung der Häuser am Nordrand des Dorfes an, aus denen die Kompagnie Feuer erhalten zu haben glaubte. Der Zug Müller fand aber dort keinen Gegner mehr und ging darauf bis zum Westrand von Maissin vor, wo er die Linie der bereits hier in Feueregefecht stehenden Kompagnien des I. Batl. um 2 Uhr gab Hptm. Sollmann seinem 2. Zug unter Lt. d. R. Grohrock Befehl, die Schützenlinie an der Nordwestecke des Dorfes (Teile der Ab.) zu verstärken. Als einige Zeit darauf die Höhe nördlich vollständig unter einem schweren Schußfeuer aus F. A. R. 25 belegt wurde, ging Hptm. Sollmann auch mit dem Rest seiner Komp. vor und befestigte zusammen mit Teilen der Leib-Komp. eine Höhe an dem das Maissin heraus nach Norden hin führenden Feldweg.

Der Reg.-Kdr. hatte inzwischen bereits um 12.45 Uhr, als der Angriff des I. Batl. auf starke feindliche Gegenwirkung gestoßen war, dem III. Batl. den Befehl erteilt, rechts verlängert in den Kampf des I. Batl. einzugreifen. Das II. Batl., welches dem Reg.-Kdr. wieder zur Verfügung gestellt war, wurde auf die Straße Villance-Maissin zurückgenommen, um nach neuer Verfügung entweder zur Ablösung der M.G.-K. oder zur Verstärkung des linken Flügels des I. Batl. verwendet zu werden. Die M.G.-K. ging inzwischen in dem Walde von Champimont starker Gegner besetzt, hinter dem rechten Flügel des III. Batl. gezogen. Dieses letztere geriet bei seinem Vorgehen bald in starkes Feuer aus westlicher Richtung; unter schweren Verlusten arbeitete es sich südlich des Waldes von Champmont gegen die Straße Maissin—Tellin vor, welche gegen 3 Uhr erreicht wurde. Jetzt erhielt das Batl. auch starkes Flankenfeuer aus den Waldungen nördlich und nordwestlich Maissin; zeitweilig schlug auch eigenes Artilleriefeuer in die Schützenlinien, die dadurch nicht unerhebliche Verluste hatten und zunächst liegen blieben. Um den Angriff wieder in Fluß zu bringen, setzte Oberst Münster nunmehr auch zwei Kompagnien des II. Batl. ein, von denen die eine, 8. Komp. (Hptm. Leute) in die Linie des III. Batl. einschwenkte, die 6. Komp. (Hptm. Müller) dieses rechts verlagerte. Trotzdem gelangte der Angriff des rechten Flügels nicht mehr weiter vorwärts; er blieb an der sehr gut dem rechten Flügel des I. Batl. als Reserve liegenden Komp. Collmann blieb er endgültig liegen.

Währenddessen war das I. Batl. zeitweilig einige hundert Meter über den Westrand von Maissin hinaus vorgegangen, hatte sich aber einer starken feindlichen Ueberlegenheit gegenübergesehen und bis zum Dorfrand zurückgehen müssen. Oberst Münster sah sich veranlaßt, zur Unterstützung des Batl. gegen 3 Uhr seine letzten Reserven, die 5. Komp. (Hptm. Beitz) und die 7. Komp. (Hptm. Trapp) einzusetzen, die auf den Süd bezw. Südwestrand des brennenden Maissin vorgezogen wurden und hier vor allem den Kirchhof und das Schulhaus besetzten. Der starke Rauch zwang jedoch beide Kompagnien dazu, sich allmählich an den Ostrand des Dorfes zu ziehen. Gegen 4.45 Uhr war die Lage in Maissin so, daß das I. Batl. mit drei Komp. (8., 5. und 4.) den Westrand des Dorfes besetzt hatte und mit der 2. Komp. nach Norden anschließend am Weg Maissin—Nedu lag. Versprengte Teile des I., sowie auch des II. und III. Batls. und der 6. Komp. und der 7. Komp., wurden in dem brennenden Maissin gesammelt, auf Befehl des dort anwesenden Reg.-Kdrs. dem Hptm. Trapp unterstellt und gegen 5.30 Uhr zur Verstärkung der nördlich des Dorfes im schweren Kampfe liegenden Teile des Regiments eingesetzt.

