Die Gefallenen vom Kloster Arnsburg – Teil 2: Eduard Rudolf

Der Soldat Eduard Rudolf wurde am 11.10.1885 in Kalinow in Oberschlesien (seit 1945 polnisch: Kalinów (Strzelce Opolskie)) bei Großstrehlitz (seit 1945 polnisch: Strzelce Opolskie). Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Reservist in der 5. Kompanie des 51. Reserve-Infanterie-Regiment. Am 24.08.1914 wurde er bei bei den Kämpfen in Frankreich an der Aisne bei Arrancy schwer verwundet. Am28.09.1914 verstarb er an seiner Verwundung im Alter von 18 Jahren im Lazarett der hessischen Stadt Laubach.

Über den Tag und die Umstände der schweren Verwundung von Eduard Rudolf berichtet die Regimentsgeschichte des 51. Reserve-Infanterie-Regiment:

„Arrancy

24. August

Um 3.30 Uhr vormittags befahl die Brigade erneut weitere Nahaufklärung durch Offizier-Patrouillen: „Die Division müsse erfahren, wie stark Dorf Arrancy und die unmittelbar angrenzenden Höhen vom Feinde besetzt seien, besonders die ersten Morgenstunden seien zur Erkundung auszunutzen.

Hierüber brachte die von der 6. Kompanie entsandte Patrouille Leutnant der Reserve Brüning und 5 Mann wertvollen Aufschluss. Leutnant Brüning umging vorsichtig das Dorf, ohne auf eine feindliche Sicherung am Dorfrande zu stoßen. Kurz entschlossen verteilte er seine Leute auf die verschiedenen Dorfgassen, er selbst nahm die Hauptstarße. In den einzelnen Gehöften überraschte er die Franzosen bei der Morgentoilette, sie benahmen sich sorglos wie im Manöver. Er stellte fest, dass außer etwas Artillerie eine Maschinengewehr-Abteilung und ein Infanterie-Regiment im Dorfe lagen.

Auf Grund der einlaufenden Meldung beschloss die 12. Reserve-Division am 24. in planmäßigem Angriff Arrancy und die angrenzenden Höhenstellungen zu nehmen. Der noch während der Dunkelheit beim Regiment eintreffenden Divisions-Angriffsbefehl sagte, dass der Angriff gegen Arrancy und die angrenzenden Höhen gleichzeitig von Osten und Südosten her durch die 22. Reserve-Brigade, von Norden und Nordosten her durch die 23. Reserve-Brigade erfolgen sollte. Reserve-Feldartillerie-Regiment 12 hatte Dorf und Stellung von Osten her durch beschießung sturmreif zu machen und die feindliche Artillerie nieder zu halten. Die I. Fußartillerie-Regiment 10, vom Korps der Division zugeteilt, sollte Dorf, Stellungen und feindliche Artillerie von Norden her fassen. Die 23. Reserve-Brigade befahl daher für das Regiment: Das Reserve-Regiment 51 übernimmt am Bahndamm der Strecke Longuyon-Pierrepont von 5.30 Uhr vormittags an den Feuerschutz im Abschnitt La Maragole Scie. bis 500 Meter östlich von des von Beuville nach Süden führenden Weges für das aus Richtung Lopigneux angreifende Reserve-Regiment 22 und das von Pierrepont vorgehende Reserve-Regiment 38.

Oberstleutnant von Kameke befahl hierauf dem II. Bataillon mit der 2. Kompanie die rechte Hälfte des von der Brigade befohlenen Abschnittes und dem I. Bataillon ebenso die linke Hälfte zu besetzen, die Maschinengewehr-Kompanie sollte sich hinter dem rechten Flügel des II. Bataillons am Bahndamm bereitstellen.

Es war gegen 4.30 Uhr morgens – dichter Nebel bedeckte das Gelände – als der Angriffsbefehl die vorderen Kompanien erreichte. Steif und fröstelnd erhoben sich die Schützen aus ihren flachen Erddeckungen. Man fuhr sich einige Male mit der Hand über die Augen, befreite seine Sachen notdürftig von dem anheftenden Lehm und begann Mantel und Zeltbahn zu rollen. Die Toilette war damit im allgemeinen beendet. Nicht alle Kompanien bekamen Kaffee aus der Feldküche. Unter Ausnutzung des noch herrschenden Halbdunkels und mit möglichster Lautlosigkeit wurden sämtliche Vorbereitungen zum Angriff getroffen.

Um 5.30 Uhr vormittags lagen die Bataillone und Maschinengewehr-Kompanie in ihren Gefechtsstellungen wie folgt: Am rechten Flügel des Regiments die Maschinengewehr-Kompanie mit 6 Gewehren in Lauerstellung, II. Bataillon anschließend am Bahndamm mit der 6. Kompanie nordwestlich des Weges Beuville-Arrancy, 8. Kompanie südöstlich desselben, 7. Kompanie in hinterer Linie als Unterstützung nahe Höhe 269, 5. Kompanie 600 Meter rückwärts am Wege Beuville-Arrancy in einem Kartoffelfeld zur Verfügung des Regiments. Anschließend an die 8. Kompanie lag das I. Bataillon mit der 4. Kompanie weiter südöstlich am Bahndamm, die 3. Kompanie beiderseits des von Beuville in allgemein südlicher Richtung führenden Weges am Bahndamm, die 2. Kompanie 500 Meter hinter der Mitte in hinterer Linie als Unterstützung, die 1. Kompanie als Artillerie-Schutz in Beuville.

Inzwischen war die Sonne aufgegangen und ihre ersten Strahlen fielen auf das festungsartig an schroffer Höhe liegende Arrancy. Scharf umrissen hoben sich der Kirchturm und die einzelnen massiven Gebäude mit ihren leuchtend roten Dächern ab. Von den feindlichen Schützengräben an den umliegenden Höhen war mit bloßen Auge fast nichts zu erkennen, sie waren geschickt angelegt, wie der Franzose ja überhaupt Meister in der Anlage von Verteidigungsanlagen war.

Gegen 7 Uhr wurde es recht lebhaft. Reserve-Feldartillerie 12 östlich Beuville in Stellung gegangen, setzte mit seinem Feuer zu machtvoller Ouverture ein. Gelbrote Feuerblitze über Arrancy, denen unmittelbar starke Detonationen folgten, – schwarze Qualmschwäden wälzten sich träge aufwärts – bewiesen, dass auch unsere schweren Feldhaubitzen ihr Ziel erfasst hatten. Doch auch der Gegner blieb mit seiner Artillerie nicht untätig. Er überschüttete die Kompanien des Angreifers lagenweise (Rasales) meist mit Feldgranaten; erfreulicherweise gingen die Geschosse meist zu kurz oder zu weit, sodass unsere am Bahndamm liegenden Kompanien gast gar keine und die weiter rückwärts liegenden nur geringe Verluste hatten. Dröhnend schlug das feindliche Artillerie-Feuer in den harten Kalk- und Felsboden südlich von Beuville, ein gewaltiges Echo hervorrufend. Nur schwer konnte man noch unterscheiden, welche Schüsse von eigener und welche von feindlicher Artillerie berührten, ein unablässiges Heulen, Pfeifen und Rauschen in der Luft. Der Adjutant des II. Bataillons, Leutnant Wogkittel, wurde an einem Steinbruch durch Granatsplitter leicht verwundet, er blieb bei der Truppe. Unsere Feldbatterien östlich Beuville hatten einen schweren Stand, ein Geschütz erhielt Volltreffer, hierbei wurde u. a. auch Hauptmann Mittmann verwundet. – Der Regiments-Stab Reserve-Regiment 51 beobachtete an der Höhe 500 Meter südlich Beuville das Gefecht, als sich feindliche schwere Artillerie auf diesen Hang einschoss. Etwa 40 schwere Granaten gingen dorthin. Während Oberleutnant Brauer zur Beobachtung weiter vorkroch, schlugen 2 Granaten 4 und 5 Schritt neben dem Kommandeur ein, der heftigen Luft- und Erddruck gegen seine Brust verspürte. Ein Granatsplitter fuhr in das Gewehr der neben ihm liegenden Gefechtsordonnanz Sobotta. Kurzum, es war hier oben z. Zt. wenig gemütlich. Einen schmerzlichen Verlust sollte zu gleicher Zeit der Brigade-Stab erleiden. Nahe Beuveille wurde neben dem Brigade-Kommandeur der Adjutant Oberleutnant Rudolph durch Granat-Volltreffer zerrissen in die Luft geschleudert. Generalmajor Freiherr von Wilmowski musste sich infolge hierbei zugezogenem Nervenschocks krankmelden, Oberstleutnant von Kameke übernahm vorübergehend die Führung der 23. Brigade.

Die Wirkung unserer Artillerie gestaltete sich stündlich günstiger. Vom Bahndamm konnte man gut beobachten, wie die feindlichen Gräben durch unsere Granaten und Schrapnells gefasst wurden, mancher Treffer saß drin und veranlasste die Franzosen zum Reißaus. Mit fliegenden Rockschößen sah man französische Infanteristen über den bräunlichen Ackerboden zurückeilen und stürzen, verfolgt von unseren Schrapnells mit weißen Wölkchen und rötlichem Feuerblitz.

Ins Feuergefecht konnten zunächst nur die Maschinengewehr-Kompanie und die vorderen Kompanien des II. Bataillons (6. und 8. Kompanie) erfolgreich eingreifen, den Kompanien des I. Bataillons bot sich wegen zu großer Entfernung vom Feinde noch kein lohnendes Ziel. Um 7 Uhr vormittags kündete das Tak-Tak-Tak der Maschinengewehre am rechten Flügel des Regiments an, dass man hier dem Gegner im Genick saß. Mit Visier 500 – 1.200 wurde der Nordostrand von Arrancy abgestreut, woselbst man feindliche eingenistete Maschinengewehre und Schützen erkannt hatte. Weitere kräftige Feuerstöße richteten sich gegen schwer erkennbare, in dem vorliegenden Haferfeld und in kleinen Buschgruppen eingenistete feindliche Infanterie.

Um 7.30 Uhr vormittags eröffneten die 6. und 8. Kompanie mit Visier 800 bzw. 1100 und 1200 vom Bahndamm aus das Feuer. Es galt dem Feind im Vorgelände hart nordöstlich des Dorfes und am Bahndamm hart östlich von Arrancy. Der 6. Kompanie glückte es mit 2 hohen Visieren (1200 und 1400) eine feindliche Infanterie-Kolonne zu beschießen, die sich unvorsichtig am Nordausgang von Arrancy zeigte. Hauptmann Schacke beobachtete, wie bereits nach der ersten gutliegenden Salve die Franzosen auseinander stoben und in wenigen Augenblicken wieder die schützenden Gehöfte erreichten. Das gegen 9 Uhr einsetzende heftige feindliche Artillerie-Feuer tat den beiden Kompanien wenig.

Bei der 4. und 3. Kompanie konnte man z. Zt. nichts weiter tun, als in voller Deckung hinter dem Bahndamm zu verharren, die Kompanien lagen in eingliedriger Linie dicht an die Böschung gedrückt, nur die Führer beobachteten mit dem Glase scharf nach vorn, um den Augenblick ihres Eingreifens richtig zu erfassen. Da entdeckte Hauptmann Schiedt plötzlich an einem Höhenrand südlich Arrancy mehrere feindliche Reiter, die sich anscheinend etwas zu weit vorgewagt hatten. Sofort ließ er mit einem Zuge diesen feindlichen Stab – ein solcher schien es zu sein – unter Salvenfeuer nehmen. In schnellstem Tempo verschwanden die Reiter hinter der Höhe. In der gleichen Weise wurden auch noch einige feindliche Artillerie-Beobachter verscheucht.

Ein um 10 Uhr vormittags eintreffender Divisions-Befehl besagte, die 23. Reserve-Brigade solle von un an nur hinhaltend kämpfen, da der Einfluss der 11. Reserve-Division von Westen und des XVI. Armee-Korps bzw. des V. Reserve-Korps von Südosten her abgewartet werden müsse. Das Artillerie-Duell nahm inzwischen seinen Fortgang, das Feuer schwoll zeitweise zu ohrenbetäubender Heftigkeit an und flaute wieder ab. Mitunter dröhnte es als ob eiserne Tore aufeinander schlügen. Die Sonne meinte es wieder recht gut, ihre gegen Mittag sengend herniederbrennenden Strahlen dörrten den Gaumen aus und ließen die Zunge festkleben, allenthalben stellte sich Durst ein. Wasser war schwierig zu erreichen. Dafür entdeckte man aber ein gut bestandenes Mohrrübenfeld. Einige Leute krochen hin, füllten sich die Taschen und verteilten die Rüben in der Gefechtslinie. Ein Zugführer der 4. Kompanie hatte weniger Glück. Auf der Suche nach Wasser gelangte er in ein kleines Streckenwärter-Haus, dort die Flasche mit hellgelber Flüssigkeit auf dem Tisch scheint Apfelwein zu enthalten! Er setzt an: Pfui Deibel, Maschinenöl!

Beuveille erhielt am Vormittag wiederholt Artillerie-Feuer. Einmal sah sich der Divisions-Stab genötigt, das Dorf vorübergehend zu verlassen. Auch die Chaussee Beauveille-Arrancy wurde heftig beschossen. Ferner schlugen schwere Granaten anscheinend aus Rimailho-Geschützen, in bedenklicher Nähe der in eingliedriger Formation auf dem vorderen Hang eine Anhöhe liegenden 5. Kompanie ein, die sich mit einem Schritt Zwischenraum von Mann zu Mann eingegraben hatte, um wenigstens gegen Splitterung gedeckt zu sein. Nur diesem ist es zuzuschreiben, dass die Verluste bei der Kompanie gering waren. Den Bachgrund am Bahndamm entlang sah man Verwundete vom Reserve-Jäger-Bataillon 6 sich heranschleppen, ein Zeichen, dass auch Reserve-Regiment 38 nicht mehr weitab sein konnte.

Es war 11 Uhr vormittags. Deutlich erkannte man, wie sich auf den Höhen südöstlich Arrancy Schützenlinien abhoben, gegen das Dorf vorgehend; die 22. Reserve-Brigade war es, an ihrem rechten Flügel Reserve-Regiment 38. Die Maschinengewehr-Kompanie meldete kurz darauf dem Regiment, dass Reserve-Regiment 22 nur noch einige 100 Meter von Arrancy entfernt sei.

Nun brachte Oberstleutnant von Kameke durch Signal den Angriff des Regiments 51 in Bewegung. Am rechten Flügel gelang es der Maschinengewehr-Kompanie geschickt vorzugehen und 3 Gewehre bis an den Dorfrand vorzuschieben, die anderen 3 Gewehre unterstützten dieses Vorgehen durch ihr Feuer. Die Häuser wurden unter Feuer genommen. Die Kompanien des II. Bataillons überschritten den Bahndamm sowie Crusnes-Bach und strebten dem östlichen Dorfrand zu. Beim I. Bataillon gab die 3. Kompanie den Impuls, da sie am weitesten von Arrancy entfernt war.

Vor der Kompanie lag das französische Artillerie-Feuer sehr regelmäßig, d. h. die Granaten schlugen mit so genauen Abständen 50 zu 50 Metern, in den Boden ein, dass man tadellos zwischen den einzelnen Wellen dindurchspringen konnte. Sprungweise in Gruppen und Zügen näherte sich die Kompanie dem Dorfe. Etwa 300 Meter vom Dorfrand entfernt erhielt plötzlich der Führer Hauptmann Schiedt einen Brustschuss. Trotz der stark schmerzenden Wunde schimpfte er noch weidlich darüber, dass er nun nicht mehr mitmachen könne, seine Leute außerdem noch kräftig zum Vorwärtsgehen anfeuernd. Am gleichen Vormittag wurde auch noch Leutnant der Reserve Paur der 3. Kompanie durch Wadenschuss verwundet, sodass innerhalb von 3 Tagen sämtliche Offiziere dieser Kompanie außer Gefecht gesetzt worden waren. Die 4. Kompanie folgte bald, an die 3. Anschluss gewinnen. Wähend die Kompanien des II. Bataillons stürmend den Ostrand von Arrancy erreicht hatten, ereignete sich das Missgeschick, dass unsere schwere Artillerie irrtümlicherweise noch einige Granaten ins Dorf sandte, ohne glücklicherweise Verluste der eigenen Truppe zu verursachen. So fuhr nicht weit von der 5. Kompanie eine schwere Granate donnernd in einen Garten, Offizier-Stellvertreter Knappe erhielt daher von Hauptmann  Wagner den Auftrag, die Artillerie dahin zu verständigen, dass wir uns bereits im Dorfe befänden. Knappe lief auf eine naheliegende Höhe, band sein Taschentuch, das alles andere als weiß war, an ein Gewehr und winkte wie ein Besessener. Endlich hatte die Artillerie das Zeichen verstanden und schickte einen berittenen Offizier ins Dorf, worauf das Feuer sofort eingestellt wurde. Gegen 1 Uhr war das Dorf in unserem Besitz. Ein Teil der Häuser brannte, starker Rauch stieg auf. An vorgefundenen Weinvorräten, meist leicht bekömmlicher Obstwein, löschte der Krieger seinen Durst, die Lebensgeister wurden neu entfacht. Man hielt kurz Umschau im Dorf. Innerhalb der Hecken hatte die französische Infanterie geschickt ihre Schützengräben angelegt, viele Gefallene lagen umher.

Der französischen Artillerie unsere Anerkennung! Sie hatte tapfer den Rückzug ihrer Infanterie gedeckt, am östlichen Dorfrand in einem Obstgarten standen die Reste einer Batterie, deren Bedienungsmannschaften hinter den Geschützen fast ausgerichtet, tot da lagen. Ein Artillerie-Oberstleutnant lag dort ebenfalls gefallen, sein Käppi behielt einer unserer Kameraden zum Andenken. An anderer Stelle bemerkte man dicht nebeneinander liegend noch im Geschirr eine Anzahl aufgedunsener Pferdekadaver, anscheinend die Bespannung eines Geschützes. Unsere Artillerie hatte vortrefflich gewirkt.

Seine Exz. der kommandierende General, der auf seinem Schimmel nach vorn geritten war, wurde in Arrancy von Offizieren und Mannschaften freudig mit Hurrah begrüßt.

Beim Verlassen der Stellungen war die französische Infanterie auch westlich Arrancy in unser Artillerie-Feuer, in das von Südosten her flankierende Feuer des V. Armee-Korps geraten. Dies zeigte sich in einem Hohlweg westlich des Dorfes, wo ganze Haufen toter Franzosen lagen. Man hatte den Eindruck eines Rückzuges Hals über Kopf, besonders an der Straße nach Pillon. Im Gelände verstreut fanden sich hier weggeworfene Gewehre, Tornister, große Kochgeschirre, ein zertrümmertes Maschinengewehr mit Ladestreifen und zahlreiche Päckchen von Infanterie-Munition. Noch sichtbare Feuerreste und Kochgeschirre mit warmer Reissuppe gefüllt, ließen darauf schließen, dass man in der Eile auf den größten Teil der Mahlzeit hatte verzichten müssen. Einige gefallene Franzosen trugen um den Hals gehängt kleine Amulette, die geweiht, gegen Hieb und Schuss das Leben schützen sollten.

Am Nachmittag trafen beim Generalkommando die Glückwünsche des Kaisers zu der vortrefflichen Haltung des VI. Reserve-Korps ein, denen sich auch der Kronprinz anschloss. – Das Korps erhielt Befehl, am 24. nicht weiter vorzugehen, sondern das eroberte Gelände zu halten. Die 12. Reserve-Division ordnete ihre Verbände westlich Arrancy und schob schwache Schützenlinien zur unmittelbaren Sicherung nach Westen vor.

Es war gegen 4 Uhr nachmittags. Da in Gegend Constantine und nördlich gegen Le Haute Bois noch vereinzelt Schüsse fielen und schwaches Infanterie-Feuer aufflackerte, erhielt I. Reserve-Regiment 51 Befehl, das Gelände vor der Front der Division bis an die Chaussee Longuyon-Rouvrois vom Feinde zu säubern. Die Fermen bei Constantine brannten. Das Bataillon entwickelte die 4. Kompanie in breiter Front, während die übrigen Kompanien mit Gefechtsabstand geschlossen folgten. Das II. Bataillon mit Maschinengewehr-Kompanie verblieb 500 Meter westlich Arrancy. Es wurde Essen aus der Feldküche empfangen. Die Schützen der 4. Kompanie erreichten im Vorgehen das Waldstück bei Constantine, ohne auf einen Feind zu stoßen. Da die Hitze sich immer noch sehr stark bemerkbar machte, ließ Oberleutnant Pokorny während des Vorgehens am Brunnen eines Gehöftes Wasser trinken. Rums, Pratsch – pratsch, klatschte und prasselte es in die Baumwipfel. Es waren feindliche Schrapnells, deren Sprengpunkte aber so hoch lagen, dass wirkungslos nur heiße Kugeln und Splitter auf die Trinkenden herabfielen. In den Gehöften hatten die Granaten gewaltig aufgeräumt; wohin man blickte zerschossene Mauern, verbranntes und zerstrümmertes Mobiliar, zerrissene und verbrannte Tapenet. Mehrere ledige Pferde, aus Stall oder Koppel ausgebrochen, galoppierten umher.

Der Nachmittag neigte sich dem Ende zu. Da traf von der Division der Befehl ein, dass die 23. Reserve-Brigade für die Dunkelheit Gefechtsvorposten westlich Constantine, übernehmen sollte, der Gegner sei auf Sorbey zurückgegangen. II. Reserve-Regiment 51 übernimmt die Vorposten. Um 5.30 Uhr nachmittags tritt das II. Bataillon mit Marschsicherung auf der Straße Arrancy-Constantine an, die Maschinengewehr-Kompanie hinter dem II. Bataillon, mit 800 Metern Abstand folgte I. Bataillon. Diesseits des Waldstückes bei Constantine schlägt plötzlich Infanterie-Feuer in das II. Bataillon. Major Schaaf entwickelt 5. und 6. Kompanie nördlich und südlich der Chaussee Arrancy-Pillon und nimmt das Feuer gegen das Wäldchen auf. Die 7. und 8. Kompanie bleiben geschlossen und legen sich hin.

Da befiehlt das Regeiment den Angriff nicht weiter fortzusetzen, sondern an Ort und Stelle Gefechtsvorposten auszusetzen. Die beiden entwickelten Kompanien graben sich ein, 7. und 8. Kompanie 300 Meter dahinter in Reserve. Das I. Bataillon bezog westlich Arrancy Notbiwak. Wegen der verhältnismäßig nahen Berührung mit dem Feinde unterblieb beim I. Bataillon ein Aufschlagen der Zelte. In Mantel und Zeltbahnen gehüllt ruhten die Leute bei den zusammengesetzten Gewehren. Patrouillen der 5. und 6. Kompanie stellten während des Abends fest, dass die Fermen von Constantine vom Gegner besetzt seien.

So endete der Ruhmenstag von Arrancy. Während am 1. Kampftage der Schlacht bei Longwy am 22.08. das I. Bataillon sich unter schweren Verlusten so glänzend geschlagen hatte, empfing am 23.08. bei Beuville das II. Bataillon die Feuertaufe und bewies an diesem wie am folgenden Tage gleiches Heldentum. Leutnant der Reserve Maschke 7. Kompanie und 26 Mann waren auf dem Felde der Ehre geblieben, 6 Mann wurden vermisst. 106 Verwundete zählte man beim II. Bataillon, darunter bei der 8. Kompanie die Offizierstellvertreter Paeske und Kowalczyk.

Die nächtliche Ruhe im Biwak beim I. Bataillon sollte etwas gestört werden. Gegen Mitternacht setzte plötzlich lebhaftes feindliches Infanterie-Feuer ein. Die Geschosse schlugen dicht bei den ruhenden Mannschaften ein oder sausten über die Köpfe hinweg. Man vermutete einen Überfall. Im Nu waren die Kompanien an den Gewehren, entwickelten sich auf der Grundlinie, den Gegner erwartend. In der pechschwarzen Nacht erkannten sich Führer und Mannschaften nur notdürftig. Da kam etwas von vorn die Chaussee herabgebraust, – es waren Pferde der Vorposten-Kavallerie, die infolge des Schießens den 4. Reserve-Ulanen durchgegangen waren. Nur mit Mühe wurden die Tiere zum Stehen gebracht. Auch die Pferde des Oberleutnant Pokorny hatten sich der wilden Jagd angeschlossen, da die Zügel den im Chausseegraben schlaftrunken sitzenden Pferdehalter entglitten waren. Oberleutnant Pocorny war beide Pferde mit vollständiger Feldausrüstung und Zubehör los, er hat sie nie wiedergesehen. Weitere Unruhe erregte ein aufgelöst von vorn kommender Mann der 7. Kompanie, die Worte hervorstoßend: „Kommt schnell zu Hilfe, vorn sind sie schon alle weg, es lebt keiner mehr!“ Die sofort mit dem II. Bataillon aufgenommene Verbindung ergab, dass von dieser Hiobspost kein Wort stimmte. Das Schießen war durch Franzosen, die im Walde auf Bäumen saßen, sowie von herankommenden Patrouillen verursacht worden. Der Gegner wurde in kurzer Zeit durch das Feuer der Vorposten-Kompanie zum Schweigen gebracht. – Der geschilderte Vorgang ist bezeichnend für die am Anfang des Krieges mitunter auftretende Kriegsnervosität.“

Man begrub Eduard Rudolf auf dem Soldatenfriedhof Lich-Arnsburg in Grab 108.

Grabstein von Eduard Rudolf
Grab von Eduard Rudolf

Die Männer des Ersten Weltkrieges – Teil 1.954: Mathäus Kain

Der Soldat Mathäus Kain stammte aus Griesacker, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Teisendorf, und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er in der 1. Kompanie des 3. Jäger-Regiments. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. Am 01.08.1918 fiel er im Alter von 21 Jahren in Frankreich.

Man begrub Mathäus Kain auf dem Soldatenfriedhof Soupir in Block 1, Grab 1370.

Sterbebild von Mathäus Kain
Rückseite des Sterbebildes von Mathäus Kain

Die Männer des Zweiten Weltkrieges – Teil 1.925: Anton Beck

Der Soldat Anton Beck stammte aus Birket in Bayern und war der Sohn eines Tagelöhners. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er in der 2. Kompanie des 13. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Er wurde mit dem Eisernes Kreuz 2. Klasse  ausgezeichnet. Am 12.08.1917 fiel er nach drei Jahren Kriegsdienst im Alter von 26 Jahren bei Stellungskämpfen am Chemin des Dames in der Nähe von Allemant durch ein Artilleriegeschoss. Französische Truppen hatten ein Stoßtrupp-Unternehmen durchgeführt.

Man begrub Anton Beck auf dem Soldatenfriedhof Mons-en-Laonnois in Block 25 Grab 95.

Sterbebild von Anton Beck
Rückseite des Sterbebildes von Anton Beck

Die Männer des Ersten Weltkrieges – Teil 1.884: Georg Kunstwald

Der Landsturmmann Georg Kunstwald wurde am 03.06.1893 in der bayerischen Gemeinde Reichersbeuern als Sohn eines Kaufmanns geboren. Im Ersten Weltkrieg diente er als Reservist in der 8. Kompanie (2. Bataillon) des 12. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Er wurde mit dem bayerischen Militär-Verdienstkreuz mit Schwertern ausgezeichnet. Am 17.04.1917 starb er im Alter von 23 Jahren nachdem er am 16.04.1917 in bei den Kämpfen bei Prouvais an der Aisne schwerer verwundet worden war. Er hatte 26 Monate Kriegsdienst geleistet.

Über den Tag der schweren Verwundung berichtet die Regimentsgeschichte des 12. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:

„Kampf um die erste Stellung

Nach einem heftigen kurzen Feuerschlag brachen am 16.04.1917 im Morgengrauen aus dem „Grabenhorn“ starke feindliche Stoßtrupps gegen unsere Stellung vor. Unser Infanterie- und MG-Feuer zwang sie rasch wieder zu Boden. MG unseres Nachbarn zur Rechten vom Ersatz-Regiment 3 leisteten dabei wertvolle Hilfe. Als Antwort darauf bearbeiteten Artillerie und Minenwerfer des Feinde nochmals kurz aber heftig unsere 1. Stellung, wobei besonders die linke Flügelkompanie und der Miette-Grund bedacht wurden. In Rauch, Staub und Gas gehüllt, aus denen mächtige Feuersäulen emporschlugen, schien jedes Leben nunmehr in ihr erloschen. Da ratterten plötzlich Tanks heran – es mögen fünf, es mögen mehr gewesen sein – dichtauf gefolgt von starken Schützenschwärmen. Der Stoß traf hauptsächlich den linken Teil der Stellung, 10. und 12. Kompanie, sowie den rechten Flügel unseres Nachbarn zur Linken, das Reserve-Infanterie-Regiment 10 jenseits der Miette. Die feindliche Infanterie drang in die Bresche ein und begann mit Handgranaten und Flammenwerfern die Stellung aufzurollen, unterstützt von mehreren Schlachtfliegern, die in niedrigster Höhe fliegend mit Maschinengewehren und Handgranaten ihrer Infanterie den Weg bahnten. Stundenlang tobte hier ein ungeleiteter und ungleicher Kampf. Zahlreiche französische Gefangene wurden in die Unterstände ngepfercht; 80, darunter 2 Offiziere, lieferte ein Unteroffizier in Juvincourt ab. Aber der Feind schob immer neue Wellen nach, umzingelte und überwältigte kleinere Trupps und fasste, aus dem Miette-Grund heraufsteigend, die Stellung nunmehr auch im Rücken an. Am Straßenstützpunkt, den Leutnant Kandler mit dem 3. zug der 9. Kompanie tapfer verteidigte, im Schröderhau und Viller-Wald fand er heftigen Widerstand. Eine Gruppe von 63 Mann der 9. und 11. Kompanie suchte im Viller-Wald Anschluss an Ersatz-Regiment 3 und hielt sich dort unter Führung des Hauptmanns Schuhmann und des Leutnants Stiefenhofer, denen sich auch Oberarzt Dr. Volk angeschlossen hatte, noch bis zum 18. morgens. Ohne Verpflegung, die letzte Patrone verschossen, abgeschnitten von der eigenen Truppe, traf sie nach erfolglosen Durchbruchsversuchen das schwere Los der Gefangenschaft, als jede Hoffnung auf Entsatz geschwunden war.

Der Bataillons-Kommandeur, durch Brustschuss schwer verwundet, war schon am 16. morgens in Feindeshand gefallen. Von einer regelrechten Gefechtsleitung war daher schon längst keine Rede mehr. Jedermann war auf sich selbst gestellt, Einzelkämpfer und kleinere Gruppen standen fest wie Felsen im tobenden Meer und kämpften weiter in der Hoffnung auf kommenden Entsatz. Ein verwundeter MG-Schütze schleppte sich noch auf Umwegen in die Artillerie-Schutz-Stellung zurück. Er hatte trotz seiner Verwundung nicht vergessen, das Maschinengewehr-Schloss mitzunehmen, als er als letzter Mann der Bedienung dem Feinde seine Waffe unbrauchbar überließ. Leutnant Straub, der Führer der 1. Kompanie, wurde überwältigt und gefangen genommen, konnte seine Lage nicht fassen und wurde Aussage seines treuen Burschen aus nächster Nähe niedergeschossen, weil er sich weigerte, seine Waffen abzuliefern. Das Schicksal des Straßenstützpunktes war besiegelt. Er fiel in Feindeshand, mit ihm auch Unteroffizier Hinterberger, der mit seinem Maschinengewehr den beiderseits der Miette gegen die Artillerie-Schutz-Stellung vorgehenden Franzosen schwere Verluste zugefügt hatte. Die im Laufe des Schlachttages angesetzten Gegenstöße erreichten die 1. Stellung nicht und damit war das Los der Reste ihrer tapferen Besatzung entschieden.

Kampf um die Artillerie-Schutz-Stellung

Das I. Bataillon, ohne 1. Kompanie, die dem Stellungsbataillon als Reserve zur Verfügung stand, hatte in der Nacht vom 13./14. die Artillerie-Schutz-Stellung besetzt (rechts 4., Mitte 2., links 3. Kompanie). Diese, als Hinterhangstellung angelegt, war für die verfügbaren Kräfte reichlich ausgedehnt. Bis zum 16. gelang es, die Schäden, die das feindliche Artilleriefeuer verursachte, immer wieder in Ordnung zu bringen. Seit dem frühen Morgen des 16. lag schweres ununterbrochenes Vernichtungsfeuer besonders auf der ersten Linie und auf dem „Feldwerk“ am linken Flügel der Stellung. Die Besatzung der 3 Linien, seit 6.15 Uhr vormittags vollständig gefechtsbereit, suchte Schutz in den Unterständen; nur Posten und beobachtende Offiziere blieben auf ihren Plätzen.

Gegen 8.45 Uhr vormittags ließ das feindliche Feuer plötzlich nach, zugleich drangen feindliche Abteilungen durch das zerschossene Hindernis im „Feldwerk“ ein und suchten von hier aus die 1. Linie aufzurollen. Aus dem Miette-Grund und besonders vom östlichen Bachbrund her, wo die Artillerie-Schutz-Stellung im ersten Anlauf überrant wurde, stoßen dem Feind ununterbrochen Verstärkung zu. Auch aus dem Schoppgraben drängten Stoßtrupps gegen die 1. Linie heran. Auf dem rechten Flügel, an der Grenze zum Ersatz-Regiment 3, war schon starker Feind in die 1. Linie eingebrochen und im Angriff Richtung Juvincourt begriffen. Wie war das möglich? Nachdem in unsere vorderste Stellung beiderseits des Miette-Baches Bresche geschlagen war, drängte der Franzose im Bachgrund vorwärts, unbekümmert um die Kämpfe, die noch lange um die vorderste Stellung tobten, und erschien überraschend vor der Artillerie-Schutz-Stellung, durch den Bachgrund, durch Nebel, Rauch und Staub der Sicht entzogen. Die Zwischengelände-Maschinengewehre, in Flanke und Rücken gefasst, leisteten anscheinend nur kurzen Widerstand.

Nun galt es rasch zu handeln und das geschah mit großer Tatkraft. Gegen die auf Juvincourt im Angriff befindlichen Feinde wurden drei verfügbare Maschinengewehre eingesetzt, welche ungeachtet des feindlichen Artilleriefeuers frontal und flankierend im knieenden Anschlag in den Feind hineinschossen, ihm ganz erhebliche Verluste beigrachten und ihm die Luft zu weiterem Vorgehen benahmen. Als die Bedienung eines Gewehres durch feindliches Infanteriefeuer abgeschossen war, bediente es Leutnant Schiemer allein weiter, bis auch er durch schwere Verwundung kampfunfähig wurde. Zur Säuberung der rechten Hälfteder 1. Linie wurde Leutnant Endres mit einem Stoßtrupp angesetzt, dem es gelang, durch schneidiges Vorgehen, gut sitzende Handgranaten und lautes Hurrarufen die eigene Schwäche zu verdecken. Hierbei hat sich Unteroffizier Höbel, der 1. Kompanie, als schneidiger Handgranatenwerfer hervorgetan. Er wurde mit der silbernen Tapferkeitsmedaille belohnt. Der Vorstoß hatte Erfolg, der Franzose ging hier in unserem Feuer auf die alte Artillerie-Schutz-Stellung zurück. Den Feind auch aus dem Feldwerk hinauszuwerfen, fehlten die Kräfte; hier musste man sich vorläufig auf Abwehr beschränken. Der erste Ansturm des Feindes war zwar abgeschlagen, die Lage aber immerhin noch recht bedrohlich. Mit einem Gefühl der Erleichterung wurde daher gegen 10.00 Uhr vormittags in Richtung auf den Miette-Grund östlich Juvincourt heranrückende II. Bataillon unter Führung des Hauptmanns von Brandt begrüßt. Seit 5.30 Uhr vormittags lag das Bataillon marschbereit in der 2. Stellung, erhielt 9.25 Uhr den Befehl, in Richtung Juvincourt-Miette-Knie vorzugehen, Bataillons-Kommandeur zum Regiments-Kommandeur auf Höhe 141 voraus. Hier bekam er Weisung, sich dem Kommandeur I. Bataillons zu unterstellen, die 1. Linie der Artillerie-Schutz-Stellung und das Feldwerk zu säubern und bis zum Birkenwaldriegel vorzustoßen. Die 6. Kompanie war als Sicherheitsbesatzung in der 2. Stellung verblieben; die an und für sich schwache 8. Kompanie erhielt beim Vorgehen mehrere Artillerie-Volltreffer, stob auseinander und war beim Vorstoß nicht mehr zu verwenden. Der 7. Kompanie, zusammen mit Teilen des preußischen Infanterie-Regiments 53 gelang es, die Bergmühle den Franzosen zu entreißen. Der stellvertretende Kompanieführer. Leutnant Schlicht, wurde verwundet, nachdem kurz zuvor der Kompanieführer, Leutnant Fritz, durch Verwundung ausgefallen war. Der Rest der Kompanie unter Vizefeldwebel Ernst beteiligte sich mit Infanterie-Regiment 53 am Aufrollen des Schoppgrabens II und wies weitere franzöische Vorstöße erfolgreich ab. Gegen Abend wurde die Kompanie vom Kommandeur des I. Bataillons in die 2. Linie zurückgenommen und zwischen 2. und 3. Kompanie eingeschoben. Die 5. Kompanie mit Teilen des I. Bataillons rollte nach Osten gegen das Feldwerk zu auf, warf den Feind dahin zurück und nahm ihm 14 Gefangene, 4 Maschinengewehre und ein automatisches Gewehr ab. Von da an blieb die Artillerie-Schutz-Stellung unversehrt in der Hand ihrer tapferen Besatzung. Nur im Feldwerk, das vom Ostufer der Miette ständig frische Kräfte erhielt, konnte sich der Feind behaupten.

So gelang es dem Kommandeur des I. Bataillons, Major Knoll, unterstützt von seinem nimmermüden Adjutanten, Leutnant Schönmann, durch seine ruhige, überlegte Führung und durch die Zähigkeit und Opferfreudigkeit der Truppe dem weiteren Vordringen des Feindes einen Riegel vorzuschieben und sein weitgestecktes Ziel – Durchbrechung unseres Stellungssystems – zu vereiteln.

Tankangriff

Gegen 12.00 Uhr mittags setzte der Franzose erneut zu einem mächtigen Stoße an, dem er einen gewaltigen Feuerüberfall vorausschickte. Wiederum war das Schlachtfeld in einen undurchdringlichen Schleier gehüllt. Zahlreiche Schlachtflieger kreisten über der Regiment-Befehlsstelle auf Höhe 141 und hämmerten aus ihren Maschinengewehren. Da fegte eine frische Aprilbriese über das qualmende Schlachtfeld, der Schleier zerriss und die Sonne blendete für wenige Minuten ein bisher nicht gesehenes Bild. Wir trauten unseren Augen nicht, als wir in einer Entfernung von 500 Metern eine Kolonne von 10 – 20 Tanks mit der Geschwindigkeit marschierender Infanterie am Ostufer der Miette gegen Höhe 141 herankriechen sahen. Da prasselte von allen Seiten besonders flankierend aus der Artillerie-Schutz-Stellung von unserem I. Bataillon, ein wildes Feuer aus Infanterie- und Maschinengewehr mit K-Munition auf die Tankkolonne los, dem sich bald auch unsere Artillerie zugesellte. Einige Kampfwagen blieben im Feuer liegen, die übrigen, zur Linie aufmarschiert, setzten den Vormarsch fort, aus ihren Maschinengewehren und 3,7 cm-Schnellfeuerkanonen lebhaft feuernd, und gelangten noch mehrere hundert Meter rückwärts des Regiments-Gefechtsstandes. Hier ereilte sie das Geschick. Zwei noch intakte leichte Feldkanonen des Reserve-Feldartillerie-Regiments 5 erledigten einen Teil auf nahe Entfernung durch Volltreffer, einige kehrten um, einzelne wurden von ihren Besatzungen verlassen, nachdem sie vorher die Benzinvorräte in Brand gesteckt hatte. Es war ein herrlicher Anblick, wenn ein Volltreffer glückte: Mächtige Rauchwolken, durchzuckt von Stichflammen exploderender Munition, die im Vereine mit dem brennenden Betriebsstoff den Tank bis zur Rotglut erhitzten. Nur einer hatte die Kühnheit noch weiter vorzudringen. Er gelangte bis zu unserem Sanitäts-Unterstand im Rücken der Artillerie-Schutz-Stellung. Seine Besatzung – 1 Offizier und 2 Mann – sprang aus dem Wagen; der Offizier postierte die 2 Mann mit einem Maschinengewehr an dem Unterstandsausgang, sich selbst mit dem schussbereiten Revolver an dem anderen, nachdem er die Verwundeten, die Ärzte und das Sanitäts-Personal zu Gefangenen erklärt und ihnen die Ferngläser und Pistolen abgenommen hatte. Sie versorgten hier auch noch 2 ihrer Kameraden, verwundete Offiziere von anderen Tanks und entkamen unversehrt in der allgemeinen Verwirrung, nachdem sie lange Zeit vergebens auf ihre Infanterie gewartet hatten. Diese war den Tanks nur zögernd gefolgt, geriet zudem in das wirksame Feuer zweier bei der Regimentsbefehlsstelle als Reserve zurückgehaltene Maschinengewehre, die Unteroffizier Heintz führte, fand die Kraft nicht mehr, ihren Kampfwagen zu folgen und ließ sie im Stiche. Unsere Verluste durch die Kampfwagen waren gering, die Menschen- und Materialverluste des Feindes empfindlich. Allenthalben sah man Tankleichen liegen. Unsere Division zählte 32 vor und in ihrer Stellung.

Das Regiment verlegte seine Befehlsstelle 1.30 Uhr nachmittags in die 1. Linie der 2. Stellung, nachdem sich nach dem feindlichen Einbruch vorwärts Höhe 141 keine Besatzung mehr befand. Die 2. Stellung war besetzt: In der 1. Linie von unserer 6. Kompanie und 1/3 Reserve-Pionier Kompanie 2, in der 2. Linie von 2/3 Reserve-Pionier-Kompanie 2.

Gegenangriffe

Ein Gegenstoß des preußischen Infanterie-Regiments 53 gelangte nicht über die Höhe 141 hinaus.

Gegen 5.00 Uhr nachmittags kam der Gegenangriff der 213 Infanterie-Division, über den das Regiment zufällig durch den protestantischen Divisionspfarrer Höfler Nachricht bekam, aus Richtung Damary-Ferme – Juvincourt zur Wirkung. Trotz aller Schneid führte auch er nicht zum Erfolg. Teile der Regimenter 74, 149, 284, 368 und 18. Pioniere drängten sich in unsere Artillerie-Schutz-Stellung, füllten die Gräben und brachten dem Kommandeur der Stellung keinen erfreulichen Zuwachs. Das Ordnen der Verbänd war für die Abwehr noch drohender feindlicher Angriffe erstes Erfordernis. Es war eine mühevolle, mehrstündige Arbeit, die an diesem Tage nicht restlos geschafft werden konnte.

Gegen 6.00 Uhr abends griff der Franzose unter frischem Einsatz von Tanks erneut östlich der Miette an, hatte aber keinen Erfolg.

In den Abendstunden war es Major Knoll mit vieler Mühe gelungen, eine geordnete Besetzung der Artillerie-Schutz-Stellung durchzuführen: 1. Linie: (von rechts – links) Teile der Infanterie-Regimenter 149 und 368: 2. Linie 4. und 2. Kompanie Reserve-Infanterie-Regiment 12, Teile des Infanterie-Regimentes 74, 1/3 7., 3. und 1/3 5. Kompanie Reserve-Infanterie-Regiment 12.

Die Versuche, das Feldwerk wieder zu nehmen oder wenigstens durch häufige Vorstöße den Feind in die Verteidigung zu zwingen, wurden energisch fortgesetzt. Leutnant Bock, Infanterie-Regiment 74, gelang es mit einem Stoßtrupp 6 Gefangene einzubringen. Vizefeldwebel Striedieck, Infanterie-Regiment 368, brachte 2 Maschinengewehre zurück. Die auch während der nächsten Tage unentwegt fortgesetzten kleineren Vorstöße der tapferen Besatzung der Artillerie-Schutz-Stellung nahmen hier dem Feind den Mut zu weiteren Angriffen.“

Man begrub Georg Kunstwald auf dem Soldatenfriedhof Asfeld in Block 6, Grab 152.

Die Männer des Ersten Weltkrieges – Teil 1.849: Joseph Auer

Der Soldat Joseph Auer wurde am 30.09.1883 in Eglfing in Bayern geboren und war Gutsbesitzer. Im Ersten Weltkrieg diente er im 11. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiment. Am 19.02.1918 fiel er im Alter von 34 Jahren im Gefecht bei Beaurevoir.

Man begrub Joseph Auer auf dem Soldatenfriedhof Maissemy in Block 3, Grab 1187.

Seine letzte Heimatgemeinde Köfering gedenkt Joseph Auer noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2010/koefering_wk1u2_bay.htm

Sterbebild von Joseph Auer
Rückseite des Sterbebildes von Joseph Auer

Der theoretische Weg von Joseph Auer von seinem Geburtsort über seinen Sterbeort zu seinem Grab:

Die Männer des Ersten Weltkrieges – Teil 1.784: Johann Schwarzhuber

Der Landsturmmann Johann Schwarzhuber stammte aus Buch, heute ein Ortsteil der bayerischen Gemeinde Wolnzach, und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg diente er in der 1. Batterie des 22. bayerischen Fuß-Artillerie-Bataillons als Kanonier. Am 18.07.1917 verstarb er im Alter von 42 Jahren in der Siegfriedstellung bei Serre an Herzlähmung.

Man begrub Johann Schwarzhuber auf dem Soldatenfriedhof Origny-Ste.-Benoîte in Block 1, Grab 269.

Sterbebild von Johann Schwarzhuber
Rückseite des Sterbebildes von Johann Schwarzhuber

Die Männer des Ersten Weltkrieges – Teil 1.757: Franz Rannertshauser

Der Soldat Franz Rannertshauser stammte aus Weikenhausen, heute ein Ortsteil der bayerischen Gemeinde Schweitenkirchen, und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltzkrieg diente er im 20. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiment. Am 18.07.1918 fiel er im Alter von 31 Jahren in Sanvigny-Reuilly.

Man begrub Franz Rannertshauser auf dem Soldatenfriedhof Belleau in Block 2, Grab 540.

Den Bruder von Franz Rannertshauser, Josef, stelle ich morgen vor.

Sterbebild von Franz und Josef Rannertshauser
Rückseite des Sterbebildes von Franz und Josef Rannertshauser

Die Männer des Ersten Weltkrieges – Teil 1.737: Johann Lang

Der Soldat Johann Lang wurde am 21.05.1890 geboren und stammte aus Larsbach, heute ein Ortsteil der bayerischen Gemeinde Wolnzach, und war ein Kleinbauer. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Gefreiter in der 12. Kompanie des 12. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments.  Er wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. Am 11.04.1917 fiel er im Alter von 27 Jahren in der Nähe von Prouvais an der Aisne bei Reims durch einen Kopf- und Beinschuss nach 33 Monaten Kriegsdienst.

Man begrub Johann Lang auf dem Soldatenfriedhof Rumaucourt in Block 1, Grab 473.

Sterbebild von Johann Lang
Rückseite des Sterbebildes von Johann Lang

Der theoretische Weg von Johann Lang von seinem Geburtsort über seinen Sterbeort zu seinem Grab:

Die Männer des Ersten Weltkrieges – Teil 1.732: Johann Kellerer

Der Infanterist Johann Kellerer stammte aus Aiglsbach in Bayern und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er in der 3. Kompanie des 10. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 17.12.1917 fiel er im Alter von 19 Jahren in Frankreich zwischen Fresnoy-en-Gohelle und Oppy.

Die Lages den Grabes von Johann Kellerer ist unbekannt.

Sterbebild von Johann Kellerer
Rückseite des Sterbebildes von Johann Kellerer

Die Männer des Ersten Weltkrieges – Teil 1.696: Karl Hofmeier

Der Gefreite Karl Hofmeier stammte aus Weyarn in Oberbayern und war der Sohn eines Schuhmachermeisters. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er in der 4. Kompanie des 1. bayerischen Infanterie-Regiments. Er wurde mit dem Militärverdienstkreuz 3. Klasse ausgezeichnet. Am 22.03.1918 verstarb er nach schwerer Verwundung im Alter von 28 Jahren bei Jussy in Frankreich nach 5 1/2 Jahre Kriegsdienst.

Über den Todestag von Karl Hofmeier berichtet die Regimentsgeschichte des 1. bayerischen Infanterie-Regiments:

Am 22.03.1918 ging es vorwärts über Lizerolles – Montescourt bis an Jussy heran. In diesen Kämpfen haben die MG und Begleitbatterien ganz hervorragende Leistungen erreicht, sie waren die einzigen Stützen des Angriffs geworden, da die Masse der Artillerie im Stellungswechsel nach Vorwärts und in der Umgruppierung war. Es gelang der 1. bayerischen Infanterie-Division in der großen Schlacht bis nach Lassigny = 50 km Tiefe durchzustoßen, dabei stand die Division in ständigem Kampfe. Bis auf wenige Kilometer wurden die MG und ihre ganze Munition getragen. In der Ausbildung bei Vervins war dieses Tragen besonders trainiert worden. Es hat sich tausendfach bezahlt gemacht und manchem das Leben gerettet, denn die Begleitbatterien und MG waren trotz des schlechten Bodens – die Division stand im weg- und straßenlosen „Alberich-Gebiet“ – jede Minute zur Stelle. Die Batterien protzten in der Infanterielinie oft wenige hundert Meter vom Gegner zum Feuer ab.
Im Montescourt fiel dem Regiment ein englisches Lazarett mit Verpflegungsdepot in die Hände. Jeder raffte zusammen, was er schnell unterbringen konnte, so ganze Speckseiten und Wammerl, die unter den Arm genommen wurden und von denen man während des Vorgehens herunterbiss. Auch gab es Schokolade in reicher Menge, Cornedbeef, Whisky und sonstige gute Schnäpse, Eier in Mengen, Navy-Cut Zigaretten und Tabak. Ein paar betrunkene Engländer wurden aus dem Keller herausgezogen. Einige ausgezeichnete Pferde bildeten einen willkommenen Ersatz. Alles war das Bild einer kopflosen Flucht. Der Feind war vom Angriff vollkommen überrascht worden. Scharfe Manneszucht verhinderte einen längeren Aufenthalt in Montescourt. Es ging das Regiment beiderseits der Straße Montescourt – Jussy auf Jussy am Crozat-Kanal, dem Angriffsziel der 1. bayerischen Infanterie-Division weiter vor. Doch kam kurz vor Jussy gegen 9.30 Uhr vormittags der Angriff zum Stocken. Ein Eindringen in den Ort Jussy war nicht möglich. Gegnerische Reserven an Artillerie und Infanterie waren eingetroffen, sie leisteten am Nordrand von Jussy äußerst zähen Widerstand.
In einem ausgetrockneten Seitenarme des Crozat-Kanals standen zahlreiche englische MG, die dem Regiment sehr große Verluste beibrachten. Sehr geschickt aufgestellt und wandernd, sobald sie gefasst waren, bildeten sie für die Artillerie ein sehr schweres Ziel.
Jussy liegt zu beiden Seiten des Crozat-Kanals in dem von uns 1917 völlig zerstörten „Alberich-Gebiet“. Das Gelände ist vollkommen eben und ohne jegliche Deckung. Der Gegner – Engländer – hatte von den Häuserresten aus und dem etwa 500 Meter hinter Jussy führenden hohen Eisenbahndamm sehr günstige Beobachtung.
Die am Nachmittage des 22.03.1918 wiederholt gemachten Angriffsversuche des III., II. und I. Bataillons sowie des links anschließenden Infanterie-Regiments 30 blieben alle unter schweren Verlusten im Feuer liegen. Wohl unterstützte die in hervorragender Weise gefolgte Begleitbatterieganz ausgezeichnet. Da aber die Masse der Artillerie noch in der Umgruppierung nach vorwärts war, fehlte die notwendige tatkräftige Feuerunterstützung für den Angriff auf Jussy. Es musste daher die Dämmerung und die Nacht abgewartet werden, um die Wirkung der englischen MG zu lindern.“

Man begrub Karl Hofmeier auf dem Soldatenfriedhof St.-Quentin in einem Massengrab.

Sterbebild von Karl Hofmeier
Rückseite des Sterbebildes von Karl Hofmeier