Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.844: Karl Geißinger

Der Soldat Karl Geißinger stammte aus Stingloh, einem Ortsteil der bayerischen Stadt Vilshofen an der Donau, und war Steinarbeiter. Im Ersten Weltkrieg diente er als Ersatz-Reservist in einem Infanterie-Regiment. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. Am 08.04.1918 verstarb er nach 27 Monaten Kriegsdienst im Alter von 25 Jahren bei Arras an einer Blutvergiftung.

Man begrub Karl Heißinger auf dem Soldatenfiredhof Carvin in Block 3, Grab 960.

Sterbebild von Karl Geißinger
Rückseite des Sterbebildes von Karl Geißinger

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.843: Ludwig Sonnleitner

Der Soldat Ludwig Sonnenleitner wurde am 18.01.1877 in Eichendorf in Niederbayern geboren. Im Ersten Weltkrieg diente er als Gefreiter in der 6. Kompanie des 2. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 14.06.1915 fiel er im Alter von 38 Jahren während der Schlacht bei La Bassée und Arras.

Offiziell ist für Ludwig Sonnleitner keine Grablage bekannt. Laut Sterbebild wurde er jedoch auf dem Soldatenfriedhof von Neuville-St.Vaast begraben. Ich bin mir sicher, dass seine Gebeine nocht dort ruhen – anonym in einem Massengrab.

Sterbebild von Ludwig Sonnleitner
Rückseite des Sterbebildes von Ludwig Sonnleitner

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.842: Max Stegmann

Der Soldat Max Stegmann wurde am 05.10.1883 in Wullenstetten geboren, einem Stadtteil der bayerischen Stadt Senden. Er war Wagnermeister in Rothkreuz. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Offiziers-Stellvertreter in der 12. Kompanie des 2. bayerischen Landwehr-Infanterie-Regiments. Am 08.03.1915 fiel er im Alter von 31 Jahren in Frankreich während der Winterschlacht in der Champagne bei Tahure, Somme-Py und Souain.

Über den Todestag und die Todesumstände von Max Stegmann berichtet die Regimentsgeschichte des 2. bayerischen Landwehr-Infanterie-Regiments:

08.03. In der Nacht vom 07./08.03. wurden die Verbände neu geordnet. Die ganze 1. Kompanie wurde in dem wichtigen Westgraben eingesetzt. Beim Sammeln dieser Kompanie erwarb sich nach der Verwundung der beiden Offiziere, Oberleutnant Emminger und Leutnant Fräßdorf, der Unteroffizier Huber besondere Verdienst. Eine Kompanie des I./Landwehr-Infanterie-Regiment 1 hatte den Verbindungsgraben zu der Stellung dieses Regiments zu besetzen. 2. Kompanie, die sehr gelitten hatte, wurde zur Reserve des Regimentskommandeurs, die bisher nur aus der 6. Kompanie bestand, zurückgenommen. Es war unmöglich, die Bataillons-Verbände wieder herzustellen. Es mussten daher Kampfgruppen gebildet werden.

Am 08.03. morgens war der Angriff gegen den eingedrungenen Feind fortzusetzen, da ein Einnisten des Feindes im Fingerwalde zu einer fortwährenden Bedrohung dieses wichtigen Flügelstützpunktes der Champagnefront geführt haben würde. Es wurden drei Kampfgruppen gebildet. Eine Verteidigungsgruppe unter Major Kehl – 1., 3., 4., 8., 11. und 9. Kompanie – hatte die aus dem Westgraben, dem neuen Kampfgraben und dem vom Landwehr-Infanterie-Regiment 116 übernommenen Kompanie-Abschnitt bestehende Stellung zu halten. Eine rechte Angriffsgruppe unter Major Benz – 5. und 10. Kompanie – sollte rechts, eine linke unter Hauptmann Klein – 7. und 12. Kompanie – links den Angriff vortragen. Der Angriff sollte 6 Uhr morgens beginnen, unsere Artillerie ihn durch ihr Feuer auf doe Fingerspitze und die feindliche Stellung südlich des Finger vorbereiten. I./Landwehr-Infanterie-Regiment 1 erhielt den Befehl, bis 3 Uhr morgens mit drei Kompanien bei der Regiments-Reserve am Steilhang einzutreffen.

