Betonierter Unterstand PC 120 bei Verdun

Der Unterstand FT2 oder „PC 120“ liegt bei Verdun hinter der Anhöhe Froideterre, zum Weinberghang „Ravin des Vignes“ hin, und war ursprünglich als Infanterie-Verbindungselement zwischen Froideterre und Thiaumont gedacht. Er war 1911 errichtet worden und bestand aus einem kleinen Bau und zwei gewölbten Stahlbetonbunkern, der, solange er im Zentrum der Schlacht zum Liegen kam, eine der wenigen Schutzmöglichkeiten darstellte. Deshalb war er besonders im Sommer 1916 eines der Nervenzentren dieses in der französischen Verteidigung die entscheidende Rolle spielenden Sektors der Anhöhe Froideterre. Da er für mehrere Aufgaben benutzt wurde, waren hier verschiedene Befehlsstände gleichzeitig untergebracht. Eine der Revierstuben stand außerdem als Sanitätsstelle den Verwundeten zur Verfügung.

Zu diesem Unterstand, der nur 400 Meter vom Unterstand PC 119 entfernt liegt, flüchteten sich die abgehetzten und verletzten Verbindungsmänner, die sich erschöpft von ihrem Irrlauf durch das Niemandsland von Einschlagloch zu Einschlagloch, an Leichen und Geschütztrümmern vorbei und in ständiger Angst sich zu verirren, noch bis hierher hatten retten können. Viele kamen nicht an, wurden von einem MG-Kugel getroffen, von Granatsplittern zerrissen oder im gegnerischen Sperrfeuer nieder gestreckt. Sobald sie ihre Nachricht übermittelt hatten, kehrten die Läufer nach einer kurzen Rast und einer kleinen Stärkung an der noch unbeschädigten Wasserzisterne zu ihrer Stellung zurück. Dieses Wassersammelbecken war ein unschätzbarer Versorgungspunkt, obwohl das Wasser „kreidig und übelriechend“ war und oft mit blau-weiß-roten Chlortabletten „verdunisiert“ werden musste (nach der Stadt Verdun benanntes, damals erfundenes Chlorverfahren).

Von hier aus wurden auch Informationen ins Hinterland gegeben – durch optische Signale, soweit das Wetter, der Rauch, der aufgewirbelte Staub und die Explosionen dies zuließen, oder per Telefonleitung – falls diese gerade funktionierte, denn die auf der Erde verlegten Leitungen waren trotz unermüdlichen Einsatzes der Fernmeldetruppen ständig unterbrochen. In besonderen Notsituationen wurden von Stellungen mit Taubenschlag Brieftauben abgeschickt, doch selbst diese erreichten in der mit Rauch und Gasen verpesteten Luft nicht immer ihr Ziel. Die letzte und gefährlichste Möglichkeit zur Übermittlung von exakten Nachrichten war dann der durch die Linien geschickte Läufer. Für einfache Informationen, d. h. zur Anforderung von Artilleriebeistand oder zum Einsatz oder Abzug von Sperrposten genügten Leuchtraketen.

Deutsche Artilleriestellung in der Nähe des Thiaumont

Sehr deutlich sind die Geschützpositionen und die Granattrichter zu erkennen

Bis weit in den Wald reichen die ehemaligen Stellungen. Teilweise sind sie heute zugewuchert.

Volltreffer
Trotz eines Volltreffers noch gut erhalten

Das Schicksal des Leutnants Hermann Schmandt

Leutnant Hermann Schmandt diente in der 8. Kompanie des Ersatz-Infanterie-Regiments Nr. 28. Er fiel am 20.09.1917 während der Flandern-Schlacht. Hierzu berichtete der Sanitäts-Unteroffizier Hermann Schaffhauser:

„Der englische Angriff hat in der Frühe begonnen. Ich bin als Sanitätsunteroffizier bei dem Kompanieführer Leutnant der Reserve Schmandt. Unser Häuflein wird immer kleiner, wir haben fast keine Munition mehr und ziehen die Patronen mit den Fingern aus dem Gurt des zerschossenen MG. Doch das hilft nicht viel. In dichten Wellen kommen die Engländer mit gefälltem Bajonetten auf uns zu. Sie treiben uns paar Leute wie gefährliche Bestien in ein Grabenstück und setzen uns die Bajonette auf die Brust. Ich deute auf mein rotes Kreuz. Ein englisches Kommando – die Gewehre werden weggerissen, wir sind Gefangene. Unser treuer und mutiger Kompanieführer Leutnant Schmandt aber wird von zwei Engländern an den Grabenrand gestellt und als Gefangener, waffen- und wehrlos durch Bajonettstiche in die Brust ermordet. Diese feige Tat werde ich den Engländern nicht vergessen.“

Hermann Schmandt liegt heute in einem Massengrab auf dem Kriegsgräberfriedhof Langemark.

