Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.599: Friedrich Wilhelm Daum

Der Soldat Friedrich Wilhelm Daum wurde am 09.03.1897 in Obersteinbach in Bayern geboren. Er war Gymnasiast im Alten Gymnasium in Nürnberg (8. Klasse) (heute: Melanchthon-Gymnasium). Er verließ in Kriegsbegeisterung das Gymasium ohne Abitur, wie es viele Schüler zu Beginn des Ersten Weltkrieges taten. Sie befürchteten, dass der Krieg so schnell beendet sei, dass sie, sollten sie erst das Abitur ablegen, nicht mehr als Held aus diesem Krieg hervorgehen können. Er kämpfte als Infanterist und Kriegsfreiwilliger in der 11. Kompanie des 19. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 03.11.1914, drei Monate nach Kriegsbeginn, fiel er im Alter von 17 Jahren im Wald von Aprémont bei Buxerulles östlich von Saint-Mihiel.

Über den Todeszeitraum von Friedrich Wilhelm Damm berichtet die Regimentsgeschichte des 19. bayerischen Infanterie-Regiments:

„Bereits am 25. Oktober hatte er im festen Vertrauen auf seine Truppe dem Kommandeur der 9. Infanterie-Brigade und dem General der Pioniere der Armeeabteilung Strantz seine Ansicht über einen Angriff ohne lange Vorbereitungen entwickelt. Seine Absicht am 27. Oktober, eine günstige Gelegenheit auszunützen, wurde nur durch die Einwände des Kommandeures der Pioniere vereitelt. Vergeblich wartete das Regiment auf Durchführung des von der Division beabsichtigten großen Angriffes – immer war der Wind für Abbrennen des Waldes ungünstig – da kam am 3. November nachmittags von der 9. Infanterie-Brigade die Mitteilung, dass die rechts anschließenden Jäger ein unbesetztes Grabenstück genommen hätten und die Anfrage, ob das 19. Regiment nicht ebenfalls in der Lage wäre, seine nördliche Stellung weiter vorzuschieben. Bereitwillig sagte das Regiment zu, obwohl Oberst Drausnick sich wohl bewusst war, dass seine Truppen nicht auf unbesetzte Schützengräben stoßen würden. Die Angriffsvorbereitungen trafen das Regiment in einer ungünstigen Lage. Das II. Bataillon war in der Bereitschaft abgelöst und im Marsch auf Buxerulles; die beiden anderen Bataillone waren zu einer Art Bereitstellungsübung in vorderer Linie. Trotzdem wurden die Vorbereitungen rasch getroffen. Um 3.30 Uhr nachmittags stand die Angriffstruppe bereit. Hinter der linken Flügelkompanie 3. Kompanie stand 10. Kompanie. Auf 3 Kompanien verteilt 1./3. bayerisches Pionier-Bataillon, 9. und 12. Kompanie standen bereit an die Stelle der 3. und 10. Kompanie zu rücken, sobald diese vorgestürmt waren. Anschließend an 3. Kompanie standen in vorderer Linie 2., 4., 1. Kompanie, 11. Kompanie und zwei Kompanien Pionier-Bataillon 27 in der Mulde hinter der Stellung bereit. 4.40 Uhr nachmittags gab der Regimentskommandeur, selbst in vorderer Linie befindlich, den befehl zum Angriff.

Aus den Sappenköpfen springen die ersten Leute der 3. Kompanie vor. Ein Maschinengewehr feuert auf den nur 40 Meter entfernten feindlichen Graben, andere Tapfere folgen. Nun sind sie am feindlichen Graben. Krachend fallen die Reisigdächer auf die Besatzung. Zwei Offiziere, 50 Mann werden gefangen, was sich nicht ergibt, wird niedergemacht; vorwärts stürmen 3. und 10. Kompanie und Pioniere.

Nun befiehlt der Regimentskommandeur auch die 2. Kompanie vor. Diese schwenkt rechts und vorwärts gehts über 5 – 6 feindliche Gräben. Südlich der Mulde sieht man die fliehenden Franzosen die Höhe hinaufeilen; nun zeigt auch der in vorderer Linie eingebaute Geschützzug seine Wirkung. 4. und 1. Kompanie schließen sich ebenfalls rechts einschwenkend dem Angriff an.

Da entschließt sich der Regimentskommandeur auch die Höhe südlich der Mulde zu nehmen und setzt 11. und die beiden Pionier-Kompanie 27 zum Angriff am rechten Flügel an. Unter großen Verlusten erreicht der Angriff die Höhe.

Um 6.00 Uhr abends trifft das herangeholte II. Bataillon ein und stellt sich für einen möglichen feindlichen Gegenstoß mit 6. und 7. hinter dem rechten, mit 5. und 8. Kompanie und Bataillonsstab hinter dem linken Flügel bereit. Ein Eingreifen war jedoch nicht nötig, da der Feind sich vollkommen ruhig verhielt.

Um 500 Meter war der linke Flügel des Regiments vorwärts gekommen. Während bisher die Linie mit Front Ost-Südost verlief, stand jetzt das Regiment mit Frint nach Süden auf einer Höhenlinie, die den gegenüberliegenden Rücken beherrschte, auf dem die feindlichen Verbindungen zum Erdwerk liefen

So war durch den selbständig und verantwortungsfreudig gefassten Entschluss des Regimentskommandeurs ein glänzender Erfolg erreicht worden, der vor allem der Division viel kostbare Munition für schwere Artillerie und Minenwerfer sparte.

Die Verluste des Regiments am 3. und 4. November betrugen an Toten: 5 Offiziers-Stellvertreter (Kühn, Hartmann, Bergdolt, Grimmler, Weichert), 72 Unteroffiziere und Mannschaften. An Verwundeten: 2 Offiziers-Stellvertreter (Habersang, Wolfrun) etwa 100 Unteroffiziere und Mannschaften.“

Man begrub Friedrich Wilhelm Daum auf dem Soldatenfriedhof St. Mihiel in einem Massengrab.

Der Vater von Friedrich Wilhelm Daum, Heinrich Daum, war königlicher Pfarrer.