Von 6 Uhr morgens an lag schweres Artilleriefeuer auf dem neuen Kampfgraben, den von ihm zurückführenden Verbindungsgräben und auf den Unterständen am Steilhang. Eine Anzahl dieser Unterstände wurde zertrümmert, unter ihnen der neben dem Regiments-Gefechtsstand liegende Vergandraum. Die Verluste der Regiments-Reserve wurden sehr erheblich. Die Fernsprechleitungen zu dem Kampfgraben wurden sechsmal zerschossen, aber immer wieder durch die tapferen Störungssucher dank der Tatkraft des Fernsprechführers beim Regimentsstab, Unteroffizier Fröhlich, hergestellt. Meldegänger des Regimentsstabs kehrten nicht zurück und wurden in den Verbindungsgräben tot aufgefunden. Nachgesandte Meldegänger nahmen die blutigen Meldekarten den Toten aus der Hand und beförderten sie an ihre Empfangsstellen.

Trotz des starken feindlichen Feuers brach unser Gegenangriff los. Von der rechten Angriffsgruppe entwickelte 6 Uhr morgens die 10. Kompanie rechts, die 5. Kompanie links vor dem Hindernis des neuen Kampfgrabens. Der 5. Kompanie folgte ein Zug des Leutnants Schroll als Unterstützung. Diese Entwicklung wurde sofort vom Feinde bemerkt und sowohl aus dem Graben  am Südrande des Waldes, als auch aus dem rechnten Laufgraben mit Infanterie- und Maschinengewehr-Feuer beschossen. Trotzdem stürmten unsere Kompanien vor. Bald aber suchten die Leute vor dem feindlichen Feuer Deckung in den Granatlöchern. Leutnant Schroll (Leutnant Konrad Schroll, gefallen am 08.03.1915 bei Souain, begraben auf dem Soldatenfriedhof Souain in einem Massengrab) hatte sich mit seinem Unterstützungszug nach rechts gezogen. Er trat aus dem Westrande des Waldes heraus, stürzte im feindlichen Feuer entlang dieses Waldrandes vorwärts und drang mit einem Teil seines Zuges in die an der Straße Souain – Perthes gelegene Sturm-Ausgangsstellung des Feindes ein. Er wird seitdem vermisst. Vermutlich hat er in der feindlichen Stellung den Heldentod gefunden. Auch den tapferen Führer der 10. Kompanie, Oberleutnant Meyer, der seit diesem Angriff vermisst wird, wird im Fingerwalde das gleiche Schicksal erreicht haben. Der Führer der 5. Kompanie, Hauptmann Pausch, blieb verwundet in einem Granatloch liegen, konnte aber nachts in unsere Stellung zurückkehren.

Nach dem Scheitern des Angriffs an unserem rechten Flügel setzte der Feind zum Gegenangriff an. Unter dem Feuer unserer in den Granatlöchern eingenisteten Schützen kam er aber im Walde nicht vor. Bei seiner Abwehr zeichnete sich besonders Offiziers-Stellvertreter Zöpfl und Unteroffizier Pastian der 10. Kompanie aus. Wohl aber gelang es ihm westlich des Waldes einen alten Graben, der senkrecht zu dem Waldrande und fast in der Verlängerung unseres neuen Kampfgrabens lag, zu erreichen und sich in ihm einzunisten. Dieser Teil des Feindes wurde später durch das Präzisionsfeuer unserer 21-cm-Mörser vernichtet. Dieses Feuer wurde bis zur Erreichung dieses Ergebnisses fortgesetzt, obwohl auch unsere Besatzung des rechten Flügels des neuen Kampfgrabens stark unter Splitterwirkung der eigenen Granaten zu leiden hatte.

Noch mehrere andere an diesem Tage von unserem rechten Flügel aus angesetzte Angriffe gegen den in die Fingerspitze eingedrungenen Feind, so auch ein Angriffsversuch der 4. Kompanie/Landwehr-Infanterie-Regiment 1 unter ihrem energischen Führer, Oberleutnant Zettner, kamen über die ersten Anfänge nicht hinaus. Der Regimentskommandeur begab sich im heftigsten feindlichen Artilleriefeuer an den rechten Flügel des neuen Kampfgrabens und stellte von dem rechten Verbindungsgraben zum Fingergraben aus fest, dass der Feind sich im Fingerwald so stark eingenistet hatte, dass nur ein durch zusammengefasstes Artilleriefeuer vorbereiteter Angriff frischer Truppen hier Erfolg haben konnte. Der Feind hatte die in der Fingerspitze gewonnene Stellung durch spanische Reiter geschützt und sie mit einem Laufgraben zu seiner Sturmausgangsstellung verbunden.

