Der Alte Friedhof in Gießen | Otto Andreas Ackermann | Georg Heinrich Schirmer | Ludwig Schmidt | Hermann Reuss | Berthold und Hans Neuenhagen

Ich gehe gerne auf Friedhöfen spazieren – nicht nur auf Soldatenfriedhöfen. Es regt mich zum Nachdenken an und relativiert so manches Problem. So war ich vor einigen Tagen mal wieder auf dem Alten Friedhof in Gießen. Dabei nahm ich ein paar Fotos von Gräbern auf, auf deren Grabsteinen auf gefallene Soldaten verwiesen wurde. Darüber hinaus fiel mir ein Denkmal auf, das an die davor begrabenen Soldaten des Krieges von 1870/71 erinnert.

Das Gräberfeld der im deutsch-französischen Krieg von 1870/71 gefallenen Soldaten
Das Gräberfeld der im deutsch-französischen Krieg von 1870/71 gefallenen Soldaten
Denkmal für die im deutsch-französischen Krieg von 1870/71 gefallenen Soldaten
Inschrift im Denkmal: „Friede sei mit Euren Seelen und mit denen, die um Euch trauern!“
Inschrift im Denkmal „Gestiftet von der Stadt Gießen“
Inschrift: „Denen, die in treuer Pflichterfüllung den Heldentod starben sei ein geheiligtes Andenken in unseren Herzen bewahrt“
Denkmal für die ebenfalls hier begrabenen verstorbenen französischen Soldaten

Nachfolgend das Foto des Grabes der Familie Ackermann. Auf ihm wird des Leutnants der Landwehr Otto Andreas Ackermann gedacht, der am 23.03.1874 in Gießen geboren wurde und seit dem 31.10.1914 bei den Kämpfen um Le Quesnoy en Santerre vermisst wird. Er diente im Ersten Weltkrieg als Offiziers-Stellvertreter in der 12. Kompanie des Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großherzoglich Hessisches) Nr. 116. Er wurde offiziell zunächst als vermisst gemeldet, dann korrigierte man sich 1915 und meldete ihn als in Gefangenschaft geraten, um sich 1917 erneut zu korrigieren, indem man mitteilte, er sei doch seit dem 31.10.1914 vermisst. Nach meinen Recherchen kam er bei den Kämpfen bei Roye an der Somme, genauer gesagt während der Gefechte bei Le Quesnoy en Santerre im Alter von 40 Jahren ums Leben, heute ein Orsteil der französischen Gemeinde Parvillers-le-Quesnoy.

Grabstein mit dem Gedenken an Otto Ackermann

Über den Todestag von Leutnant Ackermann schreibt die Regimentsgeschichte des Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großherzoglich Hessisches) Nr. 116.:

