Sonderbeitrag: Major Ludwig Schaake

Der Soldat Ludwig Schaake stammte aus Cosel in Schlesien (seit 1945 polnisch: Koźle) Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Major im Stab des III. Bataillons des 112. Infanterie-Regiments. Am 09.08.1914 fiel er nahe Mülhausen (französisch: Mulhouse) bei Rixheim.

Man begrub Ludwig Schaake auf dem Soldatenfriedhof Illfurth in Block 7, Grab 16.

Das Grab von Major Ludwig Schaake auf dem Soldatenfriedhof Illfurth

Sonderbeitrag: Das Grab des ersten gefallenen deutschen Soldaten im Ersten Weltkrieg

Albert Mayer

Der Soldat Albert Otto Walter Mayer wurde am 24.04.1892 in Magdeburg geboren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Leutnant im 5. Jäger-Regiment zu Pferd. Er fiel als Patrouillenführer und erster deutscher Soldat am 02.08.1914 bei Delle im Raum Belfort.

 

 

 

Über den Todestag und die Todesumstände von Albert Mayer berichtet der damalige Gefreite Heinze in der Regimentsgeschichte des 5. Jäger-Regiments zu Pferd:

„Ich war im Jahre 1914 Gefreiter bei der 3. Eskadron des Jäger‑Regiments zu Pferde Nr. 5. Am 1. August 1914, nachmittags 4³⁰, rückte unsere Eskadron aus Mühlhausen nach der Grenze. In Wahlbach wurde eine Offizierspatrouille gebildet, bestehend aus Leutnant Mayer, mir als Gefreiten, ferner den Jägern Peters, Hillbrint, Platt, Martin und Grigo. Ob noch mehrere Reiter bei dieser Patrouille waren, ist mir unbekannt. Von Wahlbach ritt die Patrouille nach Bisel, wo wir in einer Wirtschaft, ich glaube im „Schwanen“, Quartier nahmen. Die Pferde wurden im Stall abgesattelt und die Mannschaften blieben im Stall bei ihnen. Leutnant Mayer richtete sich in der Wirtschaft ein Nachtlager ein. Am Westausgang des Dorfes wurde ein Doppelposten aufgestellt.
Am 2. August 1914, vormittags 10 Uhr, erhielten wir Befehl, über die Grenze zu reiten, um Erkundungen über feindliche Truppenansammlungen u.s.w. einzuholen. Der Befehl, über die Grenze zu gehen, wurde, soviel ich weiß, von einem Radfahrer überbracht. Leutnant Mayer gab sofort Befehl zum Satteln und wir ritten am Südlings vorbei über die Grenze 3 km westlich Mr. Gepst und kamen auf Courtelevant, wo wir im Trabe durchritten, ohne feindliche Posten zu bemerken und ohne beschossen zu werden. Wir ritten weiter nach Faverois, wo wir am Eingang des Dorfes französische Soldaten sahen. Wir machten einen Umweg und kamen am anderen Dorfrande wieder auf die Hauptstraße nach Joncherey. Kurz darauf wurden wir von hinten beschossen, jedoch wurde niemand von uns verletzt. Als wir ungefähr den halben Weg nach Faverois zurückgelegt hatten, bemerkten wir, daß uns französische Soldaten folgten und herankamen. Etwa 10 m vor uns stand ein französischer Radfahrer, der sofort nach Faverois zurückritt. Wir ritten nach Joncherey weiter. Rechts der Chaussee war eine mit Gestrüpp bewachsene Böschung und dahinter ein kleiner Hügel. Als wir die ersten Häuser erreichten, sahen wir im Gebüsch rechts der Chaussee einen französischen Doppelposten stehen. Die beiden Soldaten standen etwa bis zur Brust im Gebüsch und hielten Gewehr bei Fuß. Der Posten sah uns zunächst nicht und wir ritten nur etwa 10 m rechts von der Chaussee und mit leichtem Trabe an ihm vorüber. Leutnant Mayer gab uns Zeichen zum Aufmarsch und Angriffsstellung. Wir ritten in zwei Linien und zwar Leutnant Mayer, ich, Peters, Lirbrink und Platt in erster Linie, die übrigen Jäger in der zweiten Linie.

Mit gefällter Lanze ritten wir in langem Galopp auf den französischen Posten zu. Die Franzosen bemerkten uns erst, als wir nur noch einige Schritte entfernt waren. Sie schienen vollständig erschrocken und überrascht zu sein und wollten noch im letzten Augenblick die uns gegenüberliegende Böschung hinauflaufen. In diesem Augenblick hatten wir sie erreicht und Leutnant Mayer hieb dem einen mit seinem Pallasch über den Kopf, während ich dem anderen meine Lanze niederschoß. Hierbei verlor ich meine Lanze, da der Mann umfiel und die Lanze mit sich riß. Ob die Lanze ihn in den Kleidern oder in der Brust getroffen hatte, konnte ich später beim Herüberreiten nicht mehr feststellen, da er regungslos auf dem Boden lag. Ob er tot war, kann ich nicht sagen. Dieser erste Zusammenstoß war an dem Feldwege, der parallel mit der Chaussee oberhalb der Böschung läuft. Hieb und Stich gegen die beiden Franzosen erfolgten nach links, so daß dieselben nach links die Chaussee hinunterfielen.

Ob die beiden Franzosen hinter uns wieder aufgestanden sind und hinter uns her geschossen haben, kann ich nicht sagen, auf jeden Fall wurde von hinten auf uns geschossen.

Wir ritten nun weiter und kurz nach diesem Vorfall erblickten wir am Ende des Feldweges eine französische Feldwache in Stärke von etwa 15 Mann, die in geschlossener Gruppe zusammenstanden und uns erst sahen, als wir auf etwa 40 Meter herankamen. Ich rief dem Leutnant Mayer zu: „Jetzt sind wir dicht bei ihnen!“ Leutnant Mayer rief zurück: „Halt nicht, nur durch!“ Er sah sich nach uns um und ritt in schnellem Galopp voran. Im Galopp riefen wir „Hurra“. Es ist anzunehmen, daß die Franzosen ebenso erschrocken waren, es seien eigene Reiter, bis sie uns erkannten. Sie schossen dann aus fester Überzeugung, daß sie den Meinen nach allen Seiten hin herum und gleichzeitig auf uns geschossen. Erst als wir die Gruppe hinter uns hatten, eröffneten sie vom Chausseegraben aus, wohin sie geflüchtet waren, das Feuer. Beim Durchbruch durch die Feldwache machten wir von unserer Waffe keinen Gebrauch, da wir bestrebt waren, durchzukommen und die Franzosen gleich in den Chausseegraben flüchteten. Ich hatte, da ich meine Lanze verloren hatte, den Degen genommen, auch Leutnant Mayer hatte noch seinen Pallasch in der Hand. Mit Bestimmtheit kann ich sagen, daß wir von unserer Schußwaffe keinen Gebrauch machten.

Nachdem wir etwa 50 Meter weiter geschlossen rechts und links der Chaussee zugeritten waren und von der Feldwache aus starkes Feuer erhielten, stürzte Leutnant Mayer vom Pferd. Ich wendete mich um und sah, wie er eine Handbewegung zum Weiterreiten machte. Ich war nun allein vorne. Das Pferd von Leutnant Mayer sprengte uns nach. Vor uns lag die Ortschaft Joncherey, wo der Dorfeingang mit Barrikaden gesperrt war. Hinter den Barrikaden sah ich deutlich die Franzosen hin- und herlaufen. Ich rief den Leuten zu: „alles rechts raus!“, um den nächsten Waldrand, der etwa 200 Meter entfernt war, zu erreichen. Wir bogen nun alle rechts ab, während das Pferd von Leutnant Mayer auf der Hauptstraße blieb und nach Joncherey lief. Wir ritten ausgezeichnet dem Walde entgegen und bekamen ununterbrochen lebhaftes Feuer auf der Schußfahrt her. Die vor dem Walde gelegene Wiese war sehr sumpfig, und die Pferde kamen nur sehr langsam vorwärts. Ich sah noch Pferde und Platt vom Pferde fallen. Wir ritten bis an den Waldrand. Das Feuer war nun schwächer geworden, und wir gelangten glücklich in den Wald. Ich ritt noch etwa 100 Meter weiter und hielt dann an. Das Feuer war nun ganz eingestellt. Von anderen Jägern habe ich nichts mehr gesehen. Wir ritten nun etwa 200 Meter im Walde und kamen auf einen schmalen, von einem querlaufenden Bach durchflossenen Weg. Wir ritten diesen Weg entlang und kamen auf eine Chaussee, die von Joncherey nach Belfort führt. Wir ritten diese Chaussee entlang und kamen bald auf die Höhe, von der man Belfort sehen konnte. Ich rief: „Da ist Belfort!“, und wir ritten weiter. Hierauf ritt die Eskadron in Bisel ein.

Leutnant Mayer war an der Schläfe und am Oberschenkel getroffen worden; er war der erste deutsche Offizier, der im Weltkriege fiel. Er wurde auf dem Dorffriedhof in Joncherey von den französischen Soldaten mit militärischen Ehren beigesetzt. Der katholische Ortsgeistliche vollzog die religiöse Handlung. Sein Grab pflegte jahrelang der Geistliche. Die Franzosen ehrten Leutnant Mayer als einen ehrlichen deutschen Kämpfer. Jetzt ruht er auf dem Soldatenfriedhof in Altkirch, wohin ihn die Franzosen nach dem Kriege gebracht haben. Erst später benutzte Frankreich auch den Todesritt des Leutnants Mayer zur Stimmungsmache gegen Deutschland. Der französische Soldat, den Mayer mit seinem Pallasch getroffen hatte, wurde tot, von drei Schüssen durchbohrt, aufgefunden. Es war dies der Korporal Peugeot, der erste im Weltkriege gefallene Franzose. Frankreich behauptete, Peugeot wäre von Mayer mit drei Schüssen niedergestreckt worden, ehe er selbst fiel. Dieser Behauptung ist die Aussage Heinsings gegenüber. Nach kavalleristischer Erfahrung ist es auch ganz ausgeschlossen, daß ein Reiter im langen Galopp einen Menschen mit der Revolverladung treffen kann. Wahrscheinlich ist Peugeot in der Verwirrung durch eigene Schüsse der Franzosen getroffen worden.“

Albert Mayer

Sterbeort und erste Grablage von Albert Mayer:

Französische Soldaten begrub Walter Mayer zunächst mit allen Ehren in Jonchéry, man bettet ihn aber später nach dem Krieg auf den Soldatenfriedhof Illfurth in Block 4, Grab 181 um.

Das Grab von Albert Mayer auf dem Soldatenfriedhof Illfurth

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.871: Joseph Zehentbauer

Der Soldat Joseph Zehentbauer stammte aus Westerskirchen, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Schalkham, und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Kanonier in der 7. Batterie des 3. bayerischen Fuß-Artillerie-Regiments. Am 18.12.1914 verstarb er im Alter von 29 Jahren im Feldlazarett Comines an Typhus.

Man begrub Joseph Zehentbauer auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab.

Sterbebild von Joseph Zehentbauer
Rückseite des Sterbebildes von Joseph Zehentbauer

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.870: Josef Hermann

Der Soldat Josef Hermann wurde am 01.07.1893 in der bayerischen Stadt Regen geboren und war Hausbesitzer. Am 17.04.1917 fiel er im Alter von 23 Jahren bei den Kämpfen an der Aisne.

Man begrub Josef Hermann auf dem Soldatenfriedhof Sissonne in Block 3, Grab 886.

Sterbebild von Josef Hermann
Rückseite des Sterbebildes von Josef Hermann

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.869: Ludwig Sieber

Der Soldat Ludwig Sieber wurde am 23.02.1896 in der bayerischen Gemeinde Prem als Sohn eines Schmiedemeisters geboren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Infanterist in der 1. Kompanie des 2. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 14.06.1917 fiel er im Alter von 21 Jahren am Chemin de Dames bei Laon.

Ludwig Sieber wurde bei einer durch Unvorsichtigkeit verursachten Explosion großer Munitionsvorräte in einem Tummel ums Leben, bei dem der Bataillonskommandeur Freiherr Duprel und einhundert Mann getötet wurden.

Man begrub Ludwig Sieber auf dem Soldatenfriedhof Cerny-en-Laonnois in einem Massengrab.

Sterbebild von von Ludwig Sieber
Rückseite des Sterbebildes von Ludwig Sieber

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.862: Johann Englberger

Der Soldat Johann Englberger stammte aus der bayerischen Gemeinde Schwarzach und war der Sohn eines Maurers. Im Ersten Weltkrieg diente er als Infanterist in der 6. Kompanie des 11. bayerischen Infanterie-Regiments. Mitte 1915 wurde er leicht verwundet. Am 06.11.1916 fiel er im Alter von 23 Jahren während der Schlacht an der Somme und den Stellungskämpfen bei La Bassée. Er wurde bei Wavrin getötet.

Man begrub Johann Englberger auf dem Soldatenfriedhof Salomé in Block 2, Grab 540.

Sterbebild von Johann Englberger
Rückseite des Sterbebildes von Johann Englberger

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.859: Joseph Kösel

Joseph Kösel (Verlustliste und Volksbund: Franz Kösel) wurde am 08.05.1887 in Aigis geboren, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Missen-Wilhams, und war landwirtschaftlicher Arbeiter. Imm Ersten Weltkrieg diente er als Infantrist und Reservist  in der 10. Kompanie des 20. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 30.11.1914 fiel er im Alter von 27 Jahren während der Stellungskämpfe an der Somme westlich Sait-Quentin bei Fay.

Man begrub Joseph Kösel auf dem Soldatenfriedhof Vermandovillers in einem Massengrab.

Sterbebild von Joseph Kösel
Rückseite des Sterbebildes von Joseph Kösel

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.854: Matthias Brams

Der Soldat Matthias Brams stammte aus Dietrichstetten, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Kröning, und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg dienteb er als Reservist in der 4. Kompanie des 88. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 24.08.1914 fiel er während der Schlacht an der Maas im Alter von 25 Jahren bei Tremblois-lès-Carignan.

Die Lage des Grabes von Matthias Brams ist unbekannt.

Sterbebild von Matthias Brams
Rückseite des Sterbebildes von Matthias Brams

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.853: Johann Berghammer

Johann Berghammer Asing, lebte in der bayerischen Gemeinde Winklarn und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg diente er als Infanterist in der 8. Kompanie des 13. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 10.09.1914 (Volksbund: 11.09.1914) fiel er im Alter von 22 Jahren während der Schlacht von Nancy – Epinal bei Drouville im Elsass.

Über den Todestag und die Todesumstände von Johann Berghammer berichtet die Regimentsgeschichte des 13. bayerischen Infanterie-Regiments:

„10.09.1914 Das schwere feindliche Artilleriefeuer ging weiter. Führung des III. an Stelle des durch Unfall verletzten Hauptmanns Popp übernahm Hauptmann Hofmann (2.) Nachts wurde wieder abgelöst: II. rechts vorne, III. links rückwärts, I. Serres (durfte erst 11.09. 4 Uhr vormittags Drouville verlassen).

11.09.1914 Feindlicher Teilangriff 10 Uhr vormittags wurde durch 7. und 8. aufgehalten, 1.30 Uhr nachmittags kam das alarmierte I. in die Mulde östlich Drouville an; 2.30 Uhr nachmittags erfolgte neuer Franzosenangriff gegen II. und III., erfolgreicher Gegenstoß des I. (Maschinengewehr-Unteroffizier Müller Max zeichnete sich besonders aus). 9 Uhr nachmittags jam der Divisionsbefehl für Abzug: I. 10 Uhr nachmittags Abmarsch in eine Nachhutstellung bei St. Libaire. II. Um 10 Uhr nachmittags, III. um 11.30 Uhr nachmittags Abmarsch nach Serres. I. erreichte zwischen 11 Uhr und 12 Uhr die Ferme und grub sich mit Hilfe einer Pionierkompanie vom preußischen Pionier-Bataillon 16 südlich derselben ein.“

Man begrub Johann Berghammer auf dem Soldatenfriedhof Gerbéviller in einem Massengrab.

Sterbebild von Johann Berghammer
Rückseite des Sterbebildes von Johann Berghammer

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.852: Joseph Raster

Der Soldat Joseph Raster wurde am 22.03.1898 in Göttersdorfer – Holzhäuser, einem Ortsteil der bayerischen Stadt Osterhofen, und war der Sohn eines Kleinbauern (Gütler). Im Ersten Weltkrieg diente er als Infanterist in der 6. Kompanie des 10. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 16.08.1918 fiel er bei Beuvraignes an der Somme im Alter von 20 Jahren.

Über den Todestag und die Todesumstände berichtet die Regimentsgeschichte des 10. bayerischen Infanterie-Regiments:

„16.08.1918 Die Schwierigkeiten, die bei der Ablösung überwunden werden mussten, waren recht erheblich. Mit der Ablösung der vorderen Linie sollte gleichzeitig eine höheren Ortes ausdrücklich befohlene 1.500 Meter tiefe Vorfeldstellung eingenommen werden. Trotzdem vollzog sie sich glatt. In der bisherigen Hauptwiderstandslinie, die auf 80 – 100 Meter ohne jegliches Annäherungshindernis am Allongewald heran lag, standen nunmehr im Kompaniebereich drei Unteroffiziersposten mit zwei leichten Maschinengewehren. Die Feldwache, der 1. Zug unter Vizefeldwebel Siebenhändl, verstärkt durch je eine Infanterie- und leichte Maschinengewehr-Gruppe des Zuges Häfele, wurde 300 Meter weiter zurückgezogen in einen alten französischen Unterstand am Westrand von Cessier. Unmittelbar nach dem Abmarsch der abgelösten 249.er nahm ich mit dem Feldwachehabenden die Verbindung mit der Nachbarkompanie 4./249. rechts und mit dem Feldwachzug 6./10. links auf. Beide lagen von meiner Feldwache je etwa 200 Meter entfernt ebenfalls am Westrande der Ortschaft. Die Anweisung ging dahin, feindliche Streifen aus eigener Kraft abzuweisen, – es war deshalb der Zug Siebenhändl wegen der weit vorgeschobenen Lage noch besonders verstärkt worden -; bei feindlichem Großangriff sollte sich die Vorfeldbesatzung auf die R. H. L zurückziehen. Ich brachte in den ersten Morgenstunden die Schwierigkeiten eines deratigen Rückzuges durch die Ortschaft in so großer Entfernung von der eigentlichen Front beim Kampftaktischen Kommandanten zur Sprache. Der Befehl blieb jedoch aufrecht erhalten. Um 12.30 Uhr nachts kam ich nach vollzogener Vorfeldstellung in diese zurück. Die Hauptkampflinie lag 1.100 Meter östlich von Cessier, im ehemaligen ersten deutschen Graben vor dem Hindenburgrückzug 1917. Vor der Front dehnte sich ein vorzügliches Drahthindernis aus. Das Gelände gegen die Ortschaft nahm das ehemalige französische Grabensystem ein. Es bot daher mit seinen größtenteils erhaltenen Laufgräben günstige gedeckte Annäherungsmöglichkeiten an unsere Stellung. Das Schussfeld reichte bis Cessier. Die Feldwache selbst war durch die Häuser und Gärten der Beobachtung entzogen. Die Kompanie, anderthalb Züge und zwei leichte Maschinengewehre stark, hatte sich hier bereits eingenistet. Unmittelbar rechts von uns lag 3./249., mit dem wir in den nächsten Tagen fest zusammenhalten mussten. Trotzdem blieb die rechte Flanke gefährlich, da die Stellung im Bereich der 5. Kompanie gegen Beuvraignes zu aus nordwestlicher Richtung in eine nördliche umbog und die Sicht durch die Hecken und Baumgärten der Ortschaft behindert, hier kaum 50 Meter weit reichte. Der Vormittag verlief ruhig. Ab 2 Uhr nachmittags wuchs das feindliche Artilleriefeuer zur gewöhnlichen Nachmiiiagsstärke an und lag vornehmlich auf Cessier selbst. Mein Abschnitt in der Hauptkampflinie wurde nicht beschossen. Um 4 Uhr nachmittags verstärkte sich das Feuer allmählich so, dass es als Angriffsfeuer gedeutet werden musste. Cessier war dauernd in Rauch und Staubwolken verhüllt. Ich ließ deshalb alarmieren. Bis 5 Uhr nachmittags blieb jedoch alles unverändert. Dann setzte vorne lebhaftes Maschinengewehr- und Infanteriefeuer ein und bald sah man. nach einem großen Sprung des schweren Massenfeuers hinter unsere Linie, in den Baumgärten östlich Cessier einzelne Gestalten gegen uns her laufen. Ich hielt sie für unsere befehlsmäßig zurückgehenden Feldwachleute und ließ das Feuer daher nicht eröffnen, kam dadurch aber mit dem Führer der rechten Anschlusskompanie, der sie für Franzosen ansprach, in heftigen Widerspruch.

Um endlich Klarheit über die Feldwache zu erlangen, schickte ich Unteroffizier Rießl mit zwei Mann vor, der die Verbindung mit der Feldwache aufnehmen sollte. Die Streife kam kurz vor 6 Uhr nachmittags zurück. Sie war unmittelbar vor der Ortschaft in geradezu vernichtendes französisches Maschinengewehr- und Infanteriefeuer aus den Häusern und Gärten heraus geraten und dann wieder umgekehrt. Nun bestand Klarheit, dass unsere Feldwache mit dem tüchtigen Siebenhändl und Häfele überrannt und die Ortschaft in die Hand der Franzosen gefallen war.

Um 6.30 Uhr nachmittags setzte der Franzose erneut aus Cessier heraus zum Angriff auf unsere Stellung, namentlich auf den Kompanieabschnitt, an. Durch unser Feuer blieb er aber bald liegen. Ich hatte mir nach den Erfahrungen bei englischen und unseren eigenen Angriffen viel bessere und dichtere Ziele erwartet. Tatsächlich habe ich im ganzen Gefecht nur einzelne springende und kriechende Schützen gesehen. Nun eröffnete der Franzose ein lebhaftes Gewehrfeuer, das uns innerhalb 20 Minuten bei einer Gesamtstärke von noch nicht 30 Köpfen einen Toten und zwei Verwundete kostete.

Um 8.30 Uhr nachmittags schickte ich die Abschlussmeldung ab. Kaum war sie fort, als der Franzose seinen Angriffsversuch erneuerte. Diesmal kam er aber in unserem Feuer noch weniger zur Entwicklung als zwei Stunden vorher, obwohl seine Artillerie äußerst lebhaft, zu unserem Flück jedoch zu weit, schloss.

Der Einbruch der Nacht und die rasch abflauende Gefechtstätigkeit bannte die während der letzten Abwehr auftretenden Munitionssorgen. Die leichten Maschinengewehre hatten von ihren 2.500 Schuss noch je einen Gurt, die Gewehrschützen je etwa 25 Patronen bei Einbruch der Nacht übrig. Um 9.45 Uhr abends kam der Verbindungsoffizier des Kampftaktischen Kommandanten, Leutnant Kleinmann, und erkundigte sich eingehend über das Gefecht und unsere Wünsche. Besorgnis äußerte ich nur um die linke Flanke der Kompanie. Hier bestand zwischen Kompanie Trenkle (6.) und mir eine 300 Meter breite Lücke. Noch dazu lag die 6. Kompanie im Verhältnis zu unserer Front ziemlich weit nach Osten rückwärts gestaffelt.

Um 1130 Uhr abends meldete sich Unteroffizier Enzenberger mit den Essenholern der Kompanie zurück. Er hatte unbeschadet des heftigen feindlichen Störungsfeuers auf den Anmarschwegen die vollkommene, warme Verpflegung von der Feldküche bei Amy vorgebracht und unsern Schießbedarf auf 7.000 gegurtete Patronen ergänzt.“

Man begrub Joseph Raster auf dem Soldatenfriedhof Roye-St.Gilles in Block 2, Grab 909.

Sterbebild von Joseph Raster
Rückseite des Sterbebildes von Joseph Raster