Am linken Flügel befahl Hauptmann Klein, dass 6 Uhr morgens die 12. Kompanie rechts vom linken Verbindungsgraben, die 7. Kompanie mit 1 Zug links von diesem gegen die Südstellung vorzugehen, mit 2 Zügen dem Angriff der 12. Kompanie rechts gestaffelt zu folgen habe. Leutnant Tillmanns der 7. Kompanie drang in unsere alte Stellung am Birkenwäldchen, die nachts auf Befehl des Major Kehl von der 3. Kompanie geräumt worden war, ein und behauptete sich dort. Die 12. Kompanie, deren tapferer Führer, Hauptmann Stillkrauth, gleich beim Ansetzen zum Sturm schwer verwundet wurde, gewann den vorderen Kampfgraben westlich vom linken Verbindungsgraben. Die Züge des Leutnants Specht und Trenkle der 7. Kompanie griffen noch weiter westlich an, brachen aber im feindlichen Feuer zusammen. Leutnant Specht (Leutnant Hermann Specht, gefallen am 08.03.1915 bei Souain, begraben auf dem Soldatenfriedhof Souain in einem Massengrab)  fiel dicht vor dem vom Feinde besetzten Graben, Leutnant Trenkle (Leutnant Theobald Trenkle, gefallen am 08.03.1915 bei Souain, begraben auf dem Soldatenfriedhof Souain in einem Massengrab) wird hier gleichfalls den Heldentod gefunden haben, ebenso wie Offiziers-Stellvertreter von Hößlein, die beide seitdem vermisst werden. Leutnant Käsbauer der 12. Kompanie arbeitete sich mit einem Teil dieser Kompanie, wirksam unterstützt durch den Pionier-Handgranatentrupp unter Leutnant Dex, langsam im Südostgraben nach Westen vor. Als die Handgranaten ausgegangen waren, kam das Vordringen zum Stehen. Der zurückgewonnene Teil der Stellung blieb aber unter der tatkräftzigen Führung der Leutnante Tillmanns und Käsbauer besetzt.“.

Man begrub Max Stegmann auf dem Soldatenfriedhof Souain in einem Massengrab.

Seine Heimatgemeinde Waltenhofen gedenkt Max Stegmann noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/dkm_deutschland/waltenhofen_wk1_bay.htm und http://www.denkmalprojekt.org/dkm_deutschland/waltenhofen_kirche_wk1_bay.htm

Sterbebild von Max Stegmann
Rückseite des Sterbebildes von Max Stegmann

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.841: Franz Eggerstorfer

Der Soldat Franz Eggerstorfer (Verlustliste und Volksbund: Eggersdorfer) stammte aus Kriestorf und war der Sohn eines Landwirts (Ökonom). Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Infanterist in der 12. Kompanie des 11. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 24.04.1915 fiel er im Alter von 27 Jahren bei den grausamen Gefechten bei Saint-Mihiel im Ailly-Wald in der Nähe von Verdun durch schwere Verwundung.

Man begrub Franz Eggerstorfer auf dem Soldatenfriedhof Troyon in Block 13, Grab 29. http://www.denkmalprojekt.org/2008/troyon_kgs_wk1_fr/troyon_kgs_wk1_fr_e.htm

Sterbebild von Franz Eggerstorfer
Rückseite des Sterbebildes von Franz Eggerstorfer

Die Männer des Zweiten Weltkrieges – Teil 2.840: Abbé Jean Brachmond

Der Pater Jean Brachmond wurde am 08.03.1892 in Rueder geboren, einem Ortsteil der luxemburgischen Gemeinde Clerf. Er wurde am 14.07.1918 zum Priester geweiht. Von 1918 bis 1919 war er Koadjutor in Iechternach, dann in Dikrech. Es schlossen sich Stationen als Kaplan in Déifferdeng, Pfarrer in Zowaasch, Kaplan in Stadgronn  (1926 – 1929), Pastor in Knapphouschent  (1929 – 1935), Pastor in Méischdref (Gemeng Mompech) ab dem 26.08.1935.