„Vierzehn volle Tage lag das Regiment in Cremery. Es war die erste größere Ruhezeit seit dem Ausrücken ins Feld. Da wurde die von der Krankheit kaum wiedergenesene Truppe jäh aus der Ruhe gejagt. Der schwarze Tag des Regiments kam heran. „Der Feind hat mit starken Kräften das von der 21. Infanterie-Division verteidigte Le Quesnoy-en-Santerre überrumpelt und weggenommen!“ Wie ein Blitz schlug diese Meldung am Abend des 30. Oktober beim Regiment ein. Sofort wurde alarmiert. Um 10 Uhr nachmittags rückten die Bataillone nach Fresnoy vor. Dort hieß es, es sei alles wieder in Ordnung, Le Quesnoy sei wieder unser, die Regimenter 81 und 88 hätten es den Franzosen wieder entrissen. Die Unsicherheit der einlaufenden Meldungen war nie so groß wie an diesem Tage. Die Bataillone rückten weiter vor nach Damery, wo sie um 4.00 Uhr vormittags ankamen. Dort kam neue Meldung von vorne: Le Quesnoy ist zum zweiten Male von den Franzosen genommen worden. Nun wurde das Regiment gegen das Dorf angesetzt. Rechts der Straße Damery – Quesnoy sollte das III. Bataillon mit vier Meschinengewehren vorgehen, an der Straße selbst und links davon das I. mit zwei Maschinengewehren. Das II. Bataillon hatte sich schon zwei Stunden zuvor in Anlehung an diese Straße entwickelt und lag bereits weit vorn im Felde. Ein lichterloh brennendes Haus in Le Quesnoy gab den in der Dunkelheit vorrückenden Kompanien die Marschrichtung an. Eine zeitlang schien es, als ob alles gut ablaufen sollte. Die Bataillone kamen vor, wenn auch mit Verlusten. Bald waren sie auf Sturmstellung an den Feind heran. Er lag wieder vor dem Dorfrand, gedeckt durch Gräben und Hecken. An einigen Stellen hatten sich die Kompanien bis auf 50 Meter an ihn herangearbeitet. Aber hier, so nah am Ziel, sollte jetzt ein Schauspiel anheben, so ungeheuer und fürchterlich, dass es den wenigen, die es überlebt haben, nie aus dem Gedächtnis entschinden wird. Einzelne Kompanien, auch Züge und Gruppen, stürmten vor. Ein rasendes Feuer mähte sie nieder. Was noch lebt, springt eiligst in die Deckung zurück. Ein zweiter und dritter Versuch missglückte ebenso. Dann gab es ein Zuwarten. Aber jede Verbindung nach rechts und links fehlt, und die Nachbartruppen schaffen keine Abhilfe gegen das schreckliche Flankenfeuer. Meldung nach hinten sind unmöglich. Was die Deckung verlässt, wird abgeschossen. Nirgends Hilfe, jeder ist auf sich selbst angewiesen. Von neuem wird der Sturm versucht. Mit gezogenem Degen stürmt Offiziersstellvertreter Ohly seiner 6. Kompanie voran. Er fällt, die meisten seiner Braven mit ihm. Der Oberleutnant der Reserve Frank von der 11. Kompanie gelingt es, mit einer kleinen unerschrockenen Schar durch die Hecken durchzustoßen und sich ins Handgemenge mit dem Gegner zu stürzen. Aber das Häuflein ist zu schwach, erliegt der Übermacht, und keiner von ihnen kehrt mehr zurück. Das gleiche Geschick ereilt den Führer der Leibkompanie, Oberleutnant Bethge, un den Adjutanten des I. Bataillons, Leutnant der Reserve Desch, mit ihren treuen Kameraden. Umsonst ist aller Heldenmut, umsonst jede pflichttreue Aufopferung. So vergeht Stunde auf Stunde in qualvoller, hoffnungsloser Lage. Mit Bangen wird der Abend erwartet.

Aber auch der sollte keine Besserung bringen. Hunger und Durst quälen die durch die Anstrengung des Tages zu Tode Ermatteten. Aber es kann nichts nach vorn geschafft werden. Die mondhelle Nacht lässt keine Verbindung zu. Was den Kopf über die Deckung streckt, ist verloren. Abgeschnitten von allem, gefangen wie in einer Falle! Kein Essen, kein Trinken, kein Munitionsersatz. Und doch wird der Entschluss, das Dorf zu stürmen, nicht aufgegeben: Drei Bataillone von den Regimentern 87 und 88 rücken im Laufe der Nacht nach vorn. Aber es gelingt ihnen nicht einmal, bis in Höhe unserer vorderen Kompanien zu kommen; 200 Meter dahinter müssen sie liegenbleiben und Schutz suchen gegen die alles niedermähenden feindlichen Maschinengewehre.

