Sonderbeitrag: Wilhelm Feller

Der Soldat Wilhelm Feller stammte aus der hessischen Stadt Lollar. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Hauptmann und Kompanieführer in der 6. Kompanie des 112. Infanterie-Regiments. Am 21.08.1914 (Regimentsgeschichte und Volksbund: 20.08.1914) fiel er während der Kämpfe in Lothringen nahe der Ortschaft Saarburg (französisch: Sarrebourg).

Über den Todestag und die Todesumstände von Wilhelm Feller berichtet die Regimentsgeschichte des 112. Infanterie-Regiments:

„20. August: Allgemeine Lage: Der Feind war der ausweichenden 6. Armee nur langsam und zögernd gefolgt. Um Klarheit zuschaffen, ob ein feindlicher Hauptangriff durch Lothringen bevorsteht, entschließt sich der Führer der 6. Armee mit 6. und links anschließender 7. Armee zum Angriff überzugehen. 9:15 vorm. entwickelt sich das Regiment zum Angriff. RechterFlügel geht auf Kapelle südlich Saarburg, linker Flügel auf Kirchturm Bühl. Es sind eingesetzt: rechts III., links II., I. folgt hinterder Mitte. Beim Ueberschreiten des Bahndammes ostwärts Saarburg erhalten die Kompagnien Infanteriefeuer aus Richtung Riedinger Bahnhof. Der Angriff geht zunächst durch den Wustholz Wald durch und dann gegen Bühl. 1:45 ist der Ort Bühl, den der Feind heftig verteidigte, genommen und 100 Gefangene gemacht. Mit neugeordneten Verbänden steht das Regiment 3:00 nachm. am Westrand Bühl, die Reserve am Nordausgang des Ortes. Gegen 5:30 nachm. geht der Angriff auf die Höhen südlich Saarburg weiter. Der rechte Flügel des Regiments an der Straße Bühl, Saarburg erhält heftiges Infanteriefeuer aus den Kasernen und Friedhof Saarburg. 2 Kompagnien des Reserve-Bataillons werden am rechten Flügel eingesetzt, der Angriff geht langsam weiter. UmSaarburg wird vom I. Bahr. A.K. noch hart gekämpft. Endlich ist Saarburg genommen, die feindliche Infanterie geht hinter die Höhen südlich Saarburg zurück. Das Regiment erhält 6:40 nachm. den Befehl sich hinter der Höhe dicht südlich Saarburg zu sammeln. Während des Sammelns erfolgt ein feindlicher Gegenangriff vom Mückenhof und dem Rhein-Marne-Kanal her, der unter schwerenVerlusten für den Feind abgewiesen wird. Die Nacht verbringt das Regiment auf dem Sammelplatz. Auf der ganzen Linie zwischen Metz und den Vogesen waren die Franzosen geworfen. Die 6. und 7. Armee setzen am folgenden Tagdie Verfolgung fort.“

Man begrub Wilhelm Feller auf dem Soldatenfriedhof Plaine-de-Walsch in Grab 39.

Die Todesanzeige für Wilhelm Feller im Gießener Anzeiger

Sonderbeitrag: Willi Fink

Der Soldat Willi Fink stammte aus der hessischen Universitätsstadt Gießen. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Granadier in der 9. Kompanie des 2. Garde-Reserve-Regiments. Am 17.08.1916 fiel er während der Schlacht an der Somme.

Man begrub Willi Fink auf dem Soldatenfriedhof Maissemy in Block 2, Grab 1.319.

Todesanzeige für Willi Fink im Gießener Anzeiger

Sonderbeitrag: Eugen Wirth

Der Soldat Eugen Wirth stammte aus der Stadt Eppingen im heutigen Bundesland Baden-Württemberg. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als kriegsfreiwilliger Oberjäger in der 3. Kompanie des Garde-Schützen-Bataillons. Man zeichnete ihn mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse und mit der badischen Tapferkeitsmedaille aus. Am 13.08.1916 fiel er während der Kämpfe in den Vogesen im Alter von 20 Jahren durch schwere Verwundung nahe Schweighausen bei Thann (französisch: Schweighouse-Thann).

Man begrub Eugen Wirth auf dem Soldatenfriedhof Cernay in Block 6, Grab 257.

