Gefallene Soldaten aus Mittelhessen: Gustav Fehrer

Der Soldat Dr. jur. rer. pol Gustav Fehrer stammte aus der hessischen Stadt Darmstadt und war von Beruf Gerichtsassessor. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Leutnant der Reserve in der 2. Kompanie des 115. Leibgarde Infanterie-Regiments. Am 28.08.1914 fiel er bei Raucourt-et-Flaba in den Ardennen.

Man begrub Gustav Fehrer auf dem Soldatenfriedhof Noyers-Pont-Maugis in Block A, Grab 76.

Die Todesanzeige für Gustav Fehrer im Gießener Anzeiger

Gefallene Soldaten aus Mittelhessen: Ludwig Bamberger

Der Soldat Ludwig Bamberger wurde am 15.05.1892 in Muschenheim geboren, einem Ortsteil der hessischen Stadt Lich. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Reservist in der 6. Kompanie des 116. Infanterie-Regiments. Am 30.08.1914 (Verlustliste: 06.09.1914) verstarb er nach schwerer Verwundung im Alter von 22 Jahren in einem Feldlazarett in Belgien. Ludwig Bamberger war Jude.

Die Lage des Grabes von Ludwig Bamberger ist unbekannt.

Die Todesanzeige für Ludwig Bamberger im Gießener Anzeiger vom 28.09.1914

Gefallene Soldaten aus Mittelhessen: Karl Balser

Der Soldat Karl Balser stammte aus der hessischen Stadt Hanau. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Gefreiter und Reservist in der Leib-Kompanie des 118. Infanterie-Regiments. Am 22.08.1914 fiel er in Belgien bei Maissin im Alter von 21 Jahren.

Über den Todestag und die Todesumstände von Karl Balser berichtet die Regimentsgeschichte des 118. Infanterie-Regiments:

In der Nacht vom 21. auf 22. August bezog das Regiment Unterkunft in Libin. Die Außenwache stellte die 11. Kompanie.
Offiziersstelle, Fuhrey erkundete mit drei Gruppen den südwestlich Libin liegenden Wald. Die Abteilung hatte mehrfach Zusammenstöße mit französischer Kavallerie-Patrouillen, kam aber ohne Verluste zurück. Auch wurden auf die Außenposten Schüsse abgegeben, ohne dass es gelang, die Täter zu fassen.

Am frühen Morgen des 22. August traf beim Regiment folgender Befehl der 50. J. B. (Generalmajor Freiherr von Speßhardt) ein:

50. J. B. D. II. Libin, 22.8.14. 4.35 Uhr Z.

J. R. 118 steht um 8.30 Uhr hart nördlich Straße Libin-Villance, Front nach Maissin, gedeckt nach Westen und Südwesten. Anfang etwa bei B 13, Kommandeur am Anfang des Regiments. Regiment hat vorher nördlich Villance eine Stellung zu erkunden. Front nach Maissin. Regiment sichert die Bereitstellung der Brigade in Linie Redue-Villance einschließlich, und erkundet sämtliche aus Linie Tramuine-Villance nach Westen und Südwesten durch den Wald führenden Wege…“

Auf Grund dieses Befehles stand das Reg. zur befohlenen Zeit in folgender Bereitstellung: Das 1. Batl. (Major Kot) war nunmehr auch mit der Lb., 2. und 4. Komp. gegen 7 Uhr vorm. nach Villance vorgerückt und hatte mit drei Kompagnien (Lb., 3. und 4.) den Westand des Dorfes besetzt, den es zur Verteidigung einrichtete; die 2. Komp., welche nach Erledigung eines Sonderauftrages erst gegen 6 Uhr vorm. in Libin eingetroffen war, lag im Südteil des Dorfes (Villance) als Reserve. Das II. Batl. (Major Stehberger) stand etwa 800 m östlich Villance, hart nördlich der Straße Billance-Libin, während sich das III. Batl. (Major v. Notz) in einem kleinen Wäldchen am Nordhang der Mulde ca. 800 m nördlich Villance aufstellte. Die M.G.K. (Hptm. von Oßell) war nach Villance vorgezogen und trat in Verbindung mit dem I. Batl., ihre Züge am Westand des Dorfes in Stellung gehen lassen. Bald gingen Meldungen ein, daß in den Wäldern um Massin feindliche Kavallerie stecke; bis gegen 11 Uhr war festgestellt, daß auch Massin selber, anscheinend von franz. Kavallerie, besetzt sei. Um 11.15 Uhr trat beim Regiment der Brigadebefehl ein, sich in den Besitz von Maissin zu sehen. Der Reg.-Kdr., Oberst Münster, beauftragte hiermit das I. Batl., dem die M.G.-K. (Hptm. v. Gössel) zugeteilt wurde. Um 12 Uhr trat das Batl. los vom Westrand von Villance aus; das III. Batl. blieb zunächst zur Verfügung des Reg., das II. Batl. zur Verfügung der Brigade an den bisherigen Plätzen.

Das I. Batl. nahm K. (Hptm. Staußband, bzw. Lt. Scheuermann), 3. Komp. (Hptm. Freiensehner) und 4. Komp. (Hptm. v. Cappeln) in vordere Linie, die 2. Komp. (Hptm. Sollmann) folgte als Reserve hinter dem rechten Flügel. Die 3. Komp. hatte den Anschluß und ging mit dem linken Flügel längs der Straße Villance-Maissin vor, rechts daneben 4. Komp., am weitesten rechts Leib-Komp. Die M.G.-K. folgte mit sechs schweren Gewehren hinter der Mitte.

Die Kompagnien in vorderer Linie gingen zunächst entfaltet, Schützen vor der Front, vor; die 2. Komp. folgte in Gruppenkolonne auf dem Wiesen, die sich nördlich des von Villance nach Maissin verlaufenden Höhenrückens erstrecken. Während des Vorgehens setzte das Feuer der eigenen Artillerie (F. A. R. 25) ein, sie nahm Ziele in dem Walde nordwestlich Maissin, sowie das Dorf selber unter Feuer.

Bald schlug dem Batl. das erste feindliche Feuer entgegen; es kam z. T. frontal, teilweise aber auch aus den Waldstücken links und vereinzelt sogar auch aus denen rechts des Angriffsstreifens und verursachte erhebliche Verluste. Trotzdem gingen die inzwischen voll in Schützenlinie entfalteten Kompagnien in langen Sprüngen weiter vor, der ziemlich breite und tiefe Leise-Bach wurde durchschritten und schon gegen 1.30 Uhr war das teilweise brennende Maissin von den vorderen Kompagnien erreicht.

Der linke Flügel, die 3. Komp., von der beim anderen Zuge als Seitendeckung etwas links rückwärts gestaffelt, gefolgt war, war an der Leise liegen geblieben, da er sich gegen feindliche Vorstöße und Umfassungsversuche aus dem Nordteil des Burnot gezwungen zu wehren hatte. Er wurde aus der etwas recht mißlich gestalteten Lage erst gegen 4 Uhr durch Teile des F. A. R. 25 herausgelöst.

In Maissin selber wurde stellenweise noch aus den Häusern geschossen, doch hatte die Truppe zunächst wenig Zeit, sich darum zu kümmern. In aller Eile wurden die Verbände notdürftig geordnet und bis zum Westrand des Dorfes vorgezogen, der zur Verteidigung gegen die sofort einsetzenden starken franz. Gegenangriffe besetzt wurde. Auch alle sechs Gewehre der M.G.-K. waren hier bald in voller Tätigkeit. Allerdings hielt auch der Kampf im Dorfe selbst den ganzen Nachmittag an. Die 2. Komp. war noch zum Abhang der Höhe 398 nördl. Maissin vorgegangen, Hptm. Sollmann setzte von dort aus zunächst den 2. Zug unter Lt. Müller (Phil.) zur Absicherung der Häuser am Nordrand des Dorfes an, aus denen die Kompagnie Feuer erhalten zu haben glaubte. Der Zug Müller fand aber dort keinen Gegner mehr und ging darauf bis zum Westrand von Maissin vor, wo er die Linie der bereits hier in Feueregefecht stehenden Kompagnien des I. Batl. um 2 Uhr gab Hptm. Sollmann seinem 2. Zug unter Lt. d. R. Grohrock Befehl, die Schützenlinie an der Nordwestecke des Dorfes (Teile der Ab.) zu verstärken. Als einige Zeit darauf die Höhe nördlich vollständig unter einem schweren Schußfeuer aus F. A. R. 25 belegt wurde, ging Hptm. Sollmann auch mit dem Rest seiner Komp. vor und befestigte zusammen mit Teilen der Leib-Komp. eine Höhe an dem das Maissin heraus nach Norden hin führenden Feldweg.

Der Reg.-Kdr. hatte inzwischen bereits um 12.45 Uhr, als der Angriff des I. Batl. auf starke feindliche Gegenwirkung gestoßen war, dem III. Batl. den Befehl erteilt, rechts verlängert in den Kampf des I. Batl. einzugreifen. Das II. Batl., welches dem Reg.-Kdr. wieder zur Verfügung gestellt war, wurde auf die Straße Villance-Maissin zurückgenommen, um nach neuer Verfügung entweder zur Ablösung der M.G.-K. oder zur Verstärkung des linken Flügels des I. Batl. verwendet zu werden. Die M.G.-K. ging inzwischen in dem Walde von Champimont starker Gegner besetzt, hinter dem rechten Flügel des III. Batl. gezogen. Dieses letztere geriet bei seinem Vorgehen bald in starkes Feuer aus westlicher Richtung; unter schweren Verlusten arbeitete es sich südlich des Waldes von Champmont gegen die Straße Maissin—Tellin vor, welche gegen 3 Uhr erreicht wurde. Jetzt erhielt das Batl. auch starkes Flankenfeuer aus den Waldungen nördlich und nordwestlich Maissin; zeitweilig schlug auch eigenes Artilleriefeuer in die Schützenlinien, die dadurch nicht unerhebliche Verluste hatten und zunächst liegen blieben. Um den Angriff wieder in Fluß zu bringen, setzte Oberst Münster nunmehr auch zwei Kompagnien des II. Batl. ein, von denen die eine, 8. Komp. (Hptm. Leute) in die Linie des III. Batl. einschwenkte, die 6. Komp. (Hptm. Müller) dieses rechts verlagerte. Trotzdem gelangte der Angriff des rechten Flügels nicht mehr weiter vorwärts; er blieb an der sehr gut dem rechten Flügel des I. Batl. als Reserve liegenden Komp. Collmann blieb er endgültig liegen.

Währenddessen war das I. Batl. zeitweilig einige hundert Meter über den Westrand von Maissin hinaus vorgegangen, hatte sich aber einer starken feindlichen Ueberlegenheit gegenübergesehen und bis zum Dorfrand zurückgehen müssen. Oberst Münster sah sich veranlaßt, zur Unterstützung des Batl. gegen 3 Uhr seine letzten Reserven, die 5. Komp. (Hptm. Beitz) und die 7. Komp. (Hptm. Trapp) einzusetzen, die auf den Süd bezw. Südwestrand des brennenden Maissin vorgezogen wurden und hier vor allem den Kirchhof und das Schulhaus besetzten. Der starke Rauch zwang jedoch beide Kompagnien dazu, sich allmählich an den Ostrand des Dorfes zu ziehen. Gegen 4.45 Uhr war die Lage in Maissin so, daß das I. Batl. mit drei Komp. (8., 5. und 4.) den Westrand des Dorfes besetzt hatte und mit der 2. Komp. nach Norden anschließend am Weg Maissin—Nedu lag. Versprengte Teile des I., sowie auch des II. und III. Batls. und der 6. Komp. und der 7. Komp., wurden in dem brennenden Maissin gesammelt, auf Befehl des dort anwesenden Reg.-Kdrs. dem Hptm. Trapp unterstellt und gegen 5.30 Uhr zur Verstärkung der nördlich des Dorfes im schweren Kampfe liegenden Teile des Regiments eingesetzt.

Allmählich war der Gegner überall zum Gegenangriff vorgegangen, besonders das durch den größten Teil des II. verstärkte III. Batl. nördlich Maissin sah sich einer erheblichen feindlichen Uebermacht gegenüber. Es kämpften hier mit vorbildlicher Zähigkeit die 9. unter Hptm. Hofmann, 10. unter Hptm. Hermann, 11. unter Hptm. Classen und 12. Komp. unter Hptm. Oldenburg. Auch der Einsatz eines Batl. des I.R. 71 auf dem äußersten rechten Flügel brachte keine Entlastung. Um 6.15 Uhr mußte der rechte Flügel des Regiments vor starken französischen Angriffen aus dem Wald von Bolez zurückgezogen werden, wobei es zeitweilig die Front nahezu nach Norden verlegt. Und das I. Batl. war schließlich nicht mehr zu halten, so daß Oberst Münster allen drei Batl. befahl, in allgemeiner Richtung auf „Billance“ zurückzugehen. Die Verbände waren in dem heißen Kampf sehr stark durcheinander gegangen, die erschöpften Batl. sehr stark, übrigens ohne jede Nervosität. Alle Tapferkeit des Gegners nutzte nichts mehr; immer stärkere feindliche Angriffe quollen gegen die gelichteten Reihen, und mühsam konnte immer die Verbindung gehalten werden. Trotz des großen Durcheinanders vollzog sich der Übergang verhältnismäßig geordnet und in vollkommener Ruhe, zumal sich die besonders vorbildlichen Offiziere tapfer bei der Unterweisung der Mannschaften, so daß dadurch wieder einige kampffähigere Teile gesammelt werden konnten. Der Rückmarsch erfolgte über das südwestlich Maissin gelegene Tal des Seife-Baches 1200 Meter westlich Maissin in die frühere Stellung zurück. Die übrigen Teile des Regiments wurden von der Straße Billance—Maissin zurückgenommen, einzelne Teile der sehr stark durcheinandergegangenen schon früher zurückgegangen, andere, die sich an der westlich des Dorfes gelegenen Höhe festgesetzt hatten, mußten sich unter dem Druck der sehr stark überlegenen feindlichen Kräfte des Abends zum Rückzug; sie trafen gegen 10 Uhr abends bei den übrigen Teilen des Regiments ein. Hptm. v. Cappeln bildete am späten Abend aus versprengten Teilen aller Komp. eine Gruppe, mit der er sich am Westrand des Waldes südlich Villance (Vigéczy) eingrub und den Schutz der bei Villance in Stellung befindlichen Artillerie übernahm.

Die Verluste des Regiments waren außerordentlich schwer, sie betrugen:

Mannschaften
I. Batt.   tot: 138  verwundet: 211  gefangen: 3
II. Batt.   tot: 50  verwundet: 99  gefangen: —
III. Batt. (mit MGR.)  tot: 119  verwundet: 257  gefangen: 9

Zusammen: 925 Mann

Offiziere
I. Batt.   tot: 1  verwundet: 5  krank: 1
II. Batt.   tot: 1  verwundet: 8  krank: 1
III. Batt.   tot: 7  verwundet: 7  krank: —

Zusammen: 31 Offiziere

An Offiziere:
a) tot:
Major von Notz (III. Batt.); Hptm. Hermann (10.); Oldenburg (12.); Lt. Löbbecke (Abt. II.); Lt. d. R. Mühl (10.); Lt. Kleine (11.); Lt. Proske (12.); Lt. Enck (3.); Hptm. Leute (später verst.)

b) verwundet:
Major Kotz (1.); Major Stehberger (II.); Hptm. v. Goessel (MG.); Trapp (7.); Freienstein (3.); Leute (8.); Oberlt. Fendel (Reg.-Abt.); Lt. Steiger (Abtl. III.) (starb an seiner Verwundung); Lt. Rülf (12.); Lt. W. Müller (10.); Scheuermann (L.); Hossfeld (8.); Lt. d. R. Schmölt (7.); Lt. Cares (8.); Lt. Fr. Müller (9.); Nebry (3.); Wiedemann (4.)

Hauptmann Veith (5.) und Collmann (2.) wurden ebenfalls verwundet, konnten aber bei der Truppe bleiben bzw. schon nach wenigen Tagen zu ihr zurückkehren.
An den Folgen seiner Verwundung starb der erste Kriegsfreiwillige des Regiments.“

Man begrub Karl Andreas Balser auf dem Soldatenfriedhof Maissin-National in Grab 215.

Die Todesanzeige für Karl Balser im Gießener Anzeiger vom 28.09.1914

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.814: Josef Vogl

Der Soldat Josef Vogl wurde am 09.01.1878 geboren, lebte in Röhrmoss, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Kirchanschöring, und war Tagelöhner in der Kuranstalt Bad Adelholzen. Im Ersten Weltkrieg diente er als Landsturmmann in der 4. Kompanie des 1. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Anfang April 1917 wurde er schwer verwundet und verstarb am 12.04.1917 im Alter von 39 Jahren in der Nähe von Bailleul bei Arras.

Man begrub Josef Vogl auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in Block 2, Grab 655.

Sterbebild von Josef Vogl
Rückseite des Sterbebildes von Josef Vogl

Gefallene Soldaten aus Mittelhessen: Ferdinand Gernaudt

Der Soldat Ferdinand Gernaudt (Volksbund: Gernandt) stammte aus der hessischen Ortschaft Heuchelheim. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Musketier in der 8. Kompanie des 116. Infanterie-Regiments. Am 22.08.1914 fiel er während der Schlacht an der Marne bei Anloy.

Über den Todestag und die Todesumstände von Ferdinand Gernaudt berichtet die Regimentsgeschichte des 116. Infanterie-Regiments:

„Gegen 6 Uhr vormittags (22. August) trat das Regiment als Vorhut den Marsch über Ochamps nach Glaireuse an. Auf den Höhen nördlich von diesem Dorfe stellte es sich bereit. Die Bereitstellung war gegen 9 Uhr vormittags beendet, und die Truppen waren eben aus den Feldküchen verpflegt worden, da traf folgender Befehl ein: „Infanterie-Regiment 116 geht auf dem linken Flügel der 49. Infanterie-Brigade vor, mit dem linken Flügel an der Südecke von Anloy vorbei, rechts Anschluss an Infanterie-Regiment 115. Die Linie Anloy-Bournonwald soll vorerst nicht überschritten werden.“ Über die allgemeine Lage wurde bekannt, dass die 4. Armee mit dem VI. Armee-Korps und  VIII. Reserve-Korps die Flanken der angreifenden 3. und 5. Armee decken und in ihrer Mitte am Leffe-Abschnitt (XVIII. Armee-Korps) und bei Neufchâteau (XVIII. Reserve-Korps) eine Bereitstellung einnehmen sollte. Die Nachrichten über den Feind waren immer noch sehr unbestimmt. Nach Fliegermeldungen sollten in den Wäldern jenseits des Leffebaches  nur Kavallerieabteilungen stehen. Die feindliche Infanterie wurde etwa 50 Kilometer dahinter vermutet.

Das Regiment nahm das II. und III. Bataillon ins erste Treffen; hinter dem III. Bataillon folgte die Maschinengewehr-Kompanie. Das I. Bataillon war hinter dem linken Flügel gestaffelt und stand zunächst der Brigade zur Verfügung. In guter Ordnung entfalteten sich die Kompanien und gingen, nachdem der Südrand von Anloy überschritten war, in Schützenwellen vor. Weiter rechts, wo die 50. Infanterie-Brigade über Libin gegen Maissin vorging, wurde lebhaftes Gewehr- und Artilleriefeuer laut. Unsere Brigade (49. Infanterie-Brigade) dagegen hatte bereits die befohlene Linie erreicht, ohne auf einen Gegner zu stoßen. So wurde die befohlene Linie im Anschluss an die rechten Nachbartruppen überschritten. Doch kaum hatten die ersten Wellen des II. und III. Bataillons gegen 2 Uhr nachmittags die Höhen südwestlich von Anloy erreicht, als ihnen aus einer Entfernung von kaum 400 Metern lebhaftes Infanterie- und Maschinengewehr-Feuer entgegenschlug. Und doch war vom Gegner nichts zu sehen. In Getreidefeldern und am Waldrande hielt er sich vorzüglich gedeckt, so dass kein sicherer Schuss auf ihn anzubringen war. Aber dem ungestümen, unserem Infanteristen zur zweiten Natur gewordenen Drang nach vorwärts zeigte sich der Gegner nicht gewachsen. Trotz des starken Feuers und trotz der hemmenden Drahtumzäunungen der Felder gelang es nach mehrmaligem Ansturm, die Getreidefelder allmählich vom Feinde zu säubern und die nächsten Waldstücke zu erreichen. Namentlich am rechten Flügel wurde der Angriff mit rasender Schnelligkeit vorgetragen. Trotz schwerer Verluste und trotz der Mahnungen der Offiziere zur Besonnenheit ging alles nach vorn durch.

Im Walde war zunächst das dichte Unterholz ein schwieriges Hindernis und verursachte viele Verluste. Ein weiteres Hindernis waren die vielen gut versteckten französischen Baumschützen, die dem Angreifer aus unmittelbarer Nähe ihre Schüsse entgegensandten, eine Kampfesweise, auf die der Deutsche nicht gefasst war, gegen die er aber bald wirksame Abhilfe fand. Auch das eigene Artilleriefeuer belästigte hier stellenweise die vorgehenden Kompanien. In wildem Drauflosgehen und hartem Ringen dachte man wenig an die Verbindung nach rückwärts, so dass unsere Artillerie nicht wissen konnte, wie weit der Angriff an den einzelnen Punkten vorgetragen war. Aber alle diese Schwierigkeiten konnten den Siegeslauf der in blinder Wut vorstürmenden Hessen nicht aufhalten. Waldstück auf Waldstück wurde dem Gegner entrissen, wobei sich an den einzelnen Waldrändern besonders erbitterte Kämpfe mit dem zähen Gegner abspielten. Hier war es auch, wo die beiden unerschrockenen Führer der  9. und 12. Kompanie, die Hauptleute Weltzien und Mattel, einen frühen Heldentod fanden. Auch die Führer der 9. und 12. Kompanie, Hauptleute Wolf und Buhtz, mussten schwer verwundet vom Schlachtfeld getragen werden.

So wogte beim II. und III. Bataillon der Kampf in der heißen Augustsonne schon die dritte Stunde. Da drohte gegen 4 Uhr nachmittags ein gefährlicher Rückschlag: Der vorher schon an Zahl überlegene Gegner des Regiments schob in der Front ein neues Bataillon ein und suchte gleichzeitig unsere linke Flanke mit zwei frischen Jägerbataillonen zu umfassen. Der Angriff in der Front aus dem Walde Derriere-Horimont konnte zunächst vom II. und III. Bataillon nicht aufgefangen werden: Die beiden Bataillone waren zu hart mitgenommen, die Verbände zu sehr durcheinandergewürfelt. So mussten sie dem Stoß ausweichen. Aber bald stellte ein Maschinengewehr-Zug unter Leutnant de Harde sowie eine Kompanie der 21. Pioniere die Lage wieder her. Leutnant Brendel, der Adjutant des II. Bataillons, warf sich mit etwa 100 Versprengten aus allen Kompanien gegen die rechte Flanke. Von neuem kam der Angriff in Fluss, auch das frische Bataillon des Gegners wurde geworfen. Teile der 5. und 8. Kompanie unterstützten die 4. und 6. Kompanie des Infanterie-Regiments 115 beim Sturm auf eine feindliche Batterie, die nach hartem Ringen erobert und trotz mehrfacher wilder Gegenangriffe behauptet wurde. Vizefeldwebel Dutliné (8. Kompanie) und Braun (5. Kompanie) zeichneten sich dabei besonders aus.

Nicht minder schwierig gestaltete sich der Kampf auf dem linken Flügel des Regiments. Hier klaffte eine bedenkliche Lücke in der deutschen Kampffront, da das XVIII. Reserve-Korps nach Süden vorgestoßen war. Der Gegner hatte diesen schwachen Punkt bald erkannt und holte von Stunde zu Stunde weiter nach links zur Umfassung aus. Als hier gleich zu Beginn der Schlacht das links gestaffelte I. Bataillon in Marschkolonne aus einem Hohlweg südwestlich von Anloy heraustrat, wurde es mit einem Hagel von Geschossen überschüttet, so dass alles volle Dekcung nehmen musste. Die vorderen Kompanien entwickelten sich gruppenweise nach links und arbeitete sich in wütendem Infanteriefeuer durch hohe Getreidefelder, ohne indes vom Feinde etwas zu sehen. In einem toten Winkel konnten die 3. und 4. Kompanie kurz Atem schöpfen. Ihre drei noch am Leben gebliebenen Zugführer, Leutnant Pieper, Locher und Offizierstellvertreter Petri, ordneten hier, was sich um sie gesammelt hatte, und griff dann ein von den Haubitzen der 61er sturmreif geschossenes, stark besetztes Waldstück an. Mutig trug der Sergant Pistler, umzischt von zahlreichen Geschossen, die entfaltete Fahne des Bataillons mit den stürmenden Kompanien nach vorn. Der Waldstreifen wurde genommen und schnell durchschritten. Aber frische feindliche Kräfte setzten zum Gegenangriff an und trafen namentlich die Leibkompanie sehr schwer. Viermal hatte sie einen französischen Vorstoß auszuhalten und verlor drei tüchtige  Offiziere, Leutnant von Erhardt, Meinberg und Mühlberger. Auch in den Ginsterbüschen jenseits des Waldstücks waren die Kompanien starkem feindlichen Strichfeuer ausgesetzt, das hohe Verluste brachte und zum Rückzug in das Waldstück zwang.

Entscheidend für die Abwehr der feindlichen Umfassungsversuche wurde das Eingreifen der Maschinengewehre. Ihnen hatte der Regimentskommandeur in richtiger Erkenntnis der Gefahr von vornherein die Sicherung der linken Flanke übertragen. Sie waren daher südlich von Anloy in Stellung gegangen. Dort hatten sie bald drei französische Maschinengewehre, die zwischen den Straßen Anloy-Sart und Anloy-Haie standen, außer Gefecht gesetzt. Infolge der feindlichen Umfassung kam jedoch Hauptmann Poly mit den Gewehren in eine bedrängte Lage. Da ritt Oberst Schimmelpfennig in schärfstem Galopp zur Artillerie, erhielt dort zwei Geschütze und brachte sie an der gefährdeten Stelle in Front. Ein fürchterliches Blutbad begann. Die beiden Geschütze rissen ungeheure Löcher in die überflügelnden feindlichen Reihen, Schwadenweise mähten die Maschinengewehre die vorgehenden Wellen nieder und schossen mit entsetzlicher Genauigkeit und Unerbitterlichkeit die Schützenlinien des Gegners zusammen, so dass jedes Leben in ihnen erstarrte. Gefangene schilderten sntsetzt die grauenhafte Wirkung dieses vereinigten Artillerie- und Maschinengewehr-Feuers, von dem man sich am anderen Tage beim Überschreiten des Schlachtfeldes mit Schaudern überzeugen konnte.

So tobte der heiße Kampf den ganzen Nachmittag, hier in wildem Handgemenge mit wüstem Schreien, dort in schrecklichem Zischen udn Heulen der todbringenden Geschosse, in Angriff und Gegenangriff um den Besitz einzelner Waldstücke, in wildem Vorstürmen und entsetztem Zurückgehen. Die Wildheit hatte besonders beim II. und III. Bataillon jede Einheitlichkeit über den Haufen geworfen. So wird erklärlich, dass Teile der 10. und 11. Kompanie weit rechts beim Infanterie-Regiment 117 gegen das Dorf Maissin kämpften. Aber immer noch war die endgültige Entscheidung nicht gefallen. Zwar begann von 5 Uhr nachmittags an unsere Artillerie käftiger zu wirken. Die Waldstücke, in denen sich der Gegner noch hielt, wurden planmäßig beschossen. Immer tiefer stießen die Kompanien dem gegner nach Westen nach. Trefflich half dem I. Bataillon eine Kompanie der 21. Pioniere, deren Führer, Hauptmann Peters, den Heldentod starb. Doch nur schrittweise gab der Feind eine Stellung nach der anderen auf. Da ertönten gegen 7 Uhr nachmittags in unserem Rücken Kommandorufe. Die lang ersehnte Unterstützung war da! In vierstündigem Marsche war die 16. Reserve-Division unter Generalleutnant Mootz von der Eisenbahn nach dem Schlachtfelde geeilt, um den Kameraden Hilfe zu bringen. Nun schwärmten die Kompanien des Reserve-Infanterie-Regiments 28 ein. Da gab’s kein Halten mehr. Mit Bajonett und Spaten wurde der bis zum äußersten sich wehrende Gegner aus seinen letzten Stellungen geworfen. Blau und rot quoll es aus den Waldstücken heraus. Auf wenige hundert Meter lief der nach Süden abziehende Gegner in das Flankenfeuer des I. Bataillons hinein und erlitt schreckliche Verluste. Erst die Dunkelheit machte dem Kampfe ein Ende. Völlig erschöpft sammelten sich die Bataillone auf der Höhe bei Alnloy. Bei der Unsicherheit der Gesamtlage – der rechte Flügel der Division hatte wegen drohender Umfassung das um 5 Uhr nachmittags gestürmte Maissin wieder räumen müüssen – wurde die Höhe und der Dorfrand zur Verteidigung eingerichtet.

Eine schwere Aufgabe harrte der Ärzte und Krankenträger. Im Kampfe mit Freischärlern, die aus den Häusern auf die durchziehenden Verwundeten schossen und die Gefechtsstaffel zersprengten, hatte Stabsarzt Dr. Szubinski am Westausgang des Dorfes den Verbandplatz des Regiments eingerichtet. Den ganzen Nachmittag über strömten die Verwundeten zu, und bald war alles überfüllt. Eine schier nicht zu bewältigende Arbeit für fünf Ärzte mit wenigen Helfern; dazu in stundenlangem Artilleriefeuer. Nach Mitternacht erschienen die Krankenträger der Sanitätskompanie mit Fackeln. Sie wurden aber beim Absuchen des Schlachtfeldes noch vielfach vom Feinde beschossen. Trotzdem wurden die meisten der hilflos daliegenden und dem Verschmachten nahen Schwerverwundeten noch während der Nacht zurückgeschafft. Viele aber mussten in ihrer Todespein den kommenden Morgen abwarten, bis sie aufgefunden und geborgen werden konnten.

Die erste Schlacht war geschlagen. Der blutigste Tag des ganzen Krieges lag hinter dem Regiment. Der Sieg hatte sich an seine Fahnen geheftet. Ein starker und tapferer Gegner war aus Stellungen gejagt worden, die er sich drei Tage lang mit Sorgfalt ausgesucht und ausgebaut hatte. Rühmliche Taten, die alle der Erwähnung wert wären, waren allerorten vollbracht worden. Aber groß, sehr groß waren auch die Verluste. Kein Tag des Feldzugs hat vom Regiment so viele Opfer gefordert wie der Tag von Anloy. Innerhalb weniger Stunden hat es über 1.000 Mann, mehr als ein Drittel seines Bestandes, verloren. 13 Offiziere, darunter außer den schon erwähnten der bewährte Führer der 4. Kompanie, Hauptmann von Normann, und Oberleutnant Ebel von der 6., der am nächsten Morgen seiner schweren Verwundung erlag, ferner Leutnant Becker, von Grolmann, Eichhoff, Klein, Walter und der Fahnenjunker Schäfer waren auf dem Schlachtfelde geblieben; 340 brave Unteroffiziere und Mannschaften waren mit ihnen in den Tod gegangen. Fast doppelt so hoch war die Zahl der Verwundeten. Unter ihnen waren 20 Offiziere: Das I. Bataillon hatte den Hauptmann von Thümen und die Leutnants Locher, Malzahn, Pieper, Scherer und den Fähnrich Marquardt verloren; das II. büßte Leutnant Schroeder, Johlen, Hellwig und Buchholtz ein; am schwersten aber waren die Verluste beim III., wo außer den vier Kompanieführern die Leutnants Dingeldein, Flotho, Fischer, Loerbrocks, Schmidt, Meyer und Freytag fehlten. In der Maschinengewehr-Kompanie waren Oberleutnant Kienitz und Leutnant de Harde (D. E.) verwundet. An Unteroffiziere und Mannschaften waren 599 verwundet, 72 wurden vermisst. Der Name Anloy sollte einen schrecklichen Klang in der hessischen Heimat erhalten. Da war kein Städtchen und Dörfchen, in das nicht die Nachricht gedrungen wäre: „Bei Anloy gefallen!“ Aber darum ist der Name auch zum Ehrennamen der Kämpfer des 22. August geworden. Von allen Kränzen, die sich das Regiment in diesem großen Krieg errungen, ist der Kranz von Anloy der schönste. Er wird nie verwelken.“

Man begrub Ferdinand Gernaudt auf dem Soldatenfriedhof Anloy-Heide in Block 3, Grab 98.

Die Todesanzeige für Ferdinand Gernaudt im Gießener Anzeiger vom 29.09.1914

Gefallene Soldaten aus Mittelhessen: Karl Doepfer

Der Soldat Karl Doepfer wurde am 10.12.1893 in der hessischen Universitätsstadt Gießen geboren und war Oberlehrer am Gymnasium Mühlheim an der Ruhr. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Leutnant der Reserve in der  Maschinengewehr-Kompanie des 159. Infanterie-Regiments. Am 17.09.1914 fiel er im Alter von 20 Jahren bei Ailles an der Aisne.

Die Lage des Grabes von Karl Doepfer ist unbekannt.

Das Sterbebild von Karl Doepfer im Gießener Anzeiger vom 28.09.1914

Gefallene Soldaten aus Mittelhessen: Wilhelm Scheele

Der Soldat Wilhelm Scheele war von Beruf Forstassessor. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Leutnant der Reserve in der 8. Kompanie des 118. Landwehr-Infanterie-Regiments (nicht wie in der Todesanzeige angegeben im 118. Infanterie-Regiment. Am 08.09.1914 (Volksbund: 09.09.1914)  fiel er während der Schlacht an der Marne bei Vitry-le-Francois.

Man begrub Wilhelm Scheele auf dem Friedhof von Vitry-le-Francois in Block A, Grab 2.

Die Todesanzeige der Landsmannschaft Darmstadtia für Wilhelm Scheele im Gießener Anzeiger

Gefallene Soldaten aus Mittelhessen: Julius Scriba

Der Soldat Julius Scriba wurde am 21.02.1880 in der hessischen Stadt Babenhausen geboren und lebte in Maar, einem Ortsteil der hessischen Stadt Lauterbach. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Oberleutnant und Kompanieführer in der 8. Kompanie des 168. Infanterie-Regiments. Am 15.09.1914 fiel er bei Servon in Frankreich während der Schlacht an der Marne.

Über den Todestag und die Todesumstände von Julius Scriba berichtet die Regimentsgeschichte des 168. Infanterie-Regiments:

„15. September: Regiment 168 erhält Befehl, Servon zu nehmen. Um 12.30 Uhr treten das III. und II. Bataillon an. Das I. Bataillon unterstützte den Angriff durch Feuer. In flottem Angriff wurde Servon genommen und dabei vier feindliche Geschütze erobert.

Das Regiment gräbt sich südlich des Ortes ein und verbleibt hier.

Am Abend setzte starkes Regenwetter ein.

Servon lag dauernd unter feindlichem Artilleriefeuer.“

Man begrub Julius Scriba auf dem Soldatenfriedhof Servon-Melzicourt in Block 2, Grab 712.

In seiner Heimatstadt Babenhausen gedenkt man Julius Scriba noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2010/babenhausen-langstadt_frdh_wk1u2_hess.htm

Die Todesanzeige für Julius Scriba im Gießener Anzeiger vom 26.09.1914

Gefallene Soldaten aus Mittelhessen: Karl Hahn

Der Soldat Karl Hahn stammte aus Nieder-Florstadt und war von Beruf Bankbeamter. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Einjähriger-Unteroffizier in der 5. Kompanie des 116. Infanterie-Regiments. Am 09.09.1914 fiel er während der Schlacht an der Marne bei Alliancelles, Sermaize, Pargny und Maurupt.

Die Grablage von Karl Hahn ist unbekannt.

Die Todesanzeige von Karl Hahn im Gießener Anzeiger

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.813: Kilian Peter

Der Soldat Kilian Peter wurde am 01.12.1890 in Adrazhofen geboren, einem Ortsteil der Gemeinde Leutkrichen im Allgäu im heutigen Bundesland Baden-Württemberg, und war Schreiner. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Reservist in der 8. Kompanie des 143. Infanterie-Regiments. Ende August wurde er als vermisst gemeldet. Später stellte sich heraus, dass er am 23.08.1914 während der Schlacht bei Saarburg und vor Nancy – Epinal bei Bréménil schwer verwundet und am 27.08.1914 (Verlustlisten und Volksbund: 01.09.1914) im Alter von 23 Jahren im Kriegslazarett Lörchingen (französisch: Lorquin) gestorben war.

Über den Tag seiner schweren, letztlich tödlichen Verwundung und die Umstände berichtet die Regimentsgeschichte des 143. Infanterie-Regiments:

„Bei Parux (23. August 1914)

Am 22. August 1914 marschierten wir über Cirey auf Parux, das vom Feinde besetzt war. Nach Überwindung des feindlichen Widerstandes ging es weiter auf Bréménil in Richtung Badonviller. Dort war Infanterie-Regiment 99 mit Teilen eingedrungen. Zur Erkundung vorgehend, musste der Brigade-Stab eine Viertelstunde lang im nassen Graben liegen, um gegen starkes feindliches Artilleriefeuer Deckung zu nehmen. Mittlerweile wurde es dunkel. Plötzlich ertönte nachts aus Badonviller die hellen Clarions französischer Truppen und der schwungvolle Gesang der Marseillaise unter hartem Marschtritt auf der Straße. Schon war der Brigadekommandeur um die im Ort befindlichen 99er besorgt, als nach heftigem Nahkampf in kräftigen Akkorden die „Wacht am Rhein“ ertönte und ihr ein brausendes deutsches Hurra folgte. Hauptmann Rogge vom Infanterie-Regiment 99 hatte angegriffen. Da die Stärke der feindlichen Besatzung in Badonviller unbekannt war, zog der Kommandeur Infanterie-Regiment 99 seine Truppen (etwa ein Bataillon) aus dem Ort heraus. Der Brigadekommandeur billigte dies, denn entweder musste die Brigade den Ort bei Dunkelheit erstürmen, was angesichts der unklaren Lage nicht ratsam war, oder der Ort musste vorläufig – wie geschehen – geräumt werden. Während dieser Vorgänge lag außerdem eigenes Artilleriefeuer auf Badonviller. (Bericht von General von Altrock).

Am nächsten Morgen, Sonntag, dem 23. August, früh, wurde der Weitermarsch angetreten. Eine Woche schwerster Kämpfe sollte mit diesem Tag anbrechen! Das Regiment befand sich vorn. Die Vorhut hatte III./143, (Spitze: 12. Kompanie, Leutnant der Reserve Overzier), es folgten II. Bataillon und Maschinengewehr-Kompanie. dann I./143. Kurz hinter Lafremborn wurde die französische Grenze überschritten, von den Truppen mit Jubel begrüßt, denn bis jetzt hatten wir ja immer noch auf deutschem Boden gekämpft.

Der Marsch ging zunächst nach Cirey, wo gehalten wurde, weil eine starke feindliche Nachhut die Truppe zur Entwicklung zwang, während die Vorhut, III./143 auf Parux weitergeschickt wurde. Das Bataillon setzte sich in den Besitz des Dorfes, wurde aber von den gegenüberliegenden Höhen von Süden und Osten her stark beschossen. Die Verluste waren schwer. Der Regimentsführer der Feldartillerie hatte angesichts der Franzosen auf einem Schimmel unsere Schützenlinie abgeritten und dadurch starkes Feuer auf uns gezogen. Inzwischen hatte die Brigade den Weitermarsch von Cirey angetreten. Der Regiments-Stab 143 ritt nach Parux zur Orientierung vor. Von Süden und Südosten her vorgehende französische Schützen ließen einen Angriff auf Parux erkennen. Der Regimentsführer setzte deshalb zwei Kompanien des II./143 zur Unterstützung des III. Bataillons in Parux ein, wobei sich die 8./143 unter Hauptmann Kürgensen besonders auszeichnete, indem sie unter schwerstem Feuer ein großes Gehöft hart südlich Parux besetzte. Den Rest des II. Bataillons behielt Oberstleutnant Freiherr von Liliencron zu seiner Verfügung in der Nordostecke des Bois de Coupe. Zwei Züge der Maschinengewehr-Kompanie wurden bei Höhe 319 im Bois de Coupe in Stellung gebracht. Major Collet mit dem verstärkten III. Bataillon ging jetzt zum Gegenangriff gegen die Höhen südlich Parux vor und gelangte hinauf. Schweres Artilleriefeuer indes zwang das tapfere Bataillon wieder nach Parux zurück.

Vom I./143 war die 1. Kompanie zwischen Cirey und Parux zum Schutze des Divisionsstabs links abgezweigt worden und kämpfte später im Verband des Infanterie-Regiments 99, wobei ihr heldenmütiger Chef, Hauptmann von Strzemierzny, fiel. Die übrigen Kompanien wurden vom Regimentsführer durch das Bois de Coupe geschickt, um den Feind auf den Höhen zwischen Parux und Bréménil zu umfassen. Der Marsch verzögerte sich jedoch durch das äußerst schwierige und sumpfige Gelände im Wald, aus dem es zwar französische Schützen vertrieb, für den beabsichtigten Angriff auf die genannten Höhen aber nicht mehr in Tätigkeit kam.

Inzwischen war es 2 Uhr nachmittags geworden. Die Franzosen konnten sich offensichtlich zur Fortsetzung ihres Angriffs auf Parux nicht entschließen, da unsere Artillerie ihnen stark zusetzte und ihnen auch der Anmarsch des I./143 durch das Bois de Coupe nicht entgangen war. Jetzt erhob sich das tapfere Bataillon Collet zum zweiten Male zum kräftigen Angriff auf die vorliegenden Höhen, dem sich die Franzosen aber durch schleunige Flucht entzogen, eine ganze Batterie zurücklassend, die von 10./143 genommen wurde.

So war das Regiment um 3 Uhr nachmittags im Besitz der Höhen zwischen Parux und Bréménil. Hier strömte jetzt alles zusammen, Truppen und Stäbe, und weiter ging es in breiter Front, Richtung Badonviller. Dort hatten die Franzosen wieder Front gemacht, und Badonviller selbst war stark besetzt. Das feindliche Artilleriefeuer zwang die Division in der Höhe von les Carrières halt zu machen, um die eigene Artillerie zunächst wirken zu lassen. Gegen Abend wurde die 60. Infanterie-Brigade auf Badonviller angesetzt, Infanterie-Regiment 143 westlich der Straße les Carrières – Badonviller. Das Regiment erhielt beim Vorgehen wiederum Verluste, diesmal durch eigenes, schweres Artilleriefeuer, so dass der Angriff von der Brigade wegen Dunkelheit und ungeklärter Verhältnisse angehalten wurde. So wurden weitere Angriffe auf den folgenden Tag verschoben.

Das Regiment nächtigte auf dem harten Boden im Chausseegraben der Straße nach Badonviller. Die Feldküche wurde herangezogen. Das Wetter war in dieser Zeit glücklicherweise dauernd schön, die Nächte aber schon empfindlich kalt, und man konnte sich Angenehmeres denken, als diese Nacht auf der Höhe von Les Carrières.“

Man begrub Kilian Peter auf dem Soldatenfriedhof Abreschviller (deutsch: Alberschweiler) in einem Massengrab.

Sterbebild von Kilian Peter
Rückseite des Sterbebildes von Kilian Peter