Am 25. November 1940 wurde er von den Nazis wegen seiner patriotischen Haltung verhaftet und kam schließlich in das Konzentrationslager Sachsenhausen und das KZ Dachau, wo er im Alter von nur 50 Jahren starb.

Über sein Leben und Sterben berichtet eine Broschüre/Buch über die Luxemburgische Kirche im Zweiten Weltkrieg:

„Jean Brachmond stammte aus Roder (Marnach), wurde 1918 zum Priester geweiht und war seit 1935 zum Pfarrer von Moersdorf an der Untersauer bestellt. Nic. Heinen nennt ihn einen Liebhaber der summenden, regsamen Bienen, einen beweglichen Geist, wie wenige, fröhlich und kühn.

Jules Jost schrieb von ihm im Sonntagsblatt:

„Als das Land überfallen wurde, stieg Pfarrer Brochmond ins Gestühl des Kirchturms und schwor, nachdem er die Stränge durchgeschnitten hatte, nun würden die Glocken schweigen, bis sie den Sieg Englands einläuten könnten.

Tempus loquendi? Er konnte nicht schweigen. Ob ihm sein Freund, der amerikanische Geschäftsträger Platt Waller, einen wirklichen Freundschaftsdienst erwies, als er im Herbst 1940 nach Moersdorf zur Kirmesfeier kam, wo Brachmond noch einmal alle nationalen Register seines rednerischen Könnens zog? Doch der Pfarrer stand bereits im schwarzen Buch der erst seit wenigen Monaten anwesesenden Gestapoleuten.

Als der erste im Dorf der VdB beigetreten war, hatte er öffentliche Gebete für die Heimkehr des verlorenen Sohnes verkündet, und als bald darauf sein Gebet erhört wurde, verkündete er ein Rosenkranzgebet in der Kirche, als öffentliche Danksagung. Solche Mätzchen konnte der Gestapo auf Dauer nicht verborgen bleiben, und so schritt sie am 25.011. zur Verhaftung den unbequemen Herrn von Moersdorf. Aus dem Gefängnis von Stadtgrund wurde er immer wieder in die Villa Pauly zum Verhör geholt. Der tollkühne Pfarrer glaubte sich stark genug, die Machthaber des Dritten Reiches direkt anzugreifen. Das Katz-und-Maus-Spiel dauerte bis zum 20.12. Dann kam Pfarrer Brachmond über Trier nach Berlin ins Gefängnis am Alexanderplatz. Von dort führte sein Weg ins Honzentrationslager Sachsenhausen-Oranienburg. Edy Moli schreibt von ihm: „Brachmonds schier unbesiegbare Dynamik wurzelte in einer ungewöhnlichen Körperkraft und einem an Übermut grenzenden Temperament, ließ ihn im Lager wohltuend unter den Häftlingen auffallen. Im Gegensatz zu Redakteur B. Esch hatte er die Belastungen des konzentrationären Lebens damals noch spielend ertrage. Übersprudelnder Optimismus hatte Trost und Freude in die allgemeine Trostlosigkeit gebracht. Dann führte sein Weg weiter nach Dachau.“

Jules Jost erzählt, wie Brachmond auch noch in Dachau nicht schweigen konnte: Er gehörte zu den ganz wenigen, die es wagten, SS-Leuten Aug in Auge zu widerstehen. Der spätere Weihbischof Neuhäusler von München wusste davin eine Episode zu erzählen:

„Eines Tages hatte ein SS-Sturmscharführer vor Hunderten von Geistlichen des Pfarrerblocks in obszöner Weise gegen Gott, Christus und seine Kirche gewettert. Als er schließlich pausierte, erdröhnte aus den Reihen der Kleriker die klare und deutliche Stimme des Luxemburger Pfarrers Johann Brachmond: und die Pforte der Hölle werden sie doch nicht überwältigen! Schrecken erfasste die anderen Geistlichen. Sie bangten um das Leben dieses mutigen Bekenners und fürchteten das Schlimmste für sich selber. Doch der SS-Mann war so betroffen…und feige, dass er sich wortlos umdrehte und wegging.“

Brachmonds schalkhaftes Temperament, das ihn nie verließ, sicherte ihm viel Freunde in den verschiedenen Arbeitskommandos, denen er zugeteilt wurde.