In seiner Heimatstadt Eppingen gedenkt man Eugen Wirth noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2017/eppingen_lk-heilbronn_wk1_wk2_bw.html

Die Todesanzeige für Eugen Wirth im Gießener Anzeiger

Sonderbeitrag: Karl Kirchmann

Der Soldat Karl Kirchmann wurde am 17.10.1896 im Pohlheimer Stadtteil Hausen in Hessen geboren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Musketier in der 4. Kompanie des 116. Infanterie-Regiments (Kaiser Wilhelm). Am 15.09.1916 fiel er im Alter von 19 Jahren in Frankreich bei Moislains.

Die Lage des Grabes von Karl Kirchmann ist unbekannt. Er wurde jedoch vermutlich im rund 6 Kilometer von seinem Sterbeort entfernten Soldatenfriedhof Rancourt anonym in einem Massengrab beigesetzt.

Hintergrund: Da Moislains über weite Strecken des Krieges hinter der deutschen Frontlinie lag, befand sich am nordöstlichen Dorfrand ein deutsches Feldlazarett mit angeschlossenem Friedhof (Moislains German Hospital Cemetery), auf dem 281 deutsche Soldaten lagen.

Frankreich gestattete nach dem Krieg keine verstreuten deutschen Gräber auf Gemeindegrundstücken. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge überführte die Toten aus dem Raum Moislains deshalb fast vollständig auf den nahegelegenen Deutschen Soldatenfriedhof Rancourt (etwa 6 Kilometer entfernt). Dort ruhen heute mehr als 11.400 deutsche Gefallene der Somme-Schlachten. Einzelne Soldaten wurden zudem auf den Soldatenfriedhof in Cambrai verlegt.

Die Todesanzeige von Karl Kirchmann im Gießener Anzeiger

Sonderbeitrag: Karl Rühl

Der Soldat Karl Rühl stammte aus der hessischen Universitätsstadt Gießen und war Finanzaspirant. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Vizefeldwebel der Reserve und Offiziersaspirant in der Maschinengewehr-Kompanie des 88. Infanterie-Regiments. Früher kämpfte er als Kriegsfreiwilliger im 222. Infanterie-Regiment. Am 31.08.1916 fiel er während der Schlacht an der Somme bei Longueval Alter von 23 Jahren.

Die Lage des Grabes von Karl Rühl ist unbekannt.

Die Todesanzeige für Karl Rühl im Gießener Anzeiger

Sonderbeitrag: Ernst von Pentz

Der Soldat Ernst von Pentz wurde am 07.12.1877 in der hessischen Stadt Fulda geboren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Hauptmann und Bataillonsführer in der Leib-Kompanie des 116. Infanterie-Regiments. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet. Am 16.09.1916 (Volksbund: 17.09.1916) fiel er während der Abwehr feindlicher Angriffe nahe der Ortschaft Moislains.

Über den Todestag und die Todesumstände von Ernst von Pentz berichtet die Regimentsgeschichte des 116. Infanterie-Regiments:

Der zweite Tag an der Somme war ein ziemlich getreues Abbild seines Vorgängers. Über 20 englische und französische Divisionen griffen an diesem Tage auf 45 km breiter Front die deutschen Linien an. Während der Vormittag verhältnismäßig ruhig verlief, steigerte sich das feindliche Feuer, wiederum geleitet von zahlreichen Fliegern, am Nachmittag bald zum Trommelfeuer. Auch Gasgranaten fielen auf das rückwärtige Gelände. Um 4 Uhr nachm. entwickelte sich der erste feindliche Angriff aus Bouvancées heraus nach Norden gegen die Stellungen südlich von Rancourt. Er brach wie am Vortage unter dem flankierenden Feuer unserer Bataillone bald zusammen. Zwei weitere Angriffe um 5 Uhr und 6 Uhr nachm. erstickten zum Teil schon in dem Sperrfeuer unserer Artillerie. Ununterbrochenes Trommelfeuer auf die Stellung des Regiments dauerte aber dann bis 8 Uhr nachm. Der Gegner mit aller Kraft noch einmal in mehreren Wellen gegen unsere Kompagnien vor. Doch auch diesmal blieb ihm der Erfolg versagt: Unter dem rasenden Sperrfeuer der Artillerie, dem unermüdlichen Knattern der Gewehre und dem durchschlagenden Schießen der Maschinengewehre konnte keine anlaufende Welle bleiben liegen, die Trümmer fluteten in wildem Durcheinander in die Ausgangstellung und ins Dorf zurück. Auch die Angriffe gegen unsere Schwesterregimenter weiter links, wo man farbige Franzosen anlaufen sah, hatten dasselbe Schicksal. Ein Tagesbefehl der Gruppe Schenk, die durch eine Brieftaubenmeldung des III. Batls. unverzüglich über den Verlauf des Tages unterrichtet worden war, sprach den westfälischen, württembergischen, hessischen und nassauischen Truppen der vier unterstellten Divisionen, insbesondere aber dem Regiment 116 das höchste Lob für die bei der Abwehr bewiesene Heldenhaftigkeit aus. Leider war auch diesmal der Erfolg mit einem Verlust von 135 Mann erkauft.

