Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.471: Ludwig Schmid

Der Soldat Ludwig Schmid stammte aus Emertsham, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Tacherting, und war der Sohn eines Zimmermanns. Im Ersten Weltkrieg diente er als Infanterist in der 10. Kompanie des 17. bayerischen Infanterie-Regiments. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse und mit dem Verdienstkreuz ausgezeichnet. Am 13.09.1916 fiel er während der Schlacht an der Somme bei Martinpuich in der Nähe von Arras im Alter von 33 Jahren.

Über den Todeszeitraum von Ludwig Schmid berichtet die Regimentsgeschichte des 17. bayerischen Infanterie-Regiments:

„Schon die dritte Woche befand sich das Regiment ohne Ablösung in Stellung. Die Besatzung der vorderen Gräben hatte am meisten zu leiden. Größtenteils nur in Granattrichtern liegend, war sie Nässe und Kälte schutzlos preisgegeben. Das andauernde Artilleriefeuer schuf empfindliche Verluste und schmolz die Gefechtsstärke zusehends zusammen. Die Verpflegung der vorderen Linie war nur kalt möglich und erfolgte während der Nacht durch besonders ausgeschiedene Trägertrupps. Des öfteren kam es vor, dass sie durch das Artilleriefeuer zersprengt, nur mit Teilen vorne anlangten. Naturgemäß musste unter diesen Verhältnissen die Stimmung und Widerstandsfähigkeit der Truppe leiden. Der Wunsch nach Ablösung wurde immer dringender…

In dichten Schützenlinien, gefolgt von geschlossenen Reserven, ging die englische Infanterie zum Sturm vor. Gleichzeitig legte sich das feindliche Geschützfeuer auf die rückwärtigen Stellungen und die Zufahrtsstraßen und bildete einen eisernen Wall, der jegliche Verbindung mit den rückwärtigen Abteilungen unmöglich machte.

Eine Überraschung gelang dem Feind mit dem Einsatz seiner neuesten Kriegsmaschine, den Tanks. In lichten Zwischenräumen krochen hinter den ersten Wellen diese gepanzerten Ungetüme heran, unaufhaltsam, über Trichter und Gräben hinweg, als gäbe es kein Hindernis. Mit Maschinengewehren und Revolverkanonen bewaffnet, hatten sie ihrer Infanterie den Weg zu ebnen, wo sich noch Widerstand zeigte.

In dichten Geschwadern begleiteten die feindlichen Flieger den Angriff, indem sie bis auf 100 Meter heruntergingen und Grabenbesatzungen und Geschützbedienung unter Maschinengewehr-Feuer nahmen.

Es waren nicht viele, die das Trommelfeuer auf die vorderen Gräben überlebt hatten, aber sie wehrten sich mit dem Mut der Verzeweiflung. Mit bewundernswerter Zähigkeit hielten sich Teile des Regiments bis zum späten Nachmittag am Südrand von Martinpuich und im Rößler-Riegel und verhinderten hier ein Vorwärtsschreiten des feindlichen Angriffs.“

Die Lage des Grabes von Ludwig Schmid ist offiziell unbekannt. Ich vermute jedoch, dass seine sterblichen Überreste, wenn sie geborgen wurden, anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy begraben wurden, wo auch seine Regimentskameraden beigesetzt wurden, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a.

  • Leutnant Karl Bachmann, gefallen am 15.09.1916 bei Martinpuich, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
  • Leutnant Gustav Maurer, gefallen am 15.09.1916 bei Martinpuich, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
  • Leutnant Xaver Neuberger, gefallen am 15.09.1916 bei Martinpuich, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
  • Leutnant Ludwig Deffner, gefallen am 15.09.1916 bei Martinpuich, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab.

 

Sterbebild von Ludwig Schmid
Rückseite des Sterbebildes von Ludwig Schmid

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.467: Johann Martin

Der Soldat Johann Martin wurde am 22.12.1897 in Bach geboren geboren. Im Ersten Weltkrieg diente er als Infanterist in der 9. Kompanie des 20. bayerischen Infanterie-Regiments. Seit dem 30.10.1916 wurde er an der Somme vermsst. Angang 1919 stellten die Militärbehören dann in den Verlustlisten klar: Er fiel an diesem Tag während der Schlacht an der Somme im Alter von nur 18 Jahren.

Die Lage des Grabes von Johann Martin ist unbekannt und ich kann auch keine Vermutung äußern.

Sterbebild von Johann Martin
Rückseite des Sterbebildes von Johann Martin

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.466: Lorenz Kronseder

Der Soldast Lorenz Kronseder wurde am 18.10.1890 in der bayerischen Gemeinde Taufkirchen geboren und war der Sohn eines Bahnarbeiters. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Kanonier und Fahrer in der 4. Batterie des 9. bayerischen Feld-Artillerie-Regiments. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse und mit dem bayerischen Militär-Verdienstkreuz 3. Klasse ausgezeichnet. Am 04.04.1918 wurde er bei Moreuil an der Somme schwer verwundet und verstarb am 05.04.1918 nach 44 Monaten Kriegseinsatz im Alter von 27 Jahren im Feldlazarett in Rosières-en-Santerre.

Über den Tag der tödlichen Verwundung von Lorenz Kronseder schreibt die Regimentsgeschichte des 9. bayerischen Feld-Artillerie-Regiments:

„Während des 3. April verstärkte sich sein Artillerie-Streufeuer zusehends und in der Nacht zum 4. April steigerte es sich zu ganz ungewöhnlicher Heftigkeit auch auf die Anmarschstraßen bis tief ins Hintergelände, auf die Ortschaften Mézières, Villers und auf das Gelände zwischen diesen Ortschaften und der Avre. Dadurch erlitten die Truppen bei den Bewegungen für die Bereitsstellung am Morgen des 4. schon Einbußen. Der endgültige Angriffsbefehl kam leider auch erst sehr spät in der Nacht zum Regiment. – Hatte während der letzten beiden Tage die Sonne geschienen, so bewölkte sich der Himmel in dieser Nacht wieder vollends, um seine Schleusen kräftig zu öffnen. Hatte also das Wetter die letzten Tage dem Feind die Beobachtung erleichtert, so erschwerte es nun den Angriff. Schließlich war auch noch der größte Teil der vorgestern genommenen feindlichen Stellung in dieser Nacht vom Feinde wieder in seine Hand gebracht worden.

Am Morgen des 4. war die Lage also keineswegs günstig, Trotzdem und obwohl die Truppen unter Strapazen und misslichen Eindrücken bereits gelitten hatten, auch Mann und Pferd seit Tagen dürftig verpflegt waren, wies das Regiment, wie die ganze 2. bayerische Infanterie-Division einen hohen Grad von Angriffslust und einen vollkommene Siegeszuversicht auf. Es war gewohnt, Starkes zu ertragen.

Der Regiments-Stab war früh von Mezieres aufgebrochen und hatte um 5 Uhr morgens seinen Befehlstand in einem Wäldchen 2,5 Kilometer westlich Mezieres aufgeschlagen. Die zwar zahlreich vorhandene Artillerie war leider ohne ausreichende Munition. Die Munitionsmenge konnte nicht einmal mit den ausgegebenen Feuervorbereitungsbefehlen in Einklang gebracht werden, geschweige denn von einer genügenden Vorratsmenge für die Begleitung des fortschreitenden Angriffes. Die Kommandeure sowie die Batterieführer konnten nur für wenigstens beste Einteilung Sorge tragen. Schließlich stand die Feuervorbereitung an Wichtigkeitr im Vordergrund, um das Ingangbringen des Angriffs überhaupt zu ermöglichen. Um große Reichweiten zu haben, wurden die Batterien in der Nacht hart an den Osthang des Avretales gebracht.

Das verstärkte III. Armee-Korps sollte am 4.4. morgens den gegenüberstehenden Feind mit der 2. bayerischen Infanterie-Division am rechten Flügel (rechts anschließend die 54 Infanterie-Division) und mit einer sächsischen Reservedivision am linken Flügel angreifen und ihn aus seinen teilweise ausgebauten Stellungen werfen. Angriffsziel der 2. bayerischen Infanterie-Division war der Senecat-Wald und die Höhe nördlich Rouvrel.  Gelang es in nordwestlicher Richtung den Noye-Abschnitt bei Dommartin in die Hand zu bekommen, so hatte dies unter allen Umständen zu geschehen. Rechts der 2. bayerischen Infanterie-Division hatte die 54. Infanterie-Division den auf den Westhängen der Höhe 111 südlich Thennes noch stehenden Feind anzugreifen, ihn in die Avre zu werfen und mit linkem Flügel westlich  der Avre über Moreuil, Morisel und Castel-Hailles vorzugehen, sobal der rechte Flügel der 2. bayerischen Infanterie-Division entsprechend vorgeschritten war. Links der 2. bayerischen Infanterie-Division griff die 53. Reserve-Division in Richtung Rouvrel – Mon Idee an. Die Artillerie-Vorbereitung fand in der Zeit von 6 Uhr bis 8.10 Uhr vormittags statt. Zu dieser Zeit begann der Angriff. Die Artillerie-Vorbereitung bei der 2. bayerischen Infanterie-Division gliederte sich in die Bekämpfung der feindlichen Artilleriegruppen Rouvrel und Morisel, der feindlichen Infanteriestellungen und in einen Feuerüberfall sämtlicher Batterien von 7 Uhr 30 bis 7 Uhr 45 auf die feindlichen Batterien. Daneben hatte die Artillerie die rechte Flanke zu schützen, bis der Angriff der 54. Infanterie-Division zur Geltung kam; ferner den Schutz der linken Flanke als wichtige Aufgabe zu betrachten, falls die linke Nachbardivision nicht auf gleicher Höhe blieb. Diese großen Aufgaben konnten mit der vorhandenen Munitionsmenge keinesfalls ganz geleistet werden. So z. B. hatte eine leichte Feldhaubitze Batterie für sämtliche Aufgaben von 6 Uhr bis 8 Uhr 10 vormittags 68 Schuss zur Verfügung! Noch um 5 Uhr morgens waren Änderungen der gegebenen Befehle für den Angriff und wichtige Einzelheiten für die artilleristische Arbeit (Munitionsaufwand, Wetterberichte und deergleichen) gekommen. Der wieder stark einsetzende Regen behinderte die Befehlsausgabe bei Nacht und Nebel im Freien stark. Die Beobachtungsmöglichkeit war lange Zeit nach Sonnenaufgang noch durch starken Nebel über dem Avretal fast ganz ausgeschaltet und da die Infanterie ihre für eine Bereitstellung günstigere Stellung an den Hängen westlich Moreuil verloren hatte, musste sie sich in der Avre-Niederung, teilweise sogar noch auf dem östlichen Ufer zum Angriff bereitstellen. Die vom Gegner erlannten Bereitstellungen wurden von ihm kräftigst unter Feuer genommen. Im übrigen war das feindliche Artilleriefeuer während unseres Vorbereitungsschießens aber schwächer als während der Nacht.

Als dann die Zeit kam, Punkt 8 Uhr 10, wurde der Angriff von der Infanterie mit großer Schneid vorgetragen. Rechts griff das 20. Infanterie-Regiment an, links, wo der taktische Schwerpunkt lag, das 15. Infanterie-Regiment; das 12. Infanterie-Regiment folgte in zweiter Linie. Die Höhe westlich Morisel war bald erstiegen, eine unserer Infanterie gefährliche Hinterhangstellung des Gegners konnte den Angriff nicht zum Stehen bringen, die Straße Morisel – Ailly war bald überschritten. Vor dem Wäldchen östlich der Anchin-Ferme (Wäldchen U) schien der Angriff zu stocken, jedoch die Hatte sich bald gesammelt und nahm dem sich stark wehrenden Gegner den Stützpunkt weg.  (10 Uhr 02 vormittags) Anschließend wurde das nächste kleine Waldstück (Wäldchen B) genommen und um 12 Uhr 10 mittags war auch die Anchin-Ferme in deutschem Besitz. Darüber hinaus blieb der Angriff im linken Teil des Divisionsabschnittes noch etwa 600 Meter in Fluss, kam aber dann zum Stehen. Weiter rechts konnte das 20. Infanterie-Regiment im Verein mit dem Reserve-Infanterie-Regiment 90 der 54. Infanterie-Division noch gegen Abend das Waldstück westlich Castel, den Senecat-Wald, nehmen. Im übrigen gelang es den rechten Nachbartruppen, Castel und die Höhe nordwestlich davon zu nehmen. Ungünstig sah es bei der linken Nachbardivision aus. Mit der Wegnahme von Mailly war der Angriff dort ins Stocken gekommen und er konnte nicht mehr weiter vorgetragen werden. Anschluss nach rechts zum 15. Infanterie-Regiment fehlte infolgedessen. Dadurch hatte das eigene linke Flügelregiment schon bald unter schwerem Flankenfeuer aus feindlichen Maschinengewehehren von der Höhen südlich und nördlich Rouvrel herab zu leiden gehabt. Unbekümmert um das Maschinengewehr-Feuer, das da aus der Flanke den Stürmenden entgegenschlug und unbekümmert um die sehr starken Verluste griff das 15. Infanterie-Regiment mit bewunderungswürdiger Tapferkeit an. Ihm tat es bald das 12. Infanterie-Regiment, das sich frühzeitig in die vorderen Linien eingeschoben hatte, gleich. Viele brave, tapfere Bayern mussten hier ihr Leben lassen. Von 10 Uhr ab lebte auch die feindliche Artillerietätigkeit auf. Die Gegenwirkung der feindlichen, tief gestaffelten Batterien machte sich gleichfalls in einem sehr starken Flankenfeuer geltend. Jeglicher Übergang über die Avre lag bald unter vernichtendem Feuer; den feindlichen Beobachtern in der Gegend Rouvrel, wo die durch das Zurückhängen der linken Nachbardivision hervorgerufene Lücke klaffte, mussten sich die Ziele in offenster Weise darbieten.

Das 9. Feldartillerie-Regiment hatte sich nach der vorbereitenden Feuertätigkeit zum Stellungswechsel gerichtet. Der Regiments-Stab erkundete schon kurz nach Beginn des Angriffs zuerst bei der Genonville-Ferme, dann auf den Höhen westlich Morisel, zuletzt bei den Wäldchen A und B Stellung und verschaffte sich im Benehmen mit der Infanteriebrigade Klarheit über die Lage. Der Ordonanz-Offizier des Stabes, Oberleutnant der Reserve Datterer, wurde bald verwundet.

Das Überschreiten der Avre durch die Batterien hing angesichts der Eigenart des Geländes wesentlich vom Tempo des Angriffsfortschrittes ab. Das Nachteilige war in Rechnung zu stellen, dass ein Angriff, der zwar vorwärts kam, aber sein Tagesziel nicht reslos erreichte, eine zweckmäßige Artillerie-Aufstellung, besonders der Feldartillerie ausschloss, denn östlich der Avre standen dann die Batterien schon reichlich weit ab, westlich der Avre aber, auf den dortigen Höhen, kamen sie so nahe an die vorderste Linie, dass eine wirkungsvolle Unterstützung der Infanterie ausgeschlossen war. In der sumpfigen Avre-Niederung fanden sich keine Feuerstellungen. Selbst bei vollstem Gelingen des Angriffs musste eine Zeitspanne überwunden werden, während welcher für die Feldartillerie ungünstigste Verhältnisse gegeben waren. Dazu kam, dass der Avre-Übergang sehr viel zeitraubender sein musste, als ein gewöhnlicher Stellungswechsel, zumal nicht damit gerechnet werden konnte, dass die feindliche Artillerie in ihrer Masse ausgeschaltet worden war.

Als erste erhielt, nachdem der Angriff flott vorwärts ging, die III. Abteilung um 8 Uhr 10 vormittags den Befehl, zum Stellungswechsel; diese beorderte ihrerseits sofort die 7. Batterie über Moreuil, die 8. und 9. Batterie und die unterstellte 8./27. über La Neuville vor, da der in nächster Nähe liegende Übergang bei der Genonville-Ferme unpassierbar geworden war. Um 10 Uhr begab sich der Abetilungsstab, dieser über Genonville-Ferme, auf die Höhe 86 westlich Morisel. In der Nähe davon begegnete er dem sich auf Erkundung befindenden Regimentskommandeur, der ein Instellunggehen auf jener Höhe als ausgeschlossen bezeichnen musste. Kämpfte die Infanterie doch zu selben Zeit noch um die Anchin-Ferme; die letzten Wellen der Infanterie sah man gerade noch über die Höhe 86 vorgehen. Der Abteilungstab richtete dann seine Befehlstelle südöstlich der Höhe ein, die zunächst ankommende 9. Batterie wurde in der Mulde gegenüber der Genonville-Ferme, demnächst die 8. Batterie in der Mulde südlich Höhe 86 in Stellung gebracht. Inzwischen war das Wetter aufgeklärt und stärkstes Artillerie-Feuer lag auf allen Geländeteilen. Von der 7. Batterie und 8./27 fehlte der Abteilung jede Spur. Die 8./27 fand sich erst am späten Abend auf dem Westufer ein, nachdem sie beim Avre-Übergang bei La Neuville schwere Verluste erlitten hatte und eine große Anzahl Pferde von ihrer Kolonne hatte heranziehen müssen, um die Batterie wieder bewegungsfähig zu machen. Ihr Batterieführer war gefallen. Die 7. Batterie konnte den Übergang über Moreuil nicht ausführen und unterstellte sich zunächst der II. Abteilung. Über ihre Tätigkeit berichtet das Kriegstagebuch der 7. Batterie von F. A. Reindl:

„Um 9 Uhr morgens musste unsere Batterie Stellungswechsel vornehmen und sollte, über Mezieres – Villers vorgehen, auf den Höhen westlich Morisel in Stellung gehen, je nach Lage des Gefechtes. In Morisel tobten noch erbitterte Straßenkämpfe, die Batterie wurde deshalb in offener Formation westlich Villers aux Erables bereit gestellt. Die 10 Kilometer lange Strecke wurde auf den schlechten Straßen im Trab zurückgelegt. Kurz darauf gingen wir in Stellung in Höhe der Straße Moreuil – Villers aux Erables. Die Batterie wurde der Artillerie-Untergruppe von Weckbecker unterstellt und eröffnete das Feuer auf den Senecatwald. Um 4 Uhr nachmittags machte die Untergruppe von Weckbecker Stellungswechsel nach vorwärts über Moreuil; die Batterie schied aus diesem Verbande aus und suchte Verbindung mit Untergruppe Wolf, der sie ursprünglich unterstellt war, aufzunehmen. Um 5 Uhr abends wurde Stellungswechsel befohlen, in Mezieres menagiert und auf der Straße Mezieres – La Neuville – Braches am Bahndamm entlang in die neue Stellung gezogen an den nordöstlichen Ausläufern der Höhe 86 westlich der Avre. Ankunft am 5. April morgens um 7 Uhr. Das Vorwärtskommen wurde so verzögert – der Marsch war 24 Kilometer lang und sauerte 14 Stunden – durch endlose Kolonnen und durch der Frot zustrebende Infanterie- und Artillerie-Verbände. Speziell der einzige, noch dazu unter Artilleriefeuer liegende Avre-Übergang bei Braches – La Neuville war von Truppen so verstopft, dass die Batterie dort allein 6 Stunden warten musste.“

Die II. Abteilung sollte etwa 10 Uhr vormittags ebenfalls den Uferwechsel vornehmen, blieb aber, da zu dieser Zeit das B-Wäldchen noch nicht genommen war, noch auf dem Ostufer, um die dringend notwendige Unterstützung der Infanterie nicht durch zeitraubende Bewegungen aufzuheben. Der Abteilungs-Kommandeur brachte seine Batterien aus der eingeleiteten Bewegung heraus beiderseits der Straße Villers aux Erables – Moreuil, östlich des großen Waldes wieder in Stellung und feuerte dann zunächst auf Mon Idee und C-Wald. Die der Abteilung unterstellten 5. und 6./24 hatten sich bereits verschossen und da auf Munitions-Ergänzung nicht zu rechnen war, wurden sie von der Teilnahme am weitern Vormarsch, zu dem sich  der Abteilungs-Kommandeur um 4 Uhr nachmittags entschloss, ausgenommen. Als die Abteilung bereits in Marsch war, erhielt ihr Kommandeur vom Regimentskommandeur am A-Wäldchen den Befeh, auf dem östlichen Ufer zu bleiben, da die ungeklärte Lage, das Flankenfeuer von links und die Unwahrscheinlichkeit einer baldigen Fortsetzung des Angriffes eine bessere Wirkung der Abteilung vom Ostufer gegenwärtigen ließ. Die Abteilung kehrte daher um, musste aber auf Befeh der Division doch auf das Westufer.  Um 6 Uhr 45 nachmittags trat sie daher erneut den Vormarsch an, diesmal über La Neuville (vorher über Moreuil); aber auch hier waren die Schwierigkeiten so groß, dass die Abteilung erst gegen 7 Uhr vormittags des 5. April mit erschöpften Mannschaften und Pferden am Bereitstellungsplatz (Straßengabel 1.200 Meter südlich Morisel) eintraf.

Die Begleitbatterien hatten nicht die ihnen zugedachte Verwendung bei ihren Infanterieregimentern finden können. Die gleichen Gründe, die dem Tage ihr Gepräge gaben, das Zurückbleiben der linken Nachbardivision gaben den Infanterie-Regimentern keine Möglichkeit, ihre Begleitbatterien als solche einzusetzen. Lange Zeit standen die 1. Batterie und eine Begleitbatterie der 54. Infanterie-Division im stärksten Feuer im Hohlweg südlich Morisel, wo sie Deckung vor den allseits überwältigend einschlagenden Granaten suchten. Sie standen noch dazu mit gegeneinandergekehrter Fahrtrichtung, sodass kaum noch ein Einzelreiter durchkommen konnte. Am Abend schieden die Batterien der I. Abteilung aus dem Befehl der Infanterieregimenter; sie wurden am nächsten Morgen der II. Abteilung taktisch unterstellt.

Trotz aller Schwierigkeiten hatte die 2. bayerische Infanterie-Division im allgemeinen ihr Angriffsziel in hartem Ringen erreicht. Dass der Angriff so verlustreich wurde und keine alsbaldige Fortsetzung folgen konnte, lag sowohl daran, dass sich die artilleristische Kampfkraft mangels Munition und ausreichender Vorbereitung auch nicht annähernd in ihrer Stärke zeigen konnte, wie ferner auch an der misslichen Lage, in welche die Truppen westlich der Avre bei ihrer nordwestlichen Stoßrichtung infolge des geringeren Vorwärtsschreitens der linken  Nachbardivision gekommen war. Vermehrt zur Geltung kamen diese Momente bei der vollkommenen Bereitschaft des Gegners und seiner artilleristischen, wie fliegerischen Stärke.

Aus dem Tagebuch der 7. Batterie von A. F. Reindl entnehmen wir noch über den Tag:

„Über jedes Lob erhaben arbeiteten die Mannschaften des A. B. O. die trotz stärksten feindlichen Maschinengewehr- und Artilleriefeuers die Artillerie-Kommandeure über die Lage unserer mit glänzendem Schwung vorwärts stürmenden Infanterie informierten. U. O. Riedisser der 9./9 fiel um 8 Uhr 30 vormittags samt seinem Pferd bei der Befehlstelle des 20. Infanterie-Regiments in Moreuil durch Granatvolltreffer. Wie glänzend der französische Nachrichtendienst funktionierte, möge folgende Episode beleuchten: Zirka um 8 Uhr erhielt der A. B. O. folgenden von den Funkern des 20. Infanterie-Regiments aufgefangenen Funkspruch: Bon object pour artillerie une batterie sur la route de Mooreuil a l‘ est (gutes Ziel für Artillerie, eine Batterie auf der Straße von Moreuil nach Osten). Eine Infanterie-Begleit-Batterie unseres Regiments war tatsächlich zu dieser Zeit diesen Weg gefahren und bald darauf lag dieser Weg unter schwerstem Feuer.“

Die Lage des Grabes von Lorenz Kronseder ist offiziell unbekannt. Es könnte jedoch sein, dass man ihn anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof Montdidier beigesetzt wurde, wo man auch seine Regimentskameraden begrub, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a.

  • Fahrer Max Oberländer, gefallen am 04.04.1918 bei Mezieres, begraben auf dem Soldatenfriedhof Montdidier in einem Massengrab.

 

Sterbebild von Lorenz Kronseder
Rückseite des Sterbebildes von Lorenz Kronseder

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.464: Joseph Sedlmayr

Der Soldat Joseph Sedlmayr stammte aus Schwaibach, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Ortenburg, und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er in der 2. Kompanie des 15. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 28.02.1916 fiel er während der Schlacht um Verdun im Alter von 27 Jahren im Bois de Manheulles (Schreibfehler auf Sterbebild) bei Verdun.

Offiziell ist für Joseph Sedlmayr keine Grablage bekannt. Ich vermute jedoch, dass er, wenn seine Gebeine geborgen werden konnten, diese anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof Hautecourt-lès-Broville beigesetzt wurden, wo man auch seine Regimentskameraden begrub, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a.

  • Landsturmmann Ludwig Schröck, gefallen am 22.03.1916, begraben auf dem Soldatenfriedhof Hautecourt-lès-Broville in Block 7, Grab 132;
  • Infanterist Lorenz Bronner, gefallen am 29.03.1916 im Bois de Manheulles, begraben auf dem Soldatenfriedhof Hautecourt-lès-Broville in einem Massengrab;
  • Landsturmmann Adolf Prym, gefallen am 30.03.1916 im Bois de Manheulles, begraben auf dem Soldatenfriedhof Hautecourt-lès-Broville in einem Massengrab;
  • Infanterist Friedrich Adrion, gefallen am 21.03.1916, begraben auf dem Soldatenfriedhof Hautecourt-lès-Broville in einem Massengrab.

 

Sterbebild von Joseph Sedlmayr
Rückseite des Sterbebildes von Joseph Sedlmayr

Sonderbeitrag: Kurt Stephan

Der Soldat Kurt Stephan wurde am 09.05.1887 in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden geboren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Landsturmmann in der 8. Kompanie des 74. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 04.08.1915 wurde er bei der Erstürmung des Lingekopfes nördlich der Stadt Münster (französisch: Munster, elsässisch: Menschter) zunächst verwundet und gilt seit dem als vermisst. Kurt Stephan wurde 28  Jahre alt.

Über den Todestag und die Todesumstände von Josef Eschenbüscher berichtet die Regimentsgeschichte des 74. Reserve-Infanterie-Regiments:

„Erstürmung des Lingekopfes

4. August 1915

Der größte Teil des ganzen Abschnitts, den wir jetzt besetzt halten, ist nur eine Notstellung. Ursprünglich waren die deutschen Gräben oben auf dem Kamm des Lingekopfes. Aber der Franzmann hat sie im Juli unseren Truppen weggenommen, ja er war teilweise noch darüber hinaus vorgedrungen. Ein späterer Gegenangriff hatte ihn aber wieder bis auf den Gipfel zurückgeworfen.

Hier liegt es nun in naher Entfernung über uns – wörtlich zu nehmen! Denn der Berg hat etwa 30 Grad Steigung! Das ist natürlich auf Dauer ein unhaltbarer Zustand. Er muss beseitigt werden, koste es was es wolle. Division, Brigade und Regiment haben schon fieberhaft vorgearbeitet. Bis ins einzelne ist alles erwogen. Heute soll der Lingekopf zurück in deutschen Besitz!

3. August spätabends Fernspruch. Die Bataillonskommandeure und einige andere Offiziere werden zum Regimentsgefechtsstand gerufen. Oberstleutnant von Bieberstein erteilt mit knappen, klaren Worten den Befehl: „Morgen abend um 6 Uhr greift das Regiment, in drei Sturmkolonnen geteilt, die Stellung des Gegners an und nimmt die alten deutschen Gräben. Die linke Sturmkolonne führt Hauptmann Settmaier, die mittlere Hauptmann Bowien, die rechte Leutnant Heweker“. Übersichtliche Skizzen werden ausgeteilt. Noch eine kurze Besprechung, Erklärung der Unterstützung durch Artillerie und Minenwerfer. Dann: „Hat einer der Herren noch eine Frage?“ Nein? Auf Wiedersehen!“ – Auf Wiedersehen!“ Jeder strebt seiner Behausung zu, den Kopf voll von Gedanken, wie man wohl dem Franzmann am besten beikommt.

Zögernd dämmert der Morgen des 4. August herauf. Die Kompanieführer rufen ihre Zugführer zu sich in den Unterstand, machen sie mit dem Befehl und den Einzelheiten des Sturmes bekannt.

Als Angriffstruppen sollen am rechten Flügel die 3. und 4., in der Mitte die 7. und 8. und links die 11. und 12. Kompanie in vorderer Linie verwendet werden.

Stellung am Lingekopf am 5. August 1915 nach dem Sturm

Jeder Sturmkolonne werden ⅔ Zug Pioniere, ein Fernsprechtrupp und eine Artilleriebeobachter mit Kabel zugeteilt. Außerdem erhalten die beiden Abteilungen auf dem rechten und linken Flügel je ein schweres Maschinengewehr.

Die Zeiteinteilung für den Sturm ist folgende:

10 Uhr – 12.45 Uhr Einschießen der Artillerie

12.50 Uhr – 1 Uhr Pause

1 Uhr – 3.30 Uhr Artilleriefeuer mittlerer Stärke

3.30 Uhr – 3.40 Uhr Artillerie-Feuerpause, Maschinengeweher-Feuer von den benachbarten Bergen Eichenrain und Schratzmännle

3.40 Uhr – 4.20 Uhr Artilleriefeuer

4.20 Uhr – 4.30 Uhr völlige Pause

4.30 Uhr – 5.10 Uhr Artilleriefeuer

5.10 Uhr – 5.20 Uhr Artillerie-Feuerpause, Maschinengewehr-Feuer vom Eichenrain und Schratzmännle

5.20 Uhr – 6 Uhr höchste Steigerung des Artilleriefeuers

6 Uhr Infanteriesturm und Vorverlegen des Artilleriefeuers

Der Ernst und die Schwere der Aufgabe, die zu lösen ist, steht jedem auf dem Gesicht geschrieben. Die Kuppe des Lingekopfes hat ja nach dem ersten Verlust schon mehrfach den Besitzer gewechselt. Wiederholt sind deutsche Truppen gegen diese starke Begbefestigung todesmutig angerannt, immer wieder ist sie in die Hand der Feinde zurückgefallen. Nun sollen Niedersachsen sich endgültig in den Besitz des Berges setzen.

Aber bei Einsicht in die sorgsame Vorbereitung dieses Angriffs muss einem das Herz leicht werden. und so ist es auch. Keiner zweifelt mehr an dem Erfolg des Unternehmens. Auch unsere Leute nehmen den Befehl ruhig und gefasst auf. Den Ernst der Lage erkennt jeder, jeder weiß auch, dass es Opfer kosten wird. Aber nirgends eine Spur von Niedergeschlagenheit!. Nur eines behagt der am rechten Flügel liegenden 3. Kompanie niecht: In dem Angriffsplan ist nicht erwähnt, ob das vor ihrer Stellung liegende französische Blockhaus gestürmt werden soll. Es heißt nur, dass die 3. Kompanie die Flankensicherung übernehmen und der 4. Kompanie folgen soll. Leutnant Presler eilt rasch zum Bataillon und erhält die Erlaubnis für die Erstürmung des Blockhauses. Leutnant Conrad soll dabei mit einem Maschinengewehr helfen. Nach dieser wertvollen Ergänzung des Angriffsplanes ist alles klipp und klar. In unserem Tatendrang ist uns der Besitz des Berges schon so gut wie sicher.

Auch außerhalb der Sturmkolonnen wird Klarheit geschaffen. Handgranatentrupps werden ausgesondert, den Zügen in 1., 2. und 3. Linie ihre Stellung angewiesen. Die Reservekompanien erhalten die nötigen Befehle. Munition und Handgranaten werden ergänzt. Kurz, es wird alles bis ins kleinste vorbereitet.

Um 9 Uhr morgens werden unsere vordersten Gräben unauffällig geräumt. Nur einige Beobachtungsposten bleiben vorne. Genügend Freiwillige haben sich zu diesem gefährlichen Dienst gemeldet.

Plötzlich ein donnerartiges Krachen. Der Berg erzittert. Unsere schweren Minenwerfer haben ihre Arbeit begonnen. Schuss auf Schuss folgt jetzt. Gespannt blicken wir hinauf auf die Höhe. Schlägt so ein Brocken ungefähr richtig ein, dann halten wir nicht mit unserem Beifall zurück. Es rührt sich in uns ein Gefühl der Vergeltungsfreude. Wurscht wider Wurscht. Damals vom Altmattkopf her haben uns die Franzmänner das Leben mit ihren Minen sauer gemacht. Heute sollen sie selber einmal spüren, wie wohl das tut.

Nach einer Stunde, um 10 Uhr, kommt ein neuer Ton in das Konzert. Heulend saust die erste Granate über unsere Köpfe weg in die feindliche Stellung. Die Artillerie schießt sich ein. Eine Batterie nach der andern beginnt das Feuer. Vom kleinkalibrigen Gebirgsgeschütz bis zum 21-cm-Mörser. Auch ein Artilleriebeobachter hat sich vorne bei uns eingefunden. Er sucht Anschluss an seine Zentrale, aber es gelingt ihm nicht.

Dafür steigert sich der Ehrgeiz unserer Artillerie, feindliche Stellung kurz und klein zu hauen. Schon fliegen die Balken und Felsdeckungen eines französischen Unterstandes hoch durch die Luft. Im nächsten Augenblick sitzt auch schon ein 21er in unserem Graben. Fernsprecher her! Aber die Verbindung zur Artillerie klappt immer noch nicht. Also Meldegänger los! Sie hasten den Berg hinab. Einige Posten kommen von vorn zurück: der eigene Graben liegt unter Feuer. Wieder wird an der Artilleriestrippe gebastelt. Vergebens! Kein Schwanz meldet sich.

Inzwischen hauen die Granaten immer kürzer ein. Ein Pioniertrupp, der an der Riegelstellung arbeitet, verliert durch ein Schrapnell 7 Mann. Auch in unsern Reihen fällt hier und dort einer aus. Die Sturmkolonnen müssen weiter zurückgenommen werden. Noch kürzer schlagen die Geschosse ein. Noch mehr zurück die Sturmmannschaften! Bange taucht die Frage auf, ob wir bei der Steilheit des Berges überhaupt frühzeitig genug oben sein können, bevor der Franzmann wieder in seinen Gräben ist.

Endlich ist die Verbindung mit der Artillerie hergestellt. Unsere Meldung über das Zukurzschießen wird aber nicht geglaubt. Die „eigene feindliche Artillerie“, wie sie schnell getauft wird, schießt weiter. Sie räumt zwar gut in der französischen Stellung auf, leistet sich aber immer noch Kurzschüsse, die uns immer neue Verluste zufügen. Bis zum Abend 200 Mann!

Sichtbar belebt wird die Stimmung, als um 1 Uhr mittags das Wirkungsschießen beginnt. Ein Hagel von Geschossen aller Kaliber, vom dumpfen Krachen schwerer Minen unterbrochen, zerschlägt die feindlichen Gräben. Beunruhigt tacken die französischen Maschinengewehre. Die Höhenstellung verschwindet im Rauch und Pulverqualm. Aber immer noch schlägt das unruhige Gewehrgeknatter an unser Ohr. Noch ist der Franzmann nicht mürbe!

Eine wohltuende Abwechslung in das betäubende Krachen der Granaten und Minen bringen mehrere Feuerpausen von 10 Minuten. Dann setzen unsere Maschinengewehre hinter uns ein und fegen mit ihren Garben über unsere Köpfe hinweg. Deutlich hören wir jetzt die angstvollen Schreie der verwundeten Franzosen über uns. Unser Wirkungsschießen muss ja auch fürchterlich da oben gewütet haben.

Aber auch diese Feuerpausen haben für die Franzmänner schreckliche Folgen, wie die mit Leichen angefüllten Gräben später zeigen. Mit dem auf die Minute festgesetzten Abbrechen unseres Artilleriefeuers glauben nämlich die Franzosen, dass nun unser Angriff beginnt. Sie stürzen aus ihrer Reservestellung nach vorne und stehen schussbereit da. Gespannt warten sie auf die ersten Ziele, die sich zeigen – warten und warten – da haut auch schon wieder nach der Feuerpause die erste schwere Granat mitten unter sie und vernichtet alles.

Von 5.15 Uhr ab erhöht sich die Feuergeschwindigkeit unserer Artillerie. Ein Orkan von Eisen und Stahl fegt durch die Luft. Baumstämme stürzen mit dumpfen Aufschlag, Felsen bersten krachend und überschütten uns mit einem Steinhagel.

Aber je toller es zugeht, desto mehr steigert sich unsere Angriffslust. Der Zeitpunkt für das Hervorbrechen kann kaum abgewartet werden. Bajonette blitzen schon über den Gewehrmündungen, im Sturmgepäck steht Mann an Mann an den Ausfallstufen.

Schlag 6 Uhr springen die Zugführer aus den Gräben, gefolgt von ihren tapferen Mannschaften. Jetzt alles heran an den Feind, auch die Reserven. Handgranatentrupps vor! Kein Gewehrschuss darf fallen, bevor wir nicht oben sind. In keuchender Eile geht es den Berg hinauf. Schon im eigenen Drahtverhau ganz am rechten Flügel fällt als erster des Sturmes Leutnant Kruse von der 3. Kompanie. Eine wohlgezielte Infanteriekugel hat ihn zu Tode getroffen. Handgranaten- und Maschinengewehr-Feuer aus dem Blockhaus empfängt die Stürmenden.

Über alles kann den ungestümen Schwung von Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften nicht mehr schwächen. Schon künden die ersten Detonationen von Handgranaten, dass die Kuppe erreicht ist. Am rechten Flügel stürmen mit hocherhobenem Stock und die Pistole in der linken Leutnant Presler und Zizefeldwebel Krüger ihren Kameraden voraus. Bald sind sie am Blockhaus. Leutnant Presler steht eben aufrecht davor. Da läuft ein Alpenjäger mit dem Bajonett auf ihn los. Er wehrt den Angreifer mit dem Stock ab. Jetzt sind auch schon die ersten von der Gruppe da. „Packt ihn!“ Sie stürzen sich auf den Alpenjäger. Der wirft aber das Gewehr fort. In wütendem Nahkampf werden die Reste der Besatzung den Berg hinabgeworfen. Wer sich von den Alpenjägern noch wehrt, wird niedergemacht oder gefangengenommen.

Unweit davon stürmt mit seltenem Schneid ein anderer Trupp in die feindliche Stellung. Leutnant Warnecke ist es von der 4. Kompanie an der Spitze seines aus lauter Freiwilligen bestehenden Handgranatentrupps. Mit lautem Hurra werden die Gräben genommen.

Unteroffizier Götze (1. Kompanie) ist einer der ersten und geht der Besatzung mit bekannter Furchtlosigkeit zu Leibe. Vier Offiziere und über 20 Mann werden zu Gefangenen gemacht.

Unteroffizier Schnelle steht ihm als Führer eines weiteren Freiwilligentrupps an heroischer Tapferkeit nichts nach. Als er den zweiten feindlichen Graben noch besetzt findet, geht er mit blanker Waffe vor, springt als erster mitten unter die verdutzten Franzosen und räumt nun mit Hilfe seiner braven Leute gründlich auf. Da stürmt ihm mit aufgepflanztem Bajonett Verstärkung entgegen. Kaltblütig lässt er sie herankommen und erledigt sie im Nahkampf. Schnelle hält mit wenigen Leuten seinen Graben gegen vielfache Übermacht. Dabei findet der heldenhafte Gefreite Bakemeyer den Tod durch Handgranate.

Soweit das Auge reicht, rechts und links, überall ist der Nahkampf entbrannt. Wir wissen kaum, wie wir hinaufgekommen sind, aber wir sind oben. Schrapnells krepieren über, Handgranaten neben uns. Wir stehen im erstickenden Pulverdampf. Gesichter tauchen auf aus dem Dunst. Hier auf einem Felsblock der Kompanieführer der 3., Leutnant Heweker. Mit bombiger Ruhe leitet er durch Zeichen den Sturm. Im nächsten Augenblick hüllt ihn wieder eine Dampfwolke ein. und wie die Leute kämpfen! Jeder einzelne! Ein Bild für einen Schlachtenmaler!

Fast überall wehrt sich der Franzmann tapfer. Wenn man bedenkt, dass er viele Stunden im zermürbenden Wirkungsfeuer gestanden hat, so können wir heute seiner Zähigkeit und seinem Mut nur Achtung zollen. Mitten im Kampf versucht er seine Maschinengewehre in Tätigkeit zu setzen. Aber umsonst. Er wird von unseren wütenden Leuten einfach überrannt. Das Gewehr spielt jetzt keine Rolle mehr. Sie gehen ihm mit Handgranaten zu Leibe. Als der Vorrat zu Ende geht, nehmen sie Felsstücke. Dicke Steine fliegen in hohem Bogen hinter den Flüchtenden her. Derbe, für den Franzmann wenig schmeichelhafte Kraftworte begleiten sie.

Da! Ein Lager französische Handgranaten. Irgendeiner hat es entdeckt. Ein Alpenjäger wird geschnappt, der muss schnell Unterricht erteilen. In der nächsten Minute schon sausen die kleinen Dinger den Berg hinunter, mitten unter die feindlichen Wellen, die im Gegenstoß nach oben drängen. Gerade noch rechtzeitig kommt von rückwärts ein neuer Vorrat an Handgranaten. Wum … Wum … Wum … Krachend bersten sie und reißen blutige Lücken. Der Angreifer gibt für diesmal auf. Hinter Feldblöcken Schutz suchend springt er wieder zurück.

Derweilen wird aus dem Blockhaus schon das erste Maschinengewehr als Beute herausgetragen. In heller Begeisterung springt der junge Vizefeldwebel Krüger, ungeachtet der feindlichen Geschosse, oben auf einen freisthenden Felsblock, schwenkt die Mütze und stimmt das Lied „Deutschland, Deutschland über alles“ an. Wie ein Sturmgesang braust es durch die Reihen der Lingekopferoberer „über alles, über alles in der Welt!“

Leutnant Conrad hat inzwischen sein Maschinengewehr unter unsäglichen Schwierigkeiten und Gefahren an einer vorspringenden Bergnase in Stellung gebracht und feuert mit eiserner Ruhe in die abziehenden Reihen der Alpenjäger. Sein Ziel ist lohnend, denn schon setzen ganze Trupps von Franzosen dicht unter ihm zum Gegenstoß an. Er schießt sie alle, ehe sie sich richtig entwickeln können, mit staunenswerter Sicherheit zusammen. Ein Bild eigener Größe, wie er seinen tapferen Leuten, den Kugeln preisgebend, auf einem freien, erhöhten Fels liegt und ins Tal hinunterfeuert.

Doch plötzlich verstummt sein Gewehr. Von einem Querschläger in die Schulter getroffen, sinkt der tapfere Offizier blutüberströmt hinter seiner Waffe zusammen. Während er verbunden wird, hat schon ein anderer das Gewehr ergriffen und feuert in den Berg heraufkommender Reihen. Zu Tode getroffen sinkt auch dieser Brave in die Kniee. Ein dritter wagt es, die Handgriffe zu nehmen und auf den Abzugshebel zu drücken. Nur wenige Kugeln sind heraus, da schweigt sein tack-Tack wie abgerissen. Eine Kugel in den Bauch hat den Tapferen hingerafft. Sekunden nur, da liegt der vierte ohne Zaudern an den Griffen und mäht den Hang hinunter, bis auch dieser nach wenigen Augenblicken verwundet heruntergetragen wird.

Das Mschinengewehr muss aus allernächster Nähe Flankenfeuer bekommen. Das ist den wenigen Überlebenden klar. Und wirklich! Als einige Leute sich kriechend an den Bergvorsprung der rechten Flanke heranpirschen, gewahren sie nur 15 Meter unter sich hinter einem Felsen einen einzelnen Alpenjäger, wie er in aller Gemütsruhe sein Gewehr lädt und gerade anlegen will. Im Nu kracht ein Hagel von Handgranaten zu ihm hinunter und macht ihn unschädlich. Ganz allein hatte sich dieser verwegene Bursche dort gehalten und unsere gesamte Maschinengewehr-Besatzung auf kurze Entfernung abgeknallt.

Gott sei Dank ist diese Gefahr nun endgültig beseitigt. Die vordere Linie links vom blockhaus ist unter Führung des Unteroffizier Bünnemeyer eifrig dabei, Sandsäcke zu füllen und die eingenommene Stellung zu beseitigen. Reserven schieben sich ein und füllen die Lücke. Es ist aber auch höchste Zeit! Denn ganze Gruppen von Alpenjägern drängen hinter Felsblöcken und Baumstümpfen aufwärts. Sie wollen mit aller Gewalt wieder die Kuppe haben. Aber Handgranate auf Handgranate fliegen ihnen vor die Füße, so dass keiner von ihnen an die von Bünnemeyer verteidigte Linie herankommt. Fest ist sie in der Hand der Unsrigen.

Unvergessen bleibt die tatkräftige Unterstützung der 9. Kompanie, die am 4. August zusammen mit dem I. Bataillon eingesetzt wurde. Auch sie hat großen Anteil an den erfolgen der Sturmabteilung Heweker. Im Verbande dieser Abteilung dringen Teile der 9. Kompanie unter Führung des bei diesem Sturm gefallenen Offizierstellvertreter Eschenbüscher bis über den zweiten feindlichen Graben vor. Der Gefreite Recksieck bemächtigt sich eines französischen Maschinengewehrs und macht erst vor dem dritten feindlichen Graben halt.

Was nun geschieht, schildert uns Kamerad Schwarting in lebendigen Worten:

„Auf der granatenzerstampften Kuppe liegen die Sieger in fieberhafter Tätigkeit. Sandsäcke werden in ununterbrochener Kette von unten heraufgelangt und am Rande der Kuppe aufgebaut. Auf dem Leibe kriechend, schiebt jeder die Verteidigungslinie so weit hinaus, wie es eben geht. Zerschossene Baumstämme werden zur Befestigung zwischen die Sandsäcke gelegt. Dann werden die Stahlschilde mit den Schießscharten eingebaut. Von Minute zu Minute wird der Verteidigungsdamm höher und fester. Schon kann der Mann in seinem Schutze dahinter knien, bald steht er aufrecht und späht durch die Scharten den Hang hinunter, wo hinter Felsen noch Feinde kauern und Schuss auf Schuss gegen die entstehende Brustwehr senden. Aber sie müssen zurück, Schritt für Schritt; denn während bei uns die einen bauen, schleudern andere Handgranaten, die mit furchtbarem Getöse explodieren und Schrecken und Verwüstung verbreiten.“

Die Beute des I. Bataillons ist groß. Allein vier Offiziere, ein Arzt und ca. fünfzig unverletzte Alpenjäger werden an Gefangenen gezählt. Eine große Anzahl tote und schwerverwundete Franzosen bedecken den Kampfplatz. Zwei Maschinengewehre mit viel Munition, Hunderte von Handgranaten, zwei Fernsprechapparate (aus dem Blockhaus) und wertvolles Feldbefestigungsmaterial ist in unsere Hände gefallen. Die eigenen Verluste betragen 1 Offizier, 7 Unteroffiziere, 28 Mann tot; 1 Offizier, 18 Unteroffiziere, 103 Mann verwundet.

Die Sturmkolonne des II. Bataillons war von gleichem Angriffsgeist beseelt. Als erster verlässt Hauptmann Bowien um 6.10 Uhr den Graben und geht mit seiner Abteilung mit großem Schnei vor. Da schlägt ein Volltreffer in die 7. Kompanie. Das Hurra erstirbt auf den Lippen. Elf Mann tot! Schon scheint die Sturmkolonne an dieser Stelle zu schwanken, da springt Hauptmann Bowien vor und reißt seine Leute mit sich vorwärts. Gewehr- und Handgranatenfeuer prasselt ihnen entgegen. Durch einen Brustschuss schwer getroffen sinkt Hauptmann Bowien zu Boden.

Für seine Leute gibt es jetzt kein Halten mehr. Wütend arbeiten sie sich der Kuppe zu. Der Sturm gelingt der 7. und 8. Kompanie bis über die feindliche Stellung hinaus. Vierzig Franzosen werden zu Gefangenen gemacht. Die Beute beträgt: 1 Maschinengewehr, 300 Gewehre und einige hundert Handgranaten. Erst als die Meldung von dem sicheren Besitz der feindlichen Stellung zu ihm gelangt, lässt sich Hauptmann Bowien mit einem letzten Hoch auf seine 7. Kompanie nunmehr völlig entkräftet zurücktragen. Tags darauf erliegt er in Kolmar seinen Wunden. Mit ihm fielen Leutnant Schleip durch Herzschuss und 16 tapfere Leute. Verwundet wurden Leutnant Sahlmann, Offizierstellvertreter Sommerlatte und 106 Mann.

Allmählich wird das Gefechtsfeld übersichtlich. Der Lingekopf ist unser. Die rechte Sturmkolonne hat zwei Gräben genommen und beherrscht jetzt den jenseitigen Berghang. Auch die mittlere Kolonne hat ihr Ziel erreicht bis auf ein Grabenstück von etwa 100 Meter Breite, das die Franzosen noch zäh verteidigen.

Nur dem linken Flügel war trotz rücksichtslosen Draufgehens kein Erfolg beschieden. Sein Angriffsziel war das sogenannte Franzosennest, das zwischen Lingekopf und Schratzmännle liegt. Eine Befestigungsanlage, die durch Blockhäuser und Sappen stark gesichert ist.

Schon bei der Artillerievorbereitung gehen mehrere Volltreffer schweren Kalibers in die eigenen Gräben, wie überhaupt der ganze linke Flügel am schwersten unter den verhängnisvollen Kurzschüssen zu leiden hat. Heillose Verwirrung entstehnt. Man rennt bald hier, bald dorthin, um sich vor den eigenen Granaten zu schützen. Aber nirgends ist man sicher. Hier steht eine Gruppe der 10. Kompanie angstvoll zusammengepresst. Da…ein einziger Aufschrei! Ein gutes Dutzend blutender Leiber windet sich im schwefeldampfenden Erdreich. Sechs Mann allein tot, darunter der schneidige Unteroffizier Mürrle. Die übrigen schwer verwundet. Verzweifelte Rufe der Nächststehenden. Schon schlägt dicht dabei eine neue Granate ein. Wohin? Wohin? Wut, Angst, Entsetzen spricht aus den Gesichtern.

Kein Wunder, dass die Verbände auseinanderreißen. Die Übersicht geht verloren. An eine Bildung von Sturmgruppen ist jetzt nicht mehr zu denken. Denn die Zeit des Sturmbeginns rückt immer näher. Schnelles Handeln ist nötig, um den Anschluss an den vorgehenden Nachbarn nicht zu verlieren.

Hauptmann Settmaier setzt daher die 12. Kompanie unter seiner Führung frontal ein, während die 11. Kompanie von links flankierend eingreifen soll. Kaum aber haben die ersten Gruppen den Graben verlassen, als ihnen ein wahres Höllenfeuer entgegenschlägt.

Mit dem Degen in der Hand springt Vizefeldwebel Klug von der 11. Kompanie seinem Zuge weit voraus. Als er sich nach einer Atempause zum letzten Vorstoß gegen das Franzosennest anschickt und zum Sprung aufrichtet, sinkt er in die Stirn getroffen lautlos zu Boden. Mächtig setzt sich der Feind zur Wehr. Ungeschwächt empfängt er die Unsrigen mit einer Anzahl von Handgranaten. Bis auf 20 und 30 Meter gelangen die Vorwärtsstürmenden an das Franzosennest heran. Die Verluste mehren sich bedenklich. Besonders fegt französisches Maschinengewehr-Feuer vom Schratzmännle her in die Reihen der Angreifer, die jetzt dicht vor ihrem Ziel liegen.

Es macht den letzten entscheidenden Stoß unmöglich. Ein Verbleiben in dieser Lage ist zwecklos. Nur der Ersatz-Reservist Starke von der 12. Kompanie bleibt in opferbereiter Soldatentreue 15 Meter vor dem feindlichen Drahtverhau bei einem Schwerverwundeten in einem Granatloch liegen, schneidet seinen Mantel in Streifen und bindet seinem verblutenden Kameraden das Bein ab. Später bringt er den so geretteten wohlbehalten in den deutschen Graben zurück.

An anderer Stelle stürmen unsere braven Leute noch weiter und gelangen bis in die feindlichen Gräben. Sie haben mörderische Verluste. Während rechts beim I. und II. Bataillon die Höhenstellung des Feindes gänzlich von Artillerie und Minen zertrümmert waren, ist hier am linken Flügel das stark ausgebaute Franzosennest noch vollständig intakt. Unsere Artillerie hat unter den Kompanien des III. Bataillons fast noch stärker aufgeräumt als oben in dem Felsennest beim Franzmann. Von allen Seiten tacken Gewehre und Maschinengewehre hinter unbeschädigten Grabenwehren und speien ihre todbringenden Geschosse über unsere hinter Felsstücken geduckten Köpfe. Trotzdem kommen einzelne Gruppen Schritt für Schritt, Sprung für Sprung näher heran. Sie wollen doch hinter den Kameraden von rechts nicht zurückstehen. Ein maßloser Ehrgeiz beseelt sie, es den anderen gleich zu tun. Sie wissen nur nicht, dass sie unter bedeutend schwereren Verhältnissen kämpfen.

Jetzt gelingt es dem Reservisten Spör von der 10. Kompanie zusammen mit 2 Kameraden in den feindlichen Graben zu springen. Da steht in nächster Nähe ein feuerndes Maschinengewehr. Wie die Löwen stürzen sie auf die Besatzung, entreißen ihr die furchtbare Waffe. Mit ihnen sind noch andere durch den Kugelregen nach oben gekommen. Schnell versuchen sie sich einzurichten. Aber es ist unmöglich. Sie erhalten vom nahen Schratzmännle aus, der einige Meter höher liegt, ein derartig heftiges Flankenfeuer, dass sie sich nicht halten können. Ganz wenigen nur glückt es, unseren Graben wieder zu erreichen. Darunter auch der Reservist Spör, der allein seine kostbare Beute, das französische Maschinengewehr zurückschleppt.

Wenn der Sturmkolonne Settmaier auch kein greifbarer Erfolg beschieden ist: sie hat sich unter den ungünstigsten Bedingungen heldenhaft geschlagen. Ihre Leistungen sind vollkommen ebenbürtig. Trotz schwerer Verluste versucht sie noch am gleichen Tage, 8.30 Uhr abends mit Unterstützung der 5. Kompanie des bayerischen Landwehr-Infanterie-Regiments 2 einen neuen Sturm auf das Franzosennest. Aber auch dieser scheitert an der Wachsamkeit und zähen Gegenwehr der Alpenjäger. Ohne Zerstörung der feindlichen Blockhäuser muss jedes Anrennen gegen diese kleine Bergfestung zerschellen.

Inzwischen ist auch schon die Nacht hereingebrochen. Das Getöse in den Bergen verhallt. Nur ab und zu platzten dumpf ein paar Handgranaten. Vereinzelte Gewehrschüsse durchschneiden scharf die nächtliche Stille. So bleibt es bis zum frühen Morgen.

Unterdessen wird fieberhaft daran gearbeitet, die eroberten Gräben zur Verteidigung herzurichten und zu verstärken. Sandsäcke werden gefüllt und aufgetürmt, Handgranaten, Stacheldraht, Schutzschilder, Munition nach oben geschleppt. Denn wir rechnen damit, dass der Franzmann alles versuchen wird, die beherrschende Höhe zurückzugewinnen.

Wieder andere gehen einer Beschäftigung nach, die viel trauriger stimmt. In langen Zügen sieht man die Sanitäter talwärts ziehen. Auf Bahren und in Zeltbahnen schleppen sie mühsam die Schwerverwundeten und toten Kameraden den Berg hinab. Unsere Regimentsmusiker helfen dabei tapfer mit, wie sie uns auch Essen und Munition auf die Höhe heraufgebracht haben.

Was sind das hier für Unterstände? Matter Kerzenschimmer dringt heraus. Es ist ein fortwährendes Kommen und Gehen. Die schwankenden Lasten der Krankenträger verschwinden in den schmalen Eingängen. Leer kommen die Leute mit der Roten Kreuzbinde wieder zurück, oder aber sie stützen einen Kameraden, dessen weißer Verband gespenstisch durch die Dunkelheit leuchtet.

Das sind die Verbandstellen des Regiments. In ihnen sehen wir unsere Ärzte Dr. Willms, Dr. Eichwald, Dr. Grenacher und Dr. Cordua mit aufgekrempelten Hemdärmeln und blutigen Kitteln hantieren. Sie leisten die erste Hilfe, geben Tetanusspritzen, verbinden, lindern, sprechen gut zu. Unaufhörlich kommen sie hereingetragen oder herangehumpelt; jeder verlässt erleichtert, gestärkt und aufgemunutert den von frischem Blut geschwängerten Raum. Der Abtransport ist gut organisiert. Sie brauchen nicht lange zu warten, die Verwundeten, dann geht ein neuer Schub nach rückwärts, Wagen nehmen sie auf und bringen sie in saubere Lazarette, wo ein weißes Bett, eine liebevolle Pflege ihrer wartet.“

Offiziell ist die Lage des Grabes von Kurt Stephan unbekannt. Es könnte sein, dass er anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof Hohrod beigesetzt wurde, wo man auch seine Regimentskameraden begrub, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a. Josef Eschenbüscher.

 

In Stellung am Reichsackerkopf – Von rechts nach links: Oberleutnant Engel, Leutnant Haase, Fähnrich Butt, Offiziersstellvertreter Eschenbüscher, Landsturmmann Stephan, Gefreiter Riese

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.452: Lorenz Stanglmair

Der Soldat Lorenz Stanglmair stammte aus Trillhof, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Au in der Hallertau, und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Gefreiter in der 8. Kompanie des 16. bayerischen Infanterie-Regiments. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. Am 18.09.1916 fiel er im Alter von 22 Jahren bei Dorna Watra und Kirlibaba im heutigen Rumänien, als seine Einheit den russischen Angriff zum Stehen brachte, durch Kopfschuss.

Die Lages des Grabes von Lorenz Stanglmair ist, wie meist bei Gefallenen des Ersten Weltkrieges an der Istfront, unbekannt.

Morgen stelle ich das Schicksal seines Bruders, Michael Stanglmair, vor

Sterbebild von Lorenz Stanglmair
Rückseite des Sterbebildes von Lorenz Stanglmair

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.451: Alois Haßlberger

Der Soldat  Alois Haßlberger wurde am 21.06.1881 in Weingarten geboren, heute ein Ortsteil der bayerischen Gemeinde Ruhrpolding, und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er in der 10. Kompanie des 3. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 25.08.1915 verstarb er im Alter von 34 Jahren in Folge einer Erkrankung in Nordfrankreich während der Stellungskämpfe in Flandern und Artois.

Die Lages des Grabes von Alois Haßlberger ist unbekannt.

Sterbebild von Alois Haßlberger
Rückseite des Sterbebildes von Alois Haßlberger

Die Männer des Zweiten Weltkriegs – Teil 2.448: Hans Nordlohne

Der Soldat Hans Nordlohne wurde am 06.03.1914 in Cloppenburg geboren. Er diente in der Zeit des Nationalsozialismus im 16. Infanterie-Regiment. Am 31.05.1936 kam er im Alter von 22 Jahren durch einen Unglücksfall ums Leben.

Die Lage des Grabes von Hans Nordlohne konnte ich nicht ermitteln. Ich vermute, es existiert nicht mehr.

Sterbebild von Hans Nordlohne
Rückseite des Sterbebildes von Hans Nordlohne

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.443: Ludwig Kremhelmer

Der Soldat Ludwig Kremhelmer stammte aus Hüttenkofen in Bayern und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Gefreiter in der 4. Kompanie des 16. bayerischen Infanterie-Regiments. Er wurde mit dem Verdienstkreuz mit Schwertern ausgezeichnet. Am 08.07.1916 fiel er im Alter von 22 Jahren während der Schlacht an der Somme bei Montauban-de-Picardie durch einen Granat-Volltreffer in Frankreich.

Die offizielle Grablage von Ludwig Kremhelmer ist unbekannt. Es ist auch sehr fraglich, ob und was von seinem Körper nach dem Volltreffer noch übrig war. Häufig war in solchen Situationen von dem Toten nichts mehr übrig, was man noch beerdigen konnte.

Wenn sterbliche Überreste von Ludwig Kremhelmer übrig blieben und beigesetzt werden konnten, dann wurden Sie nach meinem Dafürhalten anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof Fricourt begraben, wo man auch seine Regimentskameraden begrub, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a.

  • Gefreiter Georg Kleder, gefallen am 08.07.1916 bei Montauban, begraben auf dem Soldatenfriedhof Fricourt in einem Massengrab;
  • Infanterist Anton Schäffler, gefallen am 03.07.1916 bei Montauban, begraben auf dem Soldatenfriedhof Fricourt in einem Massengrab;
  • Leutnant Johann Schäfler, gefallen am 02.07.1916 bei Montauban, begraben auf dem Soldatenfriedhof Fricourt in einem Massengrab;
  • Gefreiter Johann Edhofer, gefallen am 05.07.1916 bei Montauban, begraben auf dem Soldatenfriedhof Fricourt in einem Massengrab.

 

Sterbebild von Ludwig Kremhelmer
Rückseite des Sterbebildes von Ludwig Kremhelmer

Die Männer des Zweiten Weltkriegs – Teil 2.437: Peter Liebhart

Der Soldat Peter Liebhart stammte aus Mößling, einem Ortsteil der bayerischen Stadt Mühldorf am Inn. Im Zweiten Weltkrieg diente er als Richt-Unteroffizier in einer Sturmgeschütz-Abteilung der Wehrmacht. Am 05.10.1943 fiel er im Alter von 22 Jahren bei Welikije Luki im heutigen Russland.

Die Lage des Grabes von Peter Liebhart ist unbekannt.

Sterbebild von Peter Liebhart
Rückseite des Sterbebildes von Peter Liebhart