Todesanzeige von Friedrich Wilhelm Daum
Foto von Friedrich Wilhelm Daum

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.591: Werner Koch

Werner Koch war der Bruder von Charlotte Koch und Justus Koch, deren Schicksal ich gestern und vorgestern vorstellt habe. Er wurde am 31.10.1894 in Ottenstein geboren. Im Ersten Weltkrieg meldete er sich freiwillig und diente als Kriegsfreiwilliger in der 5. Kompanie des 166. Infanterie-Regiment. Am 31.10.1914 fiel er wie sein Bruder Justus im Alter von 24 Jahren bei Lihons an der Somme.

Die Lage des Grabes von Werner Koch ist unbekannt. Für keinen seiner gefallenen Kameraden seines Regimentes konnte ich eine Grablage ermitteln. Wenn seine Gebeine irgendwann geborgen wurden, waren sie wahrscheinlich nicht mehr zu identifizieren. Es könnte daher anonym auf dem rund 4 Kilometer entfernten Soldatenfriedhof Vermandovillers in einem Massengrab beigesetzt worden sein.

Seine Heimatgemeinde Braunschweig Völkenrode gedenkt Werner Koch noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2013/braunschweig-voelkenrode_wk1_wk2_ns.html

Sterbebild von Charlotte, Justus und Werner Koch

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.590: Justus Koch

Justus Koch war der Bruder von Charlotte Koch, deren Schicksal ich gestern vorstellt. Er wurde am 28.09.1890 in Ottenstein geboren. Im Ersten Weltkrieg meldete er sich freiwillig und diente als Kriegsfreiwilliger in der 5. Kompanie des 166. Infanterie-Regiment. Am 31.10.1914 fiel er im Alter von 24 Jahren bei Lihons an der Somme.

Die Lage des Grabes von Justus Koch ist unbekannt. Für keinen seiner gefallenen Kameraden seines Regimentes konnte ich eine Grablage ermitteln. Wenn seine Gebeine irgendwann geborgen wurden, waren sie wahrscheinlich nicht mehr zu identifizieren. Es könnte daher anonym auf dem rund 4 Kilometer entfernten Soldatenfriedhof Vermandovillers in einem Massengrab beigesetzt worden sein.

Seine Heimatgemeinde Braunschweig Völkenrode gedenkt Werner Koch noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2013/braunschweig-voelkenrode_wk1_wk2_ns.html

Sterbebild von Charlotte, Justus und Werner Koch

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.588: Georg Weidinger

Der Soldat Georg Weidinger stammte aus Ramerding, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Kirchdorf am Inn, und war der Sohn eines Kleinbauern. Im Ersten Weltkrieg diente er als Infanterist in der 3. Kompanie des 1. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 23.03.1918 fiel er während der Großen Schlacht in Frankreich im Alter von 20 Jahren bei Jussy durch Verschüttung.

Über den Todestag und die Todesumstände von Georg Weidinger berichtet die Regimentsgeschichte des 1. bayerischen Infanterie-Regiments:

„Am 23.3. ging es noch vorwärts bis zum Bois l‘ Abbé; dabei fiel Leutnant Dietl, der tapfere Führer der 8. Kompanie. In der Nacht fühlten die vordersten Patrouillen bis an das Bois de Genlis heran. Ihre Erkundung brachte die Gewissheit, dass die Engländer auf ihrem Rückzug durch Franzosen aufgenommen wurden. Französische Maschinengewehr-Nester waren in raffinierter Werise am Boden und auf den Bäumen zum Bestreichen der Wege und Schneisen aufgestellt.“

Man begrub Georg Weidinger auf dem Soldatenfriedhof St.-Quentin in einem Massengrab.

Sterbebild von Georg Weidinger
Rückseite des Sterbebildes von Georg Weidinger

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.583: Alois Geiger

Der Soldat Alois Geiger stammte aus Dillingen. Er diente als Infanterist in der 6. Kompanie des 2. bayerischen Landwehr-Infanterie-Regiments. Am 02.09.1914 fiel er im Alter von 32 Jahren bei Evaux / Drei Ähren (französisch: Trois-Épis) während der Gefechte im Münstertal

Über den Todestag und die Todesumstände berichtet die Regimentsgeschichte des 2. bayerischen Landwehr-Infanterie-Regiments:

„Gefecht bei Drei Ähren

Am 1.9. gegen 3 Uhr nachmittags traf der Befehl der Landwehr-Division beim Regiment ein, dass das Regiment verstärkt durch 1. Landsturm-Batterie, Landwehr-Fußartillerie-Bataillon 20 (schwere Fuß-Artillerie), 4. Landsturm-Pionier-Kompanie sogleich nach Drei Ähren marschieren sollte, um sich dort für den am 2.9. in Aussicht genommenen Angriff gegen den in der Gegend von Zell vermuteten Feind bereit zu stellen. Zwei Kompanien des II. Bataillons hatten am 1.9. die Kompanien des I. Bataillons in Walbach und Türkheim abgelöst.

Die Truppen wurden alarmiert und bei Ingersheim versammelt, mit Ausnahme der in das Münstertal vorgeschobenen Kompanien des II. Bataillons. Die Kolonne marschierte über Ingersheim, die Kompanien des II. Bataillons über Türkheim nach Drei Ähren. Bim Eintreffen dort war es bereits dunkel.

II. Bataillon wurde zur Sicherung auf die Höhe von Evaux (6., 7., 8. Kompanie) und nach Forsthaus Obschel (5. Kompanie) vorgeschoben. Die übrigen Truppen bezogen Alarmquartiere in Drei Ähren. In der Nacht traf der Divisions-Befehl zum Angriff ein.

Am 2.9. früh morgens wurde der Feind in Stellung auf der Höhe Place (1 km westlich Zell) und Kleinen und Großen Hohnack erkannt. Der Regimentskommandeur stellte durch persönliche Erkundung 5.30 Uhr morgens bei Evaux fest, dass der Feind in etwa 2 km Ausdehnung in befestigter Stellung stand.

Nach dem Divisions-Befehl sollte das verstärkte Landwehr-Infanterie-Regiment 2 den Feind in der Front angreifen, während 2. Landwehr-Brigade rechts von ihr über Grat-Berg (1 km nordwestlich Zell) umfassend vorzugehen hatte. Die württembergische Landwehr-Brigade des General von Frech ging im Münstertal gegen Münster vor.