Die vorn liegenden Kompagnien bedurften dringend der Ablösung. Deshalb wurde das I. Batl., das wenige Stunden zuvor seine Kompagnien gewechselt hatte, das I./80 erlebte und rückte in den Kanal, die Straße Moislains–Bouvancées bildete also von jetzt ab die Grenze zwischen der 21. und 25. I.D. Das III. Batl. wurde durch das II. abgelöst und bezog mit zwei Kompagnien die Alainestellung; die beiden anderen wurden in der Kanalstellung eingesetzt. Die nächsten vier Tage brachten keine Wiederholung der Infanterieangriffe, so dass man an die allenötigeste Ausarbeitung der Stellung denken konnte. Zwar gingen in den Abendstunden mehrmals rote Leuchtkugeln hoch, und die Kompagnien wurden bereitgestellt, aber es handelte sich dabei nur um schwächere Vorstöße gegen die Nachbarabschnitte, während im Regimentsabschnitt selbst nur wenige Leuchtkugeln hochgeschossen wurden. Auch die Fliegertätigkeit ließ bei dem trüben Wetter beträchtlich nach. Nur die feindliche Artillerie zeigte die alte Lebhaftigkeit und überschüttete in äußerst heftigen Feuerüberfällen die vordere Linie und die Allainzstellung, aber auch den Kanal und die südlich von ihm gelegene Artilleriemulde mit einem Hagel von Geschossen aller Kaliber. Hier fand der tapfere Führer der I. Batls., Hptm. v. Pentz, den Heldentod. Der letzte Hauptmann des Regiments, der seit Beginn des Krieges trotz mehrfacher Verwundung an allen Gefechten teilgenommen, wie ein Vater geliebt von seinem Bataillon, das er seit zwei Jahren führte, fiel er zusammen mit seinem tüchtigen Ordonnanzoffizier, Lt. d. R. Bazlen, bei der Sorge um die Unterbringung seiner Kompagnien im Kanal. Eine größere Schreckenskunde ist selten durch das Regiment gegangen. Hptm. Müller übernahm die Führung des verwaisten Bataillons. Auch Oberlt. d. R. Keicher, der Führer der 5. Komp., zählte zu den Opfern dieser Tage. Lt. d. R. Rabenau wurde verwundet. Für den durch Granatsplitter verwundeten Regimentskommandeur, Oberstlt. Hasße, übernahm Major v. Westernhagen vom I.R. 115 die Führung des Regiments.

Man begrub Ernst von Pentz auf dem Soldatenfriedhof Cambrai in Block 5, Grab 336.

Die Todesanzeige für Ernst von Pentz im Gießener Anzeiger

Sonderbeitrag: Heinrich Dern

Der Soldat Heinrich Dern stammte aus Langsdorf, einem Stadtteil der hessischen Stadt Lich. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Unteroffizier in der 1. Kompanie des 87. Reserve-Infanterie-Regiments. Er wurde mit der Hessische Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Am 21.08.1916 fiel er während der Schlacht um Verdun. Er wurde während der Kämpfe im Chapitre-Wald – der Souville-Schlucht – und Bergwald getötet.

Die Lage des Grabes von Heinrich Dern ist unbekannt.