Ohne die Mitwirkung der Artillerie war jede Anstrengung vergeblich, war die größte Heldenhaftigkeit umsonst. Am späten Morgen des 1. November kam der Befehlt: „Unsere Artillerie nimmt den Dorfrand unter Feuer, die vor Le Quesnoy liegenden Bataillone sollen bis in die Höhre rechts anschließenden Infanterie-Regiment 118 zurückgehen.“ Aber der Befehl, sich vom Feinde loszulösen, konnte nicht ausgeführt werden, denn es war inzwischen hell geworden und alles lag dicht am Gegner. Das bald einsetzende Feuer unserer Artillerie fasste zwar die Stellung des Gegners gut, aber es brachte der Infanterie nicht die gehoffte Erleichterung, da es naturgemäß auch unsere Gräben in Mitleidenschaft ziehen musste. Trotzdem wird der Sturm nch der Beschießung von neuem versucht. Zweimal, dreimal springen Leutnant Madlung und andere Offiziere und Unteroffiziere mit ihren Leuten aus dem Graben. Verheerendes Feuer aus den Hecken und Häusern und von den Bäumen, insbesondere aus der Flanke schlägt ihnen entgegen. Umsonst ist alle Todesverachtung der tollkühnen Scharen; was nicht fällt, stürzt verwundet in Stellung zurück, darunter auch Leutnant Madlung. Noch einmal, um 12 Uhr mittags, versucht das an diesem Tage mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnete löwenkühne Führer der M.G. Kompanie, Hauptmann Poly, mit drei Maschinengewehren – die übrigen sind zerschossen – und einer Schar Versprengter aus allen Kompanien des Regiments, zusammen mit dem Bataillon Schildhauer vom Infanterie-Regiment 117 den Angriff wieder in Fluss zu bringen. Auch jetzt ist alles vergebens. Sie kommen nur vor bis zu den am Feinde liegenden Trümmern der Kompanien. Hier stürzt der tapfere Offizier, die Seele des Angriffs, schwer verwundet zu Boden, ein selten gesehenes Beispiel von Mut und Unerschrockenheit, und um ihn sinkt einer seiner Getreuen nach dem anderen nieder. In gleich kühnem Vorgehen stirbt Major Freiherr Schilling von Cannstatt, der Führer des III. Bataillons, den Heldentod. Leutnant Brodrück, Meyer und Rose werden verwundet, zusammen mit ihnen der größte Teil der Unteroffiziere und Mannschaften, die mit ihren Offizieren wetteiferten an Tapferkeit und Pflichttreue.

Als sich der zweite Tag vor Le Quesnoy zu Ende neigt, schleppt sich ein Teil der Verwundeten, den Tod nicht mehr achtend, zurück. Verpflegung konnte auch in dieser Nacht nicht nach vorn gebracht werden. Trotzdem wurde der Befehl zum Sturm aufrechterhalten. Aber irgendwo liegt die Grenze des Möglichen.

Am 2. November setzte also nach dem Hellwerden eine neue Beschießung des Dorfrandes durch unsere Artillerie ein. Diesmal waren es schwere Kaliber, Mörser und Haubitzen, die der Infanterie den Weg bahnen sollten. Die 3. Brandenburger, die dem Gegner schon zu so manchem Tanz aufgespielt hatten, richtete auch heute wieder wüste Verheerungen am Dorfrande an. Aber leider mussten auch diesmal wie am Tage zuvor die eigenen Gräben mitgetroffen werden. Es traten Verluste ein. Meldung zur Artillerie war unmöglich. Die Niedergeschlagenheit erreichte ihren Höhepunkt. Hoffen und Fürchten, Mut und Verzagen, Freude und Schmerz machten allmählich einer völligen Empfindungslosigkeit, einer körperlichen und seelischen Widerstandslosigkeit Platz. Wie ein letztes Aufflackern, eine letzte Zuckung sah man um die Mittagsstunde links zwei Pionierkompanien zum Angriff vorrücken. Sie kamen bis zu dem Wäldchen 800 Meter südlich von Le Quesnoy. Weiter nicht. Dann hörte jede Bewegung auf. Erstarrung legte sich über das Schlachtfeld. Da erkannte die höhere Führung die Unmöglichkeit der Tat. Sie war nicht auszuführen, sonst hätte sie das Regiment ausgeführt. Gegen Abend kam der Befehl, die Stellung zurückzunehmen in eine von Parvillers nach dem Wegekreuz südwestlich von Damery führende Linie, die von der 21. Infanterie-Division besetzt werden sollte. Noch eine letzte schwere Aufgabe! Auf der Erde kriechend, den verwundeten Kameraden in einer Zeltbahn mit sich schleppend, das zerschossene Maschinengewehr hinter sich her zerrend oder den toten Führer auf den Schultern tragend, so löste sich Grüppchen für Grüppchen vom Gegner los, verfolgt vom lauernden feindlichen Feuer. Über Damery schleppten sie sich nach Fresnoy, das sie vor drei Tagen um die selbe Zeit verlassen hatten. Todmüde warfen sie sich dort zur Erde nieder, doch die fiebernden Schreckensschreie und Kommandorufe der Träumenden ließen sie auch hier keine Ruhe finden.