Bevor sich noch Landwehr-Infanterie-Regiment 2 und die Artillerie zum Angriff bereitstellen konnten, hatte sich der rechte Flügel des II. Bataillons durch die feindliche Stellung anziehen lassen und sich veranlasst gesehen, seine Schützen auf den Höhenkamm, ja sogar auf den gegen den Feind zu abfallenden Hang vorzuschieben. Dies war das Zeichen für den Feind, in seine Schützengräben zu eilen und unsere ungedeckt liegenden, das günstigst Ziel bietenden Schützen mit Infanterie- und Artilleriefeuer zu überschütten. Die am rechten Flügel befindliche 6. Kompanie  versuchte zwar, das Feuer zu erwidern, sie erlitt aber in kürzester Zeit derartig schwere Verluste, dass die Schützen sich in ihre vorgeschobenen Stellung nicht zu behaupten vermochten und, soweit sie überhaupt dazu noch im Stande waren, den Hang nach Rückwärts hinabglitten. Auch der in der Nähe der Straße befindliche linke Teil der Höhenbesatzung, in der Mitte 7., links davon 8. Kompanie, hatte durch das überraschend einsetzende feindliche Feuer starke Verluste. Die Offiziere griffen tatkräftig ein. Der Führer der 6. Kompanie, Hauptmann Huber, vermochte längere Zeit den größeren Teil seiner Leute in Stellung zu halten, dem Leutnant Zech dieser Kompanie gelang es einige Zeit, sich mit dem Rest seiner noch kampffähigen Schützen inmitten der Toten und Verwundeten zu behaupten. Vizefeldwebel (Offiziersstellvertreter) Esterl gab seinen Leuten ein heldenhaftes Beispiel, bis ihn der Tod ereilte. Der Bataillons-Kommandeur, Oberstleutnant Reck, brachte durch seine persönliche Einwirkung die 8. Kompanie in vollster Ordnung an dem an der Straße gelegenen Waldrande in Stellung. (Offiziers-Aspirant) Neu (Wilhelm Neu, Offiziersstellvertreter, geboren am 05.12.1986 in Obermorschel/Pfalz, gefallen am 02.09.1914 bei Drei Ähren, begraben auf dem Soldatenfriedhof Hohrod in einem Massengrab) der 8. Kompanie fiel hierbei.

Gegen das durch den feindlichen Feuersturm erschütterte Bataillon erfolgte nun in seiner rechten Flanke aus Richtung Zell der feindliche Angriff. Der rechte Flügel der 6. Kompanie wurde von ihm im Rücken gefasst und umzingelt. Der Kompanieführer, Hauptmann Huber, der bis zum Äußersten mit den bei ihm befindlichen Leuten die Stellung behauptet hatte, geriet mit 16 Mann seiner Kompanie in die Hände der Feinde.

Der Feind besetzte die Höhe von Evaux mit Schützen, Maschinengewehren und zog auch Gebirgsgeschütze dorthin vor.

Trotzdem vermochten einige Tapferen der 6. Kompanie unter Führung des Gefreiten Anton Dellbrunner bis gegen Abend, als die Höhe von unseren Schützen besetzt wurde, dicht am Feinde isch zu behaupten.

Als der Regiments-Kommandeur beim Zurückreiten von seiner Erkundung den feindlichen Feuerüberfall hörte, traf er rasche Anordnung, um ihm zu begegnen. I., III. und Haubitzen-Bataillon befanden sich im Vormarsch von Drei Ähren, in die ihnen vom Regiments-Kommandeur für den Angriff zugewiesenen Bereitstellungen. Die beiden Haubitzen-Batterien hätten im Wiesengrund zwischen Drei Ähren und Evaux in Stellung gehen sollen. Da die Abteilung nur über 1.500 Meter Fernsprechleitung verfügte, war mit Rücksicht auf die von ihr bei Evaux gewählte, also in Betracht kommende Beobachtungsstelle ein so weites Vorziehen der Batterien notwendig. Nun mussten die Batterien, um sie der unmittelbaren feindlichen Infanterie-Einwirkung zu entziehen, in Drei Ähren in Stellung gebracht werden und dazu auf der durch das waldige Bergengnis führenden Straße kehren. Es ging hierdurch wertvolle Zeit verloren, bis endlich das Feuer auf die feindliche Stellung bei Place, und zwar nur nach der Karte ohne Beobachtung aufgenommen werden konnte.

I. Bataillon wurde zum Angriff südlich der nach Place führenden Straße bei Meierhof (1 Kilometer westlich Drei Ähren), III. Bataillon hinter dem II. Bataillon in 2. Linie am Frauenkopf (500 Meter nordwestlich Drei Ähren) bereitgestellt.

Die zurückgegangenen Teile des II. Bataillons schoben sich zwischen III. und I. Bataillon und am linken Flügel des I. Bataillons (5. Kompanie) ein.

Für die 1. Landsturm-Batterie (Feldkanonen) war nur eine Stellung nordöstlich Drei Ähren mit Wirkung gegen den Großen Hohnack zu finden.

Der Angriff konnte erst erfolgen, sobald sich das umfassende Eingreifen der 2. Landwehr-Brigade fühlbar machte. Inzwischen wurde das Feuer der schweren Feldhaubitzen gegen den auf die Höhe von Evaux vorgegangenen Teil des Feindes, insbesondere gegen die hier in Stellung gebrachten Gebirgsgeschütze gelenkt. Diese waren aber schwer zu fassen, da sie mehrfach ihre Stellungen wechselten.

III. Bataillon nahm um die Mittagszeit Fühlung mit dem linken Flügel des Landwehr-Infanterie-Regiment 3 auf, das nordwestlich Zell zum Angriff vorgehen sollte. Hierauf erhielten III. und I. Bataillon den Befehl, die Höhe von Evaux zu nehmen. II./Landwehr-Infanterie-Regiment 1, das von der Brigade für den Angriff zur Verfügung gestellt worden war, hatte in zweiter Linie zu folgen. Der wiederholt gemachte Versuch, die Höhe zu gewinnen, gelang gegenüber dem feindlichen Maschinengewehr- und Gebirgsgeschütz-Feuer nicht. Auch die 2. Landwehr-Brigade kam anscheinend nicht vorwärts. Gegen Abend erst konnten die vom III. und I. Bataillon neuerdings vorgehenden Schützen die inzwischen vom Feinde geräumte Höhe erreichen. Die hereinbrechende Dunkelheit hinderte am weiteren Vorgehen.