Allmählich war der Gegner überall zum Gegenangriff vorgegangen, besonders das durch den größten Teil des II. verstärkte III. Batl. nördlich Maissin sah sich einer erheblichen feindlichen Uebermacht gegenüber. Es kämpften hier mit vorbildlicher Zähigkeit die 9. unter Hptm. Hofmann, 10. unter Hptm. Hermann, 11. unter Hptm. Classen und 12. Komp. unter Hptm. Oldenburg. Auch der Einsatz eines Batl. des I.R. 71 auf dem äußersten rechten Flügel brachte keine Entlastung. Um 6.15 Uhr mußte der rechte Flügel des Regiments vor starken französischen Angriffen aus dem Wald von Bolez zurückgezogen werden, wobei es zeitweilig die Front nahezu nach Norden verlegt. Und das I. Batl. war schließlich nicht mehr zu halten, so daß Oberst Münster allen drei Batl. befahl, in allgemeiner Richtung auf „Billance“ zurückzugehen. Die Verbände waren in dem heißen Kampf sehr stark durcheinander gegangen, die erschöpften Batl. sehr stark, übrigens ohne jede Nervosität. Alle Tapferkeit des Gegners nutzte nichts mehr; immer stärkere feindliche Angriffe quollen gegen die gelichteten Reihen, und mühsam konnte immer die Verbindung gehalten werden. Trotz des großen Durcheinanders vollzog sich der Übergang verhältnismäßig geordnet und in vollkommener Ruhe, zumal sich die besonders vorbildlichen Offiziere tapfer bei der Unterweisung der Mannschaften, so daß dadurch wieder einige kampffähigere Teile gesammelt werden konnten. Der Rückmarsch erfolgte über das südwestlich Maissin gelegene Tal des Seife-Baches 1200 Meter westlich Maissin in die frühere Stellung zurück. Die übrigen Teile des Regiments wurden von der Straße Billance—Maissin zurückgenommen, einzelne Teile der sehr stark durcheinandergegangenen schon früher zurückgegangen, andere, die sich an der westlich des Dorfes gelegenen Höhe festgesetzt hatten, mußten sich unter dem Druck der sehr stark überlegenen feindlichen Kräfte des Abends zum Rückzug; sie trafen gegen 10 Uhr abends bei den übrigen Teilen des Regiments ein. Hptm. v. Cappeln bildete am späten Abend aus versprengten Teilen aller Komp. eine Gruppe, mit der er sich am Westrand des Waldes südlich Villance (Vigéczy) eingrub und den Schutz der bei Villance in Stellung befindlichen Artillerie übernahm.

Die Verluste des Regiments waren außerordentlich schwer, sie betrugen:

Mannschaften
I. Batt.   tot: 138  verwundet: 211  gefangen: 3
II. Batt.   tot: 50  verwundet: 99  gefangen: —
III. Batt. (mit MGR.)  tot: 119  verwundet: 257  gefangen: 9

Zusammen: 925 Mann

Offiziere
I. Batt.   tot: 1  verwundet: 5  krank: 1
II. Batt.   tot: 1  verwundet: 8  krank: 1
III. Batt.   tot: 7  verwundet: 7  krank: —

Zusammen: 31 Offiziere

An Offiziere:
a) tot:
Major von Notz (III. Batt.); Hptm. Hermann (10.); Oldenburg (12.); Lt. Löbbecke (Abt. II.); Lt. d. R. Mühl (10.); Lt. Kleine (11.); Lt. Proske (12.); Lt. Enck (3.); Hptm. Leute (später verst.)

b) verwundet:
Major Kotz (1.); Major Stehberger (II.); Hptm. v. Goessel (MG.); Trapp (7.); Freienstein (3.); Leute (8.); Oberlt. Fendel (Reg.-Abt.); Lt. Steiger (Abtl. III.) (starb an seiner Verwundung); Lt. Rülf (12.); Lt. W. Müller (10.); Scheuermann (L.); Hossfeld (8.); Lt. d. R. Schmölt (7.); Lt. Cares (8.); Lt. Fr. Müller (9.); Nebry (3.); Wiedemann (4.)