Erst das nächste Morgenlicht ließ die völlige Größe des Unglücks erkennen. Im wilden Durcheinander vor Le Quesnoy konnte man nicht wissen, wer noch zu den Lebenden zählte und wer fehlte. Erst jetzt, als die Verbände sich wieder ordneten, wurde es schrecklich Tag. Zehn Offiziere, darunter auch Leutnant der Reserve Ackermann, Herb, Kammer und Feldwebelleutnant Schmitt und 569 Unteroffiziere und Mannschaften fehlten. Fast alle Kompanien waren ohne Offiziere. Von den vielen Kriegsfreiwilligen, meist Gießener Studenten, die vor zwei Wochen in heller Begeisterung zum Regiment ins Feld gefahren waren, war fast keiner mehr zurückgekehrt. In frischem, aufrechten Vorwärtsstürmen waren sie bis auf wenige von der Sichel des Todes hinweggemäht worden. Nun lagen sie draußen auf dem Felde von Les Quesnoy, und die Schritte des Feindes zogen achtlos an ihnen vorrüber. Größere Niedergeschlagenheit hat selten auf einer Truppe gelastet. Gewohnt an Sieg und stolz auf so manchen ruhmreichen Sturm hatte das Regiment sich hier zum ersten Male beugen müssen. Zwar war es nicht besiegt, aber schon der unentschiedene Kampf wurde als Niederlage empfunden. Nutzlos war das Blut der vielen Kameraden dahingeflossen.

 

Offiziell ist für Otto Andreas Ackermann keine Grablage bekannt. Ich gehe jedoch davon aus, dass, sollten seine Gebeine bis heute geborgen worden sein, diese nicht mehr identifiziert werden konnten. Er wurde dann anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof Roye-St.Gilles begraben, wo fast 3.000 unbekannte Soldaten beigesetzt wurden. Dort ruhen auch die sterblichen Überreste seiner Regimentskameraden, die im gleichen Zeitraum wie Leutnant Ackermann fielen, u. a. Hauptmann Karl Friedrich Poly, gefallen am 02.11.1914 in Le Quesnoy-en-Santerre bei Roye, begraben auf dem Soldatenfriedhof Roye-St.Gilles in Block 2, Grab 1117.


Das folgende Bild zeigt den Grabstein des Kriegsfreiwilligen Georg Heinrich Schirmer, der am 21.03.1896 geboren wurde, im Ersten Weltkrieg im Stab der I. Abteilung des Reserve-Feld-Artillerie-Regiments 56 kämpfte und am 15.06.1915 im Alter von 19 Jahren bei Suwalki im heutigen Polen fiel.

Bemerkenswert ist, dass die Familie von Georg Heinrich Schirmer den Leichnam in den Kriegswirren in die Heimat überführen konnte und überführte.

Grab von Georg Heinrich Schirmer

Das folgende Foto zeigt den Gedenkstein auf dem Grab der Familie Schmidt, der an ihren Sohn Ludwig Schmidt erinnern soll. Ludwig Schmidt wurde am 12.03.1885 geboren und war Oberlehrer von Beruf. Er wurde Leutnant der Reserve im 1. Garde Hessisches Feld-Artillerie-Regiment. Er wurde für seine Tapferkeit und seine militärische Leistung mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse und mit der Hessischen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Am 31.03.1918 fiel er bei Puisieux au Mont an der Somme.

Man begrub Ludwig Schmidt auf dem Soldatenfriedhof Neuville-St.Vaast, Block 29, Grab 251.

Gedenkstein für Ludwig Schmidt

 


Das folgende Foto zeigt eine Gedenkplatte der Familie Reuss für ihren Sohn Hermann. Er fiel am 22.10.1914 in Frankreich. Vermutlich wurden die sterblichen Überreste von Hermann Reuss bei der Zusammenlegung von Soldatenfriedhöfe in den Jahren um 1920 auf den Soldatenfriedhof Lens-Sallaumines verbracht, wo sie auch heute noch ruhen.