In seinem Heimatort Langsdorf gedenkt man Heinrich Dern noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2017/langsdorf_stadt-lich_lk-giessen_wk1_wk2_hs.html

Die Todesanzeige des Turnverein Lich-Langsdorf für Heinrich Dern im Gießener Anzeiger

Sonderbeitrag: Wilhelm Speier

Der Soldat Wilhelm Speier stammte aus Wißmar, einem Stadtteil der hessischen Stadt Wettenberg. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Gefreiter in der 12. Kompanie des 88. Infanterie-Regiments. Am 03.09.1916 wurde er während der Schlacht an der Somme bei Guillemont und Ginchy schwer verwundet. Fünf Tage später, am 08.09.1916 starb er in Longueval an seinen Wunden.

Man begrub Wilhelm Speier auf dem Soldatenfriedhof Maissemy in Block 4, Grab 480.

Die Todesanzeige für Wilhelm Speier im Gießener Anzeiger

 

Sonderbeitrag: Willy Schermuly

Der Soldat Willy Schermuly stammte aus Niederhausen, Oberlahnkreis. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Musketier in der 120. Kompanie des 116. Infanterie-Regiments. Am 30.09.1916 fiel er während der Schlacht an der Somme.

Man begrub Willy Schermuly auf dem Soldatenfriedhof Maissemy in Block 3, Grab 877.

Die Todesanzeige für Willy Schermuly im Gießener Anzeiger

Sonderbeitrag: August Volkmann

Der Soldat August Volkmann stammte aus der hessischen Gemeinde Heuchelheim. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Landwehrmann (Krankenträger) in der 3. Kompanie des 80. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 24.08.1914 fiel er an der Westfront in Frankreich nahe der Ortschaft Tremblois-lès-Carignan in den Ardennen.

Über den Todestag und die Todesumstände von August Volkmann berichtet die Regimentsgeschichte des 8. Reserve-Infanterie-Regiments:

Das Gefecht bei Tremblois
24. August 1914

Am 24. August trat die 21. R.D. um 6 Uhr vormittags den weiteren Vormarsch über Chaillepierre auf Matton an. R.I.R. 80, das die Vorhut bildete, schickte III. R.I.R. 80 als Vortrupp voraus. Um 10.30 Uhr vormittags hatte der Vortrupp mit dem Anfang den Wegestern südlich Chaillepierre erreicht, da machte die Division halt: die aktive 21. I.D. trugte ihren Weg. Die Rast dauerte bis etwa 12.45 Uhr. Sie wurde von sehr vielen Böern dazu benutzt, in dem feuchten Flüsschen Semois ein erfrischendes Bad zu nehmen, ein fast friedensmäßiges Bild kurz vor dem Ernst des Kampfes. Gegen 1 Uhr wurde der Marsch fortgesetzt, er führte um 1.15 von der Weggabel dicht südwestlich Florenville in Richtung Tremblois. Mit kräftigem Hurra und nach dreiviertelstündigem Marsch die am Nordrande des Bois du Banel sich hinziehende französische Grenze überschritten.

Aus der Vortrupp vom Südrand des Waldes zum größten Teil verlassen und die Spitzenkompanie sich Tremblois bis auf etwa 600 Meter genähert hatte, schlug ihr plötzlich starkes Artillerie- und Infanteriefeuer entgegen. Die feindliche Artillerie stand auf den Höhen südlich und südwestlich von Tremblois. Sie sandte ihr sehr geschickt geleitetes, überaus wirksames Feuer vor allem vor und in den Bois du Banel, der voller Truppen steckte. Hier war nämlich das Gros der 41. R.D. versammelt. Da das Artilleriefeuer sehr kräftig eingesetzt hatte und im Walde sofort Verluste eintraten, kam es an einigen Stellen vorübergehend zu recht ungeordneten Auflockerungen der Verbände. In dem meist unübersichtlichen Waldgelände wurden, während Schrapnells und Granaten einschlugen, die Kompanien der I. und III. R.I.R. 80 und R.I.R. 87 zum Gefecht entfaltet. R.I.R. 87 rechts und links neben R.I.R. 80, z.T. auch in R.I.R. 80 eingeschoben. Inzwischen hatte sich der Vortrupp sprungweise gegen Tremblois vorgearbeitet; dabei wurde festgestellt, daß Tremblois und die Höhen und Hänge südlich und nördlich von Les Quatre Villes von feindlicher Infanterie stark besetzt waren. Als auf 200 Meter waren die ersten Kompanien an das Dorf herangekommen, dann blieben sie liegen; sie konnten infolge des Sperrfeuers, den die Artillerie und Maschinengewehre des Gegners um Tremblois herumlegten, nicht weiter vordringen. Man tat gut daran, sich einzugraben und zu halten. Und die Mehrzahl der Infanteristen hatte sich gerade dazu entschlossen. I.R. 21 war vor dem Walde zum Stellung gegangen, da brach auch schon ein verheerendes Artilleriefeuer auf sie herein. Heldenhaft hat damals diese Abteilung ausgehalten.