Die Gefechtsverluste des Regiments, besonders seines II. Bataillons, waren erheblich. Sie betrugen zwei Offiziere, 80 Mann an Toten, ein Offizier 94 Mann an Verwundeten und ein Offizier und 16 Mann an Gefangenen.“

Man begrub Alois Geiger auf dem Soldatenfriedhof Hohrod in einem Massengrab.

Sterbebild von Alois Geiger
Rückseite des Sterbebildes von Alois Geiger

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.556: Alois Berchtenbreiter

Der Soldat Alois Berchtenbreiter stammte aus Hechendorf, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Murnau am Staffelsee, und war der Sohn eines Gastwirts. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er in der 2. Kompanie des 1. bayerischen Reserve-Jäger-Bataillons (Freising). Am 20.08.1914 fiel er bei einem Gefecht bei Rohrbach im Elsass.

Man begrub Alois Berchtenbreiter auf dem Soldatenfriedhof Bisping in einem Massengrab.

Seine Heimatgemeinde Hechendorf gedenkt Alois Berchtenbreiter auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2018/hechendorf_stadt-murnau_lk-garmisch-partenkirchen_wk1_wk2_bay.html

Sterbebild von Alois Berchtenbreiter
Rückseite des Sterbebildes von Alois Berchtenbreiter

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.553: Simon Langlechner

Der Soldat Simon Langlechner wurde am 28.04.1883 in Straß geboren, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Kastl, und war Pferdehändler. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Infanterist in der 4. Kompanie des 2. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 02.10.1914 fiel er im Alter von 31 Jahren bei Fresnes-lès-Montauban in der Nähe von Arras in Frankreich.

Über den Todestag und die Todesumstände von Simon Langlechner berichtet die Regimentsgeschichte des 2. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:

„1. Gefecht bei Fresnes (02.10.1914)

Am 02.10.1914 sollte das I. bayerische Reserve-Korps über Arras, das IV. und XI. Armee-Korps südlich davon und über Bapaume den bisher festgestellten feindlichen linken Heeresflügel schlagen. Vormarsch des Reservekorps bei etwas nebligem Wetter in zwei Kolonnen: 5. Reserve-Division rechts über Izel auf Bailleul Sir Berthoult, 1. Reserve-Division links um 8 Uhr vormittags von Brebières über Gavrelle nach Arras; Reserve-Infanterie-Regiment 1 und I./Reserve-Infanterie-Regiment 2 (nun Hauptmann a. D. Röder) in der Vorhut unter General von Kneußl.

II. (Haselmayr) und III. (Major der Reserve Foerst) und Maschinengewehr-Kompanie am Anfang des Gros, dieses unter General von Graf. In Fresnes hielt das Gros, auch der Divisions- und Korpsstab hielten dort. Vor der Front kein Feind festgestellt. Plötzlich um 11.45 Uhr vormittags Divisionsbefehl: „An die Gewehre! Feindliche Infanterie in unserer rechten Flanke aus Neuvireuil kommend, schon ganz nahe heran“. Der Divisionskommandeur wies persönlich den Regimentskommandeur auf die nahen französischen Schützen ein. So eine Überraschung war gerade recht für das kampflustige Regiment. Im Nu und bewundernswert exakt war das Bataillon Foerst (III.) im starken Feuer französischer Jäger entwickelt, Bataillon Haselmayr (II.) folgte zunächst als Staffel rechts. Alsbald verlängert die 8. das III. Bataillon, 5. und 7. traten demnächst gegen eine neue feindliche Bataillonsgruppe am feindlichen linken Flügel bei den fünf hohen Bäumen in ein verlustreiches Gefecht.

6. (Molenar) mit Maschinengewehr-Kompanie blieb bei Mauville-Ferme, wohin der Regimentsstab erfolgreich vorausgeeilt war. Die Ferme bot vorzüglichen Überblick, lag aber andauernd im feindlichen Artilleriefeuer.

2. Reserve-Brigade bei Fresnes blieb Reserve der Division. Die Vorhut Kneußl hatte zwischen Gavrelle und Fresnes ebenfalls nach der Flanke gegen Linie Neuvireuil – Oppy entwickelt und stand bald in schwerem Gefecht.

Die Artillerieabteilung Reuß stand zunächst gedeckt bereit zwischen Mauville-Ferme und Fresnes.

Trotz schärfster Beobachtung konnte von der 5. Reserve-Division, die ihrerseits so günstig gegen die Flanke unseres Gegners angesetzt war, nichts bemerkt werden; auch die Division war ohne Nachricht von ihr. Das Regiment entsandte Berittene zur Verbindung und Aufklärung auf Izel.

Da das Regiment durch das präzise Feuer der französischen Jäger fürchterlich litt, wurde die Batterie Seuffert der Abteilung Reuß zur Unterstützung des Angriffs auf den feind bei Mauville-Ferme in Stellung gebracht. Nach peinlich genauen Weisungen durch den Infanterie-Regimentskommandeur – nach den Erfahrungen von Mittersheim und Gondrexon – schloss sich die Batterie ohne Gabelbildung, nur von rückwärts her auf das Jägerbataillon bei den fünf Bäumen nach den Korrekturen des Regimentskommandeurs ein. Ein paar Schnellfeuerlagen hatten bald den durchschlagenden Erfolg, dass das französische Jägerbataillon total vernichtet war, worauf 5. und 7. Kompanie stürmen und der Lage gemäß mit III. Bataillon bis zum Eintreffen der 5. Reserve-Division in hinhaltendem Gefecht gegen das zäh verteidigte Neuvireuil bleiben konnten. Sie wurden von französischer gut versteckter Artillerie stark beschossen. Die Unterstützung unserer Infanterie, die schon die behelfsmäßigen Flaggen (um ein Beschießen durch eigene Artillerie hintanzuhalten) zeigte, durch Artilleriefeuer erschien zwecklos, weil die beiden Feuerlinien schon nahe aneinander waren.

Unterdessen war das Wetter sichtiger und eine feindliche Kavalleriemasse (Regiment oder Brigade) beim Wäldchen westlich Izel bemerkbar geworden. Batterie Seuffert wurde vom Regimentskommandeur nun darauf eingewiesen und jagte sie im Schnellfeuer unter Verlusten in tolle Flucht.