Gedenkplatte für Hermann Reuss

Die beiden nachfolgenden Kreuze stehen direkt am Nebeneingang zum Alten Gießener Friedhof. Das linke Kreuz markiert das Grab von Leutnant Hans Neuenhagen. Das rechte Kreuz steht für Oberleutnant Berthold Neuenhagen. Leider sind die Inschriften im Holz schon stark verwittert und nur undeutlich lesbar.

Hans Neuenhagen wurde am 01.04.1898 in Gießen geboren Er diente im Ersten Weltkrieg in der 3. M.G. Kompanie des 398. Infanterie-Regimentes. Er fiel am 14.06.1917 im Alter von nur 19 Jahren bei der Eroberung von französischen Stellungsteilen am Chemin des Dames, nördlich Braye.

Berthold Neuenhagen war vermutlich der Bruder von Hans Neuenhagen. Er wurde am 20.07.1906 geboren und war als Oberleutnant Schwarmführer, also der Führer einer Flugformation von vier bis sechs Kampfflugzeugen. Er stürzte am 06.11.1934 während eines Schulflugs für die damals noch getarnte Luftwaffe bei Groß-Rakitt (heute polnisch, Rokity) in Pommern ab. Bei diesem Absturz einer Junkers 52 3/MGE D-AVAN Deutsche Reichsbahn, die auf dem Weg von Königsberg (heute Kaliningrad, russisch) nach Berlin war, überlebte niemand von der Besatzung. Insgesamt fünf Personen starben, Kapitän Fritz Erb, Leutnant Berthold Neuenhagen und drei Besatzungsmitglieder.

Bewohner des Dorfes Groß-Rakitt errichteten zur Erinnerung an die Opfer einen Gedenkobelisken, der noch heute auf dem Feld, auf dem das Flugzeug abstürzte, steht.

 

Das Grab von Hans und Berthold Neuenhagen

Die Beselicher Klosterbasilika

In Beselich bei Limburg an der Lahn befindet sich etwas versteckt die Ruine einer alten Kloster Basilika. Vor 1163 vermachte der Priester Gottfried von Beselich dem Kloster Arnstein eine Kapelle und stattete sie mit einem zehntfreien Hof aus. Das bildete die Grundlage für das Kloster, das Gaugraf Ludwig III. von Arnstein zwischen 1163 und 1185 auf dem Beselicher Kopf errichtete, mit Prämonstratenserinnen besetzte und diese dem Abt von Arnstein unterstellte. Der Adel der Umgebung schenkte zahlreiche Güter und Zehnten und machte Beselich zu einem reichen Adelskloster.

In der Folgezeit gab es mehrere Überfälle auf das Kloster. Von einem solchen Ende des 15. Jahrhunderts erholte es sich kaum noch. Die Reformation brachte Ende des 16. Jahrhunderts die Auflösung, weil die Nonnen den neuen Glauben nicht annahmen. Kurze Zeit dienten die Gebäude als Landeshospital. Damals entstand das Beselicher Hofhaus.

1637 übernahmen die Hadamarer Jesuiten die Gebäude und nutzten sie als Steinbruch für ihren Residenzbau. 1665 kamen sie an Nassau – Hadamar und wurden als Erbleihhof genutzt. Um 1660 erfolgte der völlige Abbruch. 1763 baute der Eremit Niederstraßen hier eine Klause mit Kapelle. Sie wurde 1767 auf den Titel „Maria Hilf“ und zu Ehren der 14 Nothelfer benediziert.

Der „Verein zur Erhaltung der Klosterruine Beselich e. V.“ übernahm 1985 die Trägerschaft und führte 1986 umfangreiche Restaurationsarbeiten durch.

