Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.270: Sebastian Buchner

Der Soldat Sebastian Buchner stammte aus Eberspoint, heute ein Ortsteil der bayerischen Gemeinde Velden, und war Schüler einer 8. Gymnasialklasse, also der 12. Klasse nach heutiger Rechnung. Sein Vater war  Wagnermeister. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er in der 1. Kompanie des 2. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 08.06.1916 fiel er während der Schlacht um Verdun im Alter von 21 Jahren bei Thiaumont während des ersten Sturmes auf die Wabengräben Sturmangriffs durch einen Kopfschuss.

Über den Todestag und die Todesumstände von Sebastian Buchner schreibt die Regimentsgeschichte des 2. bayerischen Infanterie-Regiments:

„Am 08.06.1916 10 Uhr vormittags traten I. und III. Bataillon zum Sturme an. Kaum hatten die ersten Wellen ihre Gräben und Granatlöcher verlassen, so erhielten sie ein vernichtendes Maschinengewehrfeuer vom Rücken westlich des Thiaumontwaldes und der Thiaumont-Ferme und besonders auch aus den Sappenköpfen der Wabengräbenstellung selbst. Auch die zweite und dritte Welle folgten unmittelbar. Auch sie geriet in das Maschinengewehrfeuer und in das jetzt eben einsetzende feindliche Sperrfeuer.

Am rechten Flügel bleiben die vorgestürmten Truppen vor dem unversehrten feindlichen Hindernis liegen. Die Masse der Sturmtruppen ist es nur gelungen, unter schweren Verlusten bis in die eigene vorderste Stellung zu kommen. Trotzdem gelingt es beim I. Bataillon einigen Stoßtrupps in die Wabengräben einzudringen, ja sogar Gefangene zu machen und bis zurück zur Befehlsstelle konnte man ein paar Leute sehen, die triumphierend ein erbeutetes feindliches Maschinengewehr aus einem Loch zogen und hoch in der Luft schwangen. Aber aus den unversehrten Unterständen der Wabengräben kriechen französische Massen hervor und es entspinnt sich in den Gräben ein dreiviertelstündiger schwerer Kampf mit Bajonett und Handgranate. Einige der Stürmer kommen in die vorderste Stellung des Regiments wieder zurück, die Mehrzahl ist gefallen oder von der Übermacht überwältigt. Aich der Angriff der gleichzeitig eingesetzten 2. Infanterie-Division kam über die Anfänge nicht hinaus. Nachmittags setzte eine erneute Artillerievorbereitung auf deutscher Seite ein. Um 8.00 Uhr abends soll der Angriff wiederholt werden; er kam jedoch wegen der verspäteten Befehle und infolge Vermischung der Verbände erst am nächsten Morgen zur Ausführung und auch da nicht über die erste Entwicklung hinaus. Die nächsten Tage brachten ununterbrochene Teilkämpfe um den Besitz von Maschinengewehr-Nestern. Am 23. endlich erfolgte durch das 10. Infanterie-Regiment und das Alpenkorps der Angriff auf das Zwischenwerk Thiaumont und Fleury.“

Man begrub Sebastian Buchner auf dem Soldatenfriedhof Hautecourt-lès-Broville in einem Massengrab.

Sterbebild von Sebastian Buchner
Rückseite des Sterbebildes von Sebastian Buchner

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.268: Matthias Kitzinger

Der Soldat Matthias Kitzinger stammte aus Arnstorf und war der Sohn eines Bindermeisters. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er in der 6. Kompanie des 3. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 31.01.1916 wurde er bei Arras während der Stellungskämpfe in Flandern und Artois durch einen Granatsplitter schwer verwundet und starb am 01.02.1916 im Alter von 26 Jahren am Hauptverbandplatz Biache.

Man begrub Matthias Kitzinger auf dem Soldatenfriedhof Neuville-St.Vaast in Block 17, Grab 1084.

Sterbebild von Matthias Kitzinger
Rückseite des Sterbebildes von Matthias Kitzinger

Sonderbeitrag: John Condon – der jüngste alliierte Soldat im Ersten Weltkrieg

Pte. John Condon (* 5. Oktober 1897 in Waterford; † 24. Mai 1915 bei Ypern) war ein irischer Soldat. Fälschlicherweise glaubte man, er sei mit 14 Jahren der jüngste alliierte Soldat gewesen, der im Ersten Weltkrieg gefallen war. Er log über sein Alter und behauptete, 18 Jahre alt gewesen zu sein, als er sich 1913 zur Armee verpflichtete. Er fiel 1915 im 2. Bataillon des Royal Irish Regiment bei einem Giftgasangriff während der Zweiten Schlacht von Ypern und seine Leiche wurde erst zehn Jahre später geborgen und auf den britischen Soldatenfriedhof von Poelkappelle überführt. Seine Familie wusste nicht, dass Condon in Belgien war, bis sie von der britischen Armee kontaktiert wurden und ihnen mitgeteilt wurde, dass er im Einsatz vermisst wurde. 1922 wurde Condon posthum mit der British War Medal, der Victory Medal und dem 1914-15 Star ausgezeichnet.

Aufgrund einer Geburtsurkunde, einer Volkszählung, Kriegstagebüchern und anderen Aufzeichnungen wird heute angenommen, dass John Condon zum Zeitpunkt seines Todes 18 Jahre alt gewesen sein muss und falsche Angaben auf dem Grab genannt werden. Gegenwärtig bestätigen der Grabstein auf dem Poelkapelle Friedhof und die CWGC-Aufzeichnungen weiterhin die umstrittenen Daten.

John Condon, fotografiert zwischen 1913 und 1915

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.267: Joseph Stadler

Der Soldat Joseph Stadler stammte aus Lindach, heute ein Ortsteil der bayerischen Gemeinde Arnstorf, und war Landwirt. Im Ersten Weltkrieg diente er als Infanterist in einem Infanterie-Regiment. Am 17.02.1917 fiel er im Alter von 36 Jahren in Rumänien durch einen Querschuss.

Die Lage des Grabes von Joseph Stadler ist, wie meist in Rumänien, unbekannt.

Sterbebild von Joseph Stadler
Rückseite des Sterbebildes von Joseph Stadler

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.266: Albert Weig

Der Soldat Albert Weig stammte aus Vilsbiburg in Bayern und war Schriftsetzer von Beruf. Im Ersten Weltkrieg diente er als Pionier in der 2. Kompanie des 1. bayerischen Pionier-Bataillons. Am 07.02.1916 fiel er im Alter von 21 Jahren bei einer Minensprengung bei Thelus.

Man begrub Albert Weig auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab.

Sterbebild von Albert Weig
Rückseite des Sterbebildes von Albert Weig

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.265: Konrad Rothenhäusler

Der Soldat Konrad Rothenhäusler stammte aus Staig im heutigen Baden-Württemberg und war Gutsbesitzer. Im Ersten Weltkrieg diente er als Landwehrmann in der 9. Kompanie des 123. Landwehr-Infanterie-Regiments. Am 17.02.1915 fiel er im Alter von 38 Jahren während der heftigen Kämpfe in den Vogesen am Sudelkopf, der der zum Hartmannsweilerkopf gehört.

Über den Todestag und die Todesumstände von Konrad Rotenhäuser berichtet die Regimentsgeschichte des 123. Landwehr-Infanterie-Regiment:

„Der französische Angriff gegen Stellung Crailsheim am 17.02.1915

Er (der Franzose) hatte neue Kräfte herangeführt. Zu dem starken Alpenjägerbataillon (mit acht Kompanien) trat das ganze 334. Infanterie-Regiment. Von 9 Uhr vormittags lag die ganze Stellung Crailsheim bis zur Höhe 900 und zum Schlüsselkopf und im Süden bis zum rechten Flügel des I. Bataillons unter schwerem, ununterbrochenem Zerstörungsfeuer des Gegners. Grabenstück für Grabenstück, Unterstand für Unterstand wurde von dem hervorragend geleiteten Artilleriefeuer systematisch zusammengeschossen. Unter den Trümmern auf der Kuppe lag die zähe Besatzung der 10. Kompanie unter Führung von Leutnant Schempp und Busel, am Südhang die Infanterie-Pionierabteilung von Leutnant Mack, der, weil keine Ablösung erschien, die Sicherung des eben gebauten vordersten Grabens übernahm. Da lagen sie Stunde für Stunde auf dem Boden hinter Steinen, Trichterrändern, zerschossenen Baumstämmen hingekauert, das eingefrorene Gewehr in der rechten Hand. Es wird Mittag und noch hört der Höllensturm nicht auf. Keine Ablösung! Keine Nahrung seit dem gestrigen Tag! Nur Tod und Verderben zur Linken und Rechten! Da heultum 2 Uhr nachmittags der Sturm von drei, kaum 600 Meter weit entfernt stehenden Gebirgsbatterien heran, die in rasendem Schnellfeuer das Zerstörungswerk vollenden. Von Dreck und Dampf und Pulverschleim wird die Kuppe eingehüllt. Punkt drei Uhr wird das Feuer vorverlegt und riegelt jeden Zugang zu ihr ab. Da stürmen vier frische, ausgeruhte Kompanien des Alpenjägerbataillions langsam gegen die Kuppe der Stellung Crailsheim heran und nehmen sie nach kurzem Kampf in Besitz. Die kleinen, völlig entnervten und erschöpften Reste der 10. Kompanie geraten in Feindeshand. Kein Maschinengewehr verwehrt dem Feind mehr den Weg; teils waren sie zerstört, teils lag die ganze Bedienung tot am Boden.

Rasch richtet sich der siegestrunkene Gegner auf der Kuppe ein und dringt nach Norden gegen Höhe 900 und nach Süden gegen das Breittal vor. Die Gefahr für das Landwehr-Infanterie-Regiment 123 war äußerst groß. Höhe 900 und die ganze Talstellung des I./L. 123 drohte von der Flanke aufgerollt zu werden. Schon standen frische Alpenjäger im Rücken des rechten Flügels der 3. Kompanie, schon drangen Patrouillen gegen den Holzwasen hinunter. Da retten zwei Offiziere die Situation. Der unerschrockene Adjutant des III. Bataillons, Oberleutnant Stiegele, eilt auf die Nachricht, dass der Gegner mit Infanterie oben eingebrochen sei, mit etwa 15 beherzten Leuten vom Holzwasen den vereisten Weg zur Kuppe hinan und bringt durch sein schneidiges Auftreten die esrte Linie des Gegners zum Stehen. Im harten Nahkampf wird Oberleutnant Stiegele selbst am Arm schwer verwundet. Doch der erste Riegel war gezogen.

Am linken Flügel zwischen der Stellung Crailsheim und 3./L. 123 liegt noch Leutnant Mack mit dem Rest seiner dezimierten Infanteriepioniere. Bei ihm befindet sich durch Zufall Leutnant Link, der als Rekonvaleszent seinen Freund im Graben aufgesucht hat und infolge Trommelfeuers am Rückweg verhindert worden ist. Sofort nach dem Trommelfeuer greifen Alpenjäger auch am Südhang an, werden aber in scharfes Gewehrfeuer der Besatzung aus nächster Nähe verstrickt. Da sieht auf einmal Leutnant Link, wie von rückwärts von der Kuppe her ein Zug Franzosen den paar Gruppen der Infanteriepioniere in die rechte Flanke stößt. Den Revolver in der Hand, stürzt Leutnant Link vor; kurz entschlossen wirft sich Leutnant Mack mit einer Gruppe dem neuen Feind in der rechten Flanke entgegen und bringt ihn nach einiger Zeit zum Stehen. Nun, als der Feind an der Stirnseite abgewehrt war, holen beide Offiziere zum Gegenstoß aus; sie stürmen unter Hurrarufen mit ihren 30 Mann den steilen Berg hinan und gewinnen einen starken Felsblock, der als Angelpunkt für die nach Norden abgebogenen Front geeignet scheint. Doch weiter reicht die Kraft der kleinen Schar nicht aus; war doch schon der zehnte Teil, darunter Leutnant Link, ein prächtiger Offizier, gefallen. Mitten im Sprung brach er, durchs Her getroffen, neben Leutnant Mack tot zusammen. Der Rest nagt sich in den Schnee und den gefrorenen Boden ein und weicht nicht von der Stelle. Die Schar feuert weiter bis zur letzten Patrone und hält die neue Linie die ganze Nacht hindurch.

Da kommt auch endlich Verstärkung heran. Teile der 7./L. 123. unter dem trefflichen Leutnant Herdegen eilen dem zusammengeschmolzenen Infanterie-Pionierzug des Leutnants Mack zur Hilfe und geben der offenen Flanke einen starken Halt. Am späten Nachmittag erscheint weiter aus dem Rimbachtal die 5. Kompanie unter Hauptmann Knapp; sie wird von Oberleutnant von Crailsheim von Höhe 900 aus, linken Flügel an der den Höhengrat einsäumenden Steinmauer, angesetzt. Auch Hauptmann Gutermann, der mit der 9./L. 123 am Morgen nach anstrengendem Dienst zur Ruhe nach Jungholz abmarschiert war, ist nach Eintreffen der bösen Nachricht sofort wieder umgekehrt und in dreistündigem Bergmarsch wieder angerückt. Beide Kompanien (die 6., ebenfalls vom Tal in Marsch gesetzt, trifft leider zu spät ein) greifen nun mit den Resten der 11. und 12. Kompanie in später Abendstunde unter Oberstleutnant von Crailsheims Führung den Gegner an und drängen ihn bis hart an die Sudelhöhe wieder zurück. Die dunkle Nacht lässt den Gegenstoß, ehe er sich völlig ausreist, vorzeitig abbrechen. Doch gelingt es nun nach Mitternacht Leutnant Mack durch einen Zug des Leutnants Seebaß (9. Kompanie) und John (12. Kompanie), die er selbst vom Bataillon herangeholt hat, die 400 Meter weite Lücke an seinem rechten Flügel zu schließen. Damit war der Durchbruch glücklich abgewehrt: ein schöner Erfolg des schwer mitgenommenen Bataillons von Crailsheim angesichts der üblen Lage und des fünfach überlegenen Gegners.

Die Verluste waren freilich schwer. An Offizieren fiel Hauptmann Knapp, der Führer der 5./L. 123, der seiner Kompanie zu weit vorausgeilt und vom Feinde aus nächster Nähe schwer verwundet worden war. Er war ein pflichtgetreuer und gewissenhafter Offizier, der als Regimentsadjutant vom Kriegsbeginn bis Anfang Februar viel geleistet hat. Ferner Leutnant Link der 10. Kompanie. Schwer verwundet wurden Oberleutnant Stiegele, der Adjutant des III./L. 123 und Leutnant Kalchreuter der 5. Kompanie, beide treffliche Offiziere. An Mannschaften war beim III. Bataillon allein ein verlust von 100 Mann zu beklagen.“

Einer der 100 Verluste war Konrad Rotenhäusler.

Die Lage des Grabes von Konrad Rotehhäusler ist offiziell unbekannt. Ich vermute jedoch, dass er anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof Guebwiller beigesetzt wurde, wo auch seine Kameraden von der 9. Kompanie begraben wurden, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a.

  • Leutnant der Reserve Eugen Link, gefallen am 17.02.1915, begraben auf dem Soldatenfriedhof Guebwiller in Block 3, Grab 35;
  • WehrmannVinzenz Schönberger, gefallen am 17.02.1915, begraben auf dem Soldatenfriedhof Guebwiller in Block 8, Grab 70;
  • Gefreiter Anton Allgaier, gefallen am 11.02.1915 am Sudelkopf, begraben auf dem Soldatenfriedhof Guebwiller in einem Massengrab;
  • Kriegsfreiwilliger Ludwig Walzer, gefallen am 17.02.1915, begraben auf dem Soldatenfriedhof Guebwiller in Block 3, Grab 38.

 

 

Sterbebild von Konrad Rothenhäusler
Rückseite des Sterbebildes von Konrad Rothenhäusler

Sonderbeitrag: Oberst Paul Foerster

Oberst Paul Foerster (Verlustliste: Förster) stammte aus der Stadt Greifswald im heutigen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Oberst und Regimentskommandeur im Stab des 174. Infanterie-Regiments. Am 24.08.1914 fiel er bei Lunéville in Frankreich. Er wurde schwer verwundet nach Einville-au-Jard gebracht, wo er an seinen Wunden starb.

Über den Todestag und die Todesumstände von Paul Foerster berichtet die Regimentsgeschichte des 174. Infanterie-Regiments:

„Die Schlacht vor Nancy und Epinal.

Lunéville.

22.08.1914 Uhr vormittags Vormarsch über Rechicourt-la-Petite-Bathelemont les Bauzemont auf Einville. Das Regiment (ohne II.) befindet sich in der Vorhut der Division. Mit Begeisterung wird die deutsch-französische Grenze überschritten, 8.30 Uhr vormittags Rast von 1½ Stunden nordostwärts Einville. Patrouillen melden Infanteriefeuer aus Einville. Die Infanteriespitze der 11./174, unter Leutnant Hencke, dringt kurz entschlossen in den Ort ein und stößt bis an den jenseitigen Dorfrande durch. Brigade-, Regiments- und Bataillons-Stab III./174 begleiten das Vorgehen der Spitze und beteiligen sich an der Säuberung des Ortes. III. und I./174 folgen. Mit Vorsicht werden die Häuser, deren Türen und Fensterläden geschlossen sind, durchsucht. Die Straßen sind fast leer. Aus den letzten Häusern fallen noch einige Schüsse von französischen Versprengten und Nachzüglern. Die Höhen südlich Einville scheinen besetzt. Unter dem Schutze der Maschinengewehre entwickelt sich gegen 11 Uhr vormittags III./174 beiderseis der Straße nach Lunéville, I./174 ostwärts davon, und erreichten kämpfend die beherrschenden Höhen von La Rochelle und Bonviller. Der Feind leistet nur geringen Widerstand von La Rochelle und Bonviller. Da setzt plötzlich ein von starkem Infanterie- und Artilleriefeuer begleiteter Gegenstoß der Franzosen ein. Dichte Schützenlinien steigen aus dem Grunde herauf und drohen, unsere schwachen Kräfte zu überrennen. Die Hoffnung, Lunéville kampflos iin die Hand zu bekommen, erfüllt sich nicht. Der Franzose setzt alle Kraft daran, die Stadt zu retten. Ein Ausharren auf den heiß umstrittenen Höhen ist für die Unsrigen unmöglich und im tollsten Granatfeuer weichen sie schrittweise dem Angreifer. Der Brigadekommandeur sieht sich veranlasst, nach und nach das Infanterie-Regiment 70 einzusetzen, um den Angriff wieder vorwärts zu tragen. Die eigene Artillerie trifft erst spät in Tätigkeit und die Infanterie muss stundenlang die Last des Kampfes allein tragen. Ihr zäher Widerstand lässt bald den Ansturm des Feindes erlahmen, der über La Rochelle und Bonviller nicht hinauskommt. Überall sitzen die Einzelkämpfer in den Löchern und hinter den Hecken und erwehren sich, trotz der verzweifelten Lage der Angreifer. Lange wogt so der Kampf und noch steht die Entscheidung aus. Weit vorn in einer Geländewelle liegt der schneidige Leutnant Meerwein mit seinem Maschinengewehr-Zuge und nimmt die Ziele unter wirksames Feuer. Schwer verwundet erteilte er noch bis zum letzten Augenblick seine Befehle; dann wird er aus seiner hilflosen, gefährlichen Lage von der Gefechtsordonnanz, dem Schützen Pordzik, unter Aufbieten der letzten Kräfte, im heftigsten Feuer zurückgeschleppt. In Deckung angelangt, sieht Pordzik plötzlich, dass alle Bedienungsmannschaften eines vorn liegen gebliebenen Maschinengewehr verwundet sind. Sofort springt er hinzu, bringt das Maschinengewehr wieder in Stellung und feuert auf die anstürmenden Franzosen solange, bis neue Schützen eintreffen. Durch diese brave Tat gerät das Maschinengewehr nicht in Verlust. Pordzik und der verwundete Unteroffizier Link tragen, ungeachtet der dicht neben ihnen einschlagenden Granaten, den durch den großen Blutverlust schwer geschwächten Leutnant Meerwein auf einer Bahre zum Verbandsplatz. Für das unerschrockene, kaltblütige Verhalten wird Podzik mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet.

Im Verlauf des Kampfes, gerade, als es darauf ankommt, mit den wenigen Gewehren den übermächtigen Feind unter wohlgezieltem und heftigem Feuer abzuwehren, tritt bei den Maschinengewehren Munitionsmangel ein. Der wertvolle Rückhalt des Maschinengewehr-Feuers droht den Infanteristen verloren zu gehen. Kurz entschlossen fährt der Gefreite Eckhardt mit dem bespannten Munitionswagen im stärksten Feuer bis in die Maschinengewehr-Stellungen vor und lädt dort die ersehnte Munition ab. Durch sein tapferes Verhalten hat Eckhardt den Ausfall dieser wichtigen Gefechtskraft verhütet.

Gegen 2 Uhr nachmittags setzt ein neuer Vorstoß frischer französischer Kräfte beiderseits der Straße Lunéville-Einville und von Westen her auf La Rochelle ein. Da die Vorhut der rechts neben der 31. Division vorgehende 3./bayerischen Division um Mittag bei Maixe angehalten worden war, kann der Feind sein überlegenes Artillerie-Feuer gegen den rechten Flügel der 31. Division vereinigen und starke Kräfte zum umfassenden Gegenstoß ansetzen. Dem französischen Angriff scheint ein Erfolg beschieden. Da rafft der Brigade-Kommandeur, General von Behr, die letzten Reserven seiner Brigade zusammen und führt sie persönlich auf Bonviller vor. Das zündet und im Vorwärtsstürmen wird alles mitgerissen. Bonviller, das an allen Ecken brennt, wird zurückerobert. Dabei zeichnen sich der Sergant Stellweg und der Gefreite Fernsner, 1. Kompanie, bei der Erstürmung eines schlossartigen französischen Besitzes aus, dessen Fortnahme für das weitere Vorgehen von besonderem Wert ist. Beide erhalten das Eiserne Kreuz 2. Klasse.

Doch noch immer gefahrdrohend ist die Lage bei La Rochelle, wo der Feind unseren rechten Flügel, der keine Reserven mehr hinter sich hat, umfasst und zurückdrückt. Dort leitet Major Düsterhoff, Kommandeur des III./174, in unerschrockener Weise den Kampf. Mit wenigen Tapferen sucht er die Gefahr abzuwenden. Zum Glück treffen in diesem Augenblick, etwa 3 Uhr nachmittags, Teile der Infanterie-Regimenter 60 und 166 an diesem Brennpunkt ein, die mit Unterstützung einiger Batterien die Umfassung unschädlich machen. Das II. Bataillon, das von Moussey über Lagarde-Parroy dem Gefechtsfelde zugeeilt war, trifft noch zur rechten Zeit ein, den Angriff auf diesem Flügel vorzutragen. Der französische Widerstand fängt an zu erlahmen und gegen 6 Uhr abends ist der beherrschende Höhenzug von Friscati und Jolivet, hart nördlich Lunéville, in unserer Hand. Der Franzose befindet sich in vollem Rückzug nach Süden. Nach französischen Quellen nahm er beim XV. und XVI. Korps, besonders bei Lunéville, fluchtartiges Gepräge an. Der innere Halt der Mannschaften soll zum Teil schwer erschüttert gewesen sein. Im Schein des brennenden La Rochelle werden unter großem Jubel der siegreichen Truppen die Kommandeure der Brigade, der Division und des Korps begrüßt, die den Siegespreis des Tages, die Stadt Lunéville, noch von den Strahlen der sinkenden Sonne beleuchtet, von Friscati aus in Augenschein nehmen wollen. Unsere braven Streiter haben sich wiederum vorzüglich geschlagen, das beweisen die schweren Verluste der Franzosen. Überall liegen die toten Franzosen mit zerschossenen Leibern in den Straßengräben, an den Hängen und Böschungen, auf freiem Felde, zum Teil unter Pferden und umgestürzten Wagen. Ein furchtbarer Anblick! Die Arme in abwehrender Haltung, die Angesichter von Blut und Staub bedeckt, in Kriegswut und Todesschrecken verzerrt. Aber auch bei uns konnte dieser Sieg nur mit schweren Opfern errungen werden. Freudig bewegt las man am 23. August in der Heimat:

„Die Truppen, die unter Führung des Kronprinzen von Bayern in Lothringen siegten, haben die Linie Lunéville-Blamont-Cirey überschritten. Das XXI. Armeekorps zog in Lunéville ein. Die Verfolgung beginnt reiche Früchte zu tragen.“

Wohl niemand machte sich in diesem Augenblick eine Vorstellung, mit wieviel Aufwand von Mut und Blut das erreicht wurde.

Der Kommandeur des Regiments, Oberst Foerster, von einer Granate schwer verwundet, wird mit seinem gefallenen Adjutanten, Oberleutnant Priebe, nach Einville gefahren. Kurz vor seinem Tode richtete er noch an den verwundeten Leutnant Hawickhorst die Worte:

„Das Regiment soll sich brav halten, wie es sich bisher brav gehalten hat. Das wäre der letzte Wunsch, den ich an das Regiment hätte.“

Bis zum letzten Atemzuge gab Oberst Foerster seinem Regiment das Vorbild eines mutigen, pflichttreuen Soldaten.

Verluste: tot 4 Offiziere, 29 Unteroffiziere und Mannschaften, verwundet: 7 Offiziere, 227 Unteroffiziere und Mannschaften, vermisst: – Offiziere, 30 Unteroffiziere und Mannschaften.“

Die Lage des Grabes von Paul Foerster konnte ich nicht ermitteln. Vermutlich wurde sein Leichnam in die Heimat überführt und dort begraben.

Oberst Paul Foerster, Kommandeur des 174. Infanterie-Regiments

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.263: Arnold Federl

Der Soldat Arnold Federl wurde am 18.05.1896 in der bayerischen Gemeinde Thierhaupten geboren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Leutnant und Batterieführer in der 6. Batterie des 3. bayerisches Feldartillerie-Regiments. Am 04.10.1917 fiel er im Alter von 21 Jahren bei Schaapbalie bei Staden in Westflandern (Belgien).

Offiziell ist die Lage des Grabes von Arnold Federl unbekannt. Ich vermute jedoch, dass, wenn sein Leichnam geborgen wurde, dieser auf dem Soldatenfriedhof Hooglede anonym in einem Massengrab beigesetzt wurde, wo auch seine Regimentskameraden begraben wurden, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a.

  • Vizewachtmeister Wolfgang Berner, gefallen am 09.10.1917 bei Poelkapelle, begraben auf dem Soldatenfriedhof Hooglede im Grab 8025;
  • Unteroffizier Georg Möhring, gefallen am 11.10.1917 bei Schaapbalie, begraben auf dem Soldatenfriedhof Hooglede im Grab 8013;
  • August Gärtner, gefallen am 04.10.1917, begraben auf dem Soldatenfriedhof Hooglede im Grab 8240.

 

Sterbebild von Arnold und August Federl
Rückseite des Sterbebildes von Arnold Federl

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.262: Johann Kugler

Der Soldat Johann Kugler war Braugehilfe bei der Schlossbrauerei Tüßling in Bayern. Im Ersten Weltkrieg diente er beim 2. bayerischen Infanterie-Regiment. Am 02.10.1914 fiel er im Alter von 22 Jahren bei Lihons an der Somme in Frankreich.

Die Lage des Grabes von Johann Kugler ist offiziell unbekannt. Ich bin mir jedoch sicher, dass er anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof Vermandovillers sein Grab erhielt, wo auch seine Regimentskameraden begraben wurden, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a.

  • Gefreiter Otto Wiest, gefallen am 02.10.1914 bei Lihons, begraben auf dem Soldatenfriedhof Vermandovillers in einem Massengrab;
  • Unteroffizier Simon Hellmeier, gefallen am 07.10.1914 bei Lihons, begraben auf dem Soldatenfriedhof Vermandovillers in einem Massengrab;
    • Reservist Josef Althammer, gefallen am 02.10.1914 bei Lihons, begraben auf dem Soldatenfriedhof Vermandovillers in einem Massengrab.

 

Seine Heimatgemeinde Tüßling gedenkt Johann Kugler noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2010/tuessling_1870-71_wk1u2_bay.htm

Sterbebild von Johann Kugler
Rückseite des Sterbebildes von Johann Kugler

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.261: Bernhard Mair

Der Soldat Bernhard Mair wurde am 19.09.1896 in Oberigling geboren, heute ein Ortsteil der bayerischen Gemeinde Igling. Im Ersten Weltkrieg diente er als Kriegsfreiwilliger in der 2. Kompanie des 1. bayerischen Pionier-Bataillons. Am 28.02.1915 fiel er bei Fay an der Somme während der Stellungskämpfe an der Somme.

Die Lage des Grabes von Bernhard Mair ist offiziell unbekannt. Ich vermute jedoch stark, dass er anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof Vermandovillers beigesetzt wurde, auf dem auch seine Kameraden aus der 2. Kompanie begraben wurden, die am gleichen Tag fielen, u. a.

  • Pionier Joseph Götz, gefallen am 28.02.1915 bei Fay, begraben auf dem Soldatenfriedhof Vermandovillers in einem Massengrab;
  • Pionier Georg Buchner, gefallen am 28.02.1915 bei Fay, begraben auf dem Soldatenfriedhof Vermandovillers in einem Massengrab.

 

Sterbebild von Bernhard Mair
Rückseite des Sterbebildes von Bernhard Mair