Nun erst war ein heftiger Kampf der 5. Reserve-Division bei Izel erkennbar. Eine gut gedeckte französische Artilleriegruppe war nach längerem Bemühen zwischen Izel und Wäldchen vom Regimentsstab festgestellt worden. Sie wurde nun von der herbeigeholten ganzen Abteilung Reuß, wiederum nach genauesten Weisungen des Regimentskommandeurs, im Rücken mit Feuer überfallen. Augenblicklich trat eine furchtbare Wirkung ein, die französische Artillerie raste geschützweise über eine Mühle zwischen Izel und Neuvireuil nach Westen zurück, wurde aber restlos von unserer Artillerie und der nächsten Infanterie zusammengeschossen. Die Geschütze blieben liegen.

Für die 5. Reserve-Division war damit, ohne dass sie wohl den Grund ahnte, eine gefährliche Kampftruppe erledigt und große Entlastung für sie eingetreten. Nun tauchte aber aus der Richtung Neuvireuil zur Unterstützung der Gruppe bei Izel französische Infanterie, etwa ein bis zwei Regimenter, auf. Der Regimentskommandeur, ständig mit dem Artillerieführer und dem Artilleriebeobachter beisammen, befahl das nun verstärkte Feuer der französischen Artillerie auf Mauville-Ferme, dem unter Anderen auch der Führer der 6. Kompanie, Leutnant der Reserve Molenar, zum Opfer gefallen war, nicht zu beantworten, sondern in Lauerstellung die neuaufgetretenene französische Infanterie im freien Gelände entwickeln zu lassen.

Als gegen 2 Uhr nachmittags mindestens ein französisches Infanterie-Regiment entwickelt und durch Geländewellen gegen unsere Infanterie gedeckt im Flankenmarsch vor uns sich ahnungslos dem Raume näherte, wo eben erst ihre Nachbarartillerie vernichtet worden war, befahl der Regimentskommandeur den von ihm in allen Einzelheiten vorbereiteten Feuerüberfall der Artillerie. Die Wirkung dieses Flankenfeuers war unbeschreiblich. Mit einem Schlage, wie elekrifiziert, rissen die Rothosen mit fliegenden Rockschößen unaufhaltsam aus, in nördlicher Richtung gegen Bois-Bernard und teilweise gegen die Mühle, von unserem geschmeidigen Artilleriefeuer mit einem Geschosshagel überschüttet. Damit war dem Regiment und der Abteilung Reuß ein seltener, glänzender Erfolg beschieden worden, dessen Früchte nun die 5. Reserve-Division, der der Weg rein gefegt worden war, mühelos ernten konnte. Die Wirkung trat etwa 5 Uhr nachmittags in Erscheinung. Der Flügel dieser Division (Brigade Hurt) kam ohne Kampf über die Mühle gegen Neuvireuil vor. Damit war auch für das I. Reserve-Korps der Sieg des Tages erstritten. Die Absicht der Franzosen (XX. Armee-Korps, unser Gegner von Crévic), das südlich bei Monchy stehende IV. Armee-Korps, den gestrigen deutschen rechten Heeresflügel mit drei Kolonnen, rechte über Bailleul, mittlere – scheinbar stärkste – über Neuvireuil und linke über Izel in der Flanke zu fassen, war durch den Vormarsch des Reservekorps, die siegreichen Kämpfe der 1. Reserve-Brigade, sowie das Vordringen der 5. Reserve-Division glänzend vereitelt worden. Noch machten Die Franzosen, die nun ihrerseits von der 5. Reserve-Division immer wirksamer in der Flanke getroffen waren und die Gefahr erkannten, den verzweifelten Versuch, mit ihrer zusammengefassten Artillerie den linken Flügel der 5. Reserve-Division am Weiterschreiten zu verhindern. Es gelang aber nur einen vorübergehenden Aufenthalt zu verursachen, namentlich auch, weil der nördliche Flügel dieser Division siegreich vordrang.

Während diese Entscheidung im Großen vorbereitet war, war den Bataillonen des Regiments eine der schwersten und verlustreichsten Aufgaben zugefallen: Den Feind in der Front bei und zu beiden Seiten Neuvireuil, selbst deckungslos, hinzuhalten, bis die unerwartet lange aufgehaltene 5. Reserve-Division flankierend die Entscheidung bringen konnte.

Das der Vorhut zugeteilte I. Bataillon, dessen Kommandeur, Hauptmann Röder, um 1.45 Uhr nachmittags gefallen war, hatte selbsttätig mit dem III. Bataillon zusammengearbeitet, dessen Kommandeur, Major Foerst, schwer verwundet worden war. Neben diesen focht das II. Bataillon (ohne die 6. Kompanie, die mit der Maschinengewehr-Kompanie Regimentsreserve geblieben war). In zähem Ringen hatten sie sich gegen den ausgezeichneten Feind herangearbeitet. Trotz schwerster Verluste hielten die Kompanien mit ihrem zahlreichen neuen Nachersatz rühmlichst aus. Beim Herankommen der 5. Reserve-Division setzte der Regimentskommandeur die Maschinengewehr-Kompanie beim I. Bataillon zur Vorbereitung des Sturmes erfolgreich ein. Ein Bataillon und eine Maschinengewehr-Kompanie der 2. Reserve-Brigade, die vorübergehend zur Verfügung standen, kamen nicht zum Einsatz. Im Garten der Mauville-Ferme beerdigte der Regimentskommandeur noch während des Gefechtes den Leutnant Molenar und einige Unteroffiziere.

Unter Führung des Generals von Kneußl hatte das Reserve-Infanterie-Regiment 1 links von uns schwere, aber siegreiche Kämpfe. Trotz aller Versuche auf verschiedenen Wegen war die Verbindung des Regiments mit dem Brigadekommandeur nicht erreicht worden.