Hauptmann Veith (5.) und Collmann (2.) wurden ebenfalls verwundet, konnten aber bei der Truppe bleiben bzw. schon nach wenigen Tagen zu ihr zurückkehren.
An den Folgen seiner Verwundung starb der erste Kriegsfreiwillige des Regiments.“

Man begrub Karl Andreas Balser auf dem Soldatenfriedhof Maissin-National in Grab 215.

Die Todesanzeige für Karl Balser im Gießener Anzeiger vom 28.09.1914

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.780: Luitpold Schwaiger

Der Soldat Luitpold Schwaiger stammte aus der bayerischen Gemeidne Laufen. und war Student der Ingenieurwissenschaften. Er war Mitglied der Burschenschaft Apollo. Im Ersten Weltkrieg diente er als Offiziersstellvertreter in der 1. Batterie des 6. bayerischen Fußartillerie-Bataillons. Am 15.11.1914 fiel er bei Wytschaete in Belgien.

Man begrub Luitpold Schwaiger auf dem Soldatenfriedhof Menen in Block E, Grab 1.446.

Todesanzeige für Luitpold Schwaiger

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.774: Franz Aschenbrenner

Der Soldat Franz Aschenbrenner stammte aus Dobl, einem Stadtteil der bayerischen Stadt Vilshofen, und war der Sohn eines Tagelöhners. Im Ersten Weltkrieg diente er als Schütze in einer Maschinengewehr-Kompanie. Am 22.07.1917 fiel er im Alter von 21 Jahren nach 19 Monaten Kriegsdienst während der dritten Flandernschlacht Belgien.

Man begrub Franz Aschenbrenner auf dem Soldatenfriedhof Menen in Block L, Grab 2.947.

Sterbebild von Franz Aschenbrenner
Rückseite des Sterbebildes von Franz Aschenbrenner

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.769: Konrad Holzner

Der Soldat Konrad Holzner wurde am 16.03.1890 in der bayerischen Stadt Neu-Ulm geboren und war Bezirksamtsassistent. Im Ersten Weltkrieg diente er als Unteroffizier der Reserve in der 7. Kompanie des 18. bayerischen Infanterie-Regiments: Am 30.10.1914 fiel er während der 1. Schlacht in Flandern (Ypern) im Alter von 24 Jahren bei Hollebeke Houthem durch Kopfschuss.

Über den Todestag und die Todesumstände von Konrad Holzner berichtet die Regimentsgeschichte des 18. bayerischen Infanterie-Regiments:

„Hollebeke 30.10.1914

Dichter Nebel lag am Morgen des 30.10. über Flandern, als schon 7.30 Uhr vormittags unsere Artillerie mit dem Einschießen auf die feindlichen Stellungen begann. Aber infolge des unsichtigen Wetters war das Einschießen erst gegen 9.30 Uhr vormittags beendet und gegen 10 Uhr ging die Infanterie zum Angriff vor. Schon 5 Uhr vormittags war die Hälfte des I./18 (1. und 4. Kompanie) hinter dem linken Flügel des III. Bataillons bereitgestellt worden., das über Nacht in Schützenlöchern 1 Kilometer südöstlich Caleute nach Ablösung der dortigen Heereskavalerie auf nahe Entfernung den feindlichen Schützen gegenüber lag. Der Rest des I. Bataillons verblieb zunächst hinter dem linken Flügel. Beide Bataillone warteten dann, bis das Zeichen zum Angriff gegeben wurde. Das III. Bataillon rechts, das I. links, brachen die Schützen etwa 10 Uhr vormittags gegen die feindlichen Stellungen vor, das III. Bataillon mit rechtem Flügel längst des von Partyntje-Ferme nach Norden führenden Weges – Calvaire, östlich Groenelinde Südwestecke des Schlossparkes von Hollebeke, linker Flügel Straße Garde Dieu – Caleute. Heftiges Artilleriefeuer empfing sie, aber dennoch gelang es mit den vordersten Teilen bis 11 Uhr vormittags das Valeutecabt. zu erreichen. Hier aber stockte zunächst der Angriff. Gegen Mittag fuhren war zwei Züge des 5. Feldartillerie-Regiments zur unmittelbaren Unterstützung der Infanterie vor, aber dennoch blieb zunächst der Angriff stecken, weil die feindlichen Maschinengewehre, gut eingenistet in den zahllosen Hecken und Büschen, auch vom Artilleriefeuer nicht sofort gefasst werden konnten. Dazu kam, dass nach der linken Angriffsgruppe (26. Infanterie-Division), infolge einer unbeabsichtigten Verschiebung der Angriffsziele der Anschluss verpasst wurde, so dass das I. Bataillon mit seinem linken Flügel in der Luft hing.

In dieser Lage kam das II. Bataillon zum Einsatz. Es war in der Nacht in Alarmquartieren in Houthem untergebracht, kam kurz nach Eröffnung des Artilleriekampfes am frühen Morgen in der Ortschaft selbst in schweres Artilleriefeuer und rückte zunächst an den Westausgang von Houthem und dann bis zur Kapelle 1 Kilometer nordwestlich davon vor. Hier gab der Brigadekommandeur Generalmajor Clauß an Hauptmann Ritter den befehl, mit dem halben II. Bataillon am linken Flügel der vorderen Gefechtslinie einzugreifen und den Angriff nach vorwärts zu reißen. Nach einem  Seitenmarsche von etwa 500 Metern nach links über ebenes Gelände wurde dann nach vorwärts eingeschwenkt und mit der 6. und 7. Kompanie in die Kompanien des I. Bataillons eingeschoben. Aber auch der Einsatz frischer Kräfte genügte nicht, um die Gefechtslinie vorzureißen. Erst nachdem ein Bataillon und die Maschinengewehr-Kompanie 22. Infanterie-Regiment sowie zwei Artilleriezüge eingesetzt worden waren, erkämpfte sich die Truppe nach vorwärts Raum und erreichte am Abend mit rechtem Flügel Calvaire und mit linkem Flügel Groenelinde. Der Kampf war außerordentlich verlustreich gewesen: 5 Meter vor einem in eine Hecke eingebauten englischen Maschinengewehr lag die Leiche des Majors Kopp (Major Julius Kopp, gefallen am 30.10.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof Menen in Block G, Grab 706), der freiwillig als 60jähriger Mann in das Feld gerückt war und nun wenige Tage nach seinem Eintreffen dortselbst den Heldentod gefunden, daneben Oberleutnant Munzert und Oberleutnant Lauerer. Verwundet wurden Oberleutnant Hoffa und die Leutnants der Reserve Braun und Kolbatz. Die Führung des II. Bataillons übernahm Hauptmann Höpfner.