Ergänzung: Das Grab Hugo Bielenbergs

Hugo Bielenberg in einem Schützengraben am Hartmannsweilerkopf

Während meiner letzten Exkursion habe ich das Grab von Vizefeldwebel Hugo Bielenberg besucht. Er fiel am 21.12.1915 als Vizefeldwebel und Kriegsfreiwilliger in der 1. Kompanie des Großherzöglich Mecklenburgischen Jäger-Bataillons Nr. 14 bei den Kämpfen am Hartmannsweilerkopf. Er wurde 63 Jahre alt und wohnte zuletzt in Kopenhagen. Begraben liegt er auf der dem Soldatenfriedhof in Guebwiller (Frankreich), Block 5 Grab 1. In einem Buch zur Geschichte seines Regimentes im 1. Weltkrieg war ich auf seinen Namen und sein Foto gestoßen. Aufgrund seines hohen Alters war ich neugierig geworden. Was macht ein Mann in so einem Alter noch als aktiver Soldat im Krieg? Wieso verließ er Kopenhagen, um im Ersten Weltkrieg für sein Vaterland zu kämpfen? Trotz einiger Recherche konnte ich bislang nicht viel hierzu in Erfahrung bringen.

Seine Schule, die Herderschule Rendsburg, gedenkt noch heute Hugo Bielenberg auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2011/rendsburg_(herderschule)_wk1_wk2_sh.html

Sein Grab (siehe Foto) liegt jedenfalls sehr schön. Es befindet sich am Kopf des Friedhofs, der wiederum an einem Waldrand von Guebwiller befindet. Auf dem Friedhof befinden sich sowohl Gräber gefallener Deutscher, wie auch gefallener Franzosen, wodurch wenigstens im Tode eine Verbindung geschaffen wurde. Die Anlage ist sehr schön gestaltet.

 

 

 

Das Grab von Hugo Bielenberg

Die Männer des Ersten Weltkriegs: Vizefeldwebel und Kriegsfreiwilliger Hugo Bielenberg (63 Jahre)

Bei meiner morgen beginnenden Exkursion zum Hartmannsweilerkopf werde ich auch das Grab von Hugo Bielenberg besuchen. Er fiel am 21.12.1915 als Vizefeldwebel und Kriegsfreiwilliger in der 1. Kompanie des Großherzöglich Mecklenburgischen Jäger-Bataillons Nr. 14 bei den Kämpfen am Hartmannsweilerkopf. Er wurde 63 Jahre alt. Begraben liegt er auf der Kriegsgräberstätte in Guebwiller (Frankreich), Block 5 Grab 1.

Der Bericht meines Besuchs ist hier zu lesen.

Munitionsdepot unterhalb des Thiaumont

Wegweiser zum ehemaligen Depot an der Straße
Eingang zum Depot

leider war das Gebäude aufgrund des starken Regens überschwemmt

Deutlich sichtbar sind die Einschlagslöcher der Granaten und Mienen

Infanterie-Zwischenwerk der Franzosen

Lüftungskanäle

 

Die ehemaligen Toiletten
Befestigter Schützengraben oberhalb des Gefechtsstands MF 2
Stahlschutzschild
Die deutlich sichtbaren Dellen im Stahl stammen von aufprasselnden Kugeln der Deutschen

Ersatz-Infanterie-Regiment Nr. 28

Regimentskommandeur : Oberstleutnant Heinrich Krebs (1916  – 1918), gestorben 1921

Das Regiment wurde ursprünglich gebildet aus

Bataillon 55 (Karlsruhe) Regimenter 109 und 110, Kommandeur Major von Schönbeck

Bataillon 56 (Rastatt) Regimenter 111 und 40, Kommandeur Major von Holstein

Bataillon 57 (Freiburg) Regimenter 113 und 114, Major von Trott zu Solz

Eintritt in den Krieg: 16.08.914

Einsätze

1914 Oberelsass, Lothringen, Vogesen
04.10.1914 – Ende 1914 Priesterwald (Brigade 55)
01.01.1915 – 29.01.1916 Villers-sous-Preny
1915 Kuhkopf

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Abri-caverne quatre Cheminèes / Vier Schornsteine

Bei dem Abri Caverne des Quatre Chemineès handelt es sich um einen unterirdischen Schutzbunker, der sich auf der Anhöhe Froideterre befindet. Etwa 10 Monate rückte er während der Schlacht um Verdun in den Mittelpunkt des Geschehens. Der Schutzbunker war für die französischen Ablösetruppen ein wichtiges Bauwerk auf dem Weg vom Weinberghang (Ravin de Vigines) zum Hochplateau Thiaumont oder nach Fleury.

Der Schutzbunker war 1890 zur Unterbringung von 200 Reservisten angelegt worden. Er besteht aus einem unter den Fels geschlagenen Stollen, der als Befehlsstabsquartier und Sanitätsstelle genutzt wurde und etwa 8 Meter lang war.