Gegen 5 Uhr nachmittags befahl die Division der zurückbehaltenen 2. Reserve-Infanterie-Brigade über Neuvireuil nach Oppy vorzugehen. Das Reserve-Infanterie-Regiment 2 sollte den Angriff auf Neuvireuil mitmachen, dann aber dort sammeln. Ein Teil der Sanitätskompanie (Reserve-Sanitäts-Kompanie 1) leistete um diese Zeit im Zurückbringen der Verwundeten des Regiments über freies Feld zur Mauville-Ferme Hervorragendes. Der Angriff der 2. Brigade kam erst nach Eintritt der Dunkelheit zur Ausführung. Das Regiment sammelte um 7.15 Uhr abends an der Straße Fresnes-Neuvireuil. 1., 6. und 7. Kompanie räumten das Gefechtsfeld auf, auf dem der Feind eine überraschend große Zahl an Toten hatte liegen lassen.

Ortsunterkünfte: Biache, Eintreffen dort 12 Uhr Mitternacht.

Verluste: 6 Offiziere tot, (Hauptmann a. D. Röder, Leutnant der Reserve Molenar, Offiziersstellvertreter Schuster, Piechler, Gierisch, Reichhold), 11 verwundet (Major der Reserve Foerst, Leutnant der Reserve Manneberg, Gombart, Geßner, Pötzsch, Offiziersstellvertreter Vogel, Götz, Hebauer, Lange, Barnertzoi, Arnold), 167 Unteroffiziere und Mannschaften tot, 345 verwundet.

Offiziell ist für Simon Langlechner keine Grablage bekannt, ich vermute jedoch, dass er anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy beigesetzt wurde, wo man auch seine Regimentskameraden begrub, die am gleichen Tag fielen, u. a.

  • Infanterist Michael Wirthmüller, gefallen am 02.10.1914 bei Fresnes, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
  • Infanterist Michael Buchner, gefallen am 02.10.1914 bei Fresnes, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
  • Gefreiter Johann Baptist Giedl, gefallen am 02.10.1914 bei Gavelle, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
  • Infanterist Michael Wirthmüller, gefallen am 02.10.1914 bei Fresnes, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
  • Infanterist Andreas Wolfswinkler, gefallen am 02.10.1914 bei Fresnes, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
  • Vizefeldwebel Wichard Schuster, gefallen am 02.10.1914 bei Fresnes, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab.

Seine Heimatgemeinde Kastl gedenkt Simon Langlechner noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2010/kastl_1701-15_1870-71_wk1u2_bay.htm

 

Sterbebild von Simon Langlechner
Rückseite des Sterbebildes von Simon Langlechner

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.549: August Lory

Der Soldat August Lory wurde am 11.12.1895 in Zwingen geboren, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Trauchgau. Im Ersten Weltkrieg diente er als Infanterist in der 7. Kompanie des 2. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 27.05.1916 fiel er während der Schlacht um Verdun bei Thiaumont im Alter von 20 Jahren durch eine Granate.

Man begrub August Lory auf dem Soldatenfriedhof Hautecourt-lès-Broville in einem Massengrab.

Seine Heimatgemeinde Trauchgau gedenkt August Lory noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2008/halblech-trauchgau_1866_1870-71_wk1u2_bay.htm

Sterbebild von August Lory
Rückseite des Sterbebildes von August Lory
Eine Feld-Postkarte von August Lory aus dem Jahr 1915
Rückseite der Feld-Postkarte von August Lory

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.548: Adolf Hofmann

Der Soldat Adolf Hofmann stammte aus Lichtenberg Naila in Bayern und war Bankbeamter. Im Ersten Weltkrieg diente er als Unteroffizier der Reserve in der 4. Kompanie des 2. badischen Grenadier-Regiment Nr. 110. Am 20.08.1914 fiel er bei der Erstürmung der Höhen von Bruderdorf (französisch: Brouderdorff)

Über den Todestag und die Todesumstände von Adolf Hofmann berichtet die Regimentsgeschichte des 2. badischen Grenadier-Regiments Nr. 110:

„Und dann brach der 20. August an, wiederum ein Tag in der Geschichte des Regiments, reich an Opfern, aber auch reich an Ehren, der Tag von Brudersdorf. Schon um 5 Uhr morgens wurde das Artilleriefeuer von halb links vorwärts her wieder hörbar, bald danach gegen 5 1/2 Uhr morgens auch Infanteriefeuer aus der Gegend Hommert – Wachenberg. Inzwischen war uns bekannt geworden, dass es heute zum Angriff vorwärts gehen solle. Um 7 Uhr morgens gab der Brigadekommandeur Befehl zum Vorgehen. Um 7.45 Uhr vormittags wurde der Vormarsch angetreten. Im Verbande der Brigade folgte das Regiment im Gros dem Leibgrenadier-Regiment 109. Die Marschrichtung ging über Arzweiler (französisch: Arzviller) auf Niederweiler(französisch: Niderviller). Nach öfterem Halt war um 10 Uhr vormittags Forsthaus Glasematten erreicht., Hier sahen wir zum erstenmal, wie die Franzosen gehaust hatten. Zerschlagene Möbel, aufgerissene Schubladen und Schränke, deren Inhalt auf dem Boden zerstreut war, gröbste Verschmutzungen waren ihre Spuren. Von hier aus sollte im weiteren Vorgehen unsere 55. Brigade Anschluss an die links vorgehende 56. Brigade halten. Sie entfaltete sich, wobei Grenadier-Regiment 109 links vorwärts ging, Grenadier-Regiment 110 geradeaus blieb. Da erhielten wir plötzlich im freien Gelände Artilleriefeuer, gegen das wir erst Deckung erhielten, als wir durch den vorliegenden Wald der feindlichen Sicht entzogen wurden. Trotzdem sich die Bataillone und Kompanien in kleine Ziele auseinander gezogen hatten, konnten Verluste nicht vermieden werden. Eine Schrapnellkugel hatte auch den sich durch sein unerschrockenes Beispiel stets auszeichnenden Vizefeldwebel Reibel der 10. Kompanie außer Gefecht gesetzt. In der Ferne sahen wir zurückgehende Infanteriekolonnen; leider gelang es den zwischen uns auffahrenden Batterien des Feldartillerie-Regiments 14 nicht mehr, diese zu fassen.