Zusammen mit Batty Esch arbeitete er auf dem Trockenspeicher der Plantage, wo sie eines Tages Suppenpulver klauten, das sich nicht bloß im Nachhinein als ungenießbar erwies, aber für beide noch furchtbare Folgen haben sollte, die letzten Endes den Verzehr ihrer Kräfte beschleunigen sollten. Jean Bernard erzählt:

„Ich habe gestohlen“, sagte Batty Esch mit verschmitztem Lächeln, wie wir uns eines Mittags mit der gefüllten Suppenschüssel in unsere Ecke des Schlafraumes verkriechen.

„Das ist Suppenpulver. Es ist ein Gemisch von verschiedenen Gemüsen, getrocknet und fein gemahlen. Auf dem Trockenspeicher steht ein ganzer Sack voll. Ich wette, das lässt sich gut in der Suppe verwenden. Der Bischof nahm auch davon.“

Wenn das letztere zum Zwecke hatte, moralische Bedenken bei mir zu verscheuchen, so war es überflüssig. Wir taten jeder eine gute Handvoll in die Möhrensuppe.

Doch, was geschah? Das Ding tat sich auf wie Küchenteich, die ganze Suppe wurde völlig steif und bekam einen derart scharfen Geschmack, dass wir schon nach dem ersten Löffel hinausstürzten, um am Wasserhahn den brennenden Mund zu kühlen.

Die Suppe war ungenießbar.

Das Schlimmste sollte noch kommen.

Wie wir am folgenden Tag zu Mittag einrückten, war ziemliche Aufregung vor dem Gewächshaus der Plantage.

Zwei Jammergestalten knieten dort auf dem Pflaster, mit dem Gesicht zur Mauer gedreht. Als wir abmarschierten, blieben sie zurück, von einem Posten bewacht. Es regnete und war windig kalt.

„Es sind zwei Pfarrer, die gestohlen haben“, sagt triumphierend ein Kapo. „Wenn die bis heute abend nicht verreckt sind, kriegen sie 25 auf den Bloßen. Ja, so sind sie alle!“

Eine schreckliche Ahnung stieg in mir auf, die leider bald zur Gewissheit wurde.

Batty Esch und Brachmond fehlten beim Mittagessen…

Wie wir am Nachmittag wieder am Gewächshaus vorbeimarschierten, knieten die Unglücklichen noch immer da, aber völlig nackt und vom Stockwerk herunter gossen SS-Lümmel eimerweise Wasser über sie aus.

Bei der Arbeit wußte jemand den Sachverhalt zu berichten.

Das Kommando war unerwartet gefilzt worden und die Taschenkontrolle fand bei Brachmond grüne Spuren vom Diebstahl am vorigen Morgen vor.

Zum Abendappell erst durften Esch und Brachmond, mehr tot als lebendig, ins Lager zurück.“

A. Turpel erzählt weiter:

„Es gibt Meldung, sagte Esch, und wir fliegen beide aus dem Trockenkommando. Aber das Schlimmste ist, dass wir Schmitz hereingelegt haben. Ich muss gleich morgen zu ihm.

Tatsächlich hatte der Wiener Oberbürgermeister seinen ganzen Einfluss eingesetzt, um zwei Pfarrer ein so feines Kommando zu verschaffen. Und nun hatten beide gestohlen!

Noch ein anderer Gedanke war Batty Esch unerträglich. Meine arme Mutter, sagte er wohl zwanzigmal an jenem Abend, im Trockenkommando hätte ich vielleicht durchgehalten. Nun aber ist es aus. Und ich bin selber schuld daran. Es geschieht mir recht. Aber meine arme Mutter…Es ist auch in unserm Kommando nicht so schlimm, tröstete ich. Und man findet dann und wann etwas zu essen. Wenn alles mal wächst, die Möhren und die Rüben….Gestern schenkte mir aus dem Treibhauskommando einen jungen Rotkohlkopf…

Aber während ich sprach, wurde mir plötzlich vor Schwäche übel, und ich ließ mich rasch auf den Strohsack gleiten.

Wir gehen bald zusammen, sagte er, als er sich zu mir legte.

Ja, sagte ich, und dann schliefen wir ein.

Anderentags wurden die beiden Diebe unserm Kommando zugeteilt, und zwar mit der Weisung, dass sie in Strafe seien.