Grundriss der Klosterbasilika von Beselich

Nach den Grabungs- und Baufunden zu urteilen muss die Kirche etwa um 1170 errichtet worden sein. Der Grundriss ohne Querschiff ist untypisch für diese Zeit der Hochromatik. Dies mag jedoch daran liegen, dass man die Kirchen der Nonnenklöster im Zisterzienser- und Prämonstratenserorden bewusst einfach gestaltete, da sie nicht als Pfarrkirchen dienten. An den noch teilweise vorhandenen Westbau gliederte sich ein dreischiffiges Langhaus an, das im Chor bzw. Altarraum endete. Der Altarraum und die beiden Nebenschiffe waren durch Halbrundapsiden abgeschlossen. Die Gesamtanlage war 37 Meter lang und 18 Meter breit. Um die Basilika verlief etwa bis zum Westbau ein Außensockel, der teilweise noch sichtbar ist. In der Außenwand waren wohl auf jeder Seite fünf Fenster. Ein zweites Portal befand sich vermutlich an der Nordseite. Es ist anzunehmen, dass das Langhaus wie der Westbau an den Außenwänden Lisenen und Rundbögen aufwies. Das Mittelschiff war durch je fünf Pfeiler von den Seitenschiffen getrennt.

(Quelle: Westerwald-Verein e. V., Verein zur Erhaltung der Klosterruine Beselich e. V.)

Die Klosterbasilika vom heutigen Eingangsbereich aus betrachtet

 

Seitenansicht der Klosterbasilika
Blick ins Innere der Ruine der Klosterbasilika
Die Rückwand der Ruine

Hier ist eine Lagekarte zur Klosterbasilika von Beselich:

Die Fürstengruft in Weilburg

An jedem 17.11. eines Jahres ist die Fürstengruft in der Weilburger Schlosskirche geöffnet. In dieser Gruft unter dem Alter befinden sich die Särge mit den sterblichen Überresten der nassauischen Herrscher. Eine Besonderheit ist, dass diese Gruft exterritoriales Gebiet ist. Diese paar Quadratmeter gehören also nicht zur Bundesrepublik Deutschland, sondern zu Luxemburg. Dies hängt damit zusammen, dass die Nachkommen der einstigen Herrscher von Weilburg und Nassau die Staatsoberhäupter von Luxemburg wurden. Aktuell regiert      Großherzog Henri von Nassau-Weilburg (Heinrich I.).

Sarg 1: Elisabetha, *1579 +1655
Sarg 2: Johann Casimir, *1577 +1602
Sarg 3: Anna Maria, *1610 +1656
Sarg 4: Ernst Casimir, *1607 +1655
Sarg 5: Johann Ernst, *1664 +1719 (1675 – 1719)
Sarg 6: Maria Christiana, *1666 +1734
Sarg 7: Karl August, *1685 +1753 (1719 – 1753)
Sarg 8: Henrietta, *1726 +1757
Sarg 9: Polycena, *1663 +1725
Sarg 17: Philipp, *1597 +1621
Sarg 18: Unbekannt
Mitte: Wilhelm, *1852 +1912
Mitte: Adolf, *1817 +1905 (1839 – 1866)
Mitte: Adelheid, *1833 +1916
Mitte in einem gemeinsamen Sarg: Franz, *1859 +1875
Mitte in einem gemeinsamen Sarg: Friedrich, *1854 +1855
Mitte in einem gemeinsamen Sarg: Marie, *1857 +1857
Sarg 11: Wilhelm, *1792 +1839 (1816 – 1839)
Sarg 12: Luise, *1794 +1825
Sarg 13: Friedrich Wilhelm, *1768 +1816 (1788 – 1816)
Sarg 14: Luise Isabella, *1772 1827
Sarg 15: Carl, *1775 +1807
Sarg 16: Marie, *1764 +1803
Sarg 19: Friedrich, *1640 +1675 (1655 – 1675)
Sarg 20: Anna, *1593 +1616
Sarg 21: Magdalena, *1580 +1658
Sarg 22: Moritz, *1820 +1850
Sarg 23: Marie, *1822 +1824
Sarg 24: Auguste, *+ 1814
Sarg 25: Auguste, *1794 +1796

In einem Sammelbehälter:
Sarg 10: Prinzessin, *+1830
Sarg 26: Wilhelm der Jüngere, *1823 +1828
Sarg 27: Wilhelm der Ältere, *1819 +1823

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Eingang zur Fürstengruft unter dem Altar der Schlosskirche
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Sammelbehälter für Särge

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Sarg von Johann Ernst