Während so das 18. Regiment am linken Flügel der Division vorging und einen schönen Erfolg mit großer Tapferkeit erringen konnte, gelang es den rechten Nachbarn, dem 17. Infanterie-Regiment und Teilen des 22. Infanterie-Regiments den Schlosspark von Hollebeke in Besitz zu nehmen. Gegen 6 Uhr nachmittags war auch das Dorf Hollebeke in ihrer Hand und vom Feinde gesäubert. Beim Gegner waren englische Kavallerie und Artillerie auch etwas englische Infanterie und indische Truppen, es war kein starker aber ein zäher Feind, dem die Vorzüge des Geländes für die Verteidigung sehr zu statten kamen und der zudem in der Nähe von Groenelinde einige tiefe Schützengräben angelegt hatte. Die Brigade hatte einen Ruhmestag erlebt und General Clauß, der Kommandeur, wurde für sein umsichtiges und tapferes Verhalten und für den Erfolg, den seine Infanteriebrigade an diesem Tage erstritten, mit dem Max-Joseph-Orden ausgezeichnet. Dunst und Regen vermehrte am Abend die Dunkelheit, die nur von den brennenden Gehöften und Ortschaften erhellt wurde. Überall in Büschen und Hecken klagten Verwundete und lagen gefallene Helden. Totes Vieh lag umher, verwüstet waren die Höfe, niedergerissen die Zäune; schmutziger, vom Regen durchgeweichter Ackerboden dampfte von den Kämpfen des schweren Tages. Nach Einbruch der Dunkelheit waren die Truppen vollkommen zerstreut, die Mannschaften zum Tode ermüdet und erschöpft. Hauptmann Höpfner und Hauptmann Ritter machten sich auf den Weg, um während der Nacht die versprengten Teile zusammenzusuchen; – aber umsonst: die Achtzehner waren mit den übrigen Teilen der Brigade derart vermischt und über das Gelände zerstreut, dass man den Versuch, sie zu sammeln, aufgeben musste.“

Die Lage des Grabes von Konrad Holzner ist offiziell unbekannt.

Todesanzeige von Konrad Holzner

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.768: Fritz Stang

Der Soldat Fritz Stang stammte aus Lahm, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Itzgrund,und war Seminarist. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Kriegsfreiwilliger in der 6. Kompanie des 5. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 02.11.1914 fiel er während der ersten Flandernschlacht im Alter von 19 Jahren bei Hollebeke in Belgien (Flandern). Er wurde während des Angriffs auf das Gelände hinter dem Schloß und Straße nach Klein-Zillebeke getötet.

Man begrub Fritz Stang auf dem Soldatenfriedhof Langemark in einem Massengrab.

Todesanzeige von Fritz Stang

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.524: Alois Dechantsreiter

Der Soldat Alois Dechantsreiter wurde am 29.04.1894 in Reith in Bayern geboren und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Infanterist in der 1. Kompanie des 16. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments, in dem Auch Adolf Hitler diente. Am 04.03.1915 fiel er im Alter von 21 Jahren bei Comines durch einen Granattreffer.

Über den Todestag und die Todesumstände von Alois Dechantreiter berichtet die Regimentsgeschichte des 16. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:

„Vom Dämmern der Nacht bin zum Grauen des Morgens wird immer häufiger das ferne, dumpfe Grollen verderbenspeiender Geschütze hörbar. Die Frühjahresoffensive kündigt sich an. Sie sollen uns auf dem Posten finden. Die Kompanien in Warneton werden nachts zu Schanzarbeiten in die Stellung vorgezogen. Unsere Unterstände stehen bei dem hohen Stand des Grundwassers stets unter Wasser. Das viele Wasser mag mit schuld sein, dass drüben am 4. März ein zug Engländer übers freie Feld marschiert, den unsere 2. Kompanie unter Gruppenfeuer nimmt. Der Gegner antwortet mit einem äußerst heftigen Vergeltungsfeuer mit 30 cm. Kalibern auf unsere Gräben, vom Kemmel und aus Wulverghem rollen ganze Artilleriesalven an. In kurzer Zeit sind sämtliche Fernsprechleitungen abgeschossen, sieben Unterstände gehen zu Grunde. Die Nacht vom 4./5. März wird eine der unruhigsten, seitdem das die Stellung hat.“

Man begrub Alois Dechantsreiter auf dem Soldatenfriedhof Menen ini Block A, Grab 3.284.

Sterbebild von Alois Dechantsreiter
Rückseite des Sterbebildes von Alois Dechantsreiter