Die eigentliche Meldung aber und die damit unfehlbar verbundene Strafe von 25 mit dem Ochsenziemer oder die zwei Stunden Baum blieben aus.

Das kam so.

Brachmond hatte sich kurz vorher beim Hauptsturmführer und Verwalter der Plantage als Imker gemeldet. Bienenzucht war das Steckenpferd des Verwalters, und er besaß im Bering der Plantage ein herrliches Bienenhaus. Nun wurde Brachmond dem Gestrengen vorgeführt, um eine Prüfung zu bestehen und gegebenenfalls dem Bienenkommando zugeteilt zu werden.

Der Verwalter erkannte Brachmond sofort als den vor wenigen Tagen ertappten Dieb.

Nun wurde der Unglückliche erst einmal ordentlich verhauen: wie er sich unterstehen könne…usw..

Dann entspann sich ein psychologisch-diplomatischer Zweikampf: Der Hauptsturmführer brüllte nur von Diebstahl und Pfarrergesindel: Brachmond sprach nur von Honig und süßen Dingen.

Und er siegte.

Zwar erhielt er das Bienenkommando nicht, noch wurden die beiden in den Trockenspeicher zurückbestellt, an der Meldung aber kamen sie vorbei.“

Nun waren Brachmond und Esch also auch in der Plantage. Im Moorwasser stehend mussten die Häftlinge Gräben ausheben, Torf ausstechen, Wälle aufwerfen und Lehmerde zur Bodenverbesserung herbeischleppen. Pfarrer wurden als Pflug und Egge gespannt, um den Boden zu beackern. Auf den riesigen Feldern hockten Hunderte von Geistlichen in langen Reihen auf den Knien, stundenlang, um Setzlinge in die Erde zu stecken. Die Köpfe mussten ständig gesenkt bleiben. Richtete ein Häftling sich auf, so erhielt er vom SS-Aufseher unbarmherzig den strafenden Schuss in den Rücken.

Mit dem verhängnisvollen Einsatz in der Plantage ging es auf einmal mit den Kräften der Priesterhäftlinge rasch bergab. Bereits im Frühjahr 1942 hatten Brachmonds Kräfte schnell abgenommen. Er, der starke Mann, wurde eines der ersten Opfer der Plantage. Anfang Juli war er total erschöpft. So wurde er in den Block 7 des Reviers verlegt, wo ebenfalls Bernard und Wampach todkrank lagen. Jean Bernard berichtet: Brachmonds Körper war mit Phlegmonen übersät. Wenn er vom Verbinden kam, war er vom Kopf bis zu den Füßen in Papier gehüllt, so dass er einer Mumie glich.

Der Oberpfleger, auch ein Häftling, nannte ihn nicht anders wie das Schreckgespenst. Ich hatte in meiner Umgebung geflissentlich von Brachmonds Resistenz-Husarenstück erzählt und ein Echo davon war bis zum Oberpfleger gedrungen. Das brachte Brachmond eine gewisse Sympathie beim ganzen Revierpersonal ein, und man ließ ihn gerne von der Heimat erzählen.

Die Phlegmonen an Kopf und Hals verursachten dem Schreckgespenst empfindliche Kopfschmerzen. Dann sah er nichts und hörte nichts, zog eine Rolle Abortpapier hervor und zeichnete stundenlang immer neue Modelle von Bienenkästen.

Eines Tages wurde ich erwischt, wie ich mit Brachmonds Decke in den Abortraum schlich, um sie heimlich auszuwaschen.

Wo ist der Saufing? Raus mit ihm, nach Stube 4.

Während die Anstalten für den Transport des Freundes getroffen wurden, wankte ich zurück zu seinem Lager, ihm ein Wort des Trostes zu sagen. Dabei glaubte ich jeden Augenblick zusammenzubrechen.

Dort erwartete mich das Schwerste, was ich in Dachau erlebte: der Freund war von Sinnen. Er redete wirres Zeug. Trotzdem erkannte er mich und fing plötzlich an, mir bittereste Vorwürfe zu machen. Weshalb, verstand ich nicht mehr.

Denn auf einmal wurde mir schwarz vor Augen. Ich sagte etwas und hörte, dass ich nicht das sagte, was ich sagen wollte.