Nach etwa einstündigem Halt ging es gegen 12.30 Uhr nachmittags weiter durch den Wald in der allgemeinen Richtung Bruderdorf. Das III. Bataillon ist vorn, ihm folgt das I., dann das II. Bataillon. III. sollte vorläufig nicht über den Südrand des Waldes hinausgehen. Als das III. Bataillon sich am Waldrande zeigte, schlug ihm plötzlich von der gegenüberliegenden, zwischen Wald und Bruderdorf liegenden Höhe 306 lebhaftes Feuer entgegen, das sich bald zu größter Heftigkeit steigerte. Sofort traten beim III./110. empfindliche Verluste ein, die noch stärker beim dahinter befindlichen I. Bataillon durch die über das III. Bataillon hinweggehenden Geschosse waren. Die Franzosen schossen zu hoch. Noch konnte der tapfere, treffliche Kommandant des I. Bataillons, Oberstleutnant Ernst Moritz von Arndt, ein Enkel seines berühmten Großvaters, die Entfaltung seines Bataillons befehlen, seine Kompanien rechts neben das III. Bataillon in die vordere Linie setzen, als ihn ein feindliches Geschoss in die Brust traf. Nach Karlsruhe ins Lazarett gebracht, erlag er nach einigen Wochen seiner schweren Verletzung. Nach einem Jahr hatte seine Gattin auch den Verlust des einzigen Sohnes zu beklagen. Das II. Bataillon mit den Maschinengewehren wurde durch den Regimentskommandeur nach dem Südosteingang von Niederweiler gewiesen, um hier zum schrägen Angriff gegen den dem I. und II. Batallon gegenüberstehenden Feind bereitzustehen. Ein beim Regimentskommandeur befindlicher Artillerieoffizier wurde nach Glasematten zurückgeschickt, um von dort Batterien in beschleunigter Gangart heranzuholen, die erst hier vorwärts des Waldgeländes in Wirkung treten konnte. Da es zu lange dauerte, galoppierte auch Oberleutnant Ruland, der Regimentsadjutant, dorthin, um die Artillerie so schnell wie möglich heranzuholen. So war immerhin noch eine für das weitere Vordringen günstige Entfaltung und Entwicklung des Regiments geglückt. Aber die Schwierigkeit diese Bewegungen, die, wie erwähnt, nicht ohne beträchtliche Verluste in einer Entferung von weniger als 1.000 Meter vom Feinde ausgeführt wurden, war groß. Fortgesetzt fegten die feindlichen Geschossgarben, vermischt mit absplitternden Baumästen, zu denen sich bald die über uns zerspringenden Schrappnells gesellten, durch den Wald. Hatte die Nahaufklärung versagt? Wieder waren wir um eine Kriegserfahrung reicher geworden. Bei Friedensübungen wären wir schwerlich in eine solche missliche Lage gekommen, und auch hier verließ man sich wohl auf die Manövererfahrung, dass wir an der Straße Niederweiler – Oberweiler längst die Meldung der Kavallerie gehabt hätten, wenn die Höhe 306 diesseits Bruderdorf vom Gegner besetzt sei. Unsere wackeren 5. Jäger zu Pferd, denen es nie an Schneid fehlte, hatten vollauf ihre Schuldigkeit getan. Aber wie schwer ist es für den aufklärenden Reiter, nahe genug an den Feind heranzukommen. Entweder ist er sehr bald Beute eines feindlichen Schützen, oder der Feind entzieht sich seinem Blick, wenn es zu weit abbleibt, worin der Franzose, wie wir schon in den vorausgegangenen Gefechtstagen gemerkt hatten, große Geschicklichkeit zeigte. Mehr und mehr zeigte uns der Krieg, wie angesichts der dauernd gesteigerten Waffenwirkung sich die Aufklärung durch Kavalleriepatrouillen immer mehr erschwerte, sich mehr und mehr dem Aufgabengebiet der Kavallerie entzog und den Fliegern zufiel. Wie sehr uns hier die Nähe des Feindes überraschte, zeigt das Abenteuer des Regimentsstabes und des Stabes des II. Bataillons, die nach Niederweiler vorauseilten und dort in das Feuer französischer Schützen gerieten, die sich in den dortigen Häusern eingenistet hatten. Alles bis zum Kommandeur herauf blieb nichts übrig, als sich hinzuwerfen und selbst das Gewehr zur Hand zu nehmen. Hätten die Franzosen später geschossen, wäre wohl niemand mit dem Leben davongekommen. So ging die Sache mit der leichten Verwundung eines Meldreiters und zweier Radfahrer noch glimpflich ab. Vor dem herankommenden II. Bataillon räumten die Franzosen – es mögen nur Gefechtspatrouillen gewesen sein – das Dorf. Inzwischen – es war 1.30 Uhr nachmittags geworden – hatte sich ein lebhaftes Infanteriegefecht entwickelt, bei dem unsere ruhig zielenden Grenadiere bald die Oberhand gewannen, in das auch mit Schrägfeuer die von Niederweiler aus vorgehenden Kompanien des II. Bataillons und hauptsächlich auch die Maschinengewehre eingriffen. Unter diesem Drucke räumte der Gegner die Höhe 306 und wich in das etwas tiefer gelegene Bruderdorf zurück. Ihm nach drängte alles auf die Höhe 306, wo es zum erneuten heftigen Kampfe gegen den Nordrand von Bruderdorf verteidigenden Gegner kam. Aber nicht konnte die Hundertzehner in ihrem Vordringen aufhalten. Schon war es schwer festzustellen, wie die Reihenfolge der Kompanien in vorderer Linie war. Vielfach waren Schützenzüge dort eingeschoben, wo sich Lücken zeigten. Es waren ja alles Kaisergrenadiere, die zusammen gehörten. Jeder Kompanieführer, jeder Zugführer raffte einen Teil der vorderen Linie unter seinen Befehl zusammen; einer richtete den anderen auf, wenn das Stöhnen der Verwundeten, das Krachen der zahlreich einschlagenden Artilleriegeschosse die Nerven bis aufs Höchste anspannte, sie zu zerreißen drohte. So mancher brave Gefreite und Grenadier war den Kameraden ein Beispiel von Ruhe und Tapferkeit. Unerschütterlich war der Drang nach vorwärts. „Auf, marsch, marsch!“, dieses Kommando allein konnte uns aus der Hölle auf der Höhe 306 befreien. Und es wurde gegeben. Von wem zuerst? Die Hornisten bliesen „Rasch vorwärts!“, die Tambours schlugen den Sturmmarsch. Hauptmann der Reserve Sepp fiel vor seiner 10. Kompanie, Leutnant von Oppelns-Bronikowski wurde tödlich verwundet. Mit Hurra ging es ins Dorf, Bruderdorf war um 3.30 Uhr nachmittags unser, weit voran auf dem äußersten rechten Flügel die 6. Kompanie unter Leutnant Schede (Hans Georg). Beim Herausbrechen aus dem westlichen Dorfrand fielen der Führer der 6. Kompanie, Leutnant Schede (Hans Georg) (Hans Georg Schede aus Freiburg im Breisgau, gefallen am 21.08.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof Lafrimbolle in Block 1, Grab 389), und sein Offizier, Leutnant Lamey, fast gleichzeitig. Überall sah man, wie die Franzosen zurückgingen, unbeschossen von den vorstürmenden Unsrigen, aber noch ein Ziel für unsere Maschinengewehre. Bei Erreichung des Dorfrandes fanden wir keinen wehrfähigen Gegner mehr vor. An zahllosen Toten und Verwundeten vorbei drangen wir in das Innere und bis zum jenseitigen Rand vor. Viele Häuser, auch das Dach der Kirche, standen in Flammen. Das große Zifferblatt der Kirchenuhr lag auf der Straße. Von Südwesten her war das Bataillon Hertzberg der Leibgrenadiere mit in das Dorf gedrungen. Nun galt es, zunächst wieder Ordnung zu schaffen, die Verbände wieder herzustellen. Besonders am linken Flügel waren die Hundertneuner und Hundertzehner stark durcheinander gekommen, sogar Teile des Regiments 111, die wohl von ihrem weiter links stehenden Regiment abgekommen waren, hatten sich unserem Vordringen angeschlossen. Sie blieben mehrere Tage bei uns und nahmen an unseren Kämpfen teil. Auf dem rechten Flügel war inzwischen Anschluss gewonnen an Infanterie-Regiment 113, das linke Flügelregiment der 29. Division, die auf Schneckenbusch vorgegangen war. II./110 sammelte sich im östlichen, III./110 im westlichen Teil, I./110 in der Mitte von Bruderdorf. Mit berechtigtem Stolz durften wir uns unseres Sieges erfreuen; aber ohne kostbares Blut war er nicht erkauft. So mancher brave Grenadier wurde beim Sammeln auf seinem Platze vermisst, tot oder verwundet lag er auf dem gefechtsfeld. Von Offizieren waren Hauptmann der Reserve Sepp, die Leutnants Schede (Hans Georg), von Oppeln-Bronikowski und Lamey gefallen; Oberstleutnant von Arndt, Oberleutnant Winterer, Leutnant Hallström, Leutnant der Reserve Schick, Hoffmann, Becker, Morkel, Feldwebelleutnant Quentin verwundet. Von Arndt erlag am 05.09.1914 seiner Verwundung.