Obwohl die Batteriestellungen vom Feinde eingesehen waren, obwohl eine Gruppe Granaten nach der anderen auf und zwischen die Geschütze sauste, sodaß buchstäblich Geschützteile und Menschen durch die Luft gewirbelt wurden, hat sie bis zum äußersten versucht, die feindliche Artillerie zum Schweigen zu bringen und durch Bekämpfung der feindlichen Infanterie unserer Infanterie den Weg zum Sturm auf Tremblois freizumachen. Gegen die überlegene Artillerie der Franzosen kam sie zwar nicht auf, gegen die Infanterie aber wirkte sie mit sichtlichem Erfolge. Einige Geschütze wurden in oder unmittelbar hinter den in 2. Linie folgenden Angriffstruppen in Stellung gebracht. Ein packender Anblick war es, als unsere Infanteristen an den Waldrand zurückliefen und aus einem Artilleriemunitionswagen die schweren Geschosskörbe herbeiholten, damit die Artillerie, der die Munition ausgegangen war, weiterfeuern konnte. So half die eine Waffe der andern, ein erhebendes Beispiel treuester Kameradschaft.

Während die vordersten Kompanien vor Tremblois festlagen, hatten sich auch die andern Bataillone des Regiments entwickelt. Teile des I. Bataillons schoben sich in die erste Kampflinie ein oder verlängerten sie nach rechts, andere aber verblieben im Walde oder kurz vor dem Walde, da das entsetzliche Artilleriefeuer ihnen das Vorgehen unmöglich machte. Ähnlich lagen die Verhältnisse beim II. Bataillon, das anfangs als Reserve am Südrand des Bois du Banel zurückgehalten, dann aber mit allen Kompanien eingesetzt wurde: von der 6. kam nur ein Zug gut vorwärts, Teile der 8. zogen sich später wieder in den Wald zurück. Sie waren in mörderisches Maschinengewehrfeuer geraten. Der 5. Kompanie und einem Zug der 7. Kompanie gelang es, sich bis zur vordersten Linie vorzuarbeiten. Unsere M.G.K. fand leider nicht Gelegenheit zum Eingreifen. Als sehr verhängnisvoll erwies es sich, daß die Kanoniere, deren Geschütze zerschossen waren, sich aus dem Artilleriefeuer in den Wald zurückzogen, was an sich durchaus berechtigt war, da sie ja nach der Vernichtung ihrer Waffe der Infanterie doch nicht mehr nützen konnten. Einige der in ihrer Nähe befindlichen Infanteristen aber folgten leider ihrem Beispiel, ohne sich darüber klar zu werden, daß ihr Verhalten strafbar war. Die 4. Kompanie, die bereits hundert Meter vor dem Waldrand lag, wurde durch einen Befehl – angeblich von der Brigade – bedauerlicherweise sogar zum Zurückgehen gezwungen. So trugen verschiedene unglückliche Umstände dazu bei, daß der Angriff auf Tremblois zunächst einen wenig günstigen Verlauf nahm. Erst als nachmittags zwei schwere Feldhaubitzbatterien der 25. R.D., die in einer Senke zwischen Floremville und dem Bois du Banel aufgestellt waren, Tremblois und die französischen Batteriestellungen unter Feuer nahmen und Schützenlinien der hessischen Division die rechte Flanke der Franzosen bedrohten, konnte unsere Infanterie zum letzten Sturm vorbrechen. Um 7.15 Uhr abends war Tremblois in den Händen des Regiments. Nur wenige Gefangene wurden gemacht; die Besatzung des Dorfes und der an den Hängen südlich des Dorfes angelegten Schützengräben hatte sich, soweit sie noch lebte und marschfähig war, rechtzeitig in Sicherheit gebracht. Durch die Beschießung mit schwerer Artillerie war ein großer Teil des Dorfes in Brand geraten. Das Feuer griff immer weiter um sich. Schaurig war das Bild, das sich den siegreichen Stürmern bot: Turmhohe Flammen, einstürzende Wände und Dächer, in den Gassen umherirrende Bewohner, halb wahnsinnig vor Schrecken, fliehende Pferde, Kühe und Schweine, die in den Stallungen langsam verbrennen mußten. Nur in wenigen Fällen war Rettung oder schnelle Tötung möglich. Die Furchtbarkeit des Krieges für Menschen und Tiere wurde uns damals mit erschütternder Eindringlichkeit bewußt.

Während der größte Teil des Regiments sich im oder bei dem brennenden Tremblois befand, hatte sich das III. Bataillon, das sich im Bois du Banel etwas zurückgezogen, allmählich wieder gesammelt. Unter den im Walde zurückbleibenden 80ern und 87ern tauchte plötzlich das Gerücht auf, daß französische Infanterie durch die vorderste Linie durchgebrochen sei und im Wald eingebrochen sei. Das führte zu einer gewissen Unruhe. Division, Divisionsstab, Generalleutnant Oidtmann, der Führer der 42. Brigade, war inzwischen von der Straße Floremville–Tremblois her im Walde, erhielt darauf den Befehl, die Franzosen aufzufangen. In der Regimentsgeschichte des R.I.R. 81 lesen wir über die weiteren Geschehnisse folgendes:
„Durch den erst lichten, dann immer dichter werdenden Laubwald trat das mit seinen drei Bataillonen nebeneinander formierte Regiment (R.J.R. 81) etwa um 7 Uhr abends in geschlossenen Kolonnen an. Vor ihm das R.J.R. 88 in Schützenlinien. Hin und wieder plaste ein Schrapnell über den Bäumen, ohne Schaden anzurichten. Infanteriefeuer war nur aus der Ferne zu hören. Die Gewehre waren leider nicht entladen worden, wie man es beim Angriff im dichtsten Wald stets tun sollte.

Die Tamboure schlugen, Hornisten bliesen! — Plötzlich rasendes Infanteriefeuer der vorderen Linie, die auf den Feind gestoßen zu sein schien. Das war für die zweite Linie der Brigade das Signal, in ein nicht enden wollendes Hurra auszubrechen. Mit diesem donnernden Zeichen seiner Begeisterung wurde der Angriff des Regiments fortgesetzt, bis der Waldrand nordöstlich Tremblois erreicht war.

Nicht unerhebliche Verluste waren nur durch plötzliches Infanteriefeuer eingetreten; denn die Meldung über das Eindringen von Franzosen in den Wald hatte sich als falsch herausgestellt.“ An diesem „Angriff“ waren auch die im Bois du Banel verbliebenen 80er und 87er beteiligt. Sie stießen an diesem Abend nicht mehr zu ihrer Truppe, die etwa 500 Meter nördlich von Tremblois am Fuße des Hügels biwakierte, sondern verbrachten die Nacht in der Nähe des Jollhaus (Quenne) am Waldrande.

Trotz des überwältigenden feindlichen Artilleriefeuers waren die Verluste des Regiments nicht so groß, wie man zuerst fürchtete. Es fielen Leutnant Brosius (Adjutant des I. Bataillons) und Major Freiherr von Hanx (5. Kompanie), ferner 11 Unteroffiziere und Mannschaften, außerdem wurde vermißt gemeldet, der Adjutant und Führer der 3. Bataillons, Major Freiherr von Lerner, und die Offizierstellvertreter Schäfer und Herrchen, ferner 29 Unteroffiziere und Mannschaften.“

24. und 25.08.1914 Tremblois

Die Lage des Grabes von August Volkmann ist unbekannt.

Die Todesanzeige für August Volkmann im Gießener Anzeiger