Ein junger Leutnant berichtet aus dem Jahr 1916, als die Kämpfe um den Schutzbunker einen Höhepunkt erreicht hatten: „Wir haben dort sieben Tage zugebracht, ohne zu schlafen, Tag und Nacht ununterbrochenes Kanonenfeuer. Die Erdabdeckungen wurden ständig aufgerissen, aufgewühlt und aufgeworfen, änderten stündlich seine Form.“

In dem Befestigungsbunker hielten sich ständig Sterbende und Verletzte auf, die man nicht abtransportieren konnte, erschöpfte Meldegänger, abgekämpfte Soldaten und übermüdete Befehlshaber auf. Die Sicherheit der Menschen hing davon ab, ob die kämpfenden Kameraden die wenige hundert Meter entfernte Frontlinie hielten.

Die schlimmsten Tage des Bunkers waren der 22. und 23.06.1916. Die deutschen Truppen wollten noch vor dem Einsetzen der Offensive an der Somme den Verteidigungsgürtel Froideterre sprengen. Hierzu setzen sie eine bis dahin nie erlebte Masse an Soldaten und Kriegsmaterial ein. Ab dem 20.06.1916 wurde die Befestigung Froideterre unablässig bombardiert und die Festungsanlage Thiaumont zerstört. Am Abend des 22.06.1916 gingen alleine 100.000 Giftgasgranaten auf das Schlachtfeld nieder und legten die französische Verteidigung lahm. Für die Menschen im Schutzbunker Abri Caverne des Quatre Chemineès brachten die Gasgranaten den sicheren Tod. Die im Bunker liegenden Schwerverletzten wurden alle vergiftet, die meisten unter ihnen, die keine geeigneten Gasmasken hatten, erlitten schreckliche Todesqualen. Schneeweiße, von unerträglichen Krämpfen refurchte Gesichter, in die Brust gekrallte Finger.

Am 23.06.1916 erfolgte der deutsche Angriff mit 50.000 Mann auf breiter Front mit Rauchbomben und Flammenwerfern. Die französischen Verteidigungsanlagen wurden überrannt. Um 9:30 Uhr erreichten sie die Befestigung Froideterre, besetzten das Dach und beschossen die Eingänge. In die Luftschächte warfen sie Granaten, sodass im Inneren Panik ausbrach. Zwar drohte die französische Front zu brechen, jedoch wichen die deutschen Truppen erschöpft während eines Gegenangriffs der Franzosen zurück.

Die Anlage ist gut ausgeschildert und kann, soweit nicht eingestürzt, besichtigt werden. Sie ist gut erhalten.

(Stand: Frühjahr 2010)

Hinweisschild auf den Schutzbunker an der Straße
Nach fast 100 Jahren sind die Granateinschläge und Granattrichter noch deutschlich sichtbar
Im Hintergrund sind die Belüftungsschächte zu sehen

Ein Eingang in die Stollen des Befestigungsbunker
Ein zerstörter Vorbau des Befestigungsbunkers
Denkmal für Pierre Cazalis de Fondouce, gefallen am 8. August 1916

Zwar ist der Zutritt zur Befestigungsanlage verboten, jedoch sind alle Türen offen und der Zugang frei

Der Befestigungsstollen von innen
Der Eingangsbereich von innen betrachtet
Ein Kamin des Schutzbunkers
Der Bunker ist innen mit einer Klinkerwand ausgegleidet. Dahinter befindet sich ein Hohlraum zum Felsen.
Nach fast 100 Jahren zerfällt die gemauerte Wand langsam.
Blick von oben in einen Belüftungsschacht
Der Kopf eines Belüftungsschachts

Blick über den Wald

La Tranchée des Baïonnettes

Nachfolgend finden Sie Bilder vom Denkmal La Tranchée des Baïonnettes. Es befindet sich auf dem Schlachtfeld von Verdun.

Nach dem 1. Weltkrieg fand man einen zugeschütteten Schützengraben, aus dem noch Bajonette herausragten. Der Graben befand sich am Thiaumont (Ravin de la Dame bzw. Ravin de la Mort – Totenschlucht). Lange Zeit erzählte man sich, in dem Graben befänden sich Soldaten des 137. französischen Infanterieregimentes, die lebend durch Granateinschlag stehend begraben worden seien.

Spätere Recherchen ergaben, dass dies nicht der Wahrheit entsprach. In Wirklichkeit wurden die Soldaten bei einem deutschen Angriff am 13.06.1916 getötet und sind in ihrem Graben liegen geblieben. Die deutschen Soldaten beerdigten die französischen Soldaten und markierten mit deren Gewehren die Grabstelle. Durch eine spätere Exhumierung wurde dieses Geschehen bestätigt. Vier Soldaten konnten nicht identifiziert werden.

Ein amerikanischer Industrieller stiftete den Denkmalsbau.

Die Bajonette wurden von pietätlosen Touristen im Laufe der Jahre abgerissen.

Eingang zum Denkmal

Die Front des Denkmalbaus, der den Graben abdeckt
der abgedeckte Graben von innen

Grab eines unbekannten französischen Soldaten

Der Gewehransatz, auf dem einst das Bajonett montiert war
Imposante Eingangstür zum Denkmal

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