Aber es sollte uns der Aufenthalt in Bruderdorf vom Feinde noch strittig gemacht werden. Bis zum Abend schlugen feindliche Artilleriegeschosse ein, krepierten über den Dorfgassen französische Schrapnells. Weitere Verlusten konnten wir uns zwar durch dichtes Heranstellen an die Häuser und in den Kellern entziehen. Immerhin war der Eindruck so stark, dass hier und da Vorschläge zur Räumung des Dorfes laut wurden, denen natürlich nicht stattgegeben werden konnte.

Um so überraschender kam uns daher der Befehl, dass die Brigade geschlossen nördlich Höhe 306 biwakieren werde, das Regiment dorthin zurückkehren solle. Nur widerstrebend und nach Ausspruch der Bitte, in Bruderdorf bleiben zu dürfen, musste der Befehl ausgeführt werden.

Das Regiment verbrachte die Nacht in dem durch brennende Gehöfte des Dorfes erleuchteten Biwak dicht nördlich Niederweiler. Stabsarzt Dr. Meßmer hatte den Verbandplatz in Niederweiler eingerichtet. Er berichtet darüber in seinem Tagebuch: „Ich ritt zum Dorf Niederweiler und suchte die Schule und später die Kirche zur Verwundetenlagerstätte aus. Der Bürgermeister und der Pfarrer waren sehr entgegenkommend. Alle Verwundeten, die zum Teil noch bis spät in die Nacht auf dem Gefechtsfelde aufgelesen wurden, wurden versorgt. Dr. Heimann hatte inzwischen für Leutnant Hallström, der an der Schulter verwundet eingeliefert wurde, ein Zimmer mit Bett aufgetrieben. Auch Stabsarzt Luckow und Assistenzarzt Knieper fanden sich ein.“

Offiziell ist für Adolf Hofmann keine Grablage bekannt. Ich vermute jedoch, dass seine Gebeine anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof Lafrimbolle beigesetzt wurden, wo man auch seine Regimentskameraden begrub, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a.

  • Gefreiter August Götz, gefallen am 20.08.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof Lafrimbolle in einem Massengrab;
  • Reservist Friedrich Rätz, gefallen am 19.08.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof Lafrimbolle in einem Massengrab;
  • Reservist Friedrich Becker, gefallen am 20.08.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof Lafrimbolle in einem Massengrab;
  • Grenadier Peter Flick, gefallen am 20.08.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof Lafrimbolle in einem Massengrab;
  • Gefreiter Heinrich Rippert, gefallen am 19.08.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof Lafrimbolle in einem Massengrab.

 

Todesanzeige von Adolf Hofmann
Sterbebild von Adolf Hofmann

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.546: Jakob Plötz

Der Soldat Jakob Plötz stammte aus Unterbachham, eine Ortsteil der bayerischen Gemeinde Gangkofen, und war Tagelöhner, wohnhaft in Sturzenreit in Niederbayern. Im Ersten Weltkrieg diente er als Landwehrmann in der 9. Kompanie des 1. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 05.06.1915 fiel er im Alter von 30 Jahren bei Fampoux und St.-Laurent (Arras) durch einen Granatschuss in den  Schützengraben.

Offiziell ist für Jakob Plötz keine Grablage bekannt. Ich bin mir jedoch sicher, dass er, wenn noch sterbliche Überreste geborgen werden konnten, diese anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy beigesetzt wurden, der nur wenige Kilometer entfernt von seinem Sterbeort liegt.

Sterbebild von Jakob Plötz

Rückseite des Sterbebildes von Jakob Plötz