Mit Mühe schlich ich zu meinem Lager zurück, glitt unter die Decke, hörte noch, wie Brachmond an mir hinausgetragen wurde, und befand mich plötzlich in einer anderen Welt.

Plötzlich wurde dicht neben meinem Kopf ans halboffene Fenster geklopft. Dann hörte ich die Stimme von Batty Esch: Brachmond ist tot…jetzt eben…in meinen Armen…Anderentags war Brachmonds Leiche noch nicht weg, lag aber ganz zuunterst auf dem Leichenhaufen, sodass wir nichts von ihm sehen konnten. Die Toten wurden im Waschraum nackt ausgezogen und vor der Baracke wie Holzscheite aufgeschichtet, bis das Kommando Krematorium sie mit dem Wagen abholen kam.“

Der kühne Pfarrer Brachmond von Moersdorf war 50 Jahre alt. Die Urne mit seinen Überresten wurde am 07.09.1942 in aller Stille auf dem Kirchhof von Roder beigesetzt.“

Sterbebild von Jean Brachmond
Rückseite des Sterbebildes von Jean Brachmond

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.839: Johann Brandmaier

Der Soldat Johann Brandmaier (Volksbund und Regimentsgeschichte: Brandmeier) wurde am 31.12.1892 in Hainzing geboren, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Bodenkirchen, und war der Sohn eines Tagelöhners (Söldner).  Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Ersatz-Reservist in der 1. Kompanie des 12. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 04.06.1915 fiel er im Alter von 22 Jahren bei Thelus vor Arras in Nordfrankreich.

Über den Todeszeitraum und die Todesumstände von Johann Brandmaier berichtet die Regimentsgeschichte des 12. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:

„Am 02.06. setzte äußerst heftige, planmäßige Beschießung des Gesamtabschnittes ein. Durch Volltreffer flogen Handgranaten, Munitions- und Schanzzeugdepots in die Luft, Volltreffer neben Volltreffer saß in den Laufgräben, die vordere Linie war eingeebnet, die Maschinengewehr-Stellungen verschwunden. Es war dies die Vorbereitung eines Angriffs in der hellen Nacht des 03.06. um 2.30 Uhr vormittags gegen das II. Bataillon; er wurde im Nahkampf mit ergiebigen Feindverlusten abgeschlagen, ebenso wie auch am 04.06. gegen 3 Uhr vormittags die Wachsamkeit dieses Bataillons einen feindlichen Überrumpelungsversuch vereitelte.

Das wütende feindliche Artilleriefeuer aus allen Richtungen, dessen Steigerung man für unmöglich gehalten hatte, ebnete am 04. und 05.06. die Gräben 11 und 12 vollkommen ein. Die Besatzung litt dazu unter den Atem und Sehkraft raubenden Stinkbomben, unmittelbar rechts und im Rücken stand der Franzose, nur mit Aufbietung aller Kraft mühsam abgehalten durch die todesmutigen Handgranatenwerfer hinter den alle Augenblicke eingeschossenen Sandsackbarrikaden. Kein Wunder, dass der allgemeinen Erschöpfung kaum mehr gesteuert werden konnte; das Ausharren in dieser Hölle konnte nur mehr eine Frage der Zeit sein.“

Man begrub Johann Brandmaier auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab.

Sterbebild von Johann Brandmaier
Rückseite des Sterbebildes von Johann Brandmaier

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.838: Alois Heilmaier

Der Soldat Alois Heilmaier (Verlustliste: Heilmeier) wurde am 15.06.1892 in Radlkofen geboren, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Mengkofen, und lebte und lebte zuletzt in Wendldorf. Sein Vater war Tagelöhner (Söldner). Im Ersten Weltkrieg diente er als Infanterist in der 1. Kompanie des 3. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 24.09.1914 (Regimentsgeschichte: 26.09.1914) verstarb er nach schwerer Verwundung während der ersten Kämpfe bei Peronne und an der Somme im Alter von 22 Jahren im Lazarett Marchélepot.

Über den Tag seiner schweren Verwundung und seines Todes berichtet die Regimentsgeschichte des 3. bayerischen Infanterie-Regiments:

„In der Nacht zum 26.09. wurde die vordere Linie des Regiments (III./3. bayerisches Infanterie-Regiment) und I./3. bayerisches Infanterie-Regiment) wieder vorgeschoben bis in die Linie Ferme (westlich Fay) – Straße nach Foucaucourt (ausschließlich), wo nach Süden 20. Infanterie-Regiment anschloss. Der Nebel begünstigte das Eingraben. Später aber kam heftiges Artilleriefeuer. Die Gruppen nördlich des Regiments zwischen Dompierre und Fay wurden etwas vorgeschoben.“

Die Lage des Grabes von Alois Heilmaier ist offiziell unbekannt. Ich vermute, dass er anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof Manicourt begraben wurde, wo man rund 3.000 deutsche Soldaten begrub, deren Identität ebenfalls unbekannt sind und die in dieser Region fielen.

Sterbebild von Alois Heilmaier
Rückseite des Sterbebildes von Alois Heilmaier

Sonderbeitrag: Ernst Paulus

Der Soldat Ernst Paulus stammte aus Zürich (Schweiz). Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Kanonier in der 399. bayerischn Fußartillerie-Batterie. Am 06.08.1916 verstarb er im Alter von 20 Jahren, nachdem er zuvor am 05.08.1916 während der Kämpfe in den Vogesen schwer verwundet worden war.

Man begrub Ernst Paulus auf dem Soldatenfriedhof Bisping in Grab 41. Ich konnte dieser Tage sein Grab besuchen. Ein Foto des Grabes findet man unten auf dieser Seite.

Im Münchner Stadtteil Thalkirchen gedenkt man Ernst Paulus noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2020/thalkirchen-st-maria_stadt-muenchen_wk1_bay.html

Die Todesanzeige für Ernst Paulus
Das Grab des Soldaten Ernst auf dem Soldatenfriedhof Bisping

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.837: Otto Osterholzer

Der Soldat Otto Osterholzer stammte aus Schwaig, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Aldersbach, und war der Sohn eines Kleinbauern. Im Ersten Weltkrieg diente er als Musketier in der 11. Kompanie des 21. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Ende 1914 wurde er bei den Kämpfen in Flandern als vermisst gemeldet, wurde aber alsbald als verwundet registriert und diente in einem Ersatztrupp. Am 01.03.1915 verstarb er dann in Folge einer Krankheit im Alter von 21 Jahren im Kriegslazarett Montigny.

Man begrub Otto Osterholzer auf dem Soldatenfriedhof Dourges in Block 4, Grab 773.

Seine Heimatgemeinde Aldersbach gedenkt Otto Osterholzer noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2009/aldersbach_wk1u2_bay.htm

Sterbebild von Otto Osterholzer
Rückseite des Sterbebildes von Otto Osterholzer

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.836: Balthasar Brunner

Der Soldat Balthasar Brunner stammte aus der bayerischen Stadt Traunstein und war Stationsgehilfe. Im Ersten Weltkrieg diente er als Gefreiter in der 11. Kompanie des 1. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 16.06.1915 fiel er im Alter von 29 Jahren bei den Kämpfen bei Fampoux vor Arras.

Über den Todestag berichtet die Regimentsgeschichte des 1. bayerischen Reserve-Infanterie-Regigemts:

„16.06.1915 Um 1 Uhr nachmittags setzte stärkstes Trommelfeuer gegen den rechten Flügel des Regiments ein. Da die Beobachtungsposten nach kurzer Zeit außer Gefecht gesetzt waren, konnten sich die Franzosen vor Beginn des Angriffes an den 1. Graben heranschieben und dann ohne Widerstand den völlig zerschossenen 1. Graben besetzen, teilweise bis in die 2. Linie vordringen. Hier trafen sie zuerst auf Widerstand. Sofort wurde der Gegenangriff eingeleitet, an dem sich hauptsächlich die 9. Kompanie von Norden, die 2. von Osten, die 11. von Süden her betätigte. In hartnäckigem Kampf von Schulterwehr zu Schulterwehr wurden die eingedrungenen Franzosen zusammengedrängt und dann gefangen genommen. Um 6.45 Uhr abends war die ganze Stellung wieder im Besitz des Regiments. 5 Offiziere und 150 Mann wurden als Gefangene eingebracht.“

Man begrub Balthasar Brunner auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab.

Seine Heimatgemeinde Traunstein gedenkt Balthasar Brunner noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2021/traunstein_gedenkbuecher_lk-traunstein_bay.html

Sterbebild von Balthasar Brunner
Rückseite des Sterbebildes von Balthasar Brunner