Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.260: Engelbert Seehuber

Der Soldat Engelbert Seehuber stammte aus Oberwössen, heute ein Ortsteil der bayerischen Gemeinde Unterwössen, und war Kleinbauer in Rettenbach, heute ein Ortsteil der bayerischen Stadt Traunstein. Im Ersten Weltkrieg diente er in der 1. Kompanie des 14. bayerischen Armierungs-Bataillons. Am 13.08.1918 fiel er nach einem Jahr und 8 Monaten Kriegsdienst im Alter von 39 Jahren bei Coneevreux durch einen Granatsplitter (Lungensteckschuss).

Man begrub Engelbert Seehuber auf dem Soldatenfriedhof Sissonne in Block 4, Grab 835.

Noch heute gedenkt seine Heimatgemeinde Oberwössen Engelbert Seehuber auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/dkm_deutschland/unterwoessen-oberwoessen_wk1u2_bay.htm

Sterbebild von Engelbert Seehuber
Rückseite des Sterbebildes von Engelbert Seehuber

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.245: Heinrich Reinert

Der Soldat Heinrich Reinert wurde am 12.03.1899 in Billerbeck im heutigen Nordrhein-Westfalen geboren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Musketier in der 12. Kompanie /3. Bataillon) des 396. Infanterie-Regiments. Am 27.05.1918 fiel er im Alter von 19 Jahren bei Fóret de Mortier an der Aisne.

Über den Todestag berichtet die Regimentsgeschichte des 396. Infanterie-Regiment:

„Um 1 Uhr vormittags am 27.05.1918 lagen wir im Fóret de Mortier, hart nördlich des Kanals, bereit. Eng aneinandergerückt hockten wir in alten verfallenen Gräben, rechts das 2., links das 3. Bataillon, dahinter als Divisionsreserve das 1. Bataillon. Die „Turnstunde“, wie das Unternehmen neckisch genannt war, konnte beginnen. 

Während des dreistündigen Artilleriefeuers sollten Stege über den Kanal und den Fluss gelegt werden. Pioniere kamen zu dem Zwecke vor, und unser 1. und 2. Bataillon stellten eine Anzahl Mannschaften zum Heranschleppen des Materials. Aber der Anfang unseres Vorgehens wurde schwieriger, als wir gedacht hatten.

Der Feind war unruhig geworden. Er beschoss mit Artillerie und Minen den Kanal und das angrenzende Gelände. Der Bau war mit nicht unerheblichen Verlusten verbunden und erlitt Verzögerungen. Auch in die Bereitschaftsstellung im Walde schlugen Granaten ein und brachten Verluste.

Gegen 4.15 Uhr endlich konnte das 2. Bataillon beginnen, auf 5 Stegen überzugehen, voran die 8. Kompanie. Aber schon kam Unordnung. Teile des 3. Bataillons vermischten sich mit den Übergehenden. Ein Stocken entstand, was die Verluste vermehrte. Gleich jenseits wurden wir mit Maschinengewehr-Kugeln und Gewehrgranaten empfangen. Rechts vor uns lief in einer Schlucht eine Straße nach Süden, auf das Dorf Vauxaillon zu, das am Abhang lag. In den Höusern an dieser Straße hatten sich feindliche Nester eingerichtet. Wir waren dem Feuer dieser Nester umsomehr ausgesetzt, als plötzlich ein sumpfiger Graben, der nicht überbrückt war, uns stocken ließ.

Wir sollten eigentlich Vauxaillon rechts liegen und dem 3. Bataillon überlassen. Aber wenn wir überhaupt weiter wollten, mussten wir die flankierenden Maschinengewehr-Nester erst ausheben. Dann konnten wir bis an den Bahndamm vorgehen und uns dort nach links in unsern Gefechtsstreifen hinüberziehen.

Wir überschritten einen Wiesengrund. Im Schutze des Bahndammes wollten wir usn noch einmal ordnen. Da aber die Zeit schon drängte, kam mündlicher Befehl an die Kompanieführer, gleich weiterzugehen.

Inzwischen hatte sich auch das 3. Bataillon geordnet, schob sich rechts heraus, fand Anschluss an 24. Infanterie-Regiment und begann gleich den Sturm, der ohne erhebliche Schwierigkeiten in einem Lauf bis auf die ersten Höhen nördlich von Vauxaillon führte, die kurz vorher auch vom 2. Bataillon links davon erreicht worden waren. Aber nun schlug uns solches Kreuzfeuer entgegen, dass wir uns hinwerfen mussten. Denn links hatte 64. Infanterie-Regiment, das zuerst weiter als wir gewesen war, starken Widerstand gefunden und war zurückgeblieben. Daher saßen südlich der Schlucht die links unserer Höhe abschloss, noch feindliche Maschinengewehre. Auch rechts war unsere Flanke frei. 24. Infanterie-Regiment war überhaupt nicht vorgekommen. Daher konnte der Feind von den Höhen rechts unser 3. Bataillon mit Gewehr- und Handgranaten bedrängen.

Fast ungedeckt lagen wir dem Feuer ausgesetzt, ohne vom Platze gehen zu können. Denn rechts und links fehlte der Anschluss. Die Verluste mehrten sich. Daher wurden gegen 9 Uhr Teile der 9., 10. und 11. Kompanie zum umfassenden Flankenstoß nach rechts angesetzt. Aber die Höhen rechts von Vauxaillon waren außerordentlich stark mit Maschinengewehren besetzt, die wegen des Fehlens der 24er ungehindert flankierend schießen konnten. Bis an die Obstgärten nördlich von Vauxaillon kamen wir vor. Da mussten wir liegen bleiben. Der Gegner aber schoss immer weiter in unsere Reihen. Wir konnten nun erkennen, dass die Gräben auf den Höhen stark besetzt waren. Auch zwei Blockhäuser hoben sich drohend hervor. Wir schickten Melder nach hinten und baten um Hilfe. Aber sie kamen mehrmals mit dem Bescheid zurück, dass die Artillerie nicht vorkommen könnte, da der einzige Weg über den Fluss verstopft sei.

Gegen 3.15 Uhr nachmittags endlich war unsere 2. Minenwerferabteilung herangekommen und nahm die Blickhäuser unter Feuer. Inzwischen war auch 64. Infanterie-Regiment links heran und weiter vorgestoßen bis Bascule, einem kleinen Ort südlich Vauxaillon. Das Maschinengewehrfeuer links hörte auf. Aber von der rechten Seite wurde das 3. Bataillon immer noch hart bedrängt. Daher entwickelte sich das 1. Bataillon, das links gefolgt war, um den Gegner von Bascule her aufzurollen. Der erkannte aber die Gefahr und wich schon zurück. So konnte gegen 6 Uhr auch das 2. und bald darauf auch das 3. Bataillon antreten. Sie drängten hart nach und gelangten ohne weitere Verluste und dem Gegner mit ihren Maschinengewehren zusetzend, über das befohlene Ziel hinaus. Wir kamen an Neuville vorbei, durch Gehöfte und Schluchten, räumten mit einigen Maschinengewehr-Nestern auf, warfen bei Sorny Reste der Besatzung aus einigen Grabenstücken und erreichten gegen 9 Uhr das Dörfchen Sorny selbst.

Von dort und westlich davon schlug uns erneut Maschinengewehrfeuer entgegen und brachte unsern Vormarsch noch einmal zum Stocken. Aber um 10 Uhr war der Nordteil des Ortes vom Feinde gesäubert, wobei 4 Offiziere und 50 Mann zu Gefangenen gemacht und 3 Maschinengewehr-Nester ausgenommen wurden. Auch westlich Thorny gehörte das Feld uns. Dort hatte 9.25 Uhr abends das 3. Bataillon den ersten Graben gesäubert. Im zweiten aber leistete der Gegner hartnäckigen Widerstand, 9.50 Uhr setzte er sogar zu einem Gegenstoß an, wurde aber vollständig abgewiesen.

Nicht ganz war bei unserem Vorgehen der Anschluss gehalten. Das 3. Bataillon hatte unterwegs, nordöstlich von Neuville, 4 leichte und 4 mittlere Geschütze erbeutet und sich dann an der Bekämpfung der Maschinengewehre in Sorny beteiligt und war rechts schräg hinter das 2. Bataillon geraten. Nun mussten wir uns erst wieder ordnen.

Es war inzwischen dunkel geworden und der Feind konnte unsere Bewegungen nicht mehr erkennen. Aber er schoss immer noch stark mit Maschinengewehren. Seine Gräben waren also noch besetzt. Auch von links waren wir vor Überraschungen nicht ganz sicher. Daher schickten wir nach dort Patrouillen aus und gruben uns ein. Dann wollten wir uns völlig erschöpft von den Anstrengungen des Tages zur Ruhe legen. Aber erstmusste noch warmes Essen geholt werden. und als wir endlich gegen 2 Uhr lagen, kam der Befehl, dass das 3. Bataillon wegen seiner großen Verluste nach dem Westausgang von Neuville zurückgehen und von dort aus am nächsten Tage der linken Flanke folgen sollte.“

Die Lage des Grabes von Heinrich Reinert ist offiziell unbekannt. Ich vermute jedoch, dass er, wenn seine Gebeine geborgen wurden, anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof Mons-en-Laonnois begraben wurde, wo auch seine Regimentskameraden beigesetzt wurden, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a.

  • Musketier Richard Tätzel, gefallen am 27.05.1915, begraben auf dem Soldatenfriedhof Mons-en-Laonnois in Block 1, Grab 114;
  • Musketier Bruno Freitag, gefallen am 29.05.1915, begraben auf dem Soldatenfriedhof Mons-en-Laonnois in Block 1, Grab 117.

 

Sterbebild von Heinrich Reinert
Rückseite des Sterbebildes von Heinrich Reinert

Die Gefallenen des Frankfurter Hauptfriedhofs – Teil 28: Freiherr Eduard von Lersner

Der Soldat Freiherr Eduard von Lersner wurde am 17.08.1863 in der hessischen Stadt Frankfurt am Main geboren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Oberst und Brigde-Kommandeur in der 180. Infanterie-Brigade. Am 23.07.1918 fiel er im Alter von 54 Jahren an der La Golette Maison bei Fère-en-Tardenois und Nesles-la-Montagne.

Man begrub Freiherr Eduard von Lersner auf dem Soldatenfriedhof Soupir in Block 2, Grab 1.154.

In Berlin dachte man lange Jahre Freiherr Eduard von Lersner auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2020/mitte_ruhmeshalle-zeughaus_stadt-berlin_wk1_ber.html

Grab von Freiherr Heinrich-Ludwig Georg Wilhelm von Lersner
Gedenkplatte für Freiherr Heinrich-Ludwig Georg Wilhelm von Lersner
Gedenkplatte für Freiherr Heinrich-Ludwig Georg Wilhelm von Lersner

Die Gefallenen des Frankfurter Hauptfriedhofs – Teil 26: Friedrich Lothar Schmick

Der Soldat Friedrich Lothar Schmick wurde am 13.03.1895 in der hessischen Stadt Frankfurt am Main geboren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Unteroffizier in der 1. Batterie des 99. Feldartillerie-Regiments. Am 07.11.1917 fiel er im Alter von 22 Jahren bei Courpierre an der Aisne in einer Feuerstellung.

Man begrub Friedrich Lothar Schmick auf dem Hauptfriedhof Frankfurt am Main in einem Familiengrab.

Grab von Friedrich Lothar Schmick
Gedenkplatte für Friedrich Lothar Schmick

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.194: Paul Kinzl

Der Soldat Paul Kinzl wurde am 05.03.1885 Wotzmannsreut geboren, heute ein Ortsteil der bayerischen Stadt Waldkirchen. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Landsturmmann in der 1. Kompanie des 15. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Mitte 1916 wurde er bei Kämpfen leicht verwundet. Am 11.01.1917 fiel er im Alter von 32 Jahren bei Festieux.

Man begrub Paul Kinzl auf dem Soldatenfriedhof Sissonne in Block 11, Grab 595.

Seine Heimatgemeinde Waldkirchen gedenkt Paul Kinzl noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2008/waldkirchen_oelbergkapelle_wk1u2_bay.htm

Sterbebild von Paul Kinzl
Rückseite des Sterbebildes von Paul Kinzl

Sonderbeitrag: Leutnant Friedrich Rodrian

Der Soldat Friedrich Rodrian stammte aus der Gemeinde Bechtheim im heutigen Bundesland Rheinland-Pfalz. Im Ersten Weltkrieg kämpfte als Leutnant der Reserve und Adjutant in der 5. Kompanie des 116. Reserve-Infanterie-Regiment. Am 31.01.1918 fiel er in Frankreich während der Kämpfe bei St. Quentin und an der Oise an der Aisne bei Coucy-le-Château-Auffrique.

Die Lage des Grabes von Leutnant der Reserve Friedrich Rodrian ist nicht zu ermitteln. Vermutlich wurde er in die Heimat überführt und auf seinem Heimatfriedhof begraben.

Gruppenfoto mit Leutnant der Reserve Friedrich Rodrian (rechts außen) vom 116. Reserve-Infanterie-Regiment

Sonderbeitrag: Adolf Ritter von Tutschek

Der Soldat Adolf Ritter von Tutschek wurde am 16.05.1891 in der bayerischen Stadt Ingolstadt geboren. Er kämpfte im Ersten Weltkrieg als Leutnant und Kompanieführer des 3. bayerischen Infanterie-Regiments. Er kämpfte in Frankreich, Galizien, Polen, Serbien und vor Verdun mit. Im Mai 1915 war er bei Gorlice durch Granatsplitter am Fuß verwundet worden.

Anfang 1916 wurde er für die Erstürmung und Behauptung eines starken russischen Stützpunktes bei Petrylów mit zwei Kompanien seines Regiments am 10. August 1915 mit dem Ritterkreuz des Militär-Max-Joseph-Ordens beliehen. Damit verbunden war die Erhebung in den persönlichen Adelsstand und er durfte sich nach der Eintragung in die Adelsmatrikel Ritter von Tutschek nennen. Seine Beförderung zum Oberleutnant erhielt er am 14. Januar 1916. Im März 1916 erlitt er vor Verdun eine Gasvergiftung.

Nach seiner Genesung meldete er sich zur Fliegertruppe, besuchte die Militärflugschule in Schleißheim bei München und gelangte im Oktober 1916 an die Front an der Somme.

Im Januar 1917 zur Jagdstaffel 2 „Boelcke“ versetzt, wo er seinen ersten Luftsieg errang. Im April 1917 übernahm er als Staffelführer die Jasta 12 und erzielte bis August 1917 insgesamt 23 Luftsiege, wurde mit dem Orden Pour le Mérite ausgezeichnet, aber dann selbst bei einem Luftkampf in 2.600 m Höhe durch ein Geschoss an der Schulter schwer verwundet. Anfang 1918 übernahm von Tutschek, inzwischen zum Hauptmann befördert, die Führung des Jagdgeschwaders 2, erzielte noch vier weitere Abschüsse. Am 15.03.1918 fiel er bei Brancourt-le-Grand nach dem Abschuss des 27. feindlichen Fliegers.

Der südafrikanische Leutnant Harold Redler von der No. 10 Squadron des Royal Flying Corps schoss von Tutschek ab. Der Deutsche geriet mit seinem grünen Dreidecker (Seriennummer18/404) außer Kontrolle. Es gibt zwei Versionen von dem, was folgte.

Eine Version seines Todes besagt, dass er, als er gefunden wurde, immer noch sein Wischtuch durch sein Knopfloch und unter seinen Sicherheitsgurt gesteckt hatte; Da es seine Gewohnheit war, seine Brille abzuwischen, wenn er in die Schlacht zog, wurde daraus gefolgert, dass er überrascht worden war.

Eine zweite, weniger wahrscheinliche Version behauptete, dass eine von Redlers Kugeln Tutscheks Kopf zerknittert habe und dass die Wunde ihn zu einer Landung veranlasst habe. Angeblich winkte er seinen Flügelmännern zu, als sie kreisten, wurde aber später tot neben seinem Flugzeug gefunden.

Man begrub Adolf Ritter von Tutschek auf de Waldfriedhof in München.

Die Gefallenen vom Kloster Arnsburg – Teil 2: Eduard Rudolf

Der Soldat Eduard Rudolf wurde am 11.10.1885 in Kalinow in Oberschlesien (seit 1945 polnisch: Kalinów (Strzelce Opolskie)) bei Großstrehlitz (seit 1945 polnisch: Strzelce Opolskie). Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Reservist in der 5. Kompanie des 51. Reserve-Infanterie-Regiment. Am 24.08.1914 wurde er bei bei den Kämpfen in Frankreich an der Aisne bei Arrancy schwer verwundet. Am28.09.1914 verstarb er an seiner Verwundung im Alter von 18 Jahren im Lazarett der hessischen Stadt Laubach.

Über den Tag und die Umstände der schweren Verwundung von Eduard Rudolf berichtet die Regimentsgeschichte des 51. Reserve-Infanterie-Regiment:

„Arrancy

24. August

Um 3.30 Uhr vormittags befahl die Brigade erneut weitere Nahaufklärung durch Offizier-Patrouillen: „Die Division müsse erfahren, wie stark Dorf Arrancy und die unmittelbar angrenzenden Höhen vom Feinde besetzt seien, besonders die ersten Morgenstunden seien zur Erkundung auszunutzen.

Hierüber brachte die von der 6. Kompanie entsandte Patrouille Leutnant der Reserve Brüning und 5 Mann wertvollen Aufschluss. Leutnant Brüning umging vorsichtig das Dorf, ohne auf eine feindliche Sicherung am Dorfrande zu stoßen. Kurz entschlossen verteilte er seine Leute auf die verschiedenen Dorfgassen, er selbst nahm die Hauptstarße. In den einzelnen Gehöften überraschte er die Franzosen bei der Morgentoilette, sie benahmen sich sorglos wie im Manöver. Er stellte fest, dass außer etwas Artillerie eine Maschinengewehr-Abteilung und ein Infanterie-Regiment im Dorfe lagen.

Auf Grund der einlaufenden Meldung beschloss die 12. Reserve-Division am 24. in planmäßigem Angriff Arrancy und die angrenzenden Höhenstellungen zu nehmen. Der noch während der Dunkelheit beim Regiment eintreffenden Divisions-Angriffsbefehl sagte, dass der Angriff gegen Arrancy und die angrenzenden Höhen gleichzeitig von Osten und Südosten her durch die 22. Reserve-Brigade, von Norden und Nordosten her durch die 23. Reserve-Brigade erfolgen sollte. Reserve-Feldartillerie-Regiment 12 hatte Dorf und Stellung von Osten her durch beschießung sturmreif zu machen und die feindliche Artillerie nieder zu halten. Die I. Fußartillerie-Regiment 10, vom Korps der Division zugeteilt, sollte Dorf, Stellungen und feindliche Artillerie von Norden her fassen. Die 23. Reserve-Brigade befahl daher für das Regiment: Das Reserve-Regiment 51 übernimmt am Bahndamm der Strecke Longuyon-Pierrepont von 5.30 Uhr vormittags an den Feuerschutz im Abschnitt La Maragole Scie. bis 500 Meter östlich von des von Beuville nach Süden führenden Weges für das aus Richtung Lopigneux angreifende Reserve-Regiment 22 und das von Pierrepont vorgehende Reserve-Regiment 38.

Oberstleutnant von Kameke befahl hierauf dem II. Bataillon mit der 2. Kompanie die rechte Hälfte des von der Brigade befohlenen Abschnittes und dem I. Bataillon ebenso die linke Hälfte zu besetzen, die Maschinengewehr-Kompanie sollte sich hinter dem rechten Flügel des II. Bataillons am Bahndamm bereitstellen.

Es war gegen 4.30 Uhr morgens – dichter Nebel bedeckte das Gelände – als der Angriffsbefehl die vorderen Kompanien erreichte. Steif und fröstelnd erhoben sich die Schützen aus ihren flachen Erddeckungen. Man fuhr sich einige Male mit der Hand über die Augen, befreite seine Sachen notdürftig von dem anheftenden Lehm und begann Mantel und Zeltbahn zu rollen. Die Toilette war damit im allgemeinen beendet. Nicht alle Kompanien bekamen Kaffee aus der Feldküche. Unter Ausnutzung des noch herrschenden Halbdunkels und mit möglichster Lautlosigkeit wurden sämtliche Vorbereitungen zum Angriff getroffen.

Um 5.30 Uhr vormittags lagen die Bataillone und Maschinengewehr-Kompanie in ihren Gefechtsstellungen wie folgt: Am rechten Flügel des Regiments die Maschinengewehr-Kompanie mit 6 Gewehren in Lauerstellung, II. Bataillon anschließend am Bahndamm mit der 6. Kompanie nordwestlich des Weges Beuville-Arrancy, 8. Kompanie südöstlich desselben, 7. Kompanie in hinterer Linie als Unterstützung nahe Höhe 269, 5. Kompanie 600 Meter rückwärts am Wege Beuville-Arrancy in einem Kartoffelfeld zur Verfügung des Regiments. Anschließend an die 8. Kompanie lag das I. Bataillon mit der 4. Kompanie weiter südöstlich am Bahndamm, die 3. Kompanie beiderseits des von Beuville in allgemein südlicher Richtung führenden Weges am Bahndamm, die 2. Kompanie 500 Meter hinter der Mitte in hinterer Linie als Unterstützung, die 1. Kompanie als Artillerie-Schutz in Beuville.

Inzwischen war die Sonne aufgegangen und ihre ersten Strahlen fielen auf das festungsartig an schroffer Höhe liegende Arrancy. Scharf umrissen hoben sich der Kirchturm und die einzelnen massiven Gebäude mit ihren leuchtend roten Dächern ab. Von den feindlichen Schützengräben an den umliegenden Höhen war mit bloßen Auge fast nichts zu erkennen, sie waren geschickt angelegt, wie der Franzose ja überhaupt Meister in der Anlage von Verteidigungsanlagen war.

Gegen 7 Uhr wurde es recht lebhaft. Reserve-Feldartillerie 12 östlich Beuville in Stellung gegangen, setzte mit seinem Feuer zu machtvoller Ouverture ein. Gelbrote Feuerblitze über Arrancy, denen unmittelbar starke Detonationen folgten, – schwarze Qualmschwäden wälzten sich träge aufwärts – bewiesen, dass auch unsere schweren Feldhaubitzen ihr Ziel erfasst hatten. Doch auch der Gegner blieb mit seiner Artillerie nicht untätig. Er überschüttete die Kompanien des Angreifers lagenweise (Rasales) meist mit Feldgranaten; erfreulicherweise gingen die Geschosse meist zu kurz oder zu weit, sodass unsere am Bahndamm liegenden Kompanien gast gar keine und die weiter rückwärts liegenden nur geringe Verluste hatten. Dröhnend schlug das feindliche Artillerie-Feuer in den harten Kalk- und Felsboden südlich von Beuville, ein gewaltiges Echo hervorrufend. Nur schwer konnte man noch unterscheiden, welche Schüsse von eigener und welche von feindlicher Artillerie berührten, ein unablässiges Heulen, Pfeifen und Rauschen in der Luft. Der Adjutant des II. Bataillons, Leutnant Wogkittel, wurde an einem Steinbruch durch Granatsplitter leicht verwundet, er blieb bei der Truppe. Unsere Feldbatterien östlich Beuville hatten einen schweren Stand, ein Geschütz erhielt Volltreffer, hierbei wurde u. a. auch Hauptmann Mittmann verwundet. – Der Regiments-Stab Reserve-Regiment 51 beobachtete an der Höhe 500 Meter südlich Beuville das Gefecht, als sich feindliche schwere Artillerie auf diesen Hang einschoss. Etwa 40 schwere Granaten gingen dorthin. Während Oberleutnant Brauer zur Beobachtung weiter vorkroch, schlugen 2 Granaten 4 und 5 Schritt neben dem Kommandeur ein, der heftigen Luft- und Erddruck gegen seine Brust verspürte. Ein Granatsplitter fuhr in das Gewehr der neben ihm liegenden Gefechtsordonnanz Sobotta. Kurzum, es war hier oben z. Zt. wenig gemütlich. Einen schmerzlichen Verlust sollte zu gleicher Zeit der Brigade-Stab erleiden. Nahe Beuveille wurde neben dem Brigade-Kommandeur der Adjutant Oberleutnant Rudolph durch Granat-Volltreffer zerrissen in die Luft geschleudert. Generalmajor Freiherr von Wilmowski musste sich infolge hierbei zugezogenem Nervenschocks krankmelden, Oberstleutnant von Kameke übernahm vorübergehend die Führung der 23. Brigade.

Die Wirkung unserer Artillerie gestaltete sich stündlich günstiger. Vom Bahndamm konnte man gut beobachten, wie die feindlichen Gräben durch unsere Granaten und Schrapnells gefasst wurden, mancher Treffer saß drin und veranlasste die Franzosen zum Reißaus. Mit fliegenden Rockschößen sah man französische Infanteristen über den bräunlichen Ackerboden zurückeilen und stürzen, verfolgt von unseren Schrapnells mit weißen Wölkchen und rötlichem Feuerblitz.

Ins Feuergefecht konnten zunächst nur die Maschinengewehr-Kompanie und die vorderen Kompanien des II. Bataillons (6. und 8. Kompanie) erfolgreich eingreifen, den Kompanien des I. Bataillons bot sich wegen zu großer Entfernung vom Feinde noch kein lohnendes Ziel. Um 7 Uhr vormittags kündete das Tak-Tak-Tak der Maschinengewehre am rechten Flügel des Regiments an, dass man hier dem Gegner im Genick saß. Mit Visier 500 – 1.200 wurde der Nordostrand von Arrancy abgestreut, woselbst man feindliche eingenistete Maschinengewehre und Schützen erkannt hatte. Weitere kräftige Feuerstöße richteten sich gegen schwer erkennbare, in dem vorliegenden Haferfeld und in kleinen Buschgruppen eingenistete feindliche Infanterie.

Um 7.30 Uhr vormittags eröffneten die 6. und 8. Kompanie mit Visier 800 bzw. 1100 und 1200 vom Bahndamm aus das Feuer. Es galt dem Feind im Vorgelände hart nordöstlich des Dorfes und am Bahndamm hart östlich von Arrancy. Der 6. Kompanie glückte es mit 2 hohen Visieren (1200 und 1400) eine feindliche Infanterie-Kolonne zu beschießen, die sich unvorsichtig am Nordausgang von Arrancy zeigte. Hauptmann Schacke beobachtete, wie bereits nach der ersten gutliegenden Salve die Franzosen auseinander stoben und in wenigen Augenblicken wieder die schützenden Gehöfte erreichten. Das gegen 9 Uhr einsetzende heftige feindliche Artillerie-Feuer tat den beiden Kompanien wenig.

Bei der 4. und 3. Kompanie konnte man z. Zt. nichts weiter tun, als in voller Deckung hinter dem Bahndamm zu verharren, die Kompanien lagen in eingliedriger Linie dicht an die Böschung gedrückt, nur die Führer beobachteten mit dem Glase scharf nach vorn, um den Augenblick ihres Eingreifens richtig zu erfassen. Da entdeckte Hauptmann Schiedt plötzlich an einem Höhenrand südlich Arrancy mehrere feindliche Reiter, die sich anscheinend etwas zu weit vorgewagt hatten. Sofort ließ er mit einem Zuge diesen feindlichen Stab – ein solcher schien es zu sein – unter Salvenfeuer nehmen. In schnellstem Tempo verschwanden die Reiter hinter der Höhe. In der gleichen Weise wurden auch noch einige feindliche Artillerie-Beobachter verscheucht.

Ein um 10 Uhr vormittags eintreffender Divisions-Befehl besagte, die 23. Reserve-Brigade solle von un an nur hinhaltend kämpfen, da der Einfluss der 11. Reserve-Division von Westen und des XVI. Armee-Korps bzw. des V. Reserve-Korps von Südosten her abgewartet werden müsse. Das Artillerie-Duell nahm inzwischen seinen Fortgang, das Feuer schwoll zeitweise zu ohrenbetäubender Heftigkeit an und flaute wieder ab. Mitunter dröhnte es als ob eiserne Tore aufeinander schlügen. Die Sonne meinte es wieder recht gut, ihre gegen Mittag sengend herniederbrennenden Strahlen dörrten den Gaumen aus und ließen die Zunge festkleben, allenthalben stellte sich Durst ein. Wasser war schwierig zu erreichen. Dafür entdeckte man aber ein gut bestandenes Mohrrübenfeld. Einige Leute krochen hin, füllten sich die Taschen und verteilten die Rüben in der Gefechtslinie. Ein Zugführer der 4. Kompanie hatte weniger Glück. Auf der Suche nach Wasser gelangte er in ein kleines Streckenwärter-Haus, dort die Flasche mit hellgelber Flüssigkeit auf dem Tisch scheint Apfelwein zu enthalten! Er setzt an: Pfui Deibel, Maschinenöl!

Beuveille erhielt am Vormittag wiederholt Artillerie-Feuer. Einmal sah sich der Divisions-Stab genötigt, das Dorf vorübergehend zu verlassen. Auch die Chaussee Beauveille-Arrancy wurde heftig beschossen. Ferner schlugen schwere Granaten anscheinend aus Rimailho-Geschützen, in bedenklicher Nähe der in eingliedriger Formation auf dem vorderen Hang eine Anhöhe liegenden 5. Kompanie ein, die sich mit einem Schritt Zwischenraum von Mann zu Mann eingegraben hatte, um wenigstens gegen Splitterung gedeckt zu sein. Nur diesem ist es zuzuschreiben, dass die Verluste bei der Kompanie gering waren. Den Bachgrund am Bahndamm entlang sah man Verwundete vom Reserve-Jäger-Bataillon 6 sich heranschleppen, ein Zeichen, dass auch Reserve-Regiment 38 nicht mehr weitab sein konnte.

Es war 11 Uhr vormittags. Deutlich erkannte man, wie sich auf den Höhen südöstlich Arrancy Schützenlinien abhoben, gegen das Dorf vorgehend; die 22. Reserve-Brigade war es, an ihrem rechten Flügel Reserve-Regiment 38. Die Maschinengewehr-Kompanie meldete kurz darauf dem Regiment, dass Reserve-Regiment 22 nur noch einige 100 Meter von Arrancy entfernt sei.

Nun brachte Oberstleutnant von Kameke durch Signal den Angriff des Regiments 51 in Bewegung. Am rechten Flügel gelang es der Maschinengewehr-Kompanie geschickt vorzugehen und 3 Gewehre bis an den Dorfrand vorzuschieben, die anderen 3 Gewehre unterstützten dieses Vorgehen durch ihr Feuer. Die Häuser wurden unter Feuer genommen. Die Kompanien des II. Bataillons überschritten den Bahndamm sowie Crusnes-Bach und strebten dem östlichen Dorfrand zu. Beim I. Bataillon gab die 3. Kompanie den Impuls, da sie am weitesten von Arrancy entfernt war.

Vor der Kompanie lag das französische Artillerie-Feuer sehr regelmäßig, d. h. die Granaten schlugen mit so genauen Abständen 50 zu 50 Metern, in den Boden ein, dass man tadellos zwischen den einzelnen Wellen dindurchspringen konnte. Sprungweise in Gruppen und Zügen näherte sich die Kompanie dem Dorfe. Etwa 300 Meter vom Dorfrand entfernt erhielt plötzlich der Führer Hauptmann Schiedt einen Brustschuss. Trotz der stark schmerzenden Wunde schimpfte er noch weidlich darüber, dass er nun nicht mehr mitmachen könne, seine Leute außerdem noch kräftig zum Vorwärtsgehen anfeuernd. Am gleichen Vormittag wurde auch noch Leutnant der Reserve Paur der 3. Kompanie durch Wadenschuss verwundet, sodass innerhalb von 3 Tagen sämtliche Offiziere dieser Kompanie außer Gefecht gesetzt worden waren. Die 4. Kompanie folgte bald, an die 3. Anschluss gewinnen. Wähend die Kompanien des II. Bataillons stürmend den Ostrand von Arrancy erreicht hatten, ereignete sich das Missgeschick, dass unsere schwere Artillerie irrtümlicherweise noch einige Granaten ins Dorf sandte, ohne glücklicherweise Verluste der eigenen Truppe zu verursachen. So fuhr nicht weit von der 5. Kompanie eine schwere Granate donnernd in einen Garten, Offizier-Stellvertreter Knappe erhielt daher von Hauptmann  Wagner den Auftrag, die Artillerie dahin zu verständigen, dass wir uns bereits im Dorfe befänden. Knappe lief auf eine naheliegende Höhe, band sein Taschentuch, das alles andere als weiß war, an ein Gewehr und winkte wie ein Besessener. Endlich hatte die Artillerie das Zeichen verstanden und schickte einen berittenen Offizier ins Dorf, worauf das Feuer sofort eingestellt wurde. Gegen 1 Uhr war das Dorf in unserem Besitz. Ein Teil der Häuser brannte, starker Rauch stieg auf. An vorgefundenen Weinvorräten, meist leicht bekömmlicher Obstwein, löschte der Krieger seinen Durst, die Lebensgeister wurden neu entfacht. Man hielt kurz Umschau im Dorf. Innerhalb der Hecken hatte die französische Infanterie geschickt ihre Schützengräben angelegt, viele Gefallene lagen umher.

Der französischen Artillerie unsere Anerkennung! Sie hatte tapfer den Rückzug ihrer Infanterie gedeckt, am östlichen Dorfrand in einem Obstgarten standen die Reste einer Batterie, deren Bedienungsmannschaften hinter den Geschützen fast ausgerichtet, tot da lagen. Ein Artillerie-Oberstleutnant lag dort ebenfalls gefallen, sein Käppi behielt einer unserer Kameraden zum Andenken. An anderer Stelle bemerkte man dicht nebeneinander liegend noch im Geschirr eine Anzahl aufgedunsener Pferdekadaver, anscheinend die Bespannung eines Geschützes. Unsere Artillerie hatte vortrefflich gewirkt.

Seine Exz. der kommandierende General, der auf seinem Schimmel nach vorn geritten war, wurde in Arrancy von Offizieren und Mannschaften freudig mit Hurrah begrüßt.

Beim Verlassen der Stellungen war die französische Infanterie auch westlich Arrancy in unser Artillerie-Feuer, in das von Südosten her flankierende Feuer des V. Armee-Korps geraten. Dies zeigte sich in einem Hohlweg westlich des Dorfes, wo ganze Haufen toter Franzosen lagen. Man hatte den Eindruck eines Rückzuges Hals über Kopf, besonders an der Straße nach Pillon. Im Gelände verstreut fanden sich hier weggeworfene Gewehre, Tornister, große Kochgeschirre, ein zertrümmertes Maschinengewehr mit Ladestreifen und zahlreiche Päckchen von Infanterie-Munition. Noch sichtbare Feuerreste und Kochgeschirre mit warmer Reissuppe gefüllt, ließen darauf schließen, dass man in der Eile auf den größten Teil der Mahlzeit hatte verzichten müssen. Einige gefallene Franzosen trugen um den Hals gehängt kleine Amulette, die geweiht, gegen Hieb und Schuss das Leben schützen sollten.

Am Nachmittag trafen beim Generalkommando die Glückwünsche des Kaisers zu der vortrefflichen Haltung des VI. Reserve-Korps ein, denen sich auch der Kronprinz anschloss. – Das Korps erhielt Befehl, am 24. nicht weiter vorzugehen, sondern das eroberte Gelände zu halten. Die 12. Reserve-Division ordnete ihre Verbände westlich Arrancy und schob schwache Schützenlinien zur unmittelbaren Sicherung nach Westen vor.

Es war gegen 4 Uhr nachmittags. Da in Gegend Constantine und nördlich gegen Le Haute Bois noch vereinzelt Schüsse fielen und schwaches Infanterie-Feuer aufflackerte, erhielt I. Reserve-Regiment 51 Befehl, das Gelände vor der Front der Division bis an die Chaussee Longuyon-Rouvrois vom Feinde zu säubern. Die Fermen bei Constantine brannten. Das Bataillon entwickelte die 4. Kompanie in breiter Front, während die übrigen Kompanien mit Gefechtsabstand geschlossen folgten. Das II. Bataillon mit Maschinengewehr-Kompanie verblieb 500 Meter westlich Arrancy. Es wurde Essen aus der Feldküche empfangen. Die Schützen der 4. Kompanie erreichten im Vorgehen das Waldstück bei Constantine, ohne auf einen Feind zu stoßen. Da die Hitze sich immer noch sehr stark bemerkbar machte, ließ Oberleutnant Pokorny während des Vorgehens am Brunnen eines Gehöftes Wasser trinken. Rums, Pratsch – pratsch, klatschte und prasselte es in die Baumwipfel. Es waren feindliche Schrapnells, deren Sprengpunkte aber so hoch lagen, dass wirkungslos nur heiße Kugeln und Splitter auf die Trinkenden herabfielen. In den Gehöften hatten die Granaten gewaltig aufgeräumt; wohin man blickte zerschossene Mauern, verbranntes und zerstrümmertes Mobiliar, zerrissene und verbrannte Tapenet. Mehrere ledige Pferde, aus Stall oder Koppel ausgebrochen, galoppierten umher.

Der Nachmittag neigte sich dem Ende zu. Da traf von der Division der Befehl ein, dass die 23. Reserve-Brigade für die Dunkelheit Gefechtsvorposten westlich Constantine, übernehmen sollte, der Gegner sei auf Sorbey zurückgegangen. II. Reserve-Regiment 51 übernimmt die Vorposten. Um 5.30 Uhr nachmittags tritt das II. Bataillon mit Marschsicherung auf der Straße Arrancy-Constantine an, die Maschinengewehr-Kompanie hinter dem II. Bataillon, mit 800 Metern Abstand folgte I. Bataillon. Diesseits des Waldstückes bei Constantine schlägt plötzlich Infanterie-Feuer in das II. Bataillon. Major Schaaf entwickelt 5. und 6. Kompanie nördlich und südlich der Chaussee Arrancy-Pillon und nimmt das Feuer gegen das Wäldchen auf. Die 7. und 8. Kompanie bleiben geschlossen und legen sich hin.

Da befiehlt das Regeiment den Angriff nicht weiter fortzusetzen, sondern an Ort und Stelle Gefechtsvorposten auszusetzen. Die beiden entwickelten Kompanien graben sich ein, 7. und 8. Kompanie 300 Meter dahinter in Reserve. Das I. Bataillon bezog westlich Arrancy Notbiwak. Wegen der verhältnismäßig nahen Berührung mit dem Feinde unterblieb beim I. Bataillon ein Aufschlagen der Zelte. In Mantel und Zeltbahnen gehüllt ruhten die Leute bei den zusammengesetzten Gewehren. Patrouillen der 5. und 6. Kompanie stellten während des Abends fest, dass die Fermen von Constantine vom Gegner besetzt seien.

So endete der Ruhmenstag von Arrancy. Während am 1. Kampftage der Schlacht bei Longwy am 22.08. das I. Bataillon sich unter schweren Verlusten so glänzend geschlagen hatte, empfing am 23.08. bei Beuville das II. Bataillon die Feuertaufe und bewies an diesem wie am folgenden Tage gleiches Heldentum. Leutnant der Reserve Maschke 7. Kompanie und 26 Mann waren auf dem Felde der Ehre geblieben, 6 Mann wurden vermisst. 106 Verwundete zählte man beim II. Bataillon, darunter bei der 8. Kompanie die Offizierstellvertreter Paeske und Kowalczyk.

Die nächtliche Ruhe im Biwak beim I. Bataillon sollte etwas gestört werden. Gegen Mitternacht setzte plötzlich lebhaftes feindliches Infanterie-Feuer ein. Die Geschosse schlugen dicht bei den ruhenden Mannschaften ein oder sausten über die Köpfe hinweg. Man vermutete einen Überfall. Im Nu waren die Kompanien an den Gewehren, entwickelten sich auf der Grundlinie, den Gegner erwartend. In der pechschwarzen Nacht erkannten sich Führer und Mannschaften nur notdürftig. Da kam etwas von vorn die Chaussee herabgebraust, – es waren Pferde der Vorposten-Kavallerie, die infolge des Schießens den 4. Reserve-Ulanen durchgegangen waren. Nur mit Mühe wurden die Tiere zum Stehen gebracht. Auch die Pferde des Oberleutnant Pokorny hatten sich der wilden Jagd angeschlossen, da die Zügel den im Chausseegraben schlaftrunken sitzenden Pferdehalter entglitten waren. Oberleutnant Pocorny war beide Pferde mit vollständiger Feldausrüstung und Zubehör los, er hat sie nie wiedergesehen. Weitere Unruhe erregte ein aufgelöst von vorn kommender Mann der 7. Kompanie, die Worte hervorstoßend: „Kommt schnell zu Hilfe, vorn sind sie schon alle weg, es lebt keiner mehr!“ Die sofort mit dem II. Bataillon aufgenommene Verbindung ergab, dass von dieser Hiobspost kein Wort stimmte. Das Schießen war durch Franzosen, die im Walde auf Bäumen saßen, sowie von herankommenden Patrouillen verursacht worden. Der Gegner wurde in kurzer Zeit durch das Feuer der Vorposten-Kompanie zum Schweigen gebracht. – Der geschilderte Vorgang ist bezeichnend für die am Anfang des Krieges mitunter auftretende Kriegsnervosität.“

Man begrub Eduard Rudolf auf dem Soldatenfriedhof Lich-Arnsburg in Grab 108.

Grabstein von Eduard Rudolf
Grab von Eduard Rudolf

Die Männer des Ersten Weltkrieges – Teil 1.954: Mathäus Kain

Der Soldat Mathäus Kain stammte aus Griesacker, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Teisendorf, und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er in der 1. Kompanie des 3. Jäger-Regiments. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. Am 01.08.1918 fiel er im Alter von 21 Jahren in Frankreich.

Man begrub Mathäus Kain auf dem Soldatenfriedhof Soupir in Block 1, Grab 1370.

Sterbebild von Mathäus Kain
Rückseite des Sterbebildes von Mathäus Kain

Die Männer des Zweiten Weltkrieges – Teil 1.925: Anton Beck

Der Soldat Anton Beck stammte aus Birket in Bayern und war der Sohn eines Tagelöhners. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er in der 2. Kompanie des 13. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Er wurde mit dem Eisernes Kreuz 2. Klasse  ausgezeichnet. Am 12.08.1917 fiel er nach drei Jahren Kriegsdienst im Alter von 26 Jahren bei Stellungskämpfen am Chemin des Dames in der Nähe von Allemant durch ein Artilleriegeschoss. Französische Truppen hatten ein Stoßtrupp-Unternehmen durchgeführt.

Man begrub Anton Beck auf dem Soldatenfriedhof Mons-en-Laonnois in Block 25 Grab 95.

Sterbebild von Anton Beck
Rückseite des Sterbebildes von Anton Beck