Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.245: Heinrich Reinert

Der Soldat Heinrich Reinert wurde am 12.03.1899 in Billerbeck im heutigen Nordrhein-Westfalen geboren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Musketier in der 12. Kompanie /3. Bataillon) des 396. Infanterie-Regiments. Am 27.05.1918 fiel er im Alter von 19 Jahren bei Fóret de Mortier an der Aisne.

Über den Todestag berichtet die Regimentsgeschichte des 396. Infanterie-Regiment:

„Um 1 Uhr vormittags am 27.05.1918 lagen wir im Fóret de Mortier, hart nördlich des Kanals, bereit. Eng aneinandergerückt hockten wir in alten verfallenen Gräben, rechts das 2., links das 3. Bataillon, dahinter als Divisionsreserve das 1. Bataillon. Die „Turnstunde“, wie das Unternehmen neckisch genannt war, konnte beginnen. 

Während des dreistündigen Artilleriefeuers sollten Stege über den Kanal und den Fluss gelegt werden. Pioniere kamen zu dem Zwecke vor, und unser 1. und 2. Bataillon stellten eine Anzahl Mannschaften zum Heranschleppen des Materials. Aber der Anfang unseres Vorgehens wurde schwieriger, als wir gedacht hatten.

Der Feind war unruhig geworden. Er beschoss mit Artillerie und Minen den Kanal und das angrenzende Gelände. Der Bau war mit nicht unerheblichen Verlusten verbunden und erlitt Verzögerungen. Auch in die Bereitschaftsstellung im Walde schlugen Granaten ein und brachten Verluste.

Gegen 4.15 Uhr endlich konnte das 2. Bataillon beginnen, auf 5 Stegen überzugehen, voran die 8. Kompanie. Aber schon kam Unordnung. Teile des 3. Bataillons vermischten sich mit den Übergehenden. Ein Stocken entstand, was die Verluste vermehrte. Gleich jenseits wurden wir mit Maschinengewehr-Kugeln und Gewehrgranaten empfangen. Rechts vor uns lief in einer Schlucht eine Straße nach Süden, auf das Dorf Vauxaillon zu, das am Abhang lag. In den Höusern an dieser Straße hatten sich feindliche Nester eingerichtet. Wir waren dem Feuer dieser Nester umsomehr ausgesetzt, als plötzlich ein sumpfiger Graben, der nicht überbrückt war, uns stocken ließ.

Wir sollten eigentlich Vauxaillon rechts liegen und dem 3. Bataillon überlassen. Aber wenn wir überhaupt weiter wollten, mussten wir die flankierenden Maschinengewehr-Nester erst ausheben. Dann konnten wir bis an den Bahndamm vorgehen und uns dort nach links in unsern Gefechtsstreifen hinüberziehen.

Wir überschritten einen Wiesengrund. Im Schutze des Bahndammes wollten wir usn noch einmal ordnen. Da aber die Zeit schon drängte, kam mündlicher Befehl an die Kompanieführer, gleich weiterzugehen.

Inzwischen hatte sich auch das 3. Bataillon geordnet, schob sich rechts heraus, fand Anschluss an 24. Infanterie-Regiment und begann gleich den Sturm, der ohne erhebliche Schwierigkeiten in einem Lauf bis auf die ersten Höhen nördlich von Vauxaillon führte, die kurz vorher auch vom 2. Bataillon links davon erreicht worden waren. Aber nun schlug uns solches Kreuzfeuer entgegen, dass wir uns hinwerfen mussten. Denn links hatte 64. Infanterie-Regiment, das zuerst weiter als wir gewesen war, starken Widerstand gefunden und war zurückgeblieben. Daher saßen südlich der Schlucht die links unserer Höhe abschloss, noch feindliche Maschinengewehre. Auch rechts war unsere Flanke frei. 24. Infanterie-Regiment war überhaupt nicht vorgekommen. Daher konnte der Feind von den Höhen rechts unser 3. Bataillon mit Gewehr- und Handgranaten bedrängen.

Fast ungedeckt lagen wir dem Feuer ausgesetzt, ohne vom Platze gehen zu können. Denn rechts und links fehlte der Anschluss. Die Verluste mehrten sich. Daher wurden gegen 9 Uhr Teile der 9., 10. und 11. Kompanie zum umfassenden Flankenstoß nach rechts angesetzt. Aber die Höhen rechts von Vauxaillon waren außerordentlich stark mit Maschinengewehren besetzt, die wegen des Fehlens der 24er ungehindert flankierend schießen konnten. Bis an die Obstgärten nördlich von Vauxaillon kamen wir vor. Da mussten wir liegen bleiben. Der Gegner aber schoss immer weiter in unsere Reihen. Wir konnten nun erkennen, dass die Gräben auf den Höhen stark besetzt waren. Auch zwei Blockhäuser hoben sich drohend hervor. Wir schickten Melder nach hinten und baten um Hilfe. Aber sie kamen mehrmals mit dem Bescheid zurück, dass die Artillerie nicht vorkommen könnte, da der einzige Weg über den Fluss verstopft sei.

Gegen 3.15 Uhr nachmittags endlich war unsere 2. Minenwerferabteilung herangekommen und nahm die Blickhäuser unter Feuer. Inzwischen war auch 64. Infanterie-Regiment links heran und weiter vorgestoßen bis Bascule, einem kleinen Ort südlich Vauxaillon. Das Maschinengewehrfeuer links hörte auf. Aber von der rechten Seite wurde das 3. Bataillon immer noch hart bedrängt. Daher entwickelte sich das 1. Bataillon, das links gefolgt war, um den Gegner von Bascule her aufzurollen. Der erkannte aber die Gefahr und wich schon zurück. So konnte gegen 6 Uhr auch das 2. und bald darauf auch das 3. Bataillon antreten. Sie drängten hart nach und gelangten ohne weitere Verluste und dem Gegner mit ihren Maschinengewehren zusetzend, über das befohlene Ziel hinaus. Wir kamen an Neuville vorbei, durch Gehöfte und Schluchten, räumten mit einigen Maschinengewehr-Nestern auf, warfen bei Sorny Reste der Besatzung aus einigen Grabenstücken und erreichten gegen 9 Uhr das Dörfchen Sorny selbst.

Von dort und westlich davon schlug uns erneut Maschinengewehrfeuer entgegen und brachte unsern Vormarsch noch einmal zum Stocken. Aber um 10 Uhr war der Nordteil des Ortes vom Feinde gesäubert, wobei 4 Offiziere und 50 Mann zu Gefangenen gemacht und 3 Maschinengewehr-Nester ausgenommen wurden. Auch westlich Thorny gehörte das Feld uns. Dort hatte 9.25 Uhr abends das 3. Bataillon den ersten Graben gesäubert. Im zweiten aber leistete der Gegner hartnäckigen Widerstand, 9.50 Uhr setzte er sogar zu einem Gegenstoß an, wurde aber vollständig abgewiesen.

Nicht ganz war bei unserem Vorgehen der Anschluss gehalten. Das 3. Bataillon hatte unterwegs, nordöstlich von Neuville, 4 leichte und 4 mittlere Geschütze erbeutet und sich dann an der Bekämpfung der Maschinengewehre in Sorny beteiligt und war rechts schräg hinter das 2. Bataillon geraten. Nun mussten wir uns erst wieder ordnen.

Es war inzwischen dunkel geworden und der Feind konnte unsere Bewegungen nicht mehr erkennen. Aber er schoss immer noch stark mit Maschinengewehren. Seine Gräben waren also noch besetzt. Auch von links waren wir vor Überraschungen nicht ganz sicher. Daher schickten wir nach dort Patrouillen aus und gruben uns ein. Dann wollten wir uns völlig erschöpft von den Anstrengungen des Tages zur Ruhe legen. Aber erstmusste noch warmes Essen geholt werden. und als wir endlich gegen 2 Uhr lagen, kam der Befehl, dass das 3. Bataillon wegen seiner großen Verluste nach dem Westausgang von Neuville zurückgehen und von dort aus am nächsten Tage der linken Flanke folgen sollte.“

Die Lage des Grabes von Heinrich Reinert ist offiziell unbekannt. Ich vermute jedoch, dass er, wenn seine Gebeine geborgen wurden, anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof Mons-en-Laonnois begraben wurde, wo auch seine Regimentskameraden beigesetzt wurden, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a.

  • Musketier Richard Tätzel, gefallen am 27.05.1915, begraben auf dem Soldatenfriedhof Mons-en-Laonnois in Block 1, Grab 114;
  • Musketier Bruno Freitag, gefallen am 29.05.1915, begraben auf dem Soldatenfriedhof Mons-en-Laonnois in Block 1, Grab 117.

 

Sterbebild von Heinrich Reinert
Rückseite des Sterbebildes von Heinrich Reinert

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.240: Josef Hartinger

Der Soldat Josef Hartlinger stammte aus der bayerischen Gemeinde Taufkirchen an der Vils und war der Sohn eines Tagelöhners. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Infanterist in der 8. Kompanie des 12. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 08.06.1916 fiel er im Alter von 20 Jahren bei Thiaumont während der Schlacht um Verdun.

Man begrub Josef Hartinger auf dem Soldatenfriedhof Hautecourt-lès-Broville in einem Massengrab.

Sterbebild von Josef Hartlinger
Rückseite des Sterbebildes von Josef Hartlinger

Die Männer des Zweiten Weltkriegs – Teil 2.236: Anton Hitzl

Der Soldat Anton Hitzl wurde am 01.04.1910 in der bayerischen Gemeinde Prem geboren. Im Zweiten Weltkrieg diente er als Obergefreiter in einer Nachrichten-Abteilung der Wehrmacht. Am 20.09.1943 verstarb er nach schwerer Verwundung im Alter von 33 Jahren im Kriegslazarett 2/619 in Minsk im heutigen Weißrussland (Belarus).

Man begrub Anton Hitzl auf dem Soldatenfriedhof Berjosa in einem Massengrab.

Sterbebild von Anton Hitzl
Rückseite des Sterbebildes von Anton Hitzl

Die Männer des Zweiten Weltkriegs – Teil 2.233: Ludwig Hauser

Der Soldat Ludwig Haueer wurde am 19.01.1918 in Wiedemen geboren, heute ein Ortsteil der bayerischen Gemeinde Hopferau. Im Zweiten Weltkrieg diente er als Obergefreiter in einem motorisierten Panzer-Pionier-Zug. Er wurde mit dem Eisernes Kreuz 2. Klasse und mit dem Infanterie-Sturmabzeichen ausgezeichnet.   Am 17.02.1942 fiel er im Alter von 24 Jahren bei Chmelcwaja an der Ostfront.

Man begrub Ludwig Hauser auf dem Soldatenfriedhof Kursk – Besedino in Russland in einem Massengrab.

Sterbebild von Ludwig Hauser
Rückseite des Sterbebildes von Ludwig Hauser

Die Männer des Zweiten Weltkriegs – Teil 2.231: Max Resl

Der Soldat Max Resl wurde am 12.03.1924 in Urspring als Sohn eines Landwirts geboren, heute ein Ortsteil der bayerischen Gemeinde Steingaden. Im Zweiten Weltkrieg diente er in einer Stabs-Pionier-Kompanie der Wehrmacht. Am 22.07.1943 fiel er im Alter von 19 Jahren bei Krimskaja am KubanBrückenkopf (Volksbund: 15 km nordwestlich Krymskaja)

Man begrub Martin Resl auf dem Soldatenfriedhof Krasnodar-Apscheronsk in Russland in einem Massengrab.

Seine Heimatgemeinde Urspring gedenkt Martin Resl noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2008/steingaden-urspring_kirche_bay.htm

Sterbebild von Max Resl
Rückseite des Sterbebildes von Max Resl

Die Männer des Zweiten Weltkriegs – Teil 2.229: Artur Zäch

Der Soldat Artur Zäch wurde am 04.03.1925 in Landshut in Bayern geboren. Im Zweiten Weltkrieg kämpfte er als Gefreiter und Unteroffiziers-Anwärter in der Wehrmacht. Am 01.03.1944 fiel er im Alter von 19 Jahren bei Rogatschew im heutigen Weißrussland (Belarus) Der Volksbund gibt Weritschew als Sterbeort an.

Man begrub Artur Zäch auf einem Friedhof bei Weritschew / Bobruisk im heutigen Weißrussland (Belarus) in einem Massengrab.

Sterbebild von Artur Zäch
Rückseite des Sterbebildes von Artur Zäch

Die Männer des Zweiten Weltkriegs – Teil 2.227: Carl Heinz Cremer

Der Soldat Carl Heinz Cremer wurde am 23.03.1923 in Dortmund im heutigen Nordrhein-Westfalen geboren. Im Zweiten Weltkrieg diente er als Grenadier in der Wehrmacht. Am 26.01.1943 fiel er im Alter von 19 Jahren bei Worronesch, Prokowskoje, als die Wehrmacht von der Roten Armee aus Worronesch vertrieben wurde.

Man begrub Carl Heinz Cremer auf einem Friedhof bei Pokrowskoje / Orel im heutigen Russland in einem Massengrab.

Das Düsseldorfer Rethel-Gymnasium gedenkt Carl Heinz Cremer noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2011/Duesseldorf_Rethel-Gymn.html

Sterbebild von Carl Heinz Cremer
Rückseite des Sterbebildes von Carl Heinz Cremer

Die Männer des Zweiten Weltkriegs – Teil 2.225: Andreas Neß

Der Soldat Andreas Neß wurde am 11.09.1924 in Kreuzberg geboren. Er diente in einem Infanterie-Regiment der deutschen Wehrmacht. Am 28.09.1943 fiel er im Alter von 19 Jahren bei Smolensk in Russland, Volksbund: Ordowka/Kl. Beresina

Man begrub Andreas Neß auf einem Friedhof bei Sutoki / Smolensk – Russland in einem Massengrab.

Sterbebild von Andreas Neß

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.223: Anton Gsinn

Anton Gsinn stammte aus Reicherting Emertsham, heute ein Ortsteil der bayerischen Gemeinde Tacherting, und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er in der 4. Kompanie des 1. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 20.08.1914 fiel er im Alter von 24 Jahren während der Schlacht in Lothringen bei Görlingen (französisch: Gœrlingen).

Offiziell ist für Anton Gsinn keine Grablage bekannt. Ich vermute jedoch, dass er anonym in einem Massengrab auf dem rund 40 Kilometer entfernten Soldatenfriedhof Lafrimbolle begraben wurde, wo auch seine Regimentskameraden begraben wurden, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a.

  • Hauptmann Philipp Correck, gefallen am 20.08.1914 bei Saarburg, begraben auf dem Soldatenfriedhof Lafrimbolle in Block 1, Grab 833;
  • Leutnant Robert Fasbender, gefallen am 20.08.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof Lafrimbolle in Block 1, Grab 835;
  • Fähnrich Oskar Schmitt, gefallen am 20.08.1914 bei Saarburg, begraben auf dem Soldatenfriedhof Lafrimbolle in einem Massengrab;
  • Fähnrich Johann Beigel, gefallen am 20.08.1914 bei Saarburg, begraben auf dem Soldatenfriedhof Lafrimbolle in einem Massengrab.

 

Sterbebild von Anton Gsinn
Rückseite des Sterbebildes von Anton Gsinn

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.220: Josef Lembeck

Der Soldat Josef Lembeck wurde am 11.12.1893 in Hoppingen geboren, heute ein Ortsteil der bayerischen Stadt Harburg (Schwaben). Er arbeitete als Bahnarbeiter in Gerwang. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Infanterist in der 12. Kompanie des 20. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 25.08.1914 fiel er im Alter von 20 Jahren während der ersten Kämpfe in den Vogesen bei Bazien, in der Nähe von Rambervillers.

Über den Todestag und die Todesumstände von Josef Lembeck berichtet die Regimentsgeschichte des 20. bayerischen Infanterie-Regiments:

„Bazien – Ménil

Der 25.08. – der Namenstag Seiner Majestät des Königs – sollte unserem Regiment die bisher schwerste Aufgabe des Krieges bringen. Niemand ahnte, als man um 8 Uhr in gehobenster Stimmung aus der Gegend südwestlich Glonville nach herrlichem Sonnenaufgang aufbrach, dass an diesem Tage ein Kampf zu führen sei, der mit dem Blute von fast einem Drittel des Regiments bezahlt werden musste.

Die Lage im großen war folgende: Die 7. Armee, der wir unterstanden, hatte den Befehl, am 25.08. in Fortsetzung der Verfolgung nach Süden vorzudringen und den Feind, mit dem man die Fühlung so ziemlich verloren hatte, durch Angriff wieder zu stellen. Auf französischer Seite war geplant, sich im geschlossenen Gegenangriff auf uns zu werfen. General Dubail, der Oberbefehlshaber der französischen 1. Armee, hatte mit der Losung „En avant á tout prix“ (vorwärts um jeden Preis) sein XIII. Korps durch die Waldungen südlich und südwestlich Baccarat auf Glonville und Baccarat angesetzt. So kam es am 25. zum zweiten Zusammenprall der Gegner.

Beim I. bayerischen Armee-Korps sollten zunächst nur gemischte Abteilungen vorgehen. Rechts (von der 2. Division) die 3. Infanterie-Brigade (ohne I./3. Infanterie-Regiment) mit dem 4. Chevauxlegers-Regiment und 4. Feldartillerie-Regiment von Glonville über Bazien auf Nossoncourt. Links (von der 1. Division) das verstärkte 16. Infanterie-Regiment von Baccarat auf Menil. Rechts des I. bayerischen Armee-Korps bedachte das XXI. Armee-Korps über DomptailXaffévillers auf Rambervillers vorzudringen.

Unser II. Bataillon (ohne die mit dem Abschub von Gefangenen beauftragten 8. Kompanie) war mit dem 4. Chev.Rgt. und der 2./1. Pionier-Bataillon Vorhut der unter dem Befehl des Generals Emil Schoch stehenden rechten Kolonne. Am Anfang des Gros marschierte das I. Bataillon, dahinter die I./4. Feldartillerie-Regiment, dann das III. Bataillon mit der Maschinenegewehr-Kompanie. Schon vor dem Eintritt in den großen Wald von Glonville gab es den ersten Aufenthalt. Die Spitzenkompanie (7. unter Hauptmann Hermann) musste schwache feindliche Schützen vertreiben, die den Nordsaum besetzt hatten. Dann ritt das 4. Chev.Regiment zur Aufklärung durch den Wald auf Bazien voraus, sieß aber, noch ehe es den Südausgang erreicht hatte, auf feindliche am Waldrand entlangmarschierende Infanterie, anscheinend die Spitze, dahinter die Vorhut einer feindlichen nach Nordwesten marschierenden Kolonne. Es war das französische Jäger-Bataillon 31. Das Regiment saß in aller Eile zum Gefecht zu Fuß ab und überraschte den Feind durch sein Schnellfeuer. Aber es waren doch nicht viel mehr als ein halbes Hundert Schützen, was das Regiment zum Feuern brachte. Es wurde bald von dem in breiter Front in den Wald eindringenden Feind überflügelt. Da eilte die 7. Kompanie im Laufschritt heran, entwickelte in aller Eile und nahm ebenfalls das Feuer auf. Dann kam auch der Bataillonskommandeur, Major Bram, nach vorne. Er erfasste sofort die Lage, setzte die 5. Kompanie rechts neben der 7. ein und befiehlt den Sturm. Die Hörner blasen, die Tambure schlagen ein, die Fahne wird entfaltet. So stürzt sich – wie im Frieden oft geübt – das Bataillon mit Hurra auf den Feind.

„Ein wütendes Gewehrfeuer empfing uns – berichtete ein Mitkämpfer in der Allgäuer Kriegschronik – Hinter jedem Busch kracht und blitzt es, von den Bäumen herunter, aus dem grünen Moos des Bodens, hinter jeder Bodenwelle lag so eine verdammte Rothose. Aber was kümmerts den Sturmwind, wenn der Berg sich entgegenstellt! Er zaust ihn in den Haaren, er fährt in seine Schluchten und tost durch seine Täler und stürmt über ihn hinweg. Und so auch wir. Rechts und links fielen brave Kameraden, getroffen von dem mörderischen Feuer, aber es gab kein Halten. Die Franzosen wurden in einem ungeheuren Anlauf überrannt und hinausgetrieben auf die freien Höhen vor dem Wald. Hui, und nun hin auf den Boden! Rasch in Deckung! Verfolgungsfeuer! Und während noch die Brust keucht und nach Atem rang, da donnerte es aus hunderten von Zwanziger-Flinten, dass uns das Herz im Leibe lachte. Ja, wie die Kerls den Berg hinaufliefen. Himmel nochmal, das war ein Anblick, und wie unsere Kugeln hineinsetzten in die hüpfenden und springenden Reihen! Wie sie übereinanderpurzelten an den grünen Hängen! Und mit fliegenden Pulsen und jagendem Atem gings wieder hintendrein. Hinauf! Dort hinauf, wo sich jetzt die letzten Rothosen unserem Feuer zu entziehen suchen!“

So gelangte das Bataillon auf die Höhe dicht nördlich Bazien (374) der gegenüber der Feind den Ortsrand besetzt hält. Um die Mittagszeit ist auch der Ort genommen. Die französische Infanterie hatte schwerste Verluste erlitten. Zu Dutzenden lagen die offenbar gänzlich überraschten Rothosen zumeist tot, aber auch verwundet am Waldrande und der freien Fläche davor.

Die Lage, die sich im weiteren Verlauf für das Regiment ergab, war äußerst schwierig: Es musste sich über die breite und deckungslose von Punkt 334 nach Punkt 366 ziehende Hochfläche entwickeln, die unter sich mehr und mehr verstärkendem Artilleriefeuer aus der Waldzone südlich und südwestlich Menil lag. Dann kam noch schräges und flankierendes Maschinengewehrfeuer von der überragenden Höhe bei St. Barbe und mehrere Angriffe der französischen Infanterie aus dieser Richtung. Da das XXI. Korps rechts und die 1. Infanterie-Division links noch weit zurückhingen, konnte sich der Feind mit ganzer Kraft auf das vereinzelte Regiment werfen. Zu alldem war noch bis in den Nachmittag hinein der artilleristische Feuerschutz undzureichend. Zwar erschien schon kurz nach 10.30 Uhr die I./4. Feldartillerie-Regiment mit zwei Batterien auf der Höhe 374 und hat sich dort – dem Feinde weithin sichtbar – sehr tapfer gehalten. Wohl vermochte sie aus ihren Stellungen feindliche Kolonnen im Bellville-Grund westlich Menil zu fassen und ihnen starken Abbruch zu tun. Aber da, wo der Feind aus Südosten und Osten näher an die sich steil abdachenden Hänge ostwärts Bazien herangekommen war, konnten ihn unsere Kanonen mit ihrer flachen Flugbahn nicht erreichen.

Der Schwerpunkt der infanteristischen Kraftentfaltung des Gegners lag bei und nordostwärts Menil. Dorthin musste sich auch ganz natürlich der Angriff der Masse des Regiments richten. Das links des II. Bataillons eingesetzte I. Bataillon – die 3. Kompanie an der Spitze – nahm Richtung gegen die Höhe 366 und das kleine Wäldchen einige hundet Meter westlich davon.

III. Bataillon war im Walde nach links verschoben worden, und ging im wesentlichen ostwärts des Punktes 366 in Richtung Menil vor. Von der schon bald nach Beginn des Gefechts beschleunigt vorgezogenen Maschinengewehrkompanie waren zwei Züge dem II. Bataillon und ein Zug dem I. Bataillon unterstellt worden.

In diese Entwicklung hinein stieß der artilleristisch immer nachdrücklicher gestützte Feind. Er führte in dem bestreben, sich nach Nordwesten Bahn zu schaffen, son Südosten und Osten her etwa um 12 Uhr und 14 Uhr zwei große geschlossene Angriffe gegen die Front und linke Flanke des Regiments. Es waren Stunden schwerster Krise.

Den ersten Anprall hatte das I. Bataillon auszuhalten. Hier hatte 3. Kompanie unter der kraftvollen Führung ihres trotz baldiger Verwundung aus der Kampffront nicht weichenden Chefs – Hauptmann Schemmel – das Wäldchen westlich Punkt 366 genommen und auch auf Punkt 366 Punkt gefasst. Da kam der erste Stoß. Er wird mit Hilfe der rechts und links eingesetzten zum Teil auch eingeschobenen 1. und 4. Kompanie abgewehrt. Der gegnerische Angriff bricht zusammen. Die 2. Kompanie – im Rahmen des Bataillons ursprünglich rechts rückwärts gestaffelt – hatte sich dem Kommandeur des II. Bataillons für die Kämpfe um Bazien unterstellt, vermochte aber trotzdem sich aus einer sehr günstigen Flankenstellung an der Abwehr des gegen das I. Bataillons gerichteten Angriffs zu beteiligen. Das inzwischen vom II. Bataillon mit Bravour genommene Bazien lag unter dem sehr ergiebigen Feuer der französischen Artillerie. Die beabsichtigte Fortsetzung des Angriffes in Richtung Nossoncourt war aber bei dem inzwischen eingetretenen Munitionsmangel nicht möglich. So nahm das Bataillon vom frühen Nachmittag ab an der Abwehr der französischen Angriffe aus der Gegend nördlich und nordostwärts Menil in Stellungen am Südostrand von Bazien teil und schloss sich später dem allgemeinen Angiff auf Menil an.

Beim III. Bataillon waren kaum die 11. und 12. Kompanie im vorderen Treffen aus dem Wald ostwärts 366 herausgetreten, als sie auf nächster Entfernung mit dem eben aus dem Wald südostwärts vorgehenden Feind zusammenstießen. Der Angriff wurde im Gegenstoß abgewiesen, wobei es an einzelnen Stellen zum erbitterten Handgemenge kam.

Über diesen mit seltenem Schwung geführten Gegenstoß schreibt das amtliche Werk des Bayerischen Kriegsarchives über die Schlacht bei Lothringen (Seite 470):

Vor allem traf um die Mittagszeit ein starker französischer Vorstoß aus dem Bois de la Peche die linke Flanke des Regiments, in Sonderheit das III. Bataillon, das die 9., 11. und 12. Kompanie in freiem Gelände ostwärts Bazien im Feuer liegen und nur noch die 10. Kompanie am Südrand des Bois de Glonville verfügbar hatte. Es war dem Feind gelungen, von Bois de la Peche aus unbemerkt ein kleines Waldstück westlich davon, das hart in der linken Flanke des Battaillons lag, zu gewinnen. Schon treten die ersten Franzosen aus seinem Westrand heraus, um den tödlichen Stoß zu führen. Ein französisches Maschinengewehr beginnte bereits von der vollen Flanke her die Reihen abzukämmen. Aber das springen Schützenketten der 11. und 12. Kompanie kurz entschlossen empor und stürzen sich mit Hurra auf den kaum hundert Meter entfernten Feind. Die Franzosen sind ob solch plötzlichen Angriffs völlig verblüfft, gelähmt und von starrer Ratlosigkeit erfasst. Zum Teil rennen sie in das Wäldchen zurück, zum Teil werfen sie sich zu Boden, um sich tot zu stellen. Wer sich aber wehrt, wird niedergemacht. Bald ist das Wäldchen wieder völlig frei und fest in der Hand des 20. Infanterie-Regiments. Auf dem südwärts vorgelagerten Höhenrand scheint nun noch ein Zug der Maschinengewehrkompanie Stellung genommen und durch seine Garben eine Anzahl von geschlossenen feindlichen Abteilungen, die offenbar aus mehr südlicher Richtung vorrückten, zersprengt zu haben.

Auch die Abwehr des zweiten, größeren, aus der gleichen Richtung kommenden französischen Angriffes gelingt unseren schon stark gelichteten Zwanzigern. Eine hervorragende Tat, wenn man bedenkt, dass sie stundenlang im konzentrischen und flankierenden Artillerie- und Maschinengewehrfeuer des Gegners auf der kahlen zum Feind abfallenden Höhenfläche ohne nennenswerten Feuerschutz zu Boden gezwungen waren.

Mit dem Zurückwerfen dieses Angriffes aber ist die Krise überwunden. Der Franzose hat den Entschluss zu weiteren Vorstößen nicht mehr gefunden. Und nun kommt auch von allen Seiten Hilfe. Links zwar nicht das 16. Infanterie-Regiment, das längst sehnlichst an der Straße Baccarat – Menil erwartet, aber in heftigen Kämpfen bei Baccarat hängen geblieben war, sondern das III./3. Infanterie-Regiment, das General Schoch schon am Vormittag zu einer Umgehung durch den Wald von Glonville angesetzt hatte. Dieses Bataillon war in dem dichten Wald aus der Richtung gekommen und vorübergehend ebenfalls gegen Baccarat eingeschwenkt. Daher die große Verspätung. Am rechten Flügel des durch Verluste und Patronenknappheit fast völlig gelähmten Regiments griffen ab 16 Uhr die vordersten Teile der 4. Infanterie-Brigade ins Gefecht ein. Es gelang jetzt auch starke Artillerie, darunter leichte und schwere Haubitzen hinter der Infanterie in Stellung zu bringen. So kam der Angriff wieder in Fluss. Zur Rechten die Zwölfer, links das III./3. Infanterie-Regiment dringt das Regiment in Richtung Menil wieder vorwärts. Als erste bricht die 3. Kompanie 16.30 Uhr in die Gebüsche am Nordhang der Höhe 390 ein. Das III. und ein Teil des II. Bataillons schließen sich dem I. Bataillon an. Bald ist die Höhe 390 dem nördlichn Menil anfangs noch haltend, dann aber rasch abbröckelnden Feind entrissen. Die Artillerie der Division aber fügt dem durch Menil in die Waldungen südlich davon teils noch geordnet zurückgehenden, teils aber auch schon flüchtenden Feind noch empfindliche Verluste zu. Das in Brand geschossene Menil wurde dann bei Einbruch der Dunkelheit von dem durch seinen Regimentskommandeur, unseren erlauchten Regiments-Inhaber, Oberst Prinz Franz (Maria Luitpold von Bayern), noch vorgeworfenen 2. Infanterie-Regiment genommen und für die Nacht besetzt. Unser Regiment sammelte in der Gegend nördlich und nordwestlich Menil, ordnete, soweit es ging, die Verbände und biwakierte.

Leise hatten allmählich die Schleier der Nacht und ein sanfter Regen das Gefechtsfeld umhüllt, das massenhaft mit Toten und Verwundeten bedeckt war und im Schein der ringsum brennenden Dörfer einen schauerlich düsteren Anblick bit (Amtliches Werk des Bayerischen Kriegsarchivs, Seite 477).

Wohl hatte das Regiment schmerzliche Verluste erlitten: 18 Offiziere und 632 Mann bedeckten tot oder verwundet das Gefechtsfeld. Als einer der ersten war Oberleutnant August Leichtle, der schon 3 Jahre in Südwestafrika gegen die Hereros mit Bravour gekämpft hatte – in rücksichtslosem Draufgängertum und Tollkühnheit allen ein Vorbild – von einem feindlichen Maschinengewehr hinweggefegt worden. Ihm folgten vier der jüngsten unserer Offiziere: Die Leutnante Mayer Konrad, Vogel Wilhelm, Krafft Alfred und Mayerhöfer Alfred in den Tot. Jeder ein Held. Gleichen Blutzoll zahlte das Reserveoffizierskorps des Regiments. Die Leutnante der Reserve Donderer Johann, Wehrsig Martin, Heimpel Armin und Neuter Friedrich verbluteten vor Bazien.

Unter den Verwundeten des tages war der umsichtige Kommandeur des III. Bataillons, Major Steichele, Hauptmann Schemmel, der schon im China-Feldzug hervorgetretene Hauptmann Giehrl und der Chef der Maschinengewehrkompanie, Hauptmann Pitrof

Weitaus am stärksten geblutet hatte die 3. Kompanie. Sie hatte allein drei Offiziere und 101 Unteroffiziere und Mannschaften verloren. Keine Kompanie des Regiments hat seitdem auch nur annährend das gleiche Opfer gebracht.

Unser Regiment hat am 25.08. – die Last des Tages lange ganz allein tragend – einen großen Erfolg errungen. Starke Teile des XXI. französischen Korps und noch mehrere Bataillone der 44. Division sind von ihm angezogen, siegreich abgewehrt und zu einem Teil noch geworfen worden. Der Eindurck auf den Feind war niederschmetternd. Ein gebildeter Franzose hatte am Nachmittag kurz vor seiner tödlichen Verwundung in sein Tagebuch geschrieben: Armes Frankreich, Deine Vernichtung zeigt sich an.

Dass die Franzosen das Ziel, das ihnen ihr Oberbefehlshaber, General Dubail gesteckt hatte, nicht erreichte, ist vornehmlich dem Heldenmut unserer Zwanziger zu danken. Die Blüte des Regiments ist nicht umsonst geopfert worden. Der 25.08.1914 ist ein Ehrentag des 20. Infanterie-Regiments“

Offiziell ist für Josef Lembeck keine Grablage bekannt. Ich vermute jedoch sehr stark, dass er anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof Bertrimoutier beigesetzt wurde, wo auch seine Regimentskameraden beerdigt wurden, die beim gleichen Gefecht fielen, u. a. 

  • Infanterist Johann Bergschneider, gefallen am 25.08.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof Bertrimoutier in Block 1, Grab 299;
  • Infanterist Ludwig Alletsee, gefallen am 28.08.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof Bertrimoutier in einem Massengrab;
  • Oberleutnant August Leichtle, gefallen am 25.08.1914 bei Bazien, begraben auf dem Soldatenfriedhof Bertrimoutier in einem Massengrab;
  • Infanterist Ignaz Alletsee, gefallen am 25.08.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof Bertrimoutier in einem Massengrab.

 

Seine Heimatgemeinde Aitrang gedenkt Josef Lembeck noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/dkm_deutschland/aitrang_wk1u2_bay.htm

 

Sterbebild von Josef Lembeck
Rückseite des Sterbebildes